Betrachtungen über das Schreiben und die LeserInnen

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In den letzten Tagen hat jemand auf eines meiner Gedichte mit den Fragen  „was die Leser damit anfangen sollen“ und „was ich mit der Veröffentlichung bezwecke“ reagiert.

Das Gedicht hat offensichtlich nicht gefallen. Das ist so. Manchen gefällt es und manchen nicht.

Da mir auch bereits öfter die Frage gestellt wurde, wie ich so viel „Intimes und Persönliches“ preisgeben könne, habe ich mir Gedanken zu diesem Themenkreis gemacht und meine Betrachtungen niedergeschrieben.

Ich bin sehr froh über Kommentar und Fragen wie diese, weil sie mich zum Nachdenken anregen.

Zum besseren Verständnis meiner nachfolgenden Gedanken, nachstehend das betreffende Gedicht, auf das sich die oben zitierten Fragen beziehen. Es entstand nach dem Lesen von Georg Trakls Gedichten und ich habe es ihm gewidmet. Der erste Absatz bezieht sich auf die angenommene, sexuelle Beziehung von Georg Trakl zu seiner Schwester Grete.

Für Georg Trakl

Blatt für Blatt

Am rotgefleckten Lacken

Zerknüllt zwischen den Beinen

VerboteneLust

Eiserne Fäuste ballen sich

Heißer Schweiß tropft

Auf nackte Brüste

Mea culpa

* * * *

der Staub der Sterne

berührt meine Stirn

kristallene Tränen

zersplittern

klirrend am Boden

der nächtlichen Träume

* * * *

Dunkler Grund der Seele

atmet Schreie in die Nacht

heißer Atem verbrennt Papier

nichts soll geschrieben sein

nichts

abgrundtiefes Nichts

lauert in den Schatten

 

Ich schaue meinen inneren Dämonen

in  die blutrünstigen Augen

ich sehe sie

gewalttätig, lüstern, hungrig,

einer nach dem anderen streckt

seine Klauen aus

wollen meine Seele

in Stücke reißen

 

Oh, wie gut ich sie verstehe

ich schenke sie ihnen

meine Seele

mit ausgebreiteten Armen

halte ich sie ihnen hin

sehenden Auges

keine Angst mehr vor Dämonen

ich schau sie an

freundlich

willkommen heißend

und

sie weichen zurück

manche zerstieben zu Staub

den der Wind wegbläst

manche nehmen meine Freundschaft an

gemeinsam gehen wir weiter

die Benennung in gut und böse

gibt es

nicht mehr

Wir sind Eins

 

Es ist die Veröffentlichung eines meiner ungereimten Gedichte, und gerade in diesem Gedicht ist gut zu sehen, wie sich Assoziatives, Fiktionales und Persönliches vermischt.

Ich veröffentliche sie, weil ich Schriftstellerin bin. Ich bezwecke nichts damit. Denn jeder Mensch wird seine eigenen Interpretationen dazu haben. Wenn ich einen Text schreibe und in die Öffentlichkeit entlasse, weiß ich nicht, was die Leser damit anfangen. Das ist am Beginn – bei den ersten Veröffentlichungen – immer ein mulmiges Gefühl, weil man weiß, dass jeder das Eigene hineinliest und assoziiert. Mit der Zeit gewöhnt man sich dran. Ist so. Wenn einem das nicht gefällt, muss man aufhören zu veröffentlichen.

Der Text ist jenseits von moralischer Bewertung oder Beurteilung.

In einem Text darf alles da sein, so wie es ist. Die Beurteilung und Bewertung findet in den Köpfen der Lesenden statt –  oder auch nicht.

Kunst ist auch verwegen.

Kunst darf vieles zeigen und schreiben, was vielleicht auch gar nicht gelebt wird – was eine „Als-ob-Realität“ erschafft, die nicht wahr sein muss, aber wahr zu sein scheint, was buchstäblich wahr-scheinlich ist“. 1)

Was vielleicht für manche Menschen eine persönliche und intime Angelegenheit ist, ist es für mich nicht.

Ich bin ein öffentlicher Mensch.

Ich schreibe nicht nur gefällige Texte.

Ich schreibe auch über meine Schatten und Dämonen, so wie andere SchriftstellerInnen auch.

Es gibt keine Trennung zwischen mir als Mensch und Frau, der Psychotherapeutin und der Schriftstellerin. Gäbe es diese Trennung – wäre es nur reine Rolle und es gäbe eine Spaltung in mir.

Es ist keine Rolle – es sind Teile von mir, die gelebt werden wollen.

