Ich wünsche Dir zur Weihnachtszeit …

Zwei Menschen sehen sich an

Ich wünsche Dir stille Momente.

Unendliche Ruhe.

Unendliche Zeit.

Stell Dir vor – Du hast unendlich Zeit und es gibt nichts zu tun.

 

Du setzt Dich mit Deinem*r Liebsten hin.

Gegenüber – mit einem Meter Abstand.

Ihr schließt die Augen und atmet tief ein und aus.

Eine Minute lang.

Dann öffnet Ihr die Augen und schaut Euch an.

Vollkommene Stille.

Vielleicht entsteht das Bedürfnis mit den Augen auszuweichen.

Vielleicht entsteht das Bedürfnis Euch zuzuzwinkern.

Du bleibst beim Schauen.

Vollkommene Stille

Atme

 

Vollkommene Stille entsteht

Ihr schaut euch an

Vielleicht entstehen Gefühle

Registriere sie in Deinem Inneren

Akzeptiere sie

Bleib ruhig sitzen

Vielleicht fließen Tränen

Lass sie fließen

Atme

 

Spüre Dein Herz

Spüre Deinen Körper – von den Fußsohlen bis zum Kopf

Spüre Deinen Atem

Lass ihn fließen

Ein und aus – er kommt und geht ganz von allein

Raum für Körper, Geist und Seele 

 

Ich wünsche Euch diese intimsten Momente des einander Sehens

Des einander Wahrnehmes

Mit Herz und Seele

 

Durch vollkommene Stille in die Seele schauen

Das wünsche ich Dir zur Weihnachtszeit …

 

Solltest Du mit Dir allein sein, kannst Du das auch vor einem Spiegel machen

Durch vollkommene Stille Dich selbst wahrnehmen

Durch vollkommene Stille in Deine Seele schauen

 

Wie lange Du diese Übung des Sehens mit dem Herzen machst, bleibt Dir überlassen

Vielleicht beginnst Du mit zehn Minuten …

 

Und dann – feiert das Leben

Liebt Euch

Feiert ein Fest

Lasst es euch gut gehen

Esst / singt / tanzt

Und seid fröhlich …

 

Das wünsche ich Euch zur Weihnacht …

 

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ein haus für mich allein

Damals, 1988, war ich es bereits gewohnt, mich allein oder mit meinem Lebenspartner für längere Zeit aus dem Alltag zurückzuziehen, um wichtige Lebensfragen zu klären.

Aus dem Alltag mit den gewohnten Abläufen und Ablenkungen auszusteigen – um dieser einen Frage die nötige Achtsamkeit zu geben und zu einer Klarheit zu kommen.

Zur Zeit der Entstehung dieses Gedichtes hatte ich mich allein in dieses abgeschiedene Haus zurückgezogen.

 

nur ich und das haus

am ende des weges

duckt es sich

schmiegt sich ein

in die felder

an der rückseite

der wald

der brunnen

vor dem haus

eine küche

zwei zimmer

halbdunkel

der dämmerung

rot lodert das feuer im ofen

im ofenschiff

beginnt

das wasser zu singen

 

erinnerung

das warme zimmer

draußen dunkelheit und stille

drinnen ich

kind

beschützt und warm

rot lodert das feuer im ofen

großmutters leiser singsang

damals

als alles noch gut war

damals

 

stille hüllt mich ein

die dämonen

erwachen

heben die köpfe

brüllen

laut und lauter

verlagern die ängste

die bedrohung

nach außen

fürchte dich nicht

 

stille hüllt mich ein

dämonen

bezwingen

masken

herunterreißen

dahinter

ist

nichts

nichts

fürchte dich nicht

 

stille hüllt mich ein

jede bewegung von mir

ein geräusch

kein fernseher

kein radio

kein kühlschrank

ich höre

nur

mich

 

nur ich und das haus

und manchmal

ein lauschen

nach draußen

 

nur ich und das haus

(M.K., 1988)

Was ist Glück?

