Von einer, die einstmals auszog die Welt zu retten und der es nicht gelungen ist

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Als sechsjähriges Mädchen, überzeugte Christin, mit einer glühenden und flammenden Liebe für Jesus Christus in meinem kindlichen Herzen  – wollte ich den Märtyrerinnentod für ihn sterben. Es sollte der Beweis der Größe meiner Liebe sein – ich wollte so leiden, wie er gelitten hat. Bei jedem Kreuzweg starb ich in Tränen aufgelöst seinen Tod mit.

Einige Zeit hat es dann gedauert um familiäre und christliche Prägungen loszuwerden. Ein lapidarer Satz für lange Jahre Aufarbeitungsgeschichte.

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Mit sechsunddreißig Jahren bezeichnete ich mich als Jeanne d’Arc, – die, die für die Armen und Entrechteten eintritt und mit wehenden Fahnen voran reitet um sie zu retten. Und später dann war ich noch immer Vorreiterin für eine Neue Welt. Ich stellte mich gegen Menschenrechtsverletzungen, war aktives Mitglied von Amnesty International, u. ä. – ich war mutig, und immer in der ersten Reihe von Protestbewegungen. Aber näher an eine Verhaftung als bei der Demonstration am 28. Oktober 1988 am Wenzelplatz in Prag kam ich nicht. Wir waren eingekesselt von Geheimpolizisten, und mein damaliger Freund zog mich im letzten Moment durch eine Lücke zurück. Das habe ich ihm lange nicht verziehen.

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Von meinem vierzigsten bis zu meinem fünfundsechzigsten Lebensjahr arbeitete ich in meiner eigenen Praxis (natürlich, wo denn sonst mit meiner Freiheitsliebe?) als Psychotherapeutin und unterstützte hunderte von Menschen unter anderem auch dabei sich aus vereinnahmenden, unterdrückenden, ausbeutenden und missbrauchenden Beziehungen und Situationen jeder Art zu befreien.

Nicht mehr ganz allein die Jeanne d’Arc. Da gab es bereits viele andere unterstützende Teile in mir auch noch, die mit den Jahrzehnten herangereift waren. Vor allem auch die durch meine buddhistischen Lehrer*innen gelernte „Liebende Güte“ (Metta).  

„Liebende Güte“ basiert nicht auf Anziehung, auf Besitz, auf Erwartung und Austausch – es ist ein freiwilliges Herzensgeschenk ohne Anspruch auf Dank oder Gegengabe. Man kann es Freundlichkeit, Wohlwollen, Gut-Gesonnen-sein nennen und es zeigt sich in Mitgefühl im Freude Gönnen, in Nachsicht und Geduld.“ (Ursula Lyon, meine erste Meditationslehrerin).

Durch diese Veränderung des „Dagegen“ in ein „Dafür“ wurde es möglich, neue Projekte – z.B. Wohn- und Lebensprojekte mit neuen, lebensfreundlichen Strukturen, neuen Kommunikationsmethoden, etc., zu begleiten.

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Heute als Siebzigjährige, weiß ich, dass ich die Welt nicht retten kann. Und doch, hat dieser revolutionärer Antrieb / die Begeisterung / die Energie / das Feuer dazu geführt, viele Veränderungen bei Menschen bewirkt und unterstützt zu haben.

Eine Freundin sagte einmal vor Jahrzehnten zu mir „du bist wie eine Zündkerze“, und wenn das Feuer hellauf lodert, bist du schon wieder weg, und zündelst anderen Orts.“

Diese Revolutionärin, die ja noch immer ein Teil von mir ist – nichts geht verloren – hat natürlich auch mich selbst immer wieder verändert.

Heute ist sie gepaart mit viel Erfahrung und Achtsamkeit.

Heute „muss“ sie nicht mehr.

 und wieder september

erinnerung

rotglühend

ein strohfeuer

kurz

asche

düngt den boden

lass es gut sein

gut

sein

(M.K., 01 09 2020)

Heute

Und ich heute?

Früher, ja früher …

Früher konnte mein Lebensraum nicht groß genug sein.

Heute bin ich sehr froh und dankbar über mein kleines Häuschen, den Garten, der ja nicht so klein ist; meinen Sohn und liebe Menschen in meiner Nähe; die Tiere – fast könnte man sagen „meine kleine Farm“.

Was geschieht in diesen Tagen?

Wir sind damit beschäftigt, unseren großen Garten so zu gestalten, dass wir in Zukunft möglichst wenig Arbeit haben. Das bedeutet jetzt erst einmal viel Arbeit. 

Gestern haben wir die drei ca. 3 m hohen, schon viel zu lange nicht mehr geschnittenen, und damit verholzten und ineinander verschlungenen Sträucher zur Gänze abgeschnitten, – einiges davon bereits mit unserem kleinen Handwagen zur Grünschnitt-Mülldeponie gebracht. Wie wir die riesigen Wurzelstöcke raus bekommen, wissen wir noch nicht.

Diese Sträucher, größer als mein Hausdach, waren die Grenze zur Nachbarin. Ungewohnt – viel Licht in meiner Küche, freie Sicht zur Nachbarin und von ihr zu mir – und heute Morgen sitzen die Spatzen und Meisen auf den Zweigen der Thujen der Nachbarin und suchen die Sträucher. Ihr morgendliches Gezwitscher fehlt mir und ich denke auch an das Frühjahr, in dem mir das gelb der Forsythien und der Duft des Jasmin fehlen wird. Das wird mir heute Morgen alles bewusst. Und doch war es richtig. Denn die Sträucher waren so dicht ineinander mit ihren laublosen Zweigen verwachsen, dass die Blüten und Blätter nur mehr an den äußersten Rändern waren. Und dazu noch die Hollunderstämme inwendig …

Trotzdem – es fehlt …

Vor zwei Jahren hat ein Sturm unseren Marillenbaum entwurzelt, – die alten, dicken Stämme, jetzt bereits mit grünem Moos überzogen, liegen noch immer im Garten. Letztes Jahr haben wir den großen Kirschbaum abschneiden lassen. Er war morsch und immer wieder fielen Äste herab. Ein Abschied von über 80-jährigen Bäumen. Da wir aber Obst haben wollen, pflanzen wir jetzt fünf Obstbäume, die nicht höher als 3 m werden.

Die Himbeeren- und Ribiselsträucher müssen noch geschnitten und ausgelichtet werden. Brombeersträucher werden gesetzt.

Wege werden neu angelegt – trittsicher.

Ich denke wieder an die Vögel und beschