Ich habe mein erstes Buch veröffentlicht!

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Große Freude – mein eigenes Buch in Händen zu halten! 

Mein Buch ist ab sofort im Verlag und in jeder Buchhandlung erhältlich! 

Über diesen Link gibt es Infos zum Buch, eine Leseprobe zum Schmöckern, und Du kannst auch sofort bestellen – Paperback, Hardcover und e-Book – nach Deiner Wahl!

https://www.mymorawa.com/self-publ…/gestaltung/publizieren/…

„Altwerden ist nichts für Weicheier“ (Betty Davies)

Nachdem mich in den letzten 10 Jahren die Realität des Alterns eingeholt hat, bin ich auch dieser Meinung. Ich erzähle in Geschichten und Gedichten über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Altern.

Meine Erfahrungen – und doch wird es für viele Menschen einerseits eine Erleichterung sein, über die Mühen zu lesen (ah ja, endlich spricht es eine aus!) und andererseits eine Ermutigung, sich mit dem eigenen Älterwerden auseinanderzusetzen und schlussendlich anzufreunden. Bleibt ja auch nichts anderes übrig, wenn man nicht für die verbleibenden Jahre dahingranteln möchte!

„Jedes Alter ist schön“ – sagte ich früher sehr oft. Früher, als das Altwerden noch nicht begonnen hatte. Ich jammere nicht. Ich halte aber nichts vom Schönreden, dass ja alles so leiwand ist mit dem Alter, aber auch nichts vom Schlechtreden. Die Wahrheit liegt, wie immer, in der Mitte. Ja, es ist schön, und so manches Mal ist es auch mühsam. Darüber schreibe ich.

Ich freue mich, wenn es Dir gefällt – und ein herzliches Dankeschön fürs Teilen in Deinem Freund*innenkreis!

 

 

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Beat-Lyrik von Gary Snyder

Gary Snyder Beat-Poet

Das Gesicht von Gary Snyder

Es fasziniert mich. Ich möchte es immer wieder betrachten.

Das Gesicht zeigt gelebtes Leben; eine Fröhlichkeit, die aus dem Herzen kommt und die das Alter als natürlichen Prozess des Lebens akzeptiert. Ja, gar nicht in Frage stellt. 

Anziehend ist es, dieses Gesicht – ein Mensch, der in sich selbst ruht …

„Es ist, so wie es ist“ – eine buddhistische Weisheit.

 

Heute gibt es in der Sendereihe „Nachtbilder“ um 22.35 den Beitrag über die „Beat-Lyrik des Gary Snyder“.

Zitat aus der Info-Seite von Ö1:

„Mythen & Texte“ von Gary Snyder ist ein radikal poetisches Werk. Es enthält indianisch-schamanische Aspekte ebenso wie Hinweise auf chinesische und japanische Denker und Dichter sowie Inspirationen aus der eigenen Praxis der Zen-Meditation. Zugleich ist die Naturbetrachtung in diesen Gedichten, der Blick auf Landschaften, Klima, Tiere, Pflanzen oder Wasser von einer für den Leser bis jetzt ungekannten, sehr persönlichen Frische und Neuartigkeit. 

Gary Snyder, geboren 1930 in San Francisco, ist einer der interessantesten amerikanischen Lyriker. Im Jahr 1975 erhielt er den Pulitzer-Preis für sein Buch „Turtle Island“. Der Umweltaktivist Gary Snyder war auch eine zentrale Figur der Beat-Bewegung und wandte sich später buddhistischem Denken zu. 

Der österreichische Architekt und Schriftsteller Bernhard Widder, ein ausgewiesener Kenner amerikanischer Literatur, schreibt auch selbst Lyrik auf englisch und deutsch. Bernhard Widder unternahm es, eines der wichtigsten Werke Snyders ins Deutsche zu übertragen. Die ambitionierte Übertragung geht übers bloße Übersetzen weit hinaus und bewahrt doch den Geist des Originals.

https://oe1.orf.at/programm/20180721/520427

 

Gary Snyder verabschiedete sich im Jahr 1956, ein Jahr nach seiner Begegnung mit Jack Kerouac, für fast anderthalb Jahrzehnte nach Japan, um Unterweisung im Zen-Buddhismus zu erhalten.

Snyder, noch in fortgeschrittenem Alter als Wanderer und Bergsteiger aktiv, entdeckte in der kalifornischen Wildnis auf Felsen eingravierte Sätze, die von einem unbekannten „Wüsten-Weisen“ stammen.

Ihr besonderes Understatement deckt sich mit den Intentionen des Dichters, deshalb zitierte er die Sätze als Hommage an den unbekannten Wanderer: 

„. . . entdeckten einen Pfad / mit in Stein gravierten Inschriften, versteckt im Salbeigestrüpp / „Lösche Gier aus!“ / „Die besten Dinge im Leben sind nicht Dinge“ / Worte, gesetzt von einem alten Wüsten-Weisen.“

Welch wunderbare Zen-Sätze!

 

Als Abschluss ein Gedicht von Snyder:

Gary Snyder* 1930

Was nun Dichter angeht

Was nun Dichter angeht,
die Erd-Dichter,
die kleine Gedichte schreiben,
brauchen Hilfe von niemand.

***

Die Luft-Dichter
wettern die schnellsten Stürme
und räkeln sich manchmal in Prielen.
Anrollend
bricht sich Gedicht auf Gedicht.

***

Bei fünfzig Grad unter Null
fließt kein Brennstoff
und Propan bleibt im Tank.
Feuer-Dichter
verbrennen am absoluten Nullpunkt
wieder hochgepumpte Fossil-Liebe.

***

Der erste Wasser-Dichter
blieb sechs Jahre unten.
Er war mit Seetang bedeckt.
Das Leben in seinem Gedicht
hinterließ Millionen winziger,
verschiedener Spuren,
die im Schlick durcheinander liefen.

***

Mit der Sonne und dem Mond
im Bauch
schläft
Der Raum-Dichter.
Himmel ohne Ende –
Aber seine Gedichte fliegen
wie Wildgänse
über den Rand.

***    

Ein Kopf-Dichter
bleibt im Haus.
Das Haus ist leer,
und es hat keine Wände.
Das Gedicht
wird von allen Seiten gesehen,
überall,
sofort.

Übersetzung von Klaus Martens

 

Infos über Gary Snyder:

https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_reflexionen/kompendium/32345_Die-besten-Dinge-im-Leben.html?em_cnt_page=2

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/frankfurter-anthologie/frankfurter-anthologie-gary-snyder-voegel-bestimmen-13872433.html

https://www.fixpoetry.com/feuilleton/lesarten/gary-snyder/was-nun-dichter-angeht

 

Ré Soupault und meine Betrachtungen über ihre beeindruckenden Aussagen

Re Soupault

Nach meinen Betrachtungen über die Zitate von Ré Soupault poste ich einen Artikel mit einer kurzen Biografie von Soupault, eine Rezension des Buches mit Briefen, biografischen Texten und Tagebuchpassagen.

Ihr Leben und die drei Aussagen von ihr, die in diesem Artikel erwähnt werden, haben mich sehr beeindruckt.

„Es gibt zwei Wege im Leben: der eine führt nach außen: Karriere, Geltung, Besitz … der andere nach innen: Arbeit, aber ohne Rücksicht auf äußeren Erfolg, schöpferische Arbeit, die ihren Lohn in sich selbst findet.“

Zwei Wege, präzise definiert. Ich finde mich sofort darin wieder.

Beschreibt sie doch damit meinen inneren Zwiespalt, der mich mein ganzes Leben lang nicht nur begleitet, sonder auch geleitet hat. Ein Zwiespalt der mich den einen Weg gehen ließ, um nach einer Weile wieder den anderen Weg einzuschlagen. Ein ganzes lang – ein hin und her. So manches Mal sehr mühsam und anstrengend. Dann wieder sehr abenteuerlich, aufregend und immer sehr lehrreich. Ich habe beide Seiten kennen gelernt.

 „Die Habsucht ist die Ursache allen Übels.“

Diese Weisheit hat sie anlässlich ihres Sanskritstudiums und der Beschäftigung mit asiatischer Philosophie kennen gelernt. Ich selbst, in meiner Auseinandersetzung mit dem Buddhismus.

Ja, ich kenne sie die „Habsucht“ – das haben wollen und nicht genug kriegen können. Und immer wieder rettete mich dann, dass ich diesen Weg wieder verließ und wieder den Weg nach innen beschritt – „Arbeit, aber ohne Rücksicht auf äußeren Erfolg, schöpferische Arbeit, die ihren Lohn in sich selbst findet“.

Habsucht und Selbstsucht gehen Hand in Hand.

Solange ich auf der Suche nach mir Selbst bin und versuche, dieses Selbst mit möglichst vielen Dingen im Außen zu stützen, wird es zusammenfallen, wenn mir das genommen wird. Deshalb auch die Ängste von vielen Menschen. Die Versuche, das Angesammelte/ den Besitz zu sichern. Die Bedrohung kommt von Außen – jemand, der/die „meinen“ Mann/ „meine“ Frau  wollen könnte; mein Auto, mein Haus, meinen Job ….

Dabei steht das „mein“ im Vordergrund. „Mein“ als Stützung eines Scheinselbst.

Das Selbst braucht keine Besitztümer.

Ich habe das immer wieder Loslassen gelernt.

Erst angesammelt – Karriere, Geltung, Besitz – und wieder losgelassen.

Das letzte große Loslassen gab es in den letzten Jahren – siehe:

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/

Loslassen und die Unsinnigkeit der Habsucht, habe ich in dem Gedicht zusammengefasst:

Schöne Dinge

In einem

vergangenem Leben

gesammelt

zeugen täglich

von der

Vergänglichkeit

des Lebens

„Der Staat kann die Freiheit nicht ersetzen“

Ré Soupault führt weiter aus: „“Ist Freiheit Reife? Vielleicht umgekehrt. Jedenfalls die innere Freiheit. Aber es muss auch eine politische Freiheit geben. Der Staat kann sie nicht ersetzen. Zu dieser Freiheit gehört die Reife des Bürgers und des Volkes als Ganzes. Darum ist Freiheit wohl das am schwersten Erreichbare.“

Ja, umgekehrt – Reife ist Freiheit. Erst wenn ich reif bin – im Sinne von mir selbst bewusst, und damit ein Selbstbewusstsein entwickelt habe, kenne ich meine Grenzen. Und ich kann sehr genau wahrnehmen, wenn jemand meine Grenzen überschreitet – mich jemand eingrenzt.

Wenn ich meine Grenzen wahren kann, kann ich auch die Grenzen von anderen Menschen wahrnehmen und akzeptieren.

Dies ist ein Thema, das sich von innen – der inneren Freiheit fortsetzt nach außen – der politischen Freiheit. Auf der realpolitischen Ebene ist es ein sehr aktuelles Thema. Freiheiten werden gerade jetzt unter dem manipulativ gebrauchten Thema der „Sicherheit“ eingeschränkt.

Einschränkende Freiheit vermehrt nicht Sicherheit. Aufklärung und Wissen vermehrt Sicherheit.

Wissen ist Macht. Wird deshalb versucht, viele Menschen unwissend zu lassen?

Eigenmacht zu haben ist Freiheit.

Und nun die Rezension von Carsten Hueck, veröffentlicht auf der Internetseite von Radio Ö1:

Ré Soupault – „Nur das Geistige zählt“

Die Ikone der Avantgarde in eigenen Worten: mit Briefen, biografischen Texten und Tagebuchpassagen.

Zwischen ihrer Geburt und ihrem Tod liegt fast das gesamte 20. Jahrhundert: Meta Erna Niemeyer, Tochter eines Metzgers und Pferdezüchters kam 1901 im pommerschen Nest Bublitz zur Welt und starb als anerkannte Fotografin und wiederentdeckte Ikone der künstlerischen Avantgarde unter dem Namen Ré Soupault 1996 in Versailles.

Zwei Wege im Leben

Darüber, was diese Frau gesehen und erlebt hat, gibt nun ein Buch Auskunft: Unter dem Titel „Nur das Geistige zählt – Vom Bauhaus in die Welt“ hat der Heidelberger Verleger Manfred Metzner Ré Soupaults Briefe, biografische Texte und Tagebuchpassagen zu einem Erinnerungsband montiert. Gleich zu Beginn tritt uns eine beeindruckende Frau entgegen: eigenwillig, klug, unsentimental und mit unbestechlichem Blick fürs Essentielle:

„Es gibt zwei Wege im Leben: der eine führt nach außen: Karriere, Geltung, Besitz … der andere nach innen: Arbeit, aber ohne Rücksicht auf äußeren Erfolg, schöpferische Arbeit, die ihren Lohn in sich selbst findet.“

Eine schöpferische Arbeiterin, das war sie: nach den Entbehrungen des Ersten Weltkriegs, die sie als junges Mädchen kennen gelernt hatte, entfloh Erna Niemeyer der bürgerlichen Familie und studierte ab 1921 am Bauhaus in Weimar. Erna Niemeyer empfing hier ihre ersten prägenden Impulse als Künstlerin. Neben Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer wurde sie vor allem Johannes Itten beeinflusst. Dieser war es auch, der bei der jungen Frau das Interesse für asiatische Philosophie weckte. Zwei Semester lang radelte sie wöchentlich von Weimar nach Jena, um an der dortigen Universität auch noch Sanskrit zu studieren.

Die Habsucht ist die Ursache allen Übels.

„Diesem Studium verdanke ich meine Lebensdevise: die Habsucht ist die Ursache allen Übels.“ Solche Sanskrit-Weisheiten fanden später, weil die angehende Künstlerin sich auch für die Form der Schrift begeisterte, Eingang in die abstrakten Farbkompositionen ihrer Teppiche.

