sonntagmorgen meditation

sitzen

wahrnehmen dass ich sitze

mein körper entspannt

mein herz meine gedanken

kommen zur ruhe

hände finden ruhe

auf den oberschenkeln

daumen und zeigefinger

vereinigen sich

einatmen ausatmen

nichts sonst

ruhe im innern

ruhe im außen

erste sonnenstrahlen

wärmen

einatmen ausatmen

nichts sonst

(M.K., 05 09 2021)

Eine Reise von Gott zum Urgrund des Seins

Ich glaube an Gott,

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige katholische Kirche,

Dieses Glaubensbekenntnis (Credo) habe ich als Kind und auch noch als Jugendliche sehr oft abgelegt. Voll Freude und in tiefem Glauben daran. Und wenn ich die 77 Worte des apostolischen Credos laut lese, kann ich tief in mir den Hauch der Seligkeit meines damaligen Glaubens spüren.

Und doch – ich glaube nicht mehr an Gott, auch nicht an die Göttin, und schon gar nicht, dass die Katholische Kirche heilig ist.

Als Erwachsene bin ich aus der Kirche ausgetreten. Ich habe meinen Glauben nicht verloren, – so wie man vielleicht ein Taschentuch verliert. Nein – je, mehr ich meine Augen öffnete und fähig war meinen Geist frei zu machen von Glaubens-Sätzen, mich umsah in der Welt und den Religionen, und je mehr ich darauf aufmerksam wurde, was in der Katholischen Kirche und ihrem Umfeld passiert, war mein Austritt eine sehr bewusste Entscheidung.

Heute bin ich Buddhistin. Und gleichzeitig ist eine tiefe christliche Spiritualität in mir, die ihren Ursprung in Gott – vielleicht aber noch mehr in Jesus – hat. Jesus, – ich nenne ihn Joshua 1).

Die große Mystikerin Teresa von Avila sagte, wenn sie bete, sei das

„nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt“

Teresa hat in Jesus nicht ein moralisches Ideal gesehen, – sie hat ihn als einen wahren Menschen geliebt im eigentlichen und lebendigen Sinn des Wortes.

Nun finde ich es nicht als Zufall, dass ich im Mai 2009, als ich als Turmeremitin im Linzer Dom war, dort hoch oben über den Dächern von Linz ein kleines Büchlein mit Texten von Teresa von Avila fand, und in einer meiner Meditationen nach langer, langer Zeit mein Herz bei meinem Freund Joshua verweilte. Dies war ein so beglückendes Erlebnis, dass ich, die ich doch über alles erzähle und schreibe, dies nicht erzählen werde. Das bleibt bei mir.

Ich kann und möchte nicht mehr von Gott sprechen und auch nicht von der Göttin. Doch wie nenne ich das Gefühl der Verbundenheit/Zugehörigkeit mit Allem und das Gefühl, dass doch etwas fehle und die immerwährende Sehnsucht danach; die Glückseligkeit in meinen Meditationen und Kontemplationen; die Freude über das Nur-Sein und Nichts-sonst; das Urvertrauen in mir? Wie nenne ich das?

Und dann wurde ich fündig bei dem Benediktinermönch und Zen-Christen David Steind-Rast. Er sagt:

„Viele Menschen haben heute Mühe, wenn von Gott die Rede ist. Das kann ich nur zu gut verstehen. Allzu oft wurde dieses Wort ja missbraucht. Um Missverständnisse zu vermeiden, gebrauche ich selber oft andere Ausdrücke:

„Letzte Wirklichkeit“, „Urgrund des Seins“ 2), „Quelle aller Lebendigkeit“.

Ich habe „Urgrund des Seins“ gewählt, – das erzeugt Resonanz / spricht mit mir und in mir / schwingt in meiner Seele in leiser Fröhlichkeit / einer absoluten Liebe / Sicherheit und Vertrauen.  

