SommerLiebesbunt – Gedichte aus meinem Buch

Und wieder ist es ein heißer Sommer …

Hier einige bunte und heiße Gedichte aus der Gedichtreihe „SommerLiebesbunt“ – aus meinem Buch „LebensZeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …

I

Heute
Ist die Liebe türkis
Karibisches Meer
Deine Lust
Brennt Löcher
In meine Haut

II

Heute
Ist die Liebe gelb
Flirrende Sommersonne

Ich spüre dich
An meinem Rücken
Deine Hände auf meinen Hüften

Flirrende Lustströme
Halt mich fest
Geliebter

III

Heute
Ist die Liebe schwarz
Worte schwarz auf weiß
Einen Satz
Liest du
Mir
Vor

Im Klang deiner Stimme
Fühle ich
Was dich berührt

Was dich berührt
Berührt auch mich

IV

Heute
Ist die Liebe ein Regentropfen
an der Fensterscheibe
schimmernd im Kerzenschein

Dämmerstunde
Der Garten
Die Bäume
Im Dunkelwerden

Herinnen
Du und ich

V

Heute
Ist die Liebe ein Regenbogen
Rock’n roll und Blues

Der Joint
Wir kichern
Und Lachen
Lassen unsere
Kleider fallen
Stolpern
Landen am Boden
Lösen uns auf

All you need is love

VI

Heute
Sitzt die Liebe auf dem Nussbaum
Oder wir
Oben oder unten
Ringelreihen
Kinderlieder
Werden wie die Kinder
Um lieben zu können
Bedingungslos

VII

Heute
Schreibe ich Dir
Einen Liebesbrief

Und du
sitzt neben mir

VIII

Heute
Ist die Liebe
SommerHimmelDunkelbau

Grüne Weingärten
Silbrigglitzernde Olivenbaumblätter

Du und ich
Versteckt hinter Ginster
Im kühlen Wasser des Teiches
Ineinander verschlungen

M.K., geschrieben im Juli und August 2016

Mein Buch „LebensZeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …“ erzhältlich als Paperback, Hardcover und e-Boock im Buchhandel und bei deinem Buchhändler ums Eck …

Veränderung braucht Zeit und Wankelmut

Immer wieder verwundern sich Mitmenschen, dass ich immer wieder Abschied nehme – von vielem – und in einigem immer wieder zurückkomme. Das ist gut so – rufe ich ihnen zu! Das passt! Große und tiefe Veränderungen kommen nicht über Nacht – sie brauchen Zeit. Sie brauchen die „immer wieder“.

Veränderung braucht Mut zum Wankeln – zum immer wieder zurückkehren zur Sicherheit des Gewohnten und des Erprobtem, des bis jetzt gelebten und damit auch der Lebenserfahrung. Veränderung braucht Mut und Zeit zum Schleifen ziehen, zum Hineinschnuppern ins Ungewohnte, in die Unsicherheit, ins Neue.

Die, die immer wieder zurückkommt ist bereits eine andere – eine im Werden, die selbst noch nicht weiß, was da wird und wie sie sein wird …

Veränderung braucht Entschleunigung.

Grundlegende Veränderung – wenn die Grundlagen des Seins erschüttert werden – braucht vor allem neben dem Hirn (Erkenntnis) auch das Herz (Herzensgüte)

Vom Ich zum Selbst geht ins Herz – unmittelbar.

Es braucht Metta (auf Sanskrit maitri). Metta ist ein Zustand des „Herz-Geistes“, der als „liebende Güte“, „allumfassende Liebe“, „selbstlose Liebe“, „Herzensgüte“ beschrieben werden kann.

Im Metta-Sutta, einer Lehrrede des Buddha, beschreibt dieser Metta als vergleichbar mit der bedingungslosen Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Ohne Metta für sich selbst, kann auch das große Ziel, die liebende Güte auf alle fühlenden Wesen auszuweiten, nicht erreicht werden.

Vor 35 Jahren begonnen, immer wieder aus den Augen verloren, immer wieder zurückgekehrt.

„…. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst …“ (Aus einem Gebot der Tora des Judentums)

Veränderung braucht Entschleunigung und Akzeptanz für diesen Prozess, der seine Weile dauert. Es dauert, so lange es dauert …

Veränderung ist immer anders. Das ist meine Erfahrung. So manches Mal geschieht es sehr rasch und im Geheimen. In diesen Situationen komme ich eines Morgens heraus wie Phönix aus der Asche. Dann wieder ist es ein längerer Prozess, über den ich rede und schreibe; über den ich erzähle.

Und immer wieder verabschieden sich Mitmenschen bei diesem Prozess oder nach dem Prozess. Mitmenschen, die die Zeit des Wankelmuts, die Zeit des Kontrollverlustes, nicht mitgehen können / wollen. Mitmenschen, die mit der, die zum Vorschein kommt, nichts mehr anfangen können. Wer bist du? – fragen sie. Ich kenne dich nicht mehr. Ja, ich habe mich wieder einmal gehäutet – doch alles ist noch da – es kommt nur Neues dazu.

Und dann, nach Verlust und Trauer über den Abschied, die Freude über den Gewinn von neuen lieben Mitmenschen. Immer wieder.

„Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,

und Neues blüht aus den Ruinen.“

(Friedrich von Schiller)

Die Dankbarkeit für und der Abschied von Lebenserfahrungen – und nicht wissen wie weiter.

Immer wieder Wankelschritte wie ein Kleinkind, das mit den ersten Babyschritten – Schritt für Schritt in die Unsicherheit hineingeht – bis eines Tages – der Schritt fest ist …

Welch eine Freude wird das sein, welch Strahlen und Lachen …

Veränderung bringt Neues – auch eine andere Sprache.

Die Sprache des Herzens.

Komme was wolle und was kommt wird gut sein.

Es drängt etwas zum Vorschein, das bis jetzt nicht gelebt worden ist. Oder doch? Früher, ganz früher – in den kindlichen Anfängen, in der noch nicht viele Einflüsse von außen aufgenommen worden sind. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder – fällt mir dazu ein.

„Ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen“ (Matthäus 18,3)

Vom Ich zum Selbst.

„Das Selbst ist kein Sein und kein Nichts, sondern endloser Wandel: „Mein eigentliches Wesen ist die Zeit selbst, nicht ein Etwas in der Zeit.“

(Jikme Lingpa)

Zum Schluss möchte ich den von mir sehr geschätzten Karl-Heinz Brodbeck 1) zitieren:

Was im Mahayana 2) über das Selbst gedacht wurde, ist durchaus auch aus einer abendländischen Perspektive verständlich. Die Vergänglichkeit aller Phänomene, aller Erfahrungen verleitet dazu, etwas Dauerhaftes zu suchen. Doch dieser Versuch muss immer wieder, schließlich endgültig und todsicher, scheitern. Unsere privaten Schrullen als ewiges Ich festhalten zu wollen, ist tatsächlich ein „närrischer Gedanke“. Wir können auch die Luft nicht festhalten. Aber wir können atmen. Die Sprache gibt einen Fingerzeig: „Atem“ und „Atman“ (= Selbst) haben dieselbe Wortwurzel. Das Selbst ist kein Sein und kein Nichts, sondern endloser Wandel: „Mein eigentliches Wesen ist die Zeit selbst, nicht ein Etwas in der Zeit.“ (Jikme Lingpa) 3)

Unsere privaten Schrullen als ewiges Ich festhalten zu wollen, ist tatsächlich ein „närrischer Gedanke“.

Ja, das gefällt mir …

Zitate und Info:

1) Prof.Dr. Karl-Heinz Brodbeck, ist Dharma-Praktizierender,  Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Tibethaus Frankfurt, Autor zahlreicher Bücher.

https://buddhismus-aktuell.de/artikel/ausgaben/20173/das-selbst-ist-kein-sein-und-kein-nichts-sondern-endloser-wandel.html

2) Das Mahayana ist eine der großen Hauptströmungen im Buddhismus, die sich zwischen 100 v. Chr. und 100 n. Chr. etablierte. Im Zentrum des Mahayana stehen die Werte Mitgefühl (Karuna) und Weisheit (Prajna). Diese werden wie zwei Beine betrachtet, die notwendig sind, um den buddhistischen Weg zu gehen.

https://religion.orf.at/lexikon/stories/2568992/

3) Jigme Lingpa; geb. 1729 (oder 1730); gest. 1798) war ein bedeutender Dzogchen-Meister und Tertön der buddhistischen Nyingma-Tradition des Vajrayana 4).