Zeichnerin, Journalistin und Modedesignerin

Den Namen Ré erhielt Erna Niemeyer von Kurt Schwitters, als dieser in Berlin den schwedischen Filmvisionär Viking Eggeling besuchte, dem sie damals assistierte. Über Eggeling wiederum lernte sie den Dadaisten Hans Richter kennen: Heirat 1926. Das Bauhaus war da bereits nach Dessau umgezogen und Ré beschließt, mit ihrem Mann in Berlin zu bleiben.

In den Roaring Twenties arbeitet Ré Richter als Zeichnerin und Journalistin für den Berliner Scherl Verlag. 1929 gründet sie in Paris ein Modestudio, entwirft erfolgreich sportliche Alltagsmode für die moderne Frau, erfindet den Hosenrock, das Schürzenkleid – und das Transformationskleid.

Verwandlung des Kleides

„Ich ging immer von einer konkreten Idee aus: Eine Sekretärin oder eine Verkäuferin , die abends nach der Arbeit ausgehen möchte, aber nicht vorher nachhause gehen kann, verwandelt ihr Kleid, das sie tagsüber mit einem kleinen Kragen oder einer bescheidenen Brosche getragen hat, in ein Abendkleid, indem sie den Reißverschluss, der bis zur Taille zu öffnen ist, nach innen kehrt, rechts und links mit Klips befestigt und in den bis zur Taille zugespitzten Ausschnitt einen Einsatz anbringt, je nach Wunsch aus Brokat oder aus weißem Piquet.“

Übersiedlung nach Tunis, Flucht nach New York

1933 lernt Ré auf einem Empfang der russischen Botschaft den surrealistischen Dichter Philippe Soupault kennen. Mit ihm reist sie durch die Welt. Sie beginnt zu fotografieren, illustriert Philippes Reportagen. Wenige Jahre später wird er ihr zweiter Ehemann. Europa steht da bereits im Schatten heraufziehender Katastrophen. Ré zieht mit ihrem Mann nach Tunis. Philippe Soupault soll dort im Auftrag der französischen Regierung ein antifaschistisches Radioprogramm organisieren.

Die Niederlage der Franzosen gegen Nazideutschland bringt das Paar in akute Gefahr, Philippe wird verhaftet, ihr Haus beschlagnahmt, später zerstört und geplündert. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika gelingt den Soupaults die Flucht nach New York. Nach Kriegsende trennen sie sich und Ré beginnt, sich eine Existenz als Übersetzerin und Journalistin aufzubauen. Sie bereist Mittel- und Südamerika sowie das von den Kriegsfolgen gezeichnete Europa. In ihrem Tagebuch notiert sie:

„Der Staat kann die Freiheit nicht ersetzen“

„Ist Freiheit Reife? Vielleicht umgekehrt. Jedenfalls die innere Freiheit. Aber es muss auch eine politische Freiheit geben. Der Staat kann sie nicht ersetzen. Zu dieser Freiheit gehört die Reife des Bürgers und des Volkes als Ganzes. Darum ist Freiheit wohl das am schwersten Erreichbare.“

Ré Soupault pendelt zwischen New York, Basel, Paris und Berlin. Heute würde man ihre Lebensweise als prekäre Existenz bezeichnen. Auch wenn sie im Atelier von Max Ernst wohnt und den Literaturnobelpreisträger Romain Rolland übersetzt, ist es alles andere als schillernd. Sie selbst aber beschreibt in den Erinnerungen, die ungefähr 1950 enden, ihr Leben als das einer schöpferischen und arbeitenden Frau.

Ein beeindruckendes Zeitdokument

Die Lektüre dieses Buches gebietet Respekt vor der Autorin. Vor ihrer Leistung als Künstlerin, ihrem bodenständigen Lebenswillen, dem Mangel an Klagen. Trotz des Wechsels von einem Leben als anerkannte Künstlerin zu dem eines auf sich selbst gestellten Flüchtlings, dessen Welt in Trümmern liegt, scheint Ré Soupault mit sich selbst eins zu sein.

Ihre Erinnerungen verdeutlichen ihre Persönlichkeit, ihre Neugier und Wahrnehmungsfähigkeit, ihr Urteilsvermögen. Doch vermitteln sie durch Detailschärfe und immer auch einen ausreichend erhellten Hintergrund einen tiefen Eindruck von der Atmosphäre jener Tage zwischen dem Beginn des Ersten und dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Service

Ré Soupault, „Nur das Geistige zählt – Vom Bauhaus in die Welt. Erinnerungen“, Herausgegeben von Manfred Metzner, Verlag Wunderhorn

https://oe1.orf.at/artikel/646351

 

Über Süchte und warum ich mich wieder einmal aus den sozialen Medien zurückziehe

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Mein ganzes Leben lang war ich süchtig nach Wissen und daher auch nach Informationen. Facebook, und das Internet allgemein, ist für mich ein Wissenspool. Immer wieder werde ich aufmerksam auf Neues. Neues, das mich fasziniert, und von dem einen zu wieder anderem führt. Es ist scheinbar endlos.

Abgesehen von der Wissensvermittlung schätze ich facebook sehr, weil es mich zeitnah am Leben von FreundInnen – wirklichen, auch persönlich bekannten FreundInnen – teilnehmen lässt. Wenn ich aber beginne, in meinem Alltag, mit allem was ich mache daran zu denken, dass ich das auch teilen könnte/möchte; wenn ich beginne, bei all dem Schönen, das mich umgibt daran zu denken, dass ich davon ein Foto machen könnte, um es zu teilen, bin ich selbst nicht mehr vorhanden in meinem Leben. Ich beginne, es durch die Augen der anderen zu sehen und der Moment des Lebens ist nicht mehr mein Moment. Nicht für all meine Sinne, und vor allem nicht für mein Herz und meine Seele.

Der Moment meines Lebens ist nicht mehr mein Moment, wenn ich ihn durch die Augen von anderen sehe.

Mein Herz und meine Seele brauchen Zeit um wahrzunehmen, um es in Herz und Seele aufzunehmen, und es in meiner inneren Schatzkiste verwahren zu können. Dazu brauche ich intensives Wahrnehmen und Aufnehmen – und keine Gedanken dabei an andere.

„Achtsamkeit ist nicht das Gleiche wie Konzentration.

Konzentration ist Ausschließung.

Achtsamkeit, die umfassendes Gewahrsein ist, schließt nichts aus.“

(Jiddu Krishnamurti)

 

Ich habe nie die die Sätze von Menschen, die ich sehr oft gehört habe, verstanden – „… wenn ich niemanden an meiner Seite habe, mit dem ich die schönen Momente teilen kann, dann freut/interessiert es mich nicht“. Ich kenne es, wie schön es ist, einen geliebten Menschen an der Seite zu haben, mit dem man schöne Momente in Schweigen, Achtsamkeit und Verinnerlichung gemeinsam genießen kann. Das ist wunderschön und auch bereichernd.

Doch – dies alles kann ich auch alleine. Nur für mich.