Im „Urgrund des Seins“ ist alles enthalten – ich, mit all meinen Gefühlen und meinem Sein / alle Menschen und Tiere und Pflanzen / unsere Welt und alles darüber hinaus – das was ist …

~~~

„Wer tief in eine Blume schaut, der sieht eine Unzahl von Elementen, die zusammengewirkt haben, um die Blume zu ermöglichen. Berührst du die Blume, kannst du die Wolken berühren, die die Blume brauchte. Du berührst den Sonnenschein, denn ohne ihn gäbe es keine Blume. Gehen wir noch tiefer, so sehen wir die Erde, die Mineralien, Zeit und Raum – alles in dieser Blume. In der buddhistischen Terminologie sagen wir, die Blume hat kein Selbst, sie hat keine abgetrennte Existenz. Eine Blume besteht viel mehr aus Nicht-Blumen-Teilen. Deshalb spricht der Buddhismus nicht von »Sein« oder »Nicht-Sein«, sondern von »gegenseitigem Sein« oder »Intersein«. Und wenn du DEIN Selbst nicht finden kannst, dann schau auf die Tatsache, dass auch dein Selbst sich nur zusammensetzt aus Teilen des Nicht-Selbst.“

(Thich Nhat Hanh)

~~~

1) Die namensgebenden Worte aus dem Hebräischen sind „jahwe“ (= Gott) und „jascha“ (= retten, helfen, heilen). Der Name bedeutet somit so viel wie „Gott ist Heil“. Der Name Joshua ist die englische Variante von Josua, der vom hebräischen Namen „Jehoschua“ kommt.

2) Der fast bildlos Ausdruck „Urgrund des Seins“ stammt vom englischen Dichter Gerard Manley Hopkins – „Ground of being, and granite of ist: past all / Grasp, God“ – Urgrund des Seins, und sein Urgestein: Jenseits von allem Begreifen, Gott“ (Aus: Credo, David Steindl-Rast)

~~~

Mein erster Essay zum Thema „Gott und ich“ war der Essay „Der liebe Gott und ich und die Überschwemmungsgebiete“. In diesem gehe ich ausführlich auf meinen Kindheitsglauben, meine Zeit als Turmeremitin, David Steindl-Rast und den Buddhismus ein. Der zweite Essay „Eine Reise von Gott zum Urgrund des Seins“ ist eine Kurzfassung der Themen des Ersten und doch auch eine Weiterführung.

„Der Liebe Gott und ich und die Überschwemmungsgebiete“, veröffentlicht im April 2017 in meinem Blog:

Je älter desto kostbarer die Augenblicke des Lebens …

Ein Versprechen

~~~~

Vorab:

Mir ist immer bewusst, in welch glücklicher Lage ich JETZT bin um mich mit all dem – Stille / Rückzug / Besinnung / Achtsamkeit/ etc. – zu beschäftigen und auch darüber zu schreiben. Ich habe Zeit und ich bin gut versorgt durch mein Grundeinkommen (Pension). Jedoch – BEGONNEN habe ich vor Jahrzehnten – DAMALS – als ich in großer seelischer Not war / als meine finanzielle Lage nicht sicher war / als ich Alleinerzieherin war / und später noch hat es mich immer wieder gestärkt als ich einen sehr fordernden Beruf hatte. Selbstreflexion durch Psychotherapie; Vipassana- (Achtsamkeits-)Meditation; immer wieder Rückzug; Selbsterkenntnis durch die buddhistische Lehre  – hat mich unterstützt / mich gestärkt / verändert – und mir immer wieder ein gutes Leben ermöglicht.