Mein Wissen als Psychotherapeutin ist nicht nur ein erworbenes Wissen, es ist auch und vor allem ein gelebtes Wissen. Es ist keine Theorie, es ist Praxis – ich lebe es. Mein Schreiben ist nicht nur Fiktionales und Assoziatives, es ist auch Persönliches. Zu meiner Person als Mensch und Frau gehören mein Erlebtes und meine Erfahrungen. Vor allem gehört aber auch das Wissen dazu, dass alle Menschen Liebe / Schmerz / Trauer / Hoffnungslosigkeit / Sexualität / Freude / Gelingen und Scheitern / etc. / erleben. Wie wir damit umgehen ist verschieden, aber auch nicht so unterschiedlich wie viele glauben.  Weshalb sollten wir dann nicht darüber sprechen und schreiben. Was ist dieses „intime“, über das nicht gesprochen werden darf, wenn wir es doch alle erleben und leben? Wäre es nicht besser / leichter, wir würden uns darüber austauschen? Vom Hellsten, das in uns ist, bis zum Tiefsten und Dunkelsten. Welch eine Erleichterung wäre das für viele.

Keine Scham mehr über das eigene Sein und Leben, keine Selbstbeschuldigungen, etc. – geht es doch anderen genauso. Ah ja! Welch ein Stein purzelt vom Herzen!

Beschäftigt sich das obige Gedicht, das ungereimte Gedicht, eher mit den dunklen Schatten, nun zum Hellen,  dem Haiku. Das Haiku ist eine Kurzgedichtform mit der Silbenfolge 5-7-5. Meine Haikus bestehen zum Großteil aus Naturbetrachtungen. Die Fiktionalität und das Persönliche werden herausgehalten – deshalb sind es auch „gefälligere“ Gedichte.

Im Morgenlicht schon

Drängt sich der alte Nussbaum

Aus der Dunkelheit

Für mich ist Schreiben in der Regel ein beglückendes Erlebnis. Nicht immer, manchmal quält es auch, das Schreiben, wenn die Formulierungen nicht und nicht gelingen wollen.

Ist der Text da, ist es pures Glück. Und dann gibt es noch die gelungenen Formulierungen oder sogar einzelne Worte, die ein peak experience – ein „Gipfelerlebnis“ sind.

Kunst „kann“ ein Ausdruck der Seele sein. Ich spüre das beim Schreiben – ob ein Text aus meinem Intellekt entsteht oder – wenn er einfach da ist und nur mehr von mir aufgeschrieben werden braucht. Was viel zu selten passiert. Aber da braucht es mehr Rückzug von der lauten Welt und Achtsamkeit, um die Seele sprechen zu lassen.

Was darf Kunst?

Darüber wird immer wieder heiß und kontrovers debattiert.

Darf Kunst provozieren?

Ja, das darf sie. Da gibt es den Unterschied zwischen bewusster und gewollter Provokation, und Texten, die nicht als Provokation gemeint sind, und doch von LeserInnen so empfunden werden.

Darf ich mich als Schriftstellerin bezeichnen?

Ja, das darf ich.Ich habe mich schlau gemacht, was der Unterschied zwischen Autor und Schriftsteller ist und folgende Definition im Internet gefunden:

„Der Autor ist ein Überbegriff. Jeder, der einen Text, egal welcher Art, verfasst, ist damit auch der Autor dieses Textes.

Ein Schriftsteller ist ebenfalls ein Autor, wenngleich nicht jeder Autor auch ein Schriftsteller ist. Der Begriff Schriftsteller wird häufig im Zusammenhang mit fiktionalen, erzählenden und belletristischen Texten und deren Autoren verwendet. Schriftsteller schreiben Romane, Novellen, Kurzgeschichten und Erzählungen jeder Art.“ (2)

Manche sind der Meinung, dass sich Schriftsteller nur nennen darf, wer seine Werke auch veröffentlicht hat. Dann darf ich mich umso mehr Schriftstellerin nennen.

Die Biographie über meine Großmutter wurde in einer Anthologie veröffentlicht; ich habe Texte sowohl in Fachzeitschriften, als auch in den Tageszeitungen Presse und Standard veröffentlicht; und ich schreibe in meinem Blog.

Ich bin jedoch der Meinung, dass sich Menschen auch SchriftstellerInnen nennen dürfen / können / mögen, die großartige Texte schreiben und sie in der Schublade verwahren.

Also – schreibt und veröffentlicht. Macht es einfach.

Und – keine Angst vor Kommentaren.