Meine Süchte waren vielfältig. War es früher u.a. auch die ewige Suche und Sucht nach Grenzerfahrungen, musste ich mich davon befreien, um mein Leben zu überleben.

Mein alternder Körper hat mir Grenzen gesetzt. Lange Zeit, über 50 Jahre, hat er alle meine Eskapaden und Exzessivitäten klaglos mitgemacht. Als er begann zu streiken, hat mich das erst entsetzt, dann wütend und später ratlos gemacht.

Was jetzt? Wie soll ich jetzt leben?

Nun, heute, bin ich in erster Linie meinem Körper dankbar, dass er so lange klaglos funktioniert hat. Dass dies nicht selbstverständlich ist, erkannte ich erst spät. Und aus dieser Dankbarkeit erwuchs meine Sorgsamkeit mit ihm. Ich danke es ihm jetzt in der Form, dass ich sorgsamer mit ihm umgehe.

Und diese Sorgsamkeit wende ich auch auf meine Seele an.

Ich verwende jetzt einfach den Begriff der Seele für mein innerstes Sein, obwohl ich weiß, dass es nicht so einfach ist mit der Begrifflichkeit der Seele. Aber darum geht es jetzt nicht.

Mein innerstes Sein hat Sehnsucht nach Kontemplation und Meditation.

Die Sehnsucht nach Rückzug, und die Zeit, die ich mir damit für mein Selbst gönne, ist nicht etwas, das erst mit dem Alter entstanden ist. Ich habe sie seit der Mitte meines Lebens.

Es begann mit dem Ausstieg aus einem ersten Berufsleben als Angestellte mit 34 Jahren.

Eine dreimonatige Reise durch Indien, das kennen lernen des Buddhismus, konfrontierte mich damals erstmals mit der Frage „Was mache ich da eigentlich?“, „Wie lebe ich?“ – und – in der Folge „Wie will ich eigentlich leben?“ Damals gönnte ich mir meinen ersten Rückzug, der zwei Jahre lang dauerte. Es brauchte einige Zeit, meine Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen, zu erkennen und mich neu zu orientieren. Ich machte dann eine zweite Ausbildung zur Psychotherapeutin, und ich machte mich selbständig. Ich wollte nicht mehr abhängig sein, wollte nicht, dass andere über meine Zeit bestimmen. Auch damals schon war es mir sehr wichtig, über meine Zeit selbst bestimmen zu können, und vor allem Zeit zu haben, mich immer wieder zurückzuziehen. Sei das jetzt in langen Reisen in fremde Länder, um Kulturen und Menschen kennen zu lernen, in Studienreisen, oder zu Meditationszeiten in einem buddhistischen Kloster.

„Gut und achtsam mit den Dingen umzugehen tut mir selbst gut“ schreibt Anselm Grün in seinem Buch „Gut mit sich selbst umgehen“.

Das eine bedingt das andere. Wenn ich gut und achtsam mit mir selbst umgehe, werde ich auch behutsam mit den Dingen des täglichen Lebens, mit meiner Umwelt und den Menschen umgehen.

Dazu komme ich immer wieder auf die für mich wichtige Übung der „vier großen Anstrengungen“ von Buddha zurück:

  1. Einen unheilsamen Gedanken, der noch nicht aufgekommen ist, nicht aufkommen zu lassen.
  2. Einen unheilsamen Gedanken, der schon aufgekommen ist, nicht weiterführen.
  3. Einen heilsamen Gedanken, der noch nicht aufgekommen ist, aufkommen lassen.
  4. Einen heilsamen Gedanken, der schon aufgekommen ist, weiterführen.

Dieses Originalzitat von Buddha mag zwar für unsere Ohren merkwürdig klingen, aber es ist eine grundlegende und beachtliche Übung. Wenn man sich darauf einlässt, ist es der Beginn eines Läuterungsprozesses, der in einer großen Erleichterung – dem Loslassen einer Bürde – mündet. Dieser Erinnerung bedarf es immer wieder. Zumindest für mich.

Ich möchte nochmals Jiddu Krishnamurti zitieren. Er sagt:

„Wenn Sie die Schönheit eines Vogels, einer Fliege, eines Blattes sehen wollen oder einen Menschen mit all seinen Schwierigkeiten zu verstehen suchen, müssen Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit, die ein unmittelbares Gewahrsein ist, dafür hingeben. Und Sie können das nur tun, wenn Ihnen daran etwas liegt, wenn es Ihnen zutiefst um das Verstehen zu tun ist – dann geben Sie Herz und Geist daran.“

Zeit – ja, es kostet Zeit. Und damit fordert es eine Entscheidung, wofür ich meine Zeit aufwende. Ich gebe dafür meine Aufenthalte in facebook hin. Und – auch eine Entscheidung, die ich getroffen habe, mein Smartphone. Wie lange habe ich mich geweigert, ein Smartphone zu besitzen – bis vor einem Jahr. Nun verwende ich es kaum. Ich habe weder Internet, Messenger, etc. aktiviert, ich habe kein WhatsApp, ich fotografiere nicht damit. Ich weiß um die Gefahr meiner Sucht – noch schneller und überall und zu jeder Zeit informiert zu sein. Nein, ich will das nicht. Deshalb werde ich es wieder gegen ein Handy eintauschen. Ich will nicht dauernd erreichbar sein. Und meine Fotos, wenn ich denn welche mache, mache ich mit meinem alten Fotoapparat.

War mir mein Rückzug in früheren Jahren sehr wichtig, weil ich wusste, dass ich sonst immer wieder meine Achtsamkeit verliere, ist er mir jetzt zusätzlich noch wichtig, weil ich nicht mehr so viel Zeit zur Verfügung habe. Ich weiß nicht, wie viele Jahres“zeiten“ ich noch erleben darf. Zeit ist noch kostbarer geworden …

„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben,

einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“

(Pippi Langstrumpf)

 

 

Die Reise aus der Unendlichkeit in die Endlichkeit des Leben

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Mit 40 Jahren begann ich mich mit dem Älterwerden zu beschäftigen. Der Tod war noch graue Theorie – obwohl ich bereits 8 Jahre zuvor an einer buddhistischen Begräbniszeremonie, der Verbrennung eines Menschen am Meeresufer in Sri Lanka, teilgenommen hatte. In der intensiven Meditationsschulung in einem buddhistischen Kloster war eine unserer Aufgaben, nicht nur über den eigenen Tod, sondern auch über den Tod der liebsten Angehörigen zu meditieren. Ich kann mich noch sehr gut an den Schrecken erinnern, der immer wieder in mir auftauchte. Der Tod an und für sich erschreckte mich nicht, aber das abgrundtiefe Gefühl des Verlustes und der Trauer. Doch wäre ich nicht so in die Tiefe gegangen, wäre ich am Ende dieses Prozesses nicht zur Akzeptanz gelangt.

Die Akzeptanz von Tod und Sterben macht frei von Angst.

Die Akzeptanz von Tod und Sterben macht nicht frei von den Gefühlen des Verlustes und der Trauer. Diese Gefühle sind beim Erleben des Todes nach wie vor da. Und das ist gut so. Alle Gefühle sind gut, keines ist schlecht. Doch die Gefühle sind nicht mehr scheinbar abgrundtief. Sie sind willkommen. Die Abgrundtiefe entstand aus der Angst vor diesen Gefühlen. Somit befreite die Akzeptanz von dieser Angst.

„Traurigkeit ist sehr tief.
Nimm sie an. Genieße sie.
Spüre sie ohne Zurückweisung“ *)

Die Sache mit dem Älterwerden war wieder eine andere Erfahrung – darüber haben ich in meinem Blog-Beitrag „Wie sich die 50-jährige das Alter vorstellte und die 67-jährige es erlebt“ geschrieben.
(https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/)

Aber damit ist die Erfahrungsgeschichte natürlich noch nicht zu Ende.
Zu Ende wird sie erst sein mit meinem Ende – dem Tod.
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon.
Bis dahin geht es weiter und weiter. Jetzt – mit dem Altsein.

Und mit meinen 68 Jahren sage ich – „ja, ich bin alt“.

Nein, ich bin nicht am Älterwerden und schon gar nicht am „eh’ noch jung sein“. Nein, ich bin alt. Und mit diesem Gefühl des Altseins, kommt die innerste Erfahrung und Gewissheit der Endlichkeit. Nicht ein Erschrecken, sondern ein – einmal tief durchatmen – wenn das Gefühl der Endlichkeit in mir spürbar wird. Sie begleitet mich von nun an.

Ich bin sehr dankbar für das Gefühl der Unendlichkeit in meinen früheren Jahren in allen Lebensbereichen – sonst hätte ich vieles nicht so angstfrei und unbekümmert gemacht, wie ich es gemacht, gelebt und erlebt habe.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich jetzt mit meinem Gefühl der Endlichkeit in mir, noch immer neugierig auf die Welt und Welt erleben bin. Jedoch anders als früher.

„Ich freue mich auf den Frühling. Ich genieße die wechselnden Jahreszeiten jetzt viel mehr, könnte es doch immer die Letzte sein“ sagte ich zu meinem jüngeren Gegenüber.
Ein erschrecken und ein aufmuntern wollen war die Antwort.
„Aber nein – ich bin nicht traurig und auch nicht krank. Aber ja, es geht mir gut! Es geht mir sehr gut!“
Ich merkte, dass die Endlichkeit meinem Gegenüber zwar bewusst ist, aber nicht gespürt wird. Noch nicht, und das ist gut so.

Der Tod begleitet mich. Er steht hinter mir und manchmal flüstert er mir über die Schulter etwas zu. Er weiß, er ist akzeptiert. Er weiß es, und deshalb meldet er sich immer wieder zu Wort. Und seine Worte sind gut – weise und hilfreich. Wenn er in naher Zukunft an meiner Seite gehen wird, werden wir befreundet sein. Doch Freundschaft braucht seine Zeit um zu wachsen und sich bedingungslos gut zu sein.

*)
„Traurigkeit hat eine Melodie – Traurigkeit ist sehr tief.
Nimm sie an. Genieße sie. Spüre sie ohne Zurückweisung,
und du wirst sehen, dass sie dir viele Geschenke macht,
die Glück dir nie geben kann.“
(Osho)

Leben im Hier und Jetzt – Meditation Alltagstauglich Fortsetzung …

Taisen Deshimaru Roshi sagt: „Wenn ihr nicht hier und jetzt glücklich seid, werdet ihr es nie sein. Denn nur wenn ihr das „Hier und Jetzt“, an diesem Ort und sofort verwirklicht, steht ihr der Erlösung unmittelbar gegenüber, anderen Orten und zu anderer Zeit gibt es keine Erlösung und kein Glück.“

Kein Ausreden! Jetzt oder nie!

In der Eingangshalle von japanischen Zen-Tempeln befindet sich manchmal ein kleines hölzernes Brett mit der Inschrift: „Sieh unter deine Füße.“

Meistens aber sehen wir gerade das nicht, was unter den Füßen ist. Unter den Füßen ist der Weg. Nicht Unbekanntes ist zu erkennen, sondern das Allzubekannte. Es ist durch seine Alltäglichkeit verborgen, obwohl es offen vor unseren Augen liegt. Es liegt direkt vor uns. Diejenigen, die nach dem „Wahren“ oder der „Erleuchtung“ in einer jenseitigen Welt suchen, werden sie nicht finden. Erleuchtung ist ein irreführendes Wort.

Suche das Wahre nicht anderswo, du verwegener Wahrheitssucher! Wenn du suchst, entfernst du dich nur. Wer es sucht, wird es nicht finden.

Zitate aus dem Buch von Günter Wohlfahrt: Zen und Haiku

Meditation Alltagstauglich: https://monikakrampl.wordpress.com/…/meditation-alltagstau…/

Zen-Buddhismus oder Zen ist eine in China ab etwa dem 5. Jhdt. n.Chr. entstandene Strömung oder Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Der chinesische Begriff Chan stammt von dem Sanskritwort Dhyana, das in das Chinesische als Chan’na übertragen wurde. Dhyana bedeutet frei übersetzt so viel wie „Zustand meditativer Versenkung“, was auf das grundlegende Charakteristikum dieser buddhistischen Strömung verweist, die daher auch gelegentlich als Meditations-Buddhismus bezeichnet wird.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zen

Achtsamkeit – Alltagstauglich

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Warum spreche ich von Alltagstauglichkeit?

Achtsamkeit in einem Seminar zu lernen und dort zu praktizieren, ist etwas vollkommen anderes als sie im Alltag zu leben. So wie Meditation auch.

Zeit und Raum für Achtsamkeit und Meditation in den Alltag zu integrieren, so dass sie alltagstauglich sind. Und sollten wir sie dennoch verlieren, dass wir uns daran erinnern und sie wieder aufnehmen – in unseren Alltag. Das ist mir sehr wichtig.

Achtsamkeit ist eine der Grundlagen im Buddhismus. So habe ich die Achtsamkeit kennen gelernt – über meine Beschäftigung mit dem Buddhismus. Und später noch zusätzlich in meiner psychotherapeutischen Ausbildung.

Achtsam zu leben – sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu spüren.

Die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und Gedanken.

Was denke ich?

Was fühle ich?

Was brauche ich?

Was brauche ich nicht?

 

Für mich gehört zu einem Guten Leben Achtsamkeit im Alltag dazu.

Viel wird geredet und geschrieben über das Gute Leben.

Und vielfach wird auch vorgeschrieben, wie das Gute Leben zu leben sei.

Doch das Gute Leben ist sehr vielfältig und verschieden, so wie wir Menschen auch verschieden sind.

Für den einen gehört zu einem Guten Leben dazu, zwei Autos in der Garage stehen zu haben und eine jährliche Flugreise oder eine Reise mit einem Kreuzfahrtschiff.