DSC02045

Mein Sohn ruft durch meine offene Haustür ins Haus „Kommst du?“

Ich stehe auf und setze mich zu ihm vors Haus auf die Gartenstühle. Wir schauen in den Abendhimmel und auf den Hund und die drei Katzen, die sich auf ihren Lieblingsplätzen auf der Wiese und der Bank zusammengerollt haben.

Still ist es auf der Straße und in den Gärten. Wir plaudern immer wieder – ein paar Worte nur, zwischendurch Schweigen. Im Nachbarhaus gehen die Lichter an.

Nach einer Weile steht mein Sohn auf. „Schlaf gut“ – sagt er. Er geht die zehn Schritte bis zu seiner Haustür. Hund und Katzen schauen auf, erheben sich und strecken sich und gehen ihm nach – langsam. Er wartet an der Tür bis alle drinnen sind und schließt ab.

Ich drehe mich um, schaue nochmals in den sich verdunkelnden Garten, atme die kühle Nachtluft ein und schließe meine Tür. Gute Nacht.

Das ist Glück!

Wenn die unzählbaren Tage Vergangenheit und die zählbaren Tage Zukunft sind, wird jeder Tag zu einem kostbaren Tag

001

Vieles gibt es zu akzeptieren mit dem Altwerden

Jeden Tag aufs Neue

Kein Hadern mehr – hätte ich doch …

Akzeptieren von dem was war

Akzeptieren von dem was ist

Ursache und Wirkung

Das ist das Leben

 

Den Blick nicht mehr auf die Zukunft ausrichten

Den Blick auf den Tag richten

Täglich

Die Zeit, die weniger wird

Täglich

 

Ich kann gehen / ich kann Rad fahren

Ich kann schwimmen im See

Ich kann mich bewegen ohne Schmerzen

Ich kann lieben – immer mehr

Ich bin zornig – immer weniger

Ich lerne Demut

Ich kann den Tag leben /erleben so wie ich das möchte

Ich lebe

Täglich

 

Das Leben genießen

Die Sonne / die Hitze

Den Regen / den Sturm

Mich in die Sonne legen

Mich in den Sturm stellen

Spüren mit allen Sinnen

 

Das Innerste nach Außen kehren

Das Äußerste nach Innen

 

Samtiges Seewasser auf der Haut

Ein Fisch springt aus dem Wasser

Eine Ente schüttelt das Seewasser

Von ihrem schimmernden Federkleid

Wassertropfen auf der Haut

Die im Sonnenlicht glitzern

 

Blauäugige Träumerin

Die glaubte

Früher einmal

Dass es immer so weitergeht

Gedanken der unzählbaren Zeit

Blauäugige Träumerin

Die glaubte

Früher einmal

Dass es reicht

Zu wünschen

Und übersah

Dass der Boden bereitet werden muss

Für die Wünsche / die Träume

Die richtige Lage

Die passende Erde

Sonne oder Schatten

Für die Pflanze Traum

Dass sie mit Vorsicht und Umsicht

Eingepflanzt

Gehegt und gepflegt

Bewässert und gestützt

Werden muss

Um zu wachsen

Träumen alleine reicht nicht

 

Ausgeträumt

So manchen Traum vom Altsein

 

Doch kein Hadern mehr – hätte ich doch …

Akzeptieren von dem was war

Akzeptieren von dem was ist

Ursache und Wirkung

Ankommen im Altsein

Täglich

 

Text und Zeichnung: M.K., 15 08 2018

 

 

Die Reise aus der Unendlichkeit in die Endlichkeit des Leben

003

Mit 40 Jahren begann ich mich mit dem Älterwerden zu beschäftigen. Der Tod war noch graue Theorie – obwohl ich bereits 8 Jahre zuvor an einer buddhistischen Begräbniszeremonie, der Verbrennung eines Menschen am Meeresufer in Sri Lanka, teilgenommen hatte. In der intensiven Meditationsschulung in einem buddhistischen Kloster war eine unserer Aufgaben, nicht nur über den eigenen Tod, sondern auch über den Tod der liebsten Angehörigen zu meditieren. Ich kann mich noch sehr gut an den Schrecken erinnern, der immer wieder in mir auftauchte. Der Tod an und für sich erschreckte mich nicht, aber das abgrundtiefe Gefühl des Verlustes und der Trauer. Doch wäre ich nicht so in die Tiefe gegangen, wäre ich am Ende dieses Prozesses nicht zur Akzeptanz gelangt.