 

1) https://www.br.de/telekolleg/faecher/deutsch/literatur/01-literatur-fakten-100.html

2) http://www.blog.stefanpeter.at/2015/05/autoren-und-schriftsteller-der-unterschied/

 

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Ich ersticke an all dem Gelogenen

001

Zu Wort kommt das Kind und die Jugendliche

geschrieben am 3. Mai 2003 *)

 

Immer schon

Erstickte ich

An Eurem Gelogenen

Schon als Kind

Unbegreiflich

Wie ihr so redet und anders handelt

Schon als Kind

Habe ich eure Verlogenheit

Wahrgenommen

Und                              

Wurde mundtot gemacht

Ihr habt mich angeschrieen

Dass nicht wahr sei

Was ich

Sehe / denke / fühle

Aber

Es war wahr

Nur

Ihr wart nicht echt

 

Verlogen

Sucht ihr euch danach zu richten

Was andere von euch wollen

Verlogen

Sucht ihr zu erfüllen

Was ihr glaubt

Erfüllen zu müssen

Und

Vernichtet alles

Was anders ist

Und

Wenn es eure Kinder sind

Besonders

Wenn es eure Kinder sind

Denn

Die sollen ja genau so verlogen sein

Wie ihr

Und

Leiden

Denn die Erde ist ein Jammertal

Sagt ihr

Aber ihr

Ihr

Macht ein Jammertal daraus

 

Das Extreme

Das Extreme wollt ihr nicht

Das Extreme ist Lebendigkeit

Überschäumende Fröhlichkeit

Ein Wutausbruch

Eine durchtanzte Nacht

Sexuelle Ekstase

Nein

Ihr wollt ein Mittelmaß

Ein kontrollierbares

Und überschaubares

Mittelmaß

So wie ihr Euch selbst

Kontrolliert

Wollt ihr auch

Alles andere

Kontrollieren

Besonders

Eure Kinder

Eure Männer

Eure Frauen

 

Alles Lebendige

Im Keim ersticken

 

Die Fröhlichkeit

Aus euren Wohnungen und Häusern

Rauskehren

Die Herzlichkeit

Hinter einem Stacheldrahtzaun

Einkerkern

Die Sinnlichkeit / Erotik / Sexualität

Verteufeln

 

Alles Wahre / Echte / Lebendige

Vernichtet ihr

Erstickt ihr

Unter euren Decken der Lüge /

Verleugnung / eurem Hass /

Eurer Angst und Wut /

Eurer Scheinheiligkeit

 

Scheinmoral

Das ist euer Gebot

Da kennt ihr euch aus

Da seid ihr zu Hause

Arme Kinder

Die Euch Kleingeistern

Und Spießbürgern

Ausgeliefert sind

Arme Völker

Die ihr damit

Bekämpft und ausrottet

Arme Welt

Die ihr damit

Vernichtet

*) Aus meinem Textfundus, den ich für meine Biographiearbeit durchsehe:

In diesem Text kommt das Kind und die Jugendliche noch einmal zu Wort, um den Schmerz, die Verzweiflung und den Zorn auszudrücken, dem sie durch Ungerechtigkeit, Begrenzungen, Abwertungen, Scheinmoral und dem Verlangen nach unbedingten Gehorsam ausgesetzt war.

Ich wurde 1950 geboren. Bereits ein Kinobesuch in der Nachmittagsvorstellung mit 15 Jahren, oder der Besuch einer Tanzveranstaltung, des 5-Uhr-Tees, mit 17 Jahren, verstieß gegen die bürgerlichen Wertvorstellungen der Erwachsenen. So auch meiner Eltern.

Die Generation der Nachkriegsgesellschaft war geprägt von der Erwartung von Gehorsam und der Unterordnung gegenüber Autoritäten. Individuelle Freiheit, Spaß und das Ausleben von Sexualität wurden als Aufbegehren gegen die festgelegten Ordnungskriterien gewertet, die um Begriffe wie Anstand, Leistung und Disziplin kreisten. Die strenge Sexualmoral sah vor, dass Sexualität — vor allem für Mädchen —außerhalb der Ehe keinen Platz haben sollte. Jegliches Abweichen von der konventionellen Lebensform wurde von Autoritätspersonen wie Eltern oder LehrerInnen oft als Gefährdung der gesellschaftlichen Ordnung betrachtet.

Meine Revolution und mein Ausbruch aus den einengenden Lebensformen begann erst 1973. Nach Beendigung meiner ersten Ehe. Aber dann ging’s los …

 

 

Unsere Seele kann sich auf sich selbst zurückwenden …

„Ich will, dass man meinen natürlichen Gang sehe, so stolpernd er auch ist“

(Michel de Montaigne)

Das gefällt mir! Das will ich auch!

Die ersten beiden Bücher seiner schon zu Lebzeiten höchst erfolgreichen „Essais“ schrieb Montaigne während seines zehnjährigen Rückzugs in den Turm von Schloss Montaigne. Über die Notwendigkeit und Beschaffenheit eines gelungenen Rückzugs reflektieren auch die für die Sendung ausgewählten Textpassagen.

Es freut mich sehr, so viel über den Rückzug bei Montaigne zu finden. Der Rückzug, der für mich und meine Seele immer wieder so notwendig ist – manchmal mehr und manchmal weniger.

