Koan

Nichtstun im Tun

Tun im Nichtstun

(M.K.)

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Ein Koan ist ein Paradoxon – eine scheinbar unsinnige Behauptung –  die zum Nachdenken anregen soll. Koans können nie verstandesmäßig gelöst, sondern nur durch ein “Eintauchen” erfahren werden. Etwas, was mit dem Verstand unlösbar ist. Dies wird meist in Zen-Meditations-Übungen praktiziert. Der Zen-Meister stellt eine Frage, die unlösbar erscheint. Ein Koan ist also ein Zen-Rätsel. Es erfordert absolutes Loslassen von herkömmlichen Denkmustern. Erst mit einem „hineinversenken in die Tiefe des Koans“ geschieht der Durchbruch und man weiß die Lösung einfach.

Die Welt steht still und ich mit ihr

Die Welt steht still.

Ich stehe still und schließe die Augen.

Konzentriere mich auf das Hören.

Und höre – nichts …

Welche Wohltat.

Kindheitserinnerungen. Ich sitze im Garten im hohen Gras der Wiese. Die Blumen rings um mich duften und ich höre die Bienen summen. Sonst nichts. In unserer Straße gibt es noch keine Autos.

Und jetzt – jetzt sehe ich zwar die Autos auf der Straße und in den Carports stehen. Jedoch sie fahren nicht.

Alles ist still.

Jenseits der Stadtgrenze sehe ich den Ötscher. Jeden Tag, wenn ich mit meinem Hund zu den Seen gehe, habe ich ihn im Blickfeld. Heute ist er mit Schnee bedeckt. Mein Blick hält sich an ihm an. Er ist mein Halt. Sein Gestein ist aus der Zeit der Trias, der ältesten Zeit des Mesozoikums. Sie erstreckt sich über den Zeitraum vom etwa 251,9 bis 201,2 Millionen Jahre. Da kann man sich schon anhalten. Einerseits. Andererseits relativiert es den Zeitbegriff und unsere menschliche Wichtigkeit. Was sind da schon unsere Menschenjahre. Noch einmal andererseits – haben Menschen es in den letzten 100 Jahren locker geschafft, die Natur zu Grunde zu richten. Oder ist die Natur – nicht zu vergessen, dass wir ein Teil dieser Natur sind – gerade dabei, uns zu Grunde zu richten?

Alle Grenzbalken und –mauern, ja selbst ein „Eiserner Vorhang“ zwischen den Ländern wird das Virus nicht aufhalten. Es zeigt uns die Grenzen des Menschenmöglichen.

Immer wieder wird in dieser Zeit Friedrich Hölderin, der große Europäer, zitiert:

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Ist das so?

Ist es nicht auch so, dass Menschen erst in Gefahr und Not sein müssen, um wieder zu Besinnung zu kommen. Zur Besinnung auf die Werte der Menschlichkeit. Auf Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung statt Konkurrenz.

Ich gehe durch die stillen Straßen und um die Seen. Und die Menschen, denen ich begegne, sehen nicht weg. Wir sehen uns an und grüßen uns. Macht es das Verbot uns berühren zu dürfen möglich, uns in die Augen zu schauen? Uns zu sehen und uns zuzunicken?

Und ich erinnere mich wieder an meine Kindheit. Als jedes mal, wenn auf der Straße jemand vorbei ging, ich mit Freude zum Gartenzaun lief und hinaus rief „Grüß Gott!“. Und die Menschen sagten „Was für ein freundliches Kind sie haben …“ Obwohl es damals noch üblich war, dass auch fremde Menschen sich auf der Straße grüßten.

Ich merke, etwas verändert sich. Die Menschen verändern sich. Ich lese Berichte von Menschen über ihren Alltag. Diese Berichte, die ich schon immer interessanter fand als alles andere, interessieren mich jetzt noch mehr. Auf jeden Fall sind sie berührender als die neuesten Corona-Statistiken. Sie berühren mich / sie berühren jeden von uns / nehme ich mal an. Auf jeden Fall findet Berührung statt, – in Zeiten, in denen wir uns körperlich nicht berühren dürfen / sollen.

Ich empfinde Mitgefühl mit all den leidenden Mensch in allen Ländern / mit den Verstorbenen und den Sterbenden. Gerade auch das Leid in Italien berührt mich sehr. Wie sehr ich dieses Land doch liebe.

Wird sich jetzt, auf Grund dieser Katastrophe, etwas verändern?

Werden wir verstehen?

Oder brauchen wir noch die nächste Katastrophe – die Klimakatastrophe, – um aufzuwachen, aus der Unmäßigkeit / der Überheblichkeit / der Maßlosigkeit in allem Tun?