4) Das Vajrayana stützt sich mit der „Lehre des Mittleren Weges“ (Madhyamaka) auf die philosophischen Grundlagen des Mahayana. Im Tibetischen Buddhismus werden die verschiedenen buddhistischen „yanas“ (wörtlich: Fahrzeuge) anhand der Ziele oder der Methoden unterschieden.

Über die dunklen Seiten der Seelen von uns Menschen zur Versöhnung und Umarmung an Hand der Texte von Thomas Sautner, Roul Starka und Nicole Lieger

Malina, die Hauptfigur in dem Roman „Das Mädchen an der Grenze“ erzählt, wie ihr Vater und sie, trotz eines gemeinsamen Erlebnisses, alleine sind.

„Alleine, ich für mich, und auch – es traf mich ebenso – du für dich. Nun, da ich endlich deine Zartheit hatte sehen dürfen, wurde mir bewusst, wie sehr nicht nur ich, sondern auch du Hilfe bräuchtest, und ebenso Mutter und meine Schwestern und all die anderen, ja selbst die fremden Menschen aus meinen Wachträumen. Wieso nur waren wir alle … so alleine mit uns? Und immer geschah, geschah, geschah das Leben und immer stieß es uns herum und keiner war da, der lieb war und zugleich auch stark. Lieber Gott, wieso gab es dich nicht?! (…)

Noch einmal berührtest du sachte den Rand der Decke, ließest die Hand aber nicht darauf ruhen, sondern hieltest sie wie schwebend auf dem Stoff. Als wäre die Decke selbst schon schwer genug für mich, als wolltest du mir nicht noch weitere Last, dich, zumuten. Vielleicht war es ja auch deine Art mich zu streicheln, Papa, indem du so behutsam den Stoff berührtest über meinem Herzen. Kurz hobst du den Blick zu mir, strichst noch einmal über den Deckensaum. Dann gingst du.“

Weiter schreibt sie über ihre neue Lehrerin, Frau Schemelmann.

„Ich schreckte hoch, wenn sie mich wie aus dem Nichts anschrie, mir Kopfnüsse verabreichte oder mich an „den Süßen“ zog, dem Haaransatz beim Ohr. Wenn sie das tat und mir dabei viel zu nahe kam, roch ich sie, ihr Kölnischwasser und ihre dickwollige, leicht säuerliche und zugleich modrige Kostümjacke. Gewiss, für ihren Geruch konnte sie nichts, er war ihr mit den Jahren geschehen und Frau Schemelmann nahm ihn vermutlich ebenso wenig wahr, wie sie ihr Verhalten wahrnahm. Darin steckte sie fest wie in einer düsteren, engen Wohnung. Und mir schien, dass nicht sie darin tat und ließ, was sie mochte, sondern die Wohnung mit Frau Schemalmann tat und ließ, wie es ihr gefiel. (…)

Doch das einzige Ergebnis, auf das ich kam, war, dass ihre Verlorenheit die Menschen einte. Hilflos trieben sie auf den Wellen ihrer Emotionen, wurden hin- und hergeworfen von Empfinden, die oft auf Missverständnissen beruhten, auf Halbwahrheit und alten Kränkungen. Alle sehnten sich nach Liebe und Respekt; und beinahe alle glaubten, betrügerisch wenig davon zu bekommen. Es stimmte sie missmutig und aggressiv, ließ sie Krieg führen gegen sich und die Welt.“

Aus dem Buch „Das Mädchen an der Grenze“ von Thomas Sautner

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Roul Starka, Musiker, Komponist und Literat, schreibt in einem fiktiven Gespräch mit George Floyd, dem Afroamerikaner, der am 25. Mai 2020 durch einen Polizisten getötet wurde:

„Alles okay, die letzten Sekunden da unten waren grauenvoll, aber jetzt geht es mir gut. Ich bekam zwar keine Luft mehr, musste aber den Atem des Cops riechen.“
„Wie roch das?“
„Es roch nach Angst, nicht nach meiner, nach seiner.“
„Aber du musst doch Angst gehabt haben?“
„Natürlich, mehr als je zuvor, aber meine war Todesangst, seine war Angst vor seinem eigenen Hass, das stinkt wirklich.“ (…)