„Unsre Seele kann sich auf sich selbst zurückwenden; sie kann sich selbst Gesellschaft leisten …“

 

In der Spätrenaissance, in der die Religionen während der Hugenottenkriege viele Wahrheiten ins Wanken brachten, indem sie sie absolut setzten, begab sich der Humanist Michel de Montaigne (1533-1592) auf die Spur der alten Skeptiker, die postulierten, dass „es keinen Grund gibt, der nicht einen Gegengrund hat“ – wie beispielsweise Pyrrhon von Elis (ca. 360 – ca. 270 v. Chr.) geschrieben hatte. Als Konsequenz daraus ergab sich auf der Ebene der Logik das Verbot, Urteile zu fällen und auf der Ebene der Ethik die Toleranz. Auf der literarischen Ebene war die Konsequenz ein Schreiben, das keiner Doktrin, sondern nur dem Hin und Her der eigenen Gedanken folgt: der Essay war geboren.

Über die Wahrheit

Gedanken von Henning Mankell, William James und Sokrates

Über die Wahrheit lässt sich gut streiten und dies wird auch vielfach getan. Leider führt sie auch zu enormen Konflikten bis hin zu Kriegen, wenn Menschen und Menschengruppen der Meinung sind, die allein gültige Wahrheit zu besitzen. „Da fährt die Eisenbahn drüber“ pflegte meine Großmutter zu sagen und meinte damit, dass dies unabänderlich und für immer und ewig so sei. Wobei, wenn Menschen von Ewigkeit sprechen, dies alleine schon paradox ist, sind wir doch nicht einmal ein Wimpernschlag im Universum. Mensch und Ewigkeit ist daher etwas widersprüchlich, weshalb auch die ewige Liebe letzten Endes absurd ist. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Wahrheit ist immer provisorisch und veränderbar, sagt Henning Mankell. Und damit stimme ich ihm voll zu. Also bleiben wir bei der Wahrheit.

 

Wahrheit ist immer provisorisch und veränderbar (Henning Mankell)

Der von mir sehr geschätzte schwedische Schriftsteller, Krimiautor und Theaterregisseur Henning Mankell, ist letztes Jahr im Oktober mit 67 Jahren an Krebs verstorben.

Sein Buch „Treibsand – Was es heißt, ein Mensch zu sein“, in dem er sehr persönlich über sein Leben nach der Diagnose, die er Anfang 2014 erhalten hatte, lese ich gerade. In einer Kolumne für die Zeitung Göteborgs-Posten schrieb er: „Ich höre Menschen sagen: ‚falls‘ ich sterbe, aber zum Teufel, es heißt ‚wenn‘ ich sterbe – der Tod ist das einzige, dessen wir uns ganz sicher sein können.“ 

Mankell hat sich sowohl als Autor und Regisseur, als auch mit seinem politischen Engagement in seiner zweiten Heimat Afrika viel mit dem Begriff Wahrheit auseinandergesetzt.

In seinem letzten Roman „Die schwedischen Gummistiefel“, der jetzt erschienen ist, schreibt er nachdenklich und in knapper Sprache über das Leben mit der Einsamkeit, die Suche nach Nähe, das Alter und den Tod. In diesem Buch geht es um Lebensbilanzen und um die Erkenntnisse von Wahrheit.

Mankell glaubte aber nie, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Sie sei vielmehr „immer provisorisch und veränderbar“, schloss Mankell im März 2015 das Nachwort seines Buches. Ein halbes Jahr später war er tot.

 

„Die Welt ist unfertig und veränderbar“ (William James)

James vertritt die Auffassung, dass Wahrheit immer provisorisch ist und dem Menschen nie alle zur Wahrheitsfindung notwendigen Beweise zur Verfügung stehen. Deshalb sollte er sich für eine Option entscheiden, statt ewig alle relevanten Entscheidungskriterien zu sammeln und sich deshalb in seinen Handlungen lähmen zu lassen. (…)

Für James ist die Welt unfertig und veränderbar. Sie lässt sich folglich auch nicht in ein allgemeines philosophisches Ordnungssystem pressen. Statt einer Wahrheit geht er von einer Vielzahl von Wahrheiten aus.

(William James, 1842 – 1910, amerikanischer Psychologe und Philosoph)

 

 „Wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“ (Sokrates zugeschrieben)

Die drei Siebe des Soktrates:

  1. Das Sieb der Wahrheit: Ist es wahr?
  2. Das Sieb des Guten: Ist es gut?
  3. Das Sieb der Notwendigkeit: Ist es notwendig? 

Und eine Geschichte dazu:

„Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der…“ „Warte einmal, „unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“ fragte der Mann überrascht. „Lass es uns ausprobieren,“ schlug Sokrates vor. „Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“ „Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil….“
„Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“