Für den anderen sind das Gute Leben ein Gemeinschaftsgarten mit gesundem Gemüse und ein Wanderurlaub.

Je nach eigenem Bewusstsein und Wertmaßstäben werden die beiden Guten Leben bewertet werden.

Für mich gehört zu einem Guten Leben Achtsamkeit im Alltag dazu – habe ich geschrieben. Wenn ich achtsam bin mit mir, bin ich auch der Wahrheit verpflichtet und ich werde zu meinen Werten und Maßstäben stehen.

Achtsam zu sein, bedeutet jedoch auch, andere nicht zu verurteilen / zu bewerten / zu verachten / zu belehren.

Achtsam sein bedeutet – das Eigene zu leben / vorzuleben / jedoch nicht überzeugen zu wollen.

Ich praktiziere schon lange die Achtsamkeit – 30 Jahre lang. Und in den Jahren ist sie mir  zwischendurch immer wieder mal im Alltag verloren gegangen.

Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass es immer leichter wird, dahin zurück zu kommen. Weil mein inneres System diese Art zu leben bereits kennt – und weil ich es will.

Nichts geht verloren.

Achtsamkeit hat auch mit Selbstfürsorge zu tun. Eine gesunde Form auf mich selbst zu achten – dies führt zur Selbstachtung. Wie könnte ich andere Menschen achten, wenn ich mich selbst nicht achte?

Selbstverantwortung ist ein weiterer wichtiger Schritt. Niemand entscheidet über mich. Wenn ich jemanden über mich entscheiden lasse, ist es auch wieder meine Verantwortung – ich lasse es geschehen.

Wenn ich den Weg der Achtsamkeit Schritt für Schritt gehen möchte, ist das eine Entscheidung. Eine Entscheidung erfordert Konsequenz – konsequentes handeln.

Von der Idee zum Handeln.

Ich kann nur etwas wirklich kennen, wenn ich es gemacht / erfahren habe. Sollte ich dann die Erfahrung machen, dass es nicht wirklich passt, kann ich es einfach wieder lassen. Und etwas anderes machen. Ganz egal was andere dazu sagen.

Ängste und Hemmungen

Dies ist eine der vielen Ängste / Hemmungen, warum so manchen nicht von der Idee zum Handeln kommen – die Bewertung durch andere Menschen.

Doch andere Menschen werden unser Leben nicht leben.

Wir leben es. Und wir entscheiden, ob wir glücklich und zufrieden leben, oder leidvoll und mit Schmerzen.

Bei jeder meiner radikalen Lebensänderungen hörte ich immer wieder – „na, du kannst dir das ja leisten!“ Auf die Frage, warum gerade ich mir das leisten könne und mein Gegenüber nicht, bekam ich als Antwort eine Menge von Ausreden.

Ausreden

Ich stelle immer wieder fest, mit welchem Erfindungsgeist Ausreden erfunden werden.

Wäre es nicht besser (für einen selbst) und zielführender, diesen Erfindungsgeist für die Möglichkeiten des Tuns einzusetzen?

Achtsam leben heißt, mit sich selbst im Einklang zu sein, sich selbst wahrzunehmen – Körper / Gedanken / Gefühle.

Dazu helfen verschiedene Übungen – vor allem auch tägliches Meditieren. In welcher Form auch immer.

Zeit in Ruhe mit sich selbst zu verbringen, führt dazu, dass man wahrnimmt, was einen beschäftigt / welche Gefühle / welche Gedanken / gerade da sind. Und welche Auswirkungen haben meine Gefühle und Gedanken auf meinen Körper? Was kann ich in meinem Körper wahrnehmen?

Loslassen kann man nur etwas, was man vorher wahrgenommen hat, dass es da ist.

Wie oft sind Gedanken mit der Vergangenheit und der Zukunft beschäftigt. Mit dem Anhängen an leidvollen Ereignissen in der Vergangenheit und mit Sorgen machen über die Zukunft.

Meditation und Achtsamkeit ist eine Hilfe im Hier und Jetzt zu sein.

Jetzt gerade, während ich dies schreibe, freue ich mich über den ruhigen Vormittag. Wenn ich meine Augen hebe, um Nachzudenken, sehe ich die Äste des Nussbaumes sich im Wind bewegen. Es liegt Schnee und große Rabenvögel hüpfen über die Wiese.

Es ist warm in meiner Schreibstube. Meine Füße haben einen guten Halt auf einem kleinen Holzschemel und mein Körper sitzt bequem. Nur in meinem Mausarm zieht es etwas. Ich muss noch etwas finden, um ihn abstützen zu können.

Achtsam leben – Alltagstauglich.

 

Im Tempel der Stille von Chao-Hsiu Chen

Buch Im Tempel der Stille Chao-Hsiu Chen

Ein Buch, in dem ich immer wieder gerne blättere und kleine Kostbarkeiten finde:

„Wenn die Schwalbe über den See fliegt, hinterläßt sie ihren Schatten auf der Oberfläche des Wassers. Doch hat man dort je etwas gefunden, sobald der Vogel fort war? Oder hat sich das Wasser verändert?“

Chao-Hsiu Chen wurde in Taiwan geboren, wo sie in den alten Weisheiten des Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus unterwiesen wure.

Zwischen ihren minimalistischen Gedichten, die ich so sehr liebe, erzählt sie in wundersamen kurzen Geschichten über Gespräche mit ihrem alten Lehrmeister, einem Mönch in einem Kloster. Geschichten mit feinen buddhistischen und taoistischen Weisheiten. Die chinesischen Schriftzeichen, Pinselzeichnungen und Kalligraphien sind auch von der Autorin. Eine ruhige und stille Vielfalt zum Lesen und Schauen.

Die große Stille

War nie

Von uns

Getrennt

 

Wir waren es

Die sie

Im

Stich ließen

 

 

 

Vom sichtbaren Selbst des Mädchens zum wahren Selbst der Erwachsenen

Meditation Stille

So wie alle kleinen Mädchen betrachtete ich mich gerne im Spiegel. Mein Gesicht studierend – mich ansehend / mich ausprobierend – Faxen schneiden. Ich suchte mich. Ich suchte Selbstbestätigung – die Bestätigung des sichtbaren Selbst. So sehe ich aus. Das bin ich.

Der Spiegel war sehr klein. Rechteckig, ohne Einfassung, ohne Schnörkel und Verzierungen. Ein Gebrauchsgegenstand. Für die Männer zum Rasieren. Mehr nicht.

Doch Großmutter sah das gar nicht gerne, wenn ich vor dem Spiegel stand.  Im Gegenteil – sie warnte vor der Hoffart. „Sei nicht hoffärtig“, sagte sie, „das ist eine Todsünde“, und meinte damit die 1. Todsünde, den Stolz. Die etymologische Bedeutung des Wortes, die assimilierte Form vom mhd. hōchvart – bedeutet „Hochsinn, edler Stolz, äußerer Glanz, Pracht, Aufwand, Übermut“.