Die Akzeptanz von Tod und Sterben macht frei von Angst.

Die Akzeptanz von Tod und Sterben macht nicht frei von den Gefühlen des Verlustes und der Trauer. Diese Gefühle sind beim Erleben des Todes nach wie vor da. Und das ist gut so. Alle Gefühle sind gut, keines ist schlecht. Doch die Gefühle sind nicht mehr scheinbar abgrundtief. Sie sind willkommen. Die Abgrundtiefe entstand aus der Angst vor diesen Gefühlen. Somit befreite die Akzeptanz von dieser Angst.

„Traurigkeit ist sehr tief.
Nimm sie an. Genieße sie.
Spüre sie ohne Zurückweisung“ *)

Die Sache mit dem Älterwerden war wieder eine andere Erfahrung – darüber haben ich in meinem Blog-Beitrag „Wie sich die 50-jährige das Alter vorstellte und die 67-jährige es erlebt“ geschrieben.
(https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/)

Aber damit ist die Erfahrungsgeschichte natürlich noch nicht zu Ende.
Zu Ende wird sie erst sein mit meinem Ende – dem Tod.
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon.
Bis dahin geht es weiter und weiter. Jetzt – mit dem Altsein.

Und mit meinen 68 Jahren sage ich – „ja, ich bin alt“.

Nein, ich bin nicht am Älterwerden und schon gar nicht am „eh’ noch jung sein“. Nein, ich bin alt. Und mit diesem Gefühl des Altseins, kommt die innerste Erfahrung und Gewissheit der Endlichkeit. Nicht ein Erschrecken, sondern ein – einmal tief durchatmen – wenn das Gefühl der Endlichkeit in mir spürbar wird. Sie begleitet mich von nun an.

Ich bin sehr dankbar für das Gefühl der Unendlichkeit in meinen früheren Jahren in allen Lebensbereichen – sonst hätte ich vieles nicht so angstfrei und unbekümmert gemacht, wie ich es gemacht, gelebt und erlebt habe.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich jetzt mit meinem Gefühl der Endlichkeit in mir, noch immer neugierig auf die Welt und Welt erleben bin. Jedoch anders als früher.

„Ich freue mich auf den Frühling. Ich genieße die wechselnden Jahreszeiten jetzt viel mehr, könnte es doch immer die Letzte sein“ sagte ich zu meinem jüngeren Gegenüber.
Ein erschrecken und ein aufmuntern wollen war die Antwort.
„Aber nein – ich bin nicht traurig und auch nicht krank. Aber ja, es geht mir gut! Es geht mir sehr gut!“
Ich merkte, dass die Endlichkeit meinem Gegenüber zwar bewusst ist, aber nicht gespürt wird. Noch nicht, und das ist gut so.

Der Tod begleitet mich. Er steht hinter mir und manchmal flüstert er mir über die Schulter etwas zu. Er weiß, er ist akzeptiert. Er weiß es, und deshalb meldet er sich immer wieder zu Wort. Und seine Worte sind gut – weise und hilfreich. Wenn er in naher Zukunft an meiner Seite gehen wird, werden wir befreundet sein. Doch Freundschaft braucht seine Zeit um zu wachsen und sich bedingungslos gut zu sein.

*)
„Traurigkeit hat eine Melodie – Traurigkeit ist sehr tief.
Nimm sie an. Genieße sie. Spüre sie ohne Zurückweisung,
und du wirst sehen, dass sie dir viele Geschenke macht,
die Glück dir nie geben kann.“
(Osho)

Die Vergangenheitssteine und die Wegsteine

Steinmauer

In den letzten vier Jahren ist alles zusammengebrochen. Kein Stein blieb auf dem anderen. Auch mein Elfenbeinturm, in den ich mich einige Jahre vor dem Zusammenbruch verschanzt hatte, brach zusammen. Übrig blieb ein Trümmerhaufen. Ein Steinhaufen.

Zum Steinerweichen jammerte und klagte ich. Ich saß auf diesem Steinhaufen und konnte mich nicht rühren. Manchmal nahm ich einen Stein in die Hand, und sofort begann er mir seine Geschichte zu erzählen. Doch ich war noch nicht bereit. Ich legte ihn wieder sorgsam hin. Manchmal. Manchmal warf ich ihn auch hin, weil er mich zornig machte.

Eine große Trauer, großer Schmerz und Zorn war in mir. Wieder. Ich dachte, das hätte ich doch schon erledigt. Und auch das machte mich zornig. Verzweifelt.

Doch mit der Zeit spürte ich, dass all diese Gefühle nicht mehr so abgrundtief waren, wie vor langer, langer Zeit, als ich dachte, daran zu sterben, wenn ich mich ganz und bis auf den tiefsten Grund dieser Gefühle einlasse. Nein, jetzt war es anders.

Und erstaunlicherweise gab mir der Steinhaufen, auf dem ich saß, Sicherheit. Ich spürte die Kraft der Steine. Und ich begann zu begreifen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ich griff nach verschiedenen Steinen und begriff gleichzeitig. Jeder Stein war ein Puzzlestück aus meiner Vergangenheit und hatte seine eigene Geschichte und seine eigene Qualität.

Es gibt die Vergangenheitssteine mit all den alten Geschichten meiner Vergangenheit. Und ich begann damit am Rande meines Gartens eine halbkreisförmige Vergangenheitsmauer zu bauen. Eine Mauer, die gleichzeitig Schutz für die Pflanzen, Blumen, Sträucher und Bäume ist. Die Sonne bescheint diese Mauer und jeder Stein strahlt seine Wärme aus in den Garten. Auch auf meinen Sitzplatz, geborgen und beschützt durch die Vergangenheitsmauer.

Dann gibt es noch die Wegsteine. Sorgfalt, Ruhe und Achtsamkeit war notwendig, um die Steine zu sortieren. Was ist ein Vergangenheitsstein und was ist ein Wegstein.

Die Wegsteine beinhalten all die Erfahrungen und das Wissen, das ich mir auf meinem

Lebensweg erworben habe. Erfahrung und Wissen, das mir heute sehr nützlich ist und mich weiter begleitet auf meinem Weg. Und ich begann einen Weg auszulegen in meinem Garten. Es ist ein breiter Weg. Die Steine sind abgeschliffen. Sie lassen sich fugenlos aneinander reihen, so dass ich den Weg auch nachts gehen kann, ohne zu stolpern.

Dieser Weg führt auch hinaus aus meinem Garten. Und ich merke, dass es noch nicht genug wegsame Steine gibt. Manchmal wird der Weg auch etwas unwegsam. Es gibt die Gefahr zu stolpern. Doch ich stürme nicht mehr so dahin wie in meinen früheren Jahren – über Stock und Stein. Ruhe und Achtsamkeit ist jetzt gefordert in unwegsamem Gelände. Ich bin noch nicht fertig mit Erfahrungen sammeln.

Eine Weihnachtsgeschichte

Eisblumen

Als ich mich um 6 h morgens vor der Terrassentür mit Blick in den Garten hinsetze zu meiner Meditation ist es noch dunkel. Gerade mal den nahesten Baum, den Nussbaum, sehe ich.

Als ich meine Augen schließe, bin ich 5 Jahre alt und spüre die Aufregung des Tages. Nur einen Wimpernschlag von der Kindheit entfernt.

Ich lege die Gedanken auf den Vergangenheitsstapel vor mir ab und kehre zur Beobachtung meines Atems zurück. Diese Geschichte, die da aufsteigt in mir, wird später erzählt werden. Zukunftsstapel. Ein- und Ausatmen. Nichts sonst.

Als ich meine Augen wieder öffne, ist es licht geworden im Garten. Der Wind bewegt jeden Baum und Strauch in einem eigenen Rhythmus. Eine Choreographie des Windes oder des Baumes? Wer weiß das schon. Die großen Äste des Nussbaums wiegen sich von einer Seite zur anderen; die in einer Reihe stehenden Riesen-Lebensbäume, an der Grenze zu Nachbars Garten durften in den Himmel wachsen und die mit den winzigen, schuppenförmigen Blättern besetzten Zweige wiegen sich kreiselnd; der Forsythienstrauch mit den dünnen Zweigen tänzelt wie eine aufgeregte Ballerina.