Werden wir verstehen, oder kommt es ganz schlimm – dass nachher – alles weitergeht wie bisher …

Am tiefblauen Himmel gibt es keine Kondensstreifen.

Das Wasser des Sees plätschert ans Ufer.

Enten schnattern leise …

Die Welt steht still.

Mut und Zuversicht für alle

Veränderung / Wenn die Wirtschaft still steht / Vom Haben zum Sein / Corona

Veränderung

Ich habe zwei Mal in meinem Leben ein behagliches und gesichertes Leben verlassen, und mich damit einer Ungewissheit ausgesetzt. Ich wusste – so kann / so will ich nicht mehr leben. Doch – wie ich leben wollte, wusste ich noch nicht.

„Was konnte, was sollte man mit all der Zeit anfangen, die nun vor uns lag, offen und ungeformt, federleicht in ihrer Freiheit und bleischwer in ihrer Ungewissheit?“

(Pascal Mercier)

Ja, ich wusste nicht, was ich plötzlich mit all dieser Freiheit anfangen sollte. Wie ich meinen Tag gestalten sollte. Frei ohne Zwänge von außen, die mir vorgaben wie ich zu leben hatte.

Und doch – zwischendurch fühlte ich das Lüftchen der Freiheit um meine Nase wehen.

Ja, die Ungewissheit lastete bleischwer auf mir, weil ich nicht wusste, wie ich meinen Lebensunterhalt bestreiten sollte. Ob ich jemals wieder Geld verdienen würde, um gut leben zu können.

Und doch – zwischendurch fühlte ich das Lüftchen der Freiheit um meine Nase wehen.

Macht es einen Unterschied aus, ob diese Veränderung nun freiwillig initiiert geschieht oder von Außen geschaffen wird? Ich weiß es nicht.

Von der bleischweren Ungewissheit her gibt es, denke ich, keinen Unterschied. Und ich hoffe – ich wünsche es mir sehr – dass so manche / nein, viele Menschen / doch zwischendurch das Lüftchen der Freiheit schnuppern.

Wenn die Wirtschaft still steht

Wenn das Glück der Menschen im Kaufen und Haben liegt, dann muss es „der Wirtschaft“ gut gehen. „Geht es der Wirtschaft gut, dann geht es den Menschen gut“ – plärrt / brüllt / donnert / es aus allen Medien. Immer wieder.

Eine magische Formel, die immer wieder wiederholt werden muss, damit es alle für wahr halten.

Nein, so ist es nicht.

Schon lange ist es so, dass es „der Wirtschaft“ gut gehen muss – damit es „der Wirtschaft“ gut geht. Denn „die Wirtschaft“ verschlingt mittlerweile ihre Söhne und Töchter, weil sie immer mehr will – für sich. Die Wirtschaft als Nimmersatt. Immer mehr / immer größer / immer mehr Geld und Besitz – für einige wenige / sehr wenige Söhne und Töchter.

Die Frage der Mehrheit der Söhne und Töchter sollte nun sein:

Was braucht es zu einem guten Leben?

Vielleicht relativiert sich die Sicht gerade etwas – mehr Freiheit / mehr Zeit für gute Beziehungen / mehr Zeit um sich um gute Ernährungsmöglichkeiten zu kümmern / mehr Zeit um ein gutes Buch zu lesen / mehr Zeit ….

Falls die Existenz gesichert ist, kann man sich diese Fragen stellen.

Ansonsten stellen sich existenzielle Fragen.

Was braucht es zu einem guten Leben?

Grundlegend ist daher eine Existenzsicherung, von der alles andere abhängt.

„Das Bedingungslose Grundeinkommen ist eine bedingungslose, finanzielle Zuwendung, die jedem Mitglied der Gesellschaft in existenzsichernder Höhe, ohne Rücksicht auf sonstige Einkommen, auf Arbeit oder Lebensweise als Rechtsanspruch zusteht und eine Krankenversicherung inkludiert.“ *)

Existenzsichernd laut BGE bedeutet, die zur Verfügung gestellte Summe soll ein bescheidenes, aber dem Standard der  Gesellschaft entsprechendes Leben, die Teilhabe an allem, was in dieser Gesellschaft zu einem normalen Leben gehört, ermöglichen.

Ich empfinde tiefes Mitgefühl mit den Menschen, die jetzt ihre Existenz verlieren. Hätte ich jetzt noch meine Mietwohnung und meine (leere) Praxis, und würde die Situation länger als zwei Monate dauern, müsste ich alles aufgeben. Trotzdem weiß ich, dass ich keine Ängste hätte, weil ich die Situation bereits kenne. Und weil ich weiß – aus Erfahrung weiß – dass es immer weiter geht / „anders“ weiter geht. Weil ich einen Kopf habe zum Denken und zwei Hände zu arbeiten – weil ich Mut habe.