Und diese Eigenschaften – diese Eigenschaften waren erst recht verboten. Vor allem für Mädchen. Das passte nicht zu stillen, ordentlichen und sauberen Mädchen – so wie ich eines sein sollte und für lange Zeit auch war.  

Großmutter warnte immer wieder, wenn sie mich doch wieder vor dem Spiegel erwischte: „Schau nicht in den Spiegel, da kommt der Teufel raus!“ Für Großmutter – und daher auch für mich – war der Teufel damals genauso präsent wie Gott. Und vor allem hatte er auch viel Macht. Über Gott nicht, nein. Obwohl Gott immer ein Auge auf ihn haben musste. Aber er hatte Macht über Menschen und vor allem über so kleine Mädchen wie mich, die nicht immer brav waren.

Später, sehr viel später, erinnerte ich mich an diesen Satz mit dem Spiegel und dem Teufel –  als ich die Zeilen las:

 

Du lebst im Sichtbaren

Wie kannst Du es trotzdem

Meiden?

 

Du lebst im Sichtbaren

Mußt Du es deshalb

Fliehen?

 

Du blickst Dich im Spiegel an

Doch blickt der Spiegel auf Dich?

Was siehst Du im Spiegel?

 

Siehst Du Dich?

 

Muss das sichtbare Selbst nicht erst wissen, dass es ein sichtbares Selbst ist, um es Loslassen zu können? Durch das Sich-selbst-loslassen zum wahren Selbst zu kommen?

 

Wie erkennt man

Das wahre Selbst

 

Indem man

Nicht mehr

In den

Spiegel

Blickt

 

Und damit hat sie dann doch recht behalten, die Großmutter – „indem man nicht mehr in den Spiegel blickt“ …

 

Beide Gedichte: Chao-Hsiu Chen: Im Tempel der Stille. Gustav Lübbe Verlag

Chao-Hsiu Chen wurde in Taiwan geboren, wo sie in den alten Weisheiten des Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus unterwiesen wurde. Sie studierte klassische Musik in Wien und Salzburg und arbeitet als Schriftstellerin, Malerin und Komponistin in Rom und München.

 

                                   

Der liebe Gott und ich und die Überschwemmungsgebiete

Buddhismus

Ich wurde in eine katholische Familie hineingeboren.

Nach meiner Rückkehr in meine Geburtsstadt habe ich die Kirchturmspitze der Kirche meiner Kindheit täglich vor Augen, und meine Gedanken beschäftigen sich unweigerlich immer wieder mit meinem Kindheitsglauben und dem Herausfallen aus meiner Gläubigkeit.

Als Kind fühlte ich mich sehr aufgehoben in meinem Glauben und den Ritualen in der Kirche. Ich ging gerne mit meiner Großmutter in die Kirche. Die Kirche in unserem Stadtteil war ca. einen Kilometer von unserem Haus entfernt. Im Sommer setzte mich meine Großmutter in den Kindersitz auf ihrem Fahrrad. Im Winter stapften wir durch den hohen Schnee. Ich liebte die Festtage und die Maiandachten. Besonders angetan hatten es mir jedoch die Kreuzwegandachten. Das Leiden von Christus am Kreuz. Dazu kamen noch die vielen Geschichten im Katechismus über die Leiden der Märtyrer. Ich wollte auch Leiden.

Mit 6 Jahren war mein innigster Wunsch Märtyrerin zu werden – mein Leben für Jesus hinzugeben. Ein halbes Jahr später sprach ich mit unserem Pfarrer. Ich sagte ihm, dass ich einen Brief an den Papst schreiben möchte, da ich es nicht gerecht finde, dass meine Mutter, weil sie geschieden ist, nun nicht mehr zur Kommunion gehen darf. Ich sagte ihm, ich möchte dem Papst erklären, warum er bei meiner Mutter eine Ausnahme machen muss. Der Pfarrer erklärte mir – der 6-jährigen, dass dies nichts bringen wird, da der Papst keine Ausnahme machen könne. Dies sei Kirchengesetz. Das war 1956. Meine erste große Enttäuschung. Der Märtyrerinnenwunsch verschwand einige Zeit später. 

Aus der katholischen Kirche ausgetreten bin ich mit ca. 30 Jahren. Doch das Christentum war lange Zeit meine Heimat und ist ein Teil meiner Vergangenheit. Seit der Zeit meines Kirchenaustritts beschäftigt mich meine Auseinandersetzung mit Gott und Jesus. 

Könnte ich schon lange sagen – ich glaube nicht mehr, wenn da nicht meine mystischen Erlebnisse aus meiner Kindheit in der Kirche wären. Und die mystischen Erlebnisse meiner Klosteraufenthalte als Erwachsene. Besonders die Erlebnisse meiner Kindheit, in der ein tief verbundener und nicht in Frage gestellter Glaube in mir war, haben nicht nur einen tiefen Eindruck hinterlassen – sie sind ein wunderbares Erlebnis in mir. Ein wahrer Schatz.

Ich kann nicht sagen – ich glaube nicht, wenn ich solches erlebt habe.

Ich könnte jetzt noch viele Erlebnisse in der Kirche aufzählen. Ich habe mich sehr aufgehoben und auch beschützt gefühlt. Das vermisse ich.

Jetzt wird es kompliziert: Ich kann es nicht glauben, dass ich nicht glaube. Und gleichzeitig glaube ich nicht. Und mein Unglaube schmerzt mich. Manchmal. Ich vermisse das Aufgehobensein.

Nach einer Diskussionsveranstaltung mit dem von mir sehr geschätzten Bruder David Steindl-Rast, Benediktinermönch, und als solcher im Dialog zwischen westlicher und östlicher Spiritualität, habe ich mir sein Buch „Credo“ gekauft. Das christliche Glaubensbekenntnis, das auch ich abgelegt habe, und das ich schon lange nicht mehr aussprechen kann. Es besteht nur aus 77 Worten. 
Steindl-Rast setzt sich mit jedem Satz / mit jedem Wort dieses Credo sehr gezielt und achtsam auseinander. Er stellt dazu jeweils die drei Fragen: 
„Was heißt das eigentlich?“ 
„Woher wissen wir das?“
„Warum ist das so wichtig?“

Er beantwortet die Fragen mit seinen Gedanken dazu und auch seinen persönlichen Erlebnissen. Seit Jahren lese ich in dem Buch. Immer und immer wieder. Jeder Satz von ihm regt zum Nachdenken an. Und ich bin noch lange nicht fertig damit …

Ich bringe ein längeres Zitat aus der Einleitung des Buches. Er bezieht besonders die aus der Kirche Ausgetretenen mit ein. Es gefällt mir sehr gut, obwohl ich nicht mit allem einverstanden bin. Aber so ist das. Und jedes Nichteinverstandensein führt zu neuem Nachdenken. Seine Frage in dem Absatz: „Wohin führt dieser Schritt des Austretens?“ – kann ich erst einmal beantworten – zu einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit dem Christentum, und zur Hinwendung zum Buddhismus.

Zu Ende ist es noch lange nicht, und vielleicht auch nie. 