„Wie denkst du jetzt über den Cop?“
„Ich würde ihn umarmen und ganz fest drücken.“
„Was? Wir wollen ihn alle ewig lang einsperren, manche wollen ihn hinrichten!“
„Das ist ja das Problem. Aber das befriedigt nur deine Wut, deine Machtlosigkeit, deinen Hass. Es geht dir jetzt wie damals dem Cop, als er klein war, sich nicht wehren konnte gegen eine Bedrohung, gegen eine Einsamkeit.“
„Herrgott, wir können ja nicht alle Mörder umarmen und fest drücken, das ist ja Wahnsinn!“
„Probier es mal mit Fraugott und umarmen, das mit dem Einsperren und Bestrafen funktioniert ja nicht so toll.“

https://www.facebook.com/roul.starka

https://www.starka.at

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Sehr lange schon kenne ich die von Nicole Lieger ausgearbeitete und formulierte „Politik der Anziehung“. Und immer wieder, wenn ich von Zeit zu Zeit ihre Texte lese, bin ich begeistert von dem wie sie die Möglichkeit Politik zu machen beschreibt – „ein liebevolles Engagement für eine andere Welt“.

Als ich die zwei obigen Texte ausgewählt habe, ist mir eine Textstelle von ihr eingefallen, die hervorragend dazu passt:

„Ein weiterer Vorschlag, den ich hier in den Raum stellen möchte, ist, eine sprachliche Wendung zu suchen, die immer deutlich macht, dass unser Interesse dem Wohlergehen der gesamten Menschheit gilt. Besser wäre vielleicht noch zu sagen „allen Lebewesen“, aber ich denke, als erster Schritt ist eine Besinnung auf die Menschheit als Ganzes schon sehr hilfreich. Der sprachliche Vorschlag dazu wäre, das Wort „wir“ immer in Bezug auf die Menschheit zu verwenden. Möchte ich auf spezielle Umstände einer bestimmten Situation eingehen, sage ich „diejenigen von uns“. Zum Beispiel: diejenigen von uns, die in China geboren wurden; diejenigen von uns, die gerade Konzerne leiten; diejenigen von uns, die Terroranschläge vorbereiten; diejenigen von uns, die in Slums leben; diejenigen von uns, die gerade als Soldaten unterwegs sind; diejenigen von uns, die als Männer erzogen wurden; diejenigen von uns, die gestorben sind.“

https://homepage.univie.ac.at/nicole.lieger/

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Roul Starka lässt George Floyd in dem fiktiven Gespräch über seinen Mörder sagen – „es roch nach Angst, nicht nach meiner, nach seiner“ und weiter –„Ich würde ihn umarmen und ganz fest drücken“

Malina erzählt in ihrer Geschichte über den „leicht säuerlichen Geruch“ von Frau Memmelmann. Sie beschreibt sie als griesgrämige Frau, die zuweilen spontaner Ärger befiele, und wie eigentlich alle Menschen Hilfe bräuchten.

In meiner Arbeit als Psychotherapeutin habe ich in der speziellen Körperarbeit mit Klient*innen gelernt, die verschiedenen Schweißgerüche zu unterscheiden. Angst riecht zum Beispiel anders als Wut. Und ich habe erfahren, wie sich die Gefühle von Angst, Wut, etc. in Umarmungen und Gehaltenwerden in Trauer und Schmerz verwandeln …

Wie könnte ich nach fünfundzwanzig Jahren Arbeit mit Menschen als Psychotherapeutin nicht über das viele Leid, Schmerz, Missachtung und Missbrauch von Menschen wissen.

Ja, ich weiß, dass derjenige Mensch von uns, der Floyd ermordet hat, nicht als Mörder zur Welt kam.

Könnte ich ihn umarmen?

Ich weiß es nicht.

Da möchte ich doch gerne als Abschluss die Worte von George Floyd in dem fiktiven Gespräch mit Roul Starka zitieren:

„Die Herz Dame im Kartenspiel neu gestalten, Aretha Franklin sitzt neben mir, wär doch ein schönes Foto. Dann die Karten mischen und spielen, statt stechen sagt umarmen …“

Über die Liebe und das Leben

Eine Rückschau mit Dankbarkeit

Mit 70 Jahren darf man schon mal Rückschau halten.