Und diesen Mut und auch Zuversicht – die vielleicht zeitweise immer mal verschwinden wird, aber auch immer wieder auftaucht – wünsche ich allen, die jetzt in dieser Situation sind.

Kaufen als Zeitvertreib

Ich empfinde kein Mitgefühl mit den Menschen, die sich nicht mehr das neuerste Smartphone, den größten Fernseher, den stärksten SUV, die angesagtesten Klamotten, die nächste Kreuzfahrt etc. leisten können.

Ich empfinde kein Mitgefühl mit den Menschen, deren Zeitvertreib es ist, täglich durch die Einkaufszentren – die „Tempel des Konsums und der Wirtschaft“ zu schlendern, um zu konsumieren und zu kaufen, zu kaufen, zu kaufen, zu kaufen …

Was ich mir wünsche

Für alle Menschen wünsche ich mir das Grundeinkommen, damit sie sich, weil ihre Existenz gesichert ist, in Ruhe entscheiden können, was sie machen möchten. Und keine Angst haben müssen, wenn etwas nicht klappt.

Und – keine Angst, es gibt nur sehr wenige Menschen, die nichts tun wollen. Diejenigen tun das jetzt auch schon. Das hält unsere Gesellschaft aus. Und wenn es sie glücklich macht oder sie nicht anders können, haben sie ein Recht darauf, nichts zu tun. Die Mehrheit der Menschen jedoch möchte etwas tun.

Vom Haben zum Sein

Eine Möglichkeit die sich auftut.

Jetzt.

Vom Haben zum Sein – entlehnt aus dem Buchtitel Erich Fromms: „Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“.

1976 ist dieses Buch erschienen, seit 1990 steht es in meinem Bücherregal. In diesem Buch steht eigentlich alles was notwendig ist, um ein gutes Leben zu führen – seit 1976! Und auf vieles davon wurde bereits ein Jahrhundert früher hingewiesen, wenn ich z.B. an Henry David Thoreau und Ralph Waldo Emerson denke.

Ich möchte hier nur auf einige wenige Punkte hinweisen, die, wie Fromm es formuliert, notwendig für den „neuen Menschen“ seien:

  • die Bereitschaft, alle Formen des Habens aufzugeben, um ganz zu sein
  • Sicherheit, Identitätserleben und Selbstvertrauen, basierend auf dem Glauben an das was man ist, statt des Verlangens zu haben, zu besitzen und die Welt zu beherrschen
  • Freude aus dem Geben und Teilen, nicht aus dem Horten und der Ausbeutung anderer schöpfen
  • sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören, und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren

Ich habe jetzt nur diese vier Punkte aus den zwei Seiten an Notwendigkeiten des Seins angeführt. Es ist lesenswert. Noch immer und immer wieder.

Um noch einmal auf das Thema Wirtschaft einzugehen, schreibt Fromm: „Der erste entscheidende Schritt auf dieses Ziel hin (eine gesunde Wirtschaft) ist die Ausrichtung der Produktion auf einen „gesunden und vernünftigen Konsum“

Und weiter:

„Gesunder und vernünftiger Konsum ist nur möglich, wenn wir das Recht der Aktionäre und Konzernleitungen, über ihre Produktion ausschließlich vom Standpunkt des Profits und Wachstums zu entscheiden, drastisch einschränken.“

Das alles wissen wir.

Wird es uns möglich sein, dies zu ändern?

Jetzt.

Wird es der Wille der Politik sein, dies zu ändern?

Jetzt.

Wir können jetzt sehen, was alles möglich ist, wenn die Politik will / muss.   

Corona

Nun als Abschluss doch noch einige wenige Worte zu Corona. Der Worte gibt es ja täglich / stündlich viele, jetzt in diesen schwierigen Tagen.

Über 13.000 Tote gibt es weltweit – höre ich heute in den Nachrichten.

Ich denke an den Klimawandel, die Umweltkatastrophen, die es weltweit geben wird / bereits gibt; Inseln, die im Meer verschwinden, etc. etc.

Und ich denke an die Millionen von Menschen, die ihre Lebensgrundlage verlieren und sterben werden.

Der Klimawandel steht vor der Tür und hat mit den zunehmenden Klimakatastrophen bereits einen Fuß in der Tür. Es wurde bis jetzt nichts unternommen.

Nun ist Corona zur Tür hereingekommen – und es wird reagiert. Und das ist gut so. Denn jeder tote Mensch ist einer zu viel.