Der Truthahn schmort im Ofen und beginnt zu duften. Der Tisch ist gedeckt. Alles ist vorbereitet. Jetzt ist Zeit für die Erinnerung.

Mit einem Wimpernschlag von der Kindheit entfernt. Ich bin 5 Jahre alt und spüre die Aufregung des Tages. Dieses Tages. Unendlich ersehnt, ist es heute soweit. Fast nicht auszuhalten. Großmutter hat bereits, so wie jeden Tag, den Ofen eingeheizt. Ich springe rasch aus dem Bett im kalten Schlafzimmer und laufe bloßfüßig in die warme Küche. Auf die Ofenbank hingekauert und mit dem warmen Nachtatem ein Loch in die mit Eisblumen übersäte Fensterscheibe blasen. Das dauert eine Weile, bis das Loch groß genug ist, um hindurchzusehen. Der Marillenbaum hat eine dicke Schneehaube auf seinen Ästen.

Und nein, das Christkind fliegt noch nicht vorbei. Aber es ist ja auch noch früh am Morgen. Vielleicht später. Vielleicht kann ich es später sehen, das Christkind. Jetzt erst einmal frühstücken. Warme Milch mit viel dicker Haut oben. Das schmeckt. Und eine Semmel zur Feier des Tages. Die Erwachsenen frühstücken nicht. Es ist ein Fasttag. Gegessen wird erst am Abend, vor der Bescherung.

Es ist ein kleines Haus, das Haus der Großmutter. Heute ist es gefüllt mit Menschen. Meine Mama ist zu Hause. Sie muss heute nicht arbeiten. Mein Onkel kommt später. Er ist Automechaniker, und wenn er nicht arbeiten muss, fährt er den Rettungswagen. Ich bin sehr stolz auf ihn. Er hilft kranken und alten Menschen. Meine Tante ist auch da. Endlich wieder. Sie ist immer sehr lange weg. Sie ist Frisörin und ist immer auf Saison. Aber heute ist sie da und sie frisiert mich immer so schön. Sie macht mir sicher heute Stoppellocken, mit einer großen weißen Schleife im Haar. Sie hat gesagt, dass sie mit dem Christkind gesprochen hat, damit es mir eine große Puppe mit Echthaar bringt. Ich liebe meine Tante sehr.

Das Schlafzimmer ist schon abgesperrt. Damit wir das Christkind nicht stören. Wir wissen ja nicht, wann es kommt. Hat es doch so viel zu tun. Ich darf mit Großmutter vor die Haustür gehen. Großmutter hat schon Schnee geschaufelt, sonst könnte ich gar nicht vor die Tür, weil so viel Schnee liegt. Im Schnee liegt das Blech mit der selbstgemachten Schokolade. Großmutter hat sie auf ein Blech gegossen, in dem Formen von Bäumen, Glocken und dem Christkind sind – und ich durfte den Faden in die weiche Schokolade drücken, damit das Christkind ihn später auf den Baum hängen kann. Wir müssen dem Christkind ein bisschen helfen, sagte die Großmutter. Jetzt holen wir das Blech rein und Mama stellt das Blech in das kalte Schlafzimmer. Ich darf aber nicht hineinsehen.

Als mein Onkel nach Hause kommt, bauen wir einen großen Schneemann. Später, wenn es dunkel ist, gibt es dann Würstel und Semmeln.

Gesehen habe ich es noch nicht, das Christkind. Obwohl ich so aufgepasst habe.

Ich bin schon so neugierig, was das Christkind mir bringen wird.

24 12 2017

 

Ich bin nicht mehr die, die ich war

Achtsamkeit 3

Im April dieses Jahres erzählte ich  „Wie sich die 50-jährige das Alter vorstellte und die 67-jährige es erlebt.“ Am Ende der Erzählung schrieb ich: „Nein, mir fällt es nicht leicht und ich bin mitten drin. Möge die Übung gelingen.“

Nun geht das Jahr zu Ende. Im Jänner 2018 werde ich 68 Jahre alt.