Die Schatztruhe öffnen und schauen, welche Schätze sich darin angesammelt haben. Obwohl es natürlich noch nicht zu Ende ist – die Liebe und das Leben – da kommt noch was …

Reden wir doch über die Liebe und die Lust in unserem Leben.

Was gibt es Wichtigeres?

Gibt es etwas Wichtigeres?

Nein.

Am Ende des Tages – oder hoffentlich schon früher – ist es egal, wer du warst, welchen Beruf du hattest, wie viel du verdient hast, oder was du alles besitzt …

Am Ende des Tages – oder hoffentlich schon früher – wirst du dich fragen, wie viel du geliebt und voll Lust und Freude gelebt hast.

Lasst uns doch diese Geschichten erzählen.

Geteilte Geschichten bereichern und machen Mut zu leben.

Was würdest du erzählen?

Heute erzähle ich – einen Teil – meiner Geschichten. So viel gelebtes Leben lässt sich nicht in einer Geschichte unterbringen – und dafür bin ich sehr dankbar.

In den Jahren meines Liebes-Lebens lernte ich zu unterscheiden:

  • die Herzensliebe – die aus dem Herzen kommt und das Herz überfließen lässt
  • die Seelenliebe – eine seelische Verbundenheit, die sich anfühlt, als wäre die Liebe schon seit Anbeginn der Welt da
  • die Bauchliebe – welche die Schmetterlinge zart mit den Flügeln schlagen lässt in unserem Bauch, und / oder die ein loderndes Feuer entflammt, das uns brennen lässt vor Lust

Ich lernte, dass alle drei für sich gelebt werden können / dürfen.

Und ich lernte, dass, – wenn alle drei zusammentreffen es die „heilige Dreifaltigkeit“ ist. Ein wundersames Geschenk.

Ich schreibe Liebesbriefe an meinen verstorbenen ersten Ehemann, von dem ich mich getrennt habe – damals vor langer Zeit; ich rede mit meinem zweiten Ehemann über unsere Liebe, wenn wir uns sehen; und ich habe Schmetterlinge im Bauch, wenn ich mich mit meinem Lieblings-Ex-Lebenspartner treffe …

Und das alles trage ich in mir und spüre ich jederzeit – wann ich nur will – welch’ glückliche Frau ich doch bin …

Panta Rhei  – Aus der Flusslehre

„Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“

Ich sitze am Ufer meines Flusses und blicke zurück.

Wenn ich zurückblicke, muss ich aufstehen um die Quelle meines Flusses zu sehen; wie er mäandert und sich die Ufer immer wieder verändern.

Schaue ich in die andere Richtung – zum Mündungsdelta des Flusses in das unendliche Meer – kann ich es bereits im sitzen sehen …

Metamorphose – Bewegungsfluss der Liebe

Welch weiter Weg von dem verzweifelten Schrei im Jahr 1988 „er gehört nicht mir“ bis zur Freiheit des Herzens und der Worte „weil meine Liebe nichts verlangt von dir“ im Jahr 2019 …

1988

er braucht mich nicht

er lacht und liebt mit einer anderen

keine liebe

kein vertrauen

keine sicherheit

keine geborgenheit

er braucht  mich nicht

er begehrt mich nicht

nicht mehr

wie gewonnen

so zerronnen

lebensspiel

er gehört nicht mir

nicht mehr

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2019

Ich habe keine Angst

dir zu sagen

dass ich dich noch immer liebe

und begehre

Ich habe keine Angst

weil meine Liebe

unabhängig

davon ist

ob du mich liebst

weil meine Liebe

nichts verlangt

von dir

nicht einmal

dass wir uns

wieder sehen

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Liebe und Lust sind unendlich.

Es gibt nicht nur die eine Liebe, es gibt viele Lieben.

Liebe ist unendlich und immer anders.

Jede Liebe ist immer eine besondere Liebe, – da das Gegenüber immer anders und besonders ist.

Zu lieben ohne Ausschließlichkeit und damit ohne andere ausschließen zu müssen, heißt – lieben und andere mit einschließen zu dürfen.