JETZT  habe ich mehr Zeit und Ruhe – um mich zu vertiefen …

~~~~

Jeder Augenblick kann der letzte sein

Alles Seiende

immer und jederzeit

die Jahreszeit

der Nebel über dem Garten

der Sonnenaufgang

das Bellen des Hundes

die weichen Pfoten der Katze

die Hand des Geliebten

das Zusammensein mit lieben Menschen

Berührungen die das Herz erfreuen

Berührungen der Lust und Liebe

das Gefühl

der Gedanke

der Herzschlag

der Atemzug

Ich verspreche es mir

Ich übe täglich – besonders bei Menschen, mit denen es mir nicht leicht fällt. Ich übe täglich – Metta (Liebende Güte)

Einiges habe ich an den verschlungenen Wegen meines Lebens bereits gelernt – das Loslassen von alten Verhaltensmustern und das Lernen von einem neuen Umgehen miteinander – doch mir scheint, als ob dies der Krönungsweg sei. „Diese Liebe“ – ohne Anspruch auf Besitz oder Erwartung, das freiwillige Herzensgeschenk lernte ich bereits und auch das Mitgefühl und Freude gönnen – jedoch, die Nachsicht und Geduld, meine liebe Ursula, da gehe ich immer wieder in Kinderschuhen …

Ich lasse meine sehr geschätzte 92-jährige erste Vipassana-Meditationslehrerin Ursula Lyon, zu Wort kommen:

„Herzensgüte ist eine große heilende Kraft. (…)

Liebende Güte kommt manchen Menschen sehr entgegen, andere haben damit ihre Schwierigkeit. Diese „LIEBE“ ist erlernbar im Gegensatz zu der üblichen, weltlichen Ansicht von Liebe. „Liebende Güte“ basiert nicht auf Anziehung, auf Besitz, auf Erwartung und Austausch – es ist ein freiwilliges Herzensgeschenk ohne Anspruch auf Dank oder Gegengabe. Man kann es Freundlichkeit, Wohlwollen, Gut-Gesonnen-sein nennen und es zeigt sich in Mitgefühl im Freude Gönnen, in Nachsicht und Geduld. (…)

Die liebende Güte befreit von innerem Druck und lässt das Herz weit werden. Sie verbindet mit anderen Menschen, allen Lebewesen und der ganzen Natur.“

Tägliche Wahrnehmung –

Begreifen – spüren – anwenden …

Ich atme – ich bin …

Augenblicke der Achtsamkeit

liebevolle Gefühle

liebevolle Gedanken

liebevolle Beziehungen

liebevolles Wahrnehmen

einen letzten Atemzug in Liebe

dann – am Ende des Seienden …

Am Anfang war Liebe und am Ende bleibt die Liebe …

„In meinem Anfang ist mein Ende – in meinem Ende ist mein Anfang.“

(Inschrift auf dem Grabstein von T.S. Eliot)

Ursula Lyon: http://sampadasangha.com

Es war einmal ein wildes und gefährliches Leben – und heute?

Heute, mit meinen 70 Jahren, bin ich froh, als „Nomadin“ wild und gefährlich gelebt zu haben 1). Ich habe mich immer als „Reisende“ bezeichnet. Im Gegensatz zu den „Sesshaften“. Es brauchte Mut, – vielleicht war ich auch übermütig, und so manches Mal auch nicht achtsam. Ich surfte auf den Lebenswellen mit dem Gefühl – mir kann nichts passieren. Ich war so sicher in diesem Gefühl zu hause, dass ich nicht einmal in Erwägung zog, dass mir etwas passieren könnte.

Jetzt im Nachhinein gesehen, denke ich mir so manches Mal – Wahnsinnsfrau – was für ein wildes Vollblutweib – welch ein Mut / welch ein Übermut!

Welch ein Glück, dass sich die Tödin zurückgehalten hat / vielleicht war sie auch nur neugierig, was mir noch alles einfällt ….

Ich bin dankbar – unendlich dankbar, dies alles erlebt zu haben – damals …

Als ich älter wurde – und mein Tun nicht mehr als so selbstverständlich angesehen habe – streifte mich die Dakini-Energie zum ersten Mal. Ich erinnerte mich an die Menschen, denen ich Unrecht getan / die ich verletzt hatte. Eine so bedingungslose und rasante Reise ist nicht möglich, ohne den einen oder die andere Sesshafte zu verletzen. Ich entschuldigte mich. Einige haben mir verziehen, einige nicht. Damit gilt es auch zu leben.

Und heute?

Heute spüre und sehe ich die Tödin an meiner Seite. Manchmal bedanke ich mich bei ihr, dass sie mich alle Abenteuer meines Lebens einfach machen hat lassen. Ich weiß, sie wird mich irgendwann an der Hand nehmen – zu meiner letzten Reise / dem letzten Abenteuer …

Die letzten Jahre waren nicht einfach für mich. Ich wurde zur Sesshaften und wollte es nicht wahrhaben. Ich trauerte der Zeit der Reisenden nach. Ich vermisste die Wildheit / die Gefahr. Mein Leben erschien mir langweilig. Das soll’s jetzt gewesen sein? Wie kann man bloß ein Leben ohne Exzesse leben?

Und immer wieder das Zurücksehnen – so wie es war – so wie ICH war – alles war damals möglich – jederzeit …

Und ich erinnerte mich – erinnerte mich – erinnerte mich …

Und dann kam sie nochmals mit einer gewaltigen Energie – die Dakini-Energie wirbelte mich herum und heraus aus meinem gewohnten Leben – ich surfte nicht mehr auf der Welle – sie zog mich nach unten zum tiefsten Meeresgrund.