Ich bin angekommen. In der Stille und im Schweigen.

In diesen 9 Monaten habe ich vieles ausprobiert. Habe experimentiert. Dachte, dass ich das was ich gemacht habe, so wie ich gelebt habe, modifizieren muss, anpassen muss – an meinen veränderten Energielevel, an meine jetzigen Bedürfnisse.

Das mit dem Anpassen, ist nicht gelungen.

Ist es doch so, als würde man mit einem neuen Kleid und vielleicht auch noch mit einer anderen Frisur, das alte Ritual nach den alten Regeln abhalten. War ich doch damit noch immer eine Gefangene meines alten Lebens. Die alten Rituale, die so gar nicht meinen jetzigen Bedürfnissen entsprechen. Den Takt meines Lebens hatte ich damit nicht gefunden. Dachte, ich muss. Ich muss nach Außen gehen. Ich darf mich nicht so zurückziehen. Ich werde menschenscheu. Eine komische Alte. Zu meinem Leben gehört doch tanzen und singen, und viele andere Interessen noch dazu. Das ist das lebendige Leben.

Ich besuchte eine Chorgruppe. Und ging nur einmal hin. Es war schön, fröhlich und lebendig. Viele liebe Menschen. Doch ich fühlte mich im falschen Leben. Inmitten all dieser Menschen fragte ich mich – was mache ich da? Warum kann ich die Lebendigkeit nicht in mir spüren? An der Oberfläche ja, aber nicht tief drinnen.

Die Tanzgruppe besuchte ich gleich gar nicht. In meinem Kalender hatte ich viele Veranstaltungen notiert, die ich dann nicht besuchte. Und meine strenge Kritikerin machte mir Vorwürfe. Du musst. Du musst doch ….

Meine wahren Bedürfnisse

Meine Sehnsucht nach Stille und Kontemplation wurde immer größer. Die erlaubte ich mir zwar in Form meiner Meditation. Aber darüber hinaus sollte ich doch …

Austreibung der dunklen Gestalten der Vergangenheit – ein Perchtenlauf

Vor vier Jahren bin ich in meine Geburtsstadt zurückgezogen. Wohne gegenüber meinem Elternhaus. Täglich, wenn ich meine Haustür öffnete, wurde ich mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Dachte, ich habe doch in meiner Therapie schon so viel aufgearbeitet. War zornig und traurig, habe mich versöhnt. Nun wurde ich bei meinen Hundespaziergängen auf jeden Schritt und Tritt an Erlebnisse erinnert – aus meiner Kindheit, meiner Jugendzeit, meiner ersten Ehe. Die dunklen Gestalten meiner Vergangenheit drängten sich in den Vordergrund. Erinnerten an mein erlebtes Leid und erinnerten an meine Fehler, Unzulänglichkeiten, an das, was ich anders machen hätte können; an Leid, das ich anderen zugefügt habe. Ich begegnete meinen inneren Dämonen – all das hätte ganz anders sein können. Hätte ich doch. Ich begann zu zweifeln, ob meine Entscheidung, gerade hierher zurück zu kommen, richtig war.

Doch da gibt es auch die andere Seite. Meinen Sohn. Die neue Nähe und das gute Zusammensein mit ihm. Den Garten und die Tiere – Hund und Katzen. Die Geborgenheit eines zu Hause – nicht mehr am Sprung, mich nicht festlegen und eigentlich könnte ich doch auch wieder woanders hin.

Ich bin geblieben. Und einige fragten – „warum tust du dir das an?“ Und ich antwortete, weil ich nicht mit dunklen Gestalten, die jederzeit aus einer Ecke hervorspringen könnten, leben möchte. Die dunklen Gestalten brauchen das Dunkel. Sie verdunkeln das Licht in mir. Ich möchte keine Angst haben müssen. Ich möchte das Licht in mir – Liebe, Mitgefühl, Freude.

Und die Spaziergänge veränderten sich. Ich versöhnte mich mit den Teilen in mir, die noch unversöhnt geblieben waren. Ruhe kehrte ein.

Eine Befreiung, eine Erleichterung.