Keine Trennung machen zu müssen, die zu leidvoller Trennung führt.

Je mehr Liebe wir verschenken, je mehr wir uns zu lieben trauen, desto mehr Liebe ist in unserem Herzen.

Selbstverständlich gibt es auch in guten Liebesbeziehungen Zorn und Schmerz und Trauer. So ist das Leben. Und so sind wir in unseren ganz besonderen Verschiedenartigkeiten. Ohne Gefühle keine Lebendigkeit. Und zwar alle Gefühle. Die ganze Gefühlspalette – vom einem Ende der Verzweiflung und dem Schmerz bis zur anderen Seite der Glückseligkeit. Sich irgendwie in der Mitte einzupendeln – der Versuch / die Resignation / das Vermeiden wollen von Gefühlstiefen führt zu Unlebendigkeit.

Eine Zeit lang, als ich den Buddhismus kennen lernte, verfiel ich dem Irrtum, dass ich jetzt nur mehr mit Dauerlächeln auf den Lippen, möglichst im Lotussitz, durchs Leben schweben werde.

Wie gesagt, das war ein Irrtum. Da habe ich etwas grundlegend missverstanden mit der Achtsamkeit und Gelassenheit. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Heute bin ich sehr achtsam mit meiner Achtsamkeit – und – weiß wie wichtig mein „heiliger Zorn“ und meine „Tränen der Seele“ sind.

Es geht nie um ein „entweder – oder“.

Es geht immer um ein „und“ …

Achtsamkeit bedeutet zum Beispiel – Zorn und Trauer bis zum tiefsten Grund zuzulassen / dann erschöpfen sich diese Gefühle von allein / sie sind ausgelebt / vorbei – um dann zurückzukehren zur unerschöpflichen Liebe.

Achtsamkeit bedeutet auch – einen Schritt zurückzutreten / einige Atemzüge zu nehmen – und zu merken, dass Zorn und Trauer nichts mit dem Gegenüber zu tun haben, sondern mit dem eigenen Selbst – um dann zurückzukehren zur unerschöpflichen Liebe.

Mein Weg des Lebens – mit der Liebe

Wild – sinnlich – besinnlich

Immer wieder bin ich dankbar für mein gelebtes Leben!

Wie viele Wege bin ich gegangen – manchmal ein leichter Wanderweg, dann wieder eine schnelle Autobahn /  in ein liebliches Tal und über eine Alm mit Kräuterduft / manchmal ein schwieriger Anstieg über eine Geröllhalde und die Glückseligkeit des Gipfelerlebnisses / und so manches Mal ein Stolpern durch die brennheiße Wüste ohne Ende / ein Dschungelpfad mit wilden Tieren / manchmal eine Sackgasse und zurück an den Start / und immer wieder die Stille des Rückzugs – das Sitzen am Fluss …

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https://monikakrampl.wordpress.com/2017/11/23/liebesbrief-an-meinen-ersten-ehemann/

https://monikakrampl.wordpress.com/2020/05/03/ein-mann-und-zwei-witwen/

https://monikakrampl.wordpress.com/2019/12/30/leben-heist-lieben-und-lieben-heist-leben/

Ein Mann und zwei Witwen

Liebesbrief Nr. 4 an meinen ersten Ehemann

So hie und da, wenn ich am Morgen mit meinem Hund bei ihrem Gartenzaun vorbeilaufe, und sehe, dass sie im Garten ist, öffne ich die Gartentür und trete ein. Sie freut sich, mich zu sehen – deine Ehefrau Nr. 2. Und wir – sie und ich, Ehefrau Nr. 1, – setzen uns an den Tisch und trinken gemeinsam Kaffee.

Wir reden über dich, so wie immer.

Anfangs, weinten wir sehr viel. Wir lagen uns immer wieder in den Armen und trösteten uns. Mit der Zeit wurde es leichter. Und jetzt lachen wir sehr viel miteinander. Wir erzählen uns verschiedene Anekdoten über das Leben mit dir. Und immer wieder lesen wir die Sehnsucht nach dir in den Augen der anderen.

Ja, so könnte es sein.

Ist es aber nicht.