Dakini, auch als Himmelstänzerin oder Himmelswandlerin bezeichnet, ist ein Geistwesen des antiken Indiens, welches nach der Mythologie die Seelen der Toten in den Himmel bringt – aber nicht nur. Eine indische Tödin sozusagen. Doch, noch war es nicht so weit.

Die Dakinis können das eigene Weltbild schon mal auf den Kopf stellen und dann tun wir gut daran, durchzuatmen, aufzuhören mit dem jammern und dahinlavieren, sich hinzusetzen und einmal nachzuschauen, was da jetzt eigentlich los ist. 2)

Die Reise nach innen

Damit begann die Reise nach innen, die nicht weniger gefährlich war.

Mich dem zu stellen, was ich alles getan hatte. Nein, ich war nicht immer die Gute. Ja, ich habe Fehler gemacht. Ja, ich hätte vieles anders machen können, – Zweifel waren da / Trauer über das was nicht war / über das was hätte sein können / Schuldgefühle. Ich begann genau hinzuschauen – auf das Gute und das Schlechte.

Ich merkte, dass es wesentlich leichter gewesen war, meiner Familie die Fehler zu verzeihen, die sie begangen haben, als mir selbst zu verzeihen.

Ich sammelte mich

In der buddhistischen Lehre hat die Sammlung einen hohen Stellenwert.

In dieser Sammlung geht es nicht um Macht oder Erfolg – um immer mehr im Außen. Es geht um eine innere Läuterung, die sowohl das äußere wie auch das innere Leben verändert und die schlussendlich das Unbefriedigtsein / die ewige Sehnsucht nach etwas Anderem / – das  „Leiden an was auch immer“, befreit.

Ich begann im Außen auszulichten – Tagebücher / Bücher / Kleidung / Wohnutensilien – ich reduzierte. Darüber habe ich in diesem Jahr ausführlich erzählt. Ich habe meine Wohnfläche reduziert. Ich habe die vielen Dinge und Sachen, die ich mit den Jahren angesammelt und mitgeschleppt hatte, reduziert.

Unter den Schlagworten „Veränderung / Loslassen / Auslichten“ habe ich allein in diesem Jahr neun Erzählungen geschrieben!

Reduktion auf das Wesentliche.

Loslassen ist das große Wort zur Befreiung.

Mein Herz und meine Seele haben mir ein Mantra 3) geschenkt. Nicht der Verstand, nein. Ein Mantra muss aus dem Herzen kommen. Es ist ganz einfach und lautet:

„Lass es gut sein“

Es enthält das „lass es = das loslassen“ und es enthält das „gut = es darf gut sein / es ist gut“.

Und immer wenn ich merke, dass ich mit meinen Gedanken in der Vergangenheit hängen bleibe, rezitiere ich dieses Mantra. Es reinigt meinen Geist und die damit verbunden Gefühle.

Ein Ankommen im „Hier und Jetzt“.

Das „Hier und Jetzt“ ist nicht nur mit der Vereinfachung meines Lebensstils verbunden, einer Wieder-Verbundenheit mit der Natur, den Tieren, sondern auch mit Verlangsamung und Achtsamkeit.

Das Praktizieren der Vipassana- (Achtsamkeits)Meditation 4), die mich auch meine wilden und gefährlichen Zeiten gut überstehen hat lassen, da ich auch damals immer wieder dahin zurückgekehrt bin.

Jetzt bestimmt sie meinen Alltag.

Achtsamkeit im Geist. Ich lese viele der Bücher, die langsam gelesen werden wollen, und die ich immer schon lesen wollte, aber mir nie die Zeit dazu nahm.

Achtsamkeit im Herzen. Ich übe mich in der großen und wahrscheinlich lebenslangen Übung „Metta – Liebende Güte“. „Diese „LIEBE“ ist erlernbar im Gegensatz zu der üblichen, weltlichen Ansicht von Liebe. „Liebende Güte“ basiert nicht auf Anziehung, auf Besitz, auf Erwartung und Austausch – es ist ein freiwilliges Herzensgeschenk ohne Anspruch auf Dank oder Gegengabe. Man kann es Freundlichkeit, Wohlwollen, Gut-Gesonnen-sein nennen und es zeigt sich in Mitgefühl im Freude Gönnen, in Nachsicht und Geduld.“ 5)

Achtsamkeit der Seele. Großes Schweigen und Vorbereitung auf das endgültige Loslassen.

Und heute?

Langsam bin ich angekommen in meinem Leben als Sesshafte.

Sanft im Umgang mit meinen Lieben und mir selbst.

Immer wieder auch zornig in Bezug auf gesellschaftspolitische Ungerechtigkeiten und Missstände.

Und beides darf sein.

Die Kunst ist die Ausgewogenheit zwischen verschiedenen Umständen und Befindlichkeiten.

Wie es weiter geht?

Ich habe keine Ahnung.

Das mag für manche vielleicht auch gefährlich klingen. Für die, die so gerne auf der sicheren Seite sind. Aber es gibt keine sichere Seite. Es gibt nur das Leben. Und es kommt, wie es kommt.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ (John Lennon)

Vor zwei Jahren habe ich das Buch „ LebensZeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …“ veröffentlicht. Auf der Rückseite des Buches steht:

Mit 18 konnte ich mir ein Leben nach 30

Nicht vorstellen

Mit 30 versuchte ich mir ein Leben mit 50 vorzustellen

Mit 50 erwischte mich der Älterwerden-Blues

Mit 60 erlebte ich die Endlichkeit von Allem

Mit 67 keine Vorstellungen mehr –

Das Glück der stillen Stunden / der kleinen Dinge

Einfach leben

&&&

Der einzige Halt liegt im Loslassen