Und immer wieder zurück zu der Frage: Wer bin ich eigentlich?

Die Antwort:

Ich bin nicht mehr die, ich war.

Und daher auch ein „ich bin nicht mehr ich“.

Und gleichzeitig auch „ich bin jetzt endlich ich“.

 

Jetzt einmal. Für diese Phase meines Altseins. Vielleicht wird sich die Frage „wer bin ich eigentlich?“ für die Greisin noch einmal stellen.

Nein, ich muss nichts mehr. Ich darf so sein, wie ich jetzt bin.

Und ich bin jetzt anders.

Ich erlaube mir meinen Rückzug von der Außenwelt. Ich erlaube mir, mit mir allein zu sein. Die alte Form meines Ich ist nicht mehr. Ich hatte es noch immer festgehalten.

Das Alte loszulassen bedeutet Freiheit.

Wie das so ist mit dem Loslassen. Auch wenn ich es kenne und weiß, verfiel doch dieser Teil in mir, der losgelassen werden will, in Panik und versuchte allerlei Tricks, damit er weiter bleiben kann.

Und das Alte ist wie eine Mumie, die aus ihrem Grab an die frische Luft geholt wird und zu Staub zerfällt. Und ich blase den Staub in alle vier Winde.

Als ich im April die Erzählung über das Altwerden schrieb, war ich überzeugt, dass meine Zeit als Psychotherapeutin zu Ende sei. Doch auch da die Veränderung. Plötzlich verspürte ich wieder Lust Menschen zu begleiten. Und ich biete wieder ein Seminar an. Auch das wird im Jänner stattfinden. Nach meinem Geburtstag. Und ich weiß, dass dieses Seminar anders sein wird, als alle anderen Seminare, die ich geleitet habe. In meiner Vorbereitung dachte ich an Lieblingsübungen, die ich gerne mit den TeilnehmerInnen gemacht habe. Und dann sah ich mich, wie ich diese Übungen anleite, und ich merkte, dieses Bild stimmt nicht mit dem überein, wie ich jetzt bin. Und ich weiß, jetzt wird es ganz anders werden. Wie genau, weiß ich noch nicht – aber anders. Dem entsprechend, die ich jetzt bin.

Und ich weiß, ich möchte den Titel Psychotherapeutin ablegen. Es ist ein Titel, der nichts bedeutet. Nicht mehr. Er schränkt mich ein. Ich bin nicht „die Psychotherapeutin“. Ich bin viel mehr. Wenn ich alles zusammenführe – bin ich Psychotherapeutin, Meditationslehrerin, Seminarleiterin; aber vor allem die, die viel erlebt und gelebt hat und aus Lebenserfahrung schöpft.

Ich bin ein breiter Fluss, der als Quelle seinen Ursprung hoch oben im Gebirge hat. Eisig ist das Wasser, das sich durch Geröll seinen Weg sucht, über Wasserfälle nach unten stürzt, zu einem Bach, und durch viele Zuflüsse zu einem breiten Strom wird. Menschen können daraus trinken und darin baden. Aus dem eisigen Wasser ist ein warmer Strom geworden, der irgendwann ins Meer münden und sich darin auflösen wird.

Ich bin mehr als das alles und gleichzeitig Nichts.

Wie soll ich das Nichts benennen?

„Aus der Stille trete ich heraus

Und singe

Aus der Leere trete ich

Und bin

Aus der Stille trete ich heraus

Und schaffe

Und alles was ich bin und mache

Drängt wieder nur zur Stille hin.“ *)

 

Meditation und Kotemplation

Sie beschränkt sich nicht auf das Sitzen auf meinem Meditationspolster.

Der Alltag wird Meditation. Ich sitze und schaue beim Fenster raus in den Garten, ich gehe mit meinem Hund und die Gehstrecke wird immer länger.

Ich verliere das Zeitgefühl.

Ich bin einfach da

Ich sehe

Ich fühle

Nichts sonst

Es darf so sein

 

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/

*) Deuter – Silence ist the answer

 

Wie komme ich zur Achtsamkeit

Achtsamkeit

Durch Stille.
Stille im Außen.