Wir leben in einer Burnout-Situation der Welt. Nicht nur den Menschen ist alles zu viel, auch der Natur – sind wir doch ein Teil der Natur. Das wird vielfach vergessen.

Wir Menschen sind ein Teil der Natur.

Die magische Formel sollte lauten: Geht es der Natur gut, geht es den Menschen gut.

Wir muten uns zu viel zu / veraltete Strukturen / Überreizung der Systeme – viele Menschen sind nur mehr gereizt / wir vergiften uns selbst und unsere Umwelt / Kraftlosigkeit und Erschöpfung breitet sich aus …

Muss erst wieder die Katastrophe – der Kollaps – bei der Tür herinnen sein, bevor reagiert wird?

Ich befürchte, dass es dann zu spät sein könnte.

Deshalb hoffe ich auf einen Wandel / eine Veränderung der Menschen und vor allem auch der Politik.

Mut und Zuversicht für alle

Infos:

*) Das Bedingungslose Grundeinkommen ist

> allgemein: alle BürgerInnen, alle BewohnerInnen des betreffenden Landes müssen tatsächlich in den Genuss dieser Leistung kommen;

> existenzsichernd: die zur Verfügung gestellte Summe soll ein bescheidenes, aber dem Standard der  Gesellschaft entsprechendes Leben, die Teilhabe an allem, was in dieser Gesellschaft zu einem normalen Leben gehört, ermöglichen;

> personenbezogen: jede Frau, jeder Mann, jedes Kind hat ein Recht auf Grundeinkommen. Nur so können Kontrollen im persönlichen Bereich vermieden werden und die Freiheit persönlicher Entscheidungen gewahrt bleiben;

> bedingungslos soll das von uns geforderte Grundeinkommen deshalb sein, weil wir in einem Grundeinkommen ein BürgerInnenrecht sehen, das nicht von Bedingungen (Arbeitszwang Verpflichtung zu gemeinnütziger Tätigkeit geschlechter-rollenkonformes Verhalten etc) abhängig gemacht werden kann.

das bedeutet:
> Arbeits-unabhängig: mit Grundeinkommen ist weder eine Kontrolle unbezahlter Arbeit, noch eine Verpflichtung zur Erwerbsarbeit verbunden. Die ethische Verpflichtung zu sinnvoller Tätigkeit ist damit nicht aufgehoben, gleichzeitig soll deutlich werden, dass Arbeit nicht einfach mit Erwerbstätigkeit gleichgesetzt werden kann;
> ohne Armutsfalle: Leistung drückt sich keineswegs nur in Geldeinkommen aus. Trotzdem soll Grundeinkommen so gestaltet sein, dass jedes zusätzliche Einkommen das verfügbare Einkommen erhöht;
> demokratisch: die Inanspruchnahme von Grundeinkommen darf nicht diskriminierend sein, deshalb >> müssen es alle Mitglieder der Gesellschaft bekommen.  

http://www.grundeinkommen.at/basicincome/index.php/grundeinkommen

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Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft

Erich Fromm: Die Kunst des Liebens

Über das Geschichten erzählen und meine Katze

„Eine Katze vermittelt einem, wenn man sie anschaut, ein Gefühl wie beim Denken eines schönen Gedankens“ (Ernst Pentzoldt)

Heute poste ich eine Erzählung von der von mir sehr geschätzten Cambra Skadé. Der Titel ist:

Geschichten als Geschenke, Bilder, Antworten

In dieser Erzählung schreibt sie über das Geschichten erzählen – das „wortzaubern“ / die Erzählkunst – das Storytelling / und über ihre Katze.

Nun – ich bin auch eine Geschichtenerzählerin und erzähle viel und gerne. Ich liebe meine Katze und habe einen Tag bevor Cambra Skadé ihre Geschichte veröffentlicht hat, wieder einmal – was ich fast jeden Abend mache – sehr lange meine Katze beobachtet und sie auch fotografiert.

Hier der Link zu ihrer aktuellen weisen und magischen Erzählung – so wie all ihre Erzählungen/ Collagen / Zeichnungen lesens- und anschauenswert sind!

„Als bayrische Künstlerin und Alltagsforscherin erkunde ich Kunst als Fachsprache des Schamanischen, male, tanze, reise, erfinde mich manchmal neu, besuche gerne alte Feuer, um Lebenslandkarten und Geschichten zu teilen. Dann entstehen verrückte Mythenpoesien und manchmal was Alltagstaugliches.“ schreibt sie …

https://cambraskade.wordpress.com/2020/02/29/elsa-blumen/