~~~~~~~~

1) Diese Erzählung entstand angeregt durch die Erzählung „Wild und gefährlich“ von der wunderbaren und schon oft zitierten Cambra Skadé.

Wild und gefährlich

https://www.cambra-skade.de

2) „Man kann die Dakinis nicht nur als mythologische Wesen, sondern auch als Symbole für die inneren, psychologische Prozesse des Einzelnen verstehen. Somit symbolisieren sie alle Inspirationen, die anregen, auf dem Weg des Buddha-Dharma  weiter voranzuschreiten. Diese sind nicht immer nur wohlwollend, sie können auch plötzlich und in beängstigender Weise das jeweilige Weltbild auf den Kopf stellen und die begrenzenden Fesseln und Mauern zerschlagen. Wie diese „Befreiungsschläge“ dann empfunden werden, hängt von der jeweiligen Bereitschaft ab, sie anzunehmen und zu integrieren. Da die Dakinis frei von jeglicher Konvention sind, scheuen sie sich nicht, auch die ungewöhnlichsten Wege zu beschreiten, um aufzurütteln und zu helfen. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Dakini#Ikonografie

3) „Die indoeuropäischen Sprachen, die vom Sanskrit abstammen, sollen von der hinduistischen Göttin KALI MA  erfunden worden sein. Sie brachte das erste Wort hervor, „Om“, das die Bedeutung von Ei hat. Es ist die „höchste Silbe aller Laute“ (Barbara G. Walker). (…)

Die eigentliche Bedeutung der KALI  basiert auf ihrer Erfindung der Buchstaben, da anzunehmen ist, dass es Sprache lange vorher gab. Die Schaffung von Buchstaben ermöglichte die Sichtbarmachung von Lauten und Worten. Die magischen Buchstaben schrieb die Göttin auf Schädel, die sie als Kette um den Hals trug. Die Silben waren in vier Kategorien eingeteilt, die die Elemente als Grundsubstanz alles Lebenden und alles Toten ausdrückten: Va = Wasser; Ra = Feuer; La = Erde und Ya = Luft. Sie wurden von der Muttersilbe Ma, der Verkörperung der Geisteskraft, zusammengehalten.

Die Buchstaben von KALIS Alphabet waren die MATRIKA „Mütter“, und die Worte waren geheime MANTRAS, Worte der Macht, durch die zerstört und neu geschaffen werden konnte. (…)

Aus: „Die Quellen der Philosophie sind weiblich“, Ingrid Straube, ein-FACH-Verlag, 2001

4) Zu den Grundlagen der Vipassana-Meditation gehören die Sieben Faktoren des Erwachens. Sie sollen dir dabei helfen, deinen Geist zu befreien. An erster Stelle steht die Achtsamkeit, danach folgen die Wahrheitsergründung, die Willenskraft, die Freude, Gelassenheit, Sammlung und Gleichmut.

Achtsamkeit bezeichnet das Leben im Hier und Jetzt im vollen Bewusstsein der eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen. Mit Wahrheitsergründung ist das Verstehen der buddhistischen Lehre gemeint.

Achtsamkeit ist auch ohne Buddhismus möglich.

Selbst, wenn Achtsamkeit ein wesentlicher Bestandteil des Buddhismus ist, heißt das nicht, dass du dich voll und ganz dieser Lehre hingeben musst, um Achtsamkeit üben zu können. Die Geisteshaltung lässt sich auch praktizieren und trainieren, wenn du kein Buddhist bist. Schließlich ist es eine bestimmte Haltung dem Leben gegenüber, die sich durch Wachheit und Mitgefühl auszeichnet.

https://www.evidero.de/verbindung-von-achtsamkeit-und-buddhismus#:~:text=Achtsamkeit%20im%20Buddhismus%20bezieht%20sich,du%20in%20einem%20Moment%20wahrnimmst

5) Herzensgüte ist eine große heilende Kraft.

Sie ist ein Heilmittel gegen Angst, Unsicherheit und die jetzige Ungewissheit in dieser Corona-Zeit. Sie ist ein Energie-Spender für Herz und Hirn. Wir stärken mit Liebeskraft unser Selbstwertgefühl und bekommen äußerlich und innerlich gesunde Widerstandskraft.

Liebende Güte kommt manchen Menschen sehr entgegen, andere haben damit ihre Schwierigkeit. Diese „LIEBE“ ist erlernbar im Gegensatz zu der üblichen, weltlichen Ansicht von Liebe. „Liebende Güte“ basiert nicht auf Anziehung, auf Besitz, auf Erwartung und Austausch – es ist ein freiwilliges Herzensgeschenk ohne Anspruch auf Dank oder Gegengabe. Man kann es Freundlichkeit, Wohlwollen, Gut-Gesonnen-sein nennen und es zeigt sich in Mitgefühl im Freude Gönnen, in Nachsicht und Geduld.

(Ursula Lyon, vor 40 Jahren meine sehr geschätzte erste Lehrerin in Vipassana-Meditation)

„Wir dürfen die Augen nicht verschließen!“ Corona, Klimawandel und Buddhas Lehre – Teil 1

Ich möchte euch einen äußerst  interessanten und fundierten Artikel ans Herz legen. Viel wurde und wird über den Klimawandel, Corona, etc. geschrieben. Bis jetzt habe ich keinen Text gelesen, mit dem ich so übereinstimme wie mit der klugen und interdisziplinären Zusammenfassung unter Berücksichtigung und Einbeziehung der spirituellen Ebene von Thomas Klien. Manchen mag die Einbeziehung der spirituellen Ebene nicht wichtig erscheinen oder auch nicht „einleuchten“ – mir erscheint es sehr wichtig, diesen blinden Fleck in der Debatte zu „beleuchten“.

Thomas Klien studierte Landschaftsökologie und –planung. Er praktiziert in den Kagyü- und Nyingma-Linien des tibetischen Buddhismus. Seit einigen Jahren betreut er Landschaftsgestaltungsprojekte in Chökyi Nyima Rinpoche’s Gomde Zentren in Oberösterreich und den Pyrenäen.

Selbstverständlich werde ich auch den zweiten Teil posten, sobald er online ist. Aus dem lesenswerten Artikel:

„Den Klimawandel und die ökologische Zerstörung allein durch die wissenschaftliche und technologische Linse zu betrachten, kann die Grundursachen nicht wirklich adressieren – diese Betrachtungsweisen bieten daher auch keine ausreichenden Lösungen. Es ist genau das Aufkommen von Technologie und Wissenschaft – eine bestimmte Herangehensweise in der Wissenschaft, die auf einer cartesianischen, reduktionistischen Sicht der Wirklichkeit beruht –, das zu einem wachsenden Gefühl der Trennung und des Mangels an Verbundenheit führte und führt. Technologie kann natürlich in vielerlei Hinsicht nützlich sein, aber das Gefühl der Verbundenheit und das innere Wissen der wechselseitigen Durchdringung aller Phänomene und fühlenden Wesen kommen durch Liebe und intuitive Einsicht zustande, nicht durch Technik.“

Weiterlesen hier:

http://www.buddhismus-austria.at/aktuellesmedien/aktuelles/wir-duerfen-die-augen-nicht-verschliessen/t/266