Warum viele Menschen Angst vor der Stille haben.
Warum mich viele Menschen immer wieder fragen – „Wie kannst du das aushalten? Wochenlang im Kloster im Schweigen? Das könnte ich nicht.“

Stille im Außen führt erstmal zu einem Wahrnehmen des kontinuierlichen Lärms im Inneren in Form von Gedanken und Vorstellungen.
Stille ist ein Spiegel. Du erblickst dich im Spiegel.
Was siehst du in diesem Spiegel?
Du entdeckst, dass du nicht in der Gegenwart bist.
Du entdeckst, dass du mit deinen Gedanken in der Vergangenheit bist, und dass dich diese Gedanken zu verdrängten Erinnerungen und Emotionen führen.
Du entdeckst, dass du mit deinen Gedanken in der Zukunft bist, und wie viele Sorgen du dir um die Zukunft machst; du entdeckst vielleicht auch, wie viele Wünsche du in die Zukunft verlagerst, die du jetzt – in der Gegenwart – nicht lebst.

Wenn wir aber nicht in der Gegenwart – im Hier und Jetzt – sind, nehmen wir die Gegenwart nicht wahr.
Wie wir uns fühlen – Jetzt.
Welche Botschaften uns unser Körper sendet – Jetzt.
Was Jetzt in diesem Augenblick ist.
Leben wir dann überhaupt unser Leben? Jetzt?

Stille kann jede und jeder aushalten.
Es ist – wie immer – eine Entscheidung, das zu wollen.
Es ist eine Entscheidung, beim innersten Sein ankommen zu wollen.

Stille führt zum Sein
Wahrnehmen was Jetzt ist
Und darüber hinaus
Ins Nichts

Ich bewege mich nicht
Stille

Veränderung leben – am Beispiel Weihnachten

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich Weihnachtsverweigerin. Die alten Familienrituale waren längst überholt. Niemand in der Familie war mehr wirklich glücklich damit. Aber sie wurden weiter aufrechterhalten. Weil es immer so war.

Also Verweigerung. In meinem FreundInnenkreis gab es damals viele WeihnachtsverweigerInnen. Wir kamen zusammen und feierten ein tage- und nächtelang andauerndes Fest. Viele Jahre lang machten wir das. 

Einige Jahre verbrachten wir Weihnachten am Strand von Hikkaduwa in Sri Lanka. Unter dem zum Greifen nahen Sternenhimmel am Strand – Weihnachtssterne.

Berührend schön. Eine meiner speziellen Erinnerungen in meiner Lebens-Schatzkiste.

Irgendwann begann ich Weihnachten zu vermissen.

Und ich wusste, es ist Zeit, neue Rituale zu finden.

Die Zeit – unsere Lebenszeit – erfordert Achtsamkeit.

Achtsamkeit auf lebensnotwendige Veränderungen – damit Leben lebendig bleibt.

Achtsamkeit bedeutet Hinschauen und Hinspüren.

Achtsamkeit und Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.

Seit – ich weiß nicht mehr, wie vielen Jahren – gibt es keine Geschenke. Wir schenken uns nichts. Weihnachten ist absolut konsumfrei. Geschenke, gibt es über das Jahr verteilt, wenn uns danach ist. Große Einkaufszentren betrete ich sowieso nur im Notfall. In der Adventzeit meide ich auch die Innenstadt – dort ist die besinnliche Weihnachtszeit weit weg.

Jedoch – wir verbringen Zeit miteinander.

Viel Zeit – und wir lassen uns Zeit – wir schenken uns Zeit.

Ich schenke mir Zeit.

Eine Ausgewogenheit zwischen Rückzug – Besinnung auf mich, und ein Zusammensein – Besinnung aufeinander und miteinander.

Es gibt wieder Weihnachtsschmuck in der Wohnung, den Duft von Tannenzweigen, einen reich gedeckten Gabentisch – die Gaben sind gutes Essen und Wein, Gläser funkeln im Kerzenlicht. Besinnlichkeit und Ausgelassenheit mit Weihnachtsliedern der etwas anderen Art.

Freude – Miteinander – und viel Zeit – das schönste Weihnachtsgeschenk.