Das Zitat aus David Steindl-Rasts Buch :
„Ein Leserkreis, für den dieses Buch besondere Bedeutung haben könnte, sind die aus der Kirche Ausgetretenen. Sie nehmen nämlich in vielen Fällen den Glauben besonders ernst, ernst genug jedenfalls für einen öffentlichen Schritt wie den Kirchenaustritt. Das verlangt Respekt. Es führt aber auch zu der Frage: Wohin führt dieser Schritt des Austretens? Da hilft mir ein Bild aus meiner Jugend in Wien: Wenn die Donau ins Überschwemmungsgebiet austritt, dann verlässt sie ihren alten Lauf gar nicht, sondern schließt vielmehr weitere Gebiete ein. Es scheint, dass wir berechtigt sind, das Austreten vieler Christen in diesem Sinn zu verstehen. Indem sie aus einer Kirche austreten, die ihnen zu eng geworden ist, schließen sie sich gar nicht aus, sondern sie schließen dadurch vieles ein, was zu einem umfassenderen Verständnis von Kirche und Glauben gehört.“

Das Bild des Überschwemmungsgebietes gefällt mir. Viele weitere Gebiete sind dazu gekommen. Eine Bereicherung. Die Kirche ist mir nicht nur zu eng geworden. Vieles gefällt mir nicht und lehne ich ab: Den Allmachtsanspruch über das Leben der Menschen bestimmen zu können; den Reichtum „auf Erden“ – Pomp und Prunk; den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt; das Vertuschen von Fehlern. Missbrauch, Gewalt; etc. 

Ich brauche kein „umfassenderes Verständnis von Kirche“ – ich habe verstanden, wie die jetzige Kirche funktioniert. 

2009 war ich für eine Woche Turmeremitin im Mariendom in Linz.

Linz war in diesem Jahr Kulturhauptstadt und es war eines der Projekte. Jede Woche gab es eine/n andere/n TurmeremitIn.

Man konnte sich bewerben, und ich wurde genommen. Und wieder war es eine Begegnung mit dem Christentum. Ich war dort ohne Handy und ohne meine eigenen Bücher. Auf einem schmalen Bücherbord in der kleinen Türmerstube, hoch über den Dächern von Linz, standen vielleicht fünf Bücher. Eines davon war „Das Buch meine Lebens“ von Teresa von Avila, (1515 – 1582). Sie trat mit 21 Jahren in das Karmelitinnenkloster ihrer Heimatstadt ein und gründete selbst 17 Klöster. Auch in diesem Buch lese ich seit Jahren, finde ich mich doch in vielen ihrer beschriebenen Erfahrungen in der Meditation wieder.

Mein spiritueller Betreuer in der Zeit, ein evangelischer Pfarrer, sagte zu mir: „Mit all deinem Zweifel bist du Gott näher als so mancher Gläubige“. 

Das glaube ich manchmal auch, manchmal nicht …

Vor 35 Jahren habe ich den Buddhismus kennen gelernt und ihn studiert. Meine schönsten und tiefgreifendsten Meditationserfahrungen machte ich in einem buddhistischen Kloster in Sri Lanka.

Als mein zweiter Ehemann und ich 1982 nach einer dreimonatigen Rucksackreise durch Indien und Sri Lanka zurückkamen, besuchten wir die wöchentlichen Yoga- und Meditationsabende im Buddhistischen Zentrum in Wien. Das Fernsehen wollte einen Bericht über Yoga und Meditation bringen und filmte an einem der Abende. Als der Film ausgestrahlt wurde, sah in zufällig meine Mutter und deren Nachbarin. Damals hat man auch noch gemeinsam ferngesehen. Wenn man keinen eigenen Fernseher hatte, ging man zum Nachbarn. Meine Mutter rief mich daraufhin – es war 1982, also am Festnetztelefon – an. Sie sei entsetzt und habe sich geschämt vor der Nachbarin, meinte sie, da wir jetzt offensichtlich bei einer Sekte seien. So war das damals. Es ist erst 36 Jahre her und doch hört es sich an, wie aus einer anderen Zeit.

Ich bezeichne mich als christliche Buddhistin.

Der Buddhismus ist zwar in Österreich als Religionsgemeinschaft eingetragen und anerkannt, doch ist er keine Religion, weil es keinen Gott gibt. Obwohl er von vielen als Religion gesehen wird, betrachte ich ihn als eine Lehrtradition. Der Buddhismus gibt Antworten auf die großen Fragen der Religionen – zum Beispiel nach dem Sinn des Lebens oder nach dem Leben nach dem Tod.

Die Lehren Buddhas haben meinem Leben eine Ausrichtung gegeben, die ich sehr schätze. Achtsamkeit im Alltag; das Leben im Hier und Jetzt; die Übernahme der Eigenverantwortung, speziell für das eigene Leid und einen guten Weg für die Auflösung des Leids. 

Alles Böse zu vermeiden, das Gute zu kultivieren und seine Gedanken zu reinigen – das ist die Lehre Buddhas.

(aus dem Dhammapada)

Das Gottes-Bild meiner Kindheit gibt es nicht mehr. Es ist wie ein schönes Märchen – der alte Mann mit seinem langen Bart und den wallenden Gewändern. 

Steindl-Rast schreibt, er selbst verwende oft die Ausdrücke: „Letzte Wirklichkeit“, „Urgrund des Seins“, „Quelle aller Lebendigkeit“. 
Der fast bildlose Ausdruck „Urgrund des Seins“ stammt vom englischen Dichter Gerard Manley Hopkins: 

„Ground ob being, and granite of it: past all / Grasp, God“ – „Urgrund des Seins, und sein Urgestein: Jenseits von allem / Begreifen, Gott“.

Wenn ich an das Gefühl in meinen Meditationen denke – Bilder gibt es da keine – würde ich dieses Gefühl als ein gleichzeitiges „Nichts und eine Allverbundenheit“ beschreiben. Wenn ich in diesem Gefühl ankomme, ist es wie ein „Heimkommen“. 
So schön, dass die Tränen fließen …
Selbstbildnis

Es interessiert mich nicht, ob es einen
Gott gibt oder viele Götter.
Ich möchte wissen, ob du
dazugehörst oder dich verlassen fühlst,
ob du Verzweiflung kennst und sie erkennen kannst
in andern. Ich möchte wissen,
ob du zu leben bereit bis in der Welt
mit ihrem harten Zwang,
dich zu verändern. Ob du zurückschauen kannst
mit festem Blick und sagen:
„Hier stehe ich“. Ich möchte wissen,
ob du es verstehst,
in die feurige Lebenshitze hineinzuschmelzen,
hineinzufallen
mitten in deine Sehnsucht. Ich möchte wissen,
ob du bereit bist,
Tag für Tag die Folgen der Liebe zu ertragen
und die ungewollte bittere Leidenschaft
deiner unausweichlichen Niederlage.

In dieser feurigen Umarmung, heißt es,
reden selbst die Götter von Gott.

(David Whyte)