Und obwohl wir nur einige Häuser entfernt in der Straße wohnen, haben wir uns über Jahrzehnte nicht gesehen. Ich lebte in Wien und war nur selten in meinem Elternhaus. Als ich wieder zurückgekommen bin, warst du bereits sehr krank. Hat man mir erzählt.

Deine zweite Frau – wir kannten uns einmal sehr gut – kennt mich nicht mehr oder will mich nicht kennen. Ich weiß es nicht.

Manchmal nickt sie mir zu, über den Gartenzaun hinweg. Aber ich bin mir nicht sicher, ob diese alte, kranke Frau, die mühsam an ihrem Gehstock Schritt für Schritt durch den Garten geht, mich erkennt.

Ich wünschte mir, ich hätte den Mut gehabt und hätte bei ihr angeläutet.

Wir hätten gemeinsam um dich trauern können.

Zwei Witwen.

Das hätte ich mir gewünscht.

„Traurigkeit ist eine Mauer zwischen zwei Gärten“, sagte Khalil Gibran. Das gefällt mir.

Vor drei Jahren bist du gestorben.

Ich habe dir damals den ersten Liebesbrief geschrieben.

Den ersten nach deinem Tod.

Denn die vielen Liebesbriefe von damals, als du deinen Präsenzdienst leisten musstest und wir monatelang getrennt waren, habe ich noch. Wir haben uns fast täglich geschrieben und in jedem Brief spricht unsere Liebe und unsere Sehnsucht danach, uns wieder in die Arme schließen zu können.

Jahrzehntelang hatte ich nicht mehr an dich gedacht. Und es überraschte mich, dass ich mich plötzlich als Witwe fühlte; – dass ich mich in diesem Gefühl deiner zweiten Ehefrau sehr nahe fühle.

Obwohl ich auch einen zweiten Ehemann und mehrere Lebenspartner hatte. Männer, die ich jeweils ganz besonders liebte. Jeden in seiner eigenen Besonderheit.

Und ich denke mir, wie schön wäre es, wenn das viele Menschen wüssten – dass man mehr Menschen lieben kann, – jeden und jede in ihrer und seiner Besonderheit. Keine Ausschließlichkeit mehr – sondern Einschließlichkeit – neue Strukturen / neue Ordnungen würde sich bilden.

Kein Liebesleid und leiden mehr.

Worüber würden die Dichter dann schreiben …?

Vor drei Jahren, als ich von deinem Tod erfuhr, war sie plötzlich wieder da – die große Liebe, die ich für dich empfand und jetzt noch immer spüre. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese große Liebe – das glückselige Herz und das brennende Verlagen – mit dir leben durfte, und es heute noch in mir trage.

In meinem ersten Liebesbrief, damals vor drei Jahren, schrieb ich:

„Heute erwachte ich ganz still. Und wusste noch nicht, dass ich mich hineinfließen lassen werde, in die Erinnerung an unsere Liebe.

Die Dunkelheit des Nachthimmels verabschiedet sich langsam.

Der Sonnenaufgang kündigt sich an. Ich sitze am Fenster und freue mich über die Stille und die Schönheit des frühen morgens.

Und sanft wie das hellblau des Morgenhimmels steigen Erinnerungen in mir hoch.

Ich erinnere mich an dich.

Ich erinnere mich an dich – meine erste große Liebe.

Ich war 14, und du 15, als unsere Liebe begann.

Als wir heirateten, war ich 18, und du 19.“

Heute, – drei Jahre später, ist es wieder ein stiller Morgen – vom Dunkel der Nacht in die erste Helle des Morgens / wie ich diese Stunden liebe …

Ich zitiere nochmals aus dem Brief, weil es heute noch immer Gültigkeit hat und für immer haben wird:

„Ich erinnere mich gerne an die gute Zeit mit dir, die wesentlich länger war, als die Zeit des Zorns und des Leids.

Wie könnte ich das je vergessen?

Müsste ich da nicht auch mich selbst vergessen?

Wie könnte ich darauf verzichten, die Innigkeit der Liebe und Lust nicht mehr zu spüren?

Ich erinnere mich.

Du, meine erste Liebe in meinem Leben.

Ich erinnere mich an dich.“

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/11/23/liebesbrief-an-meinen-ersten-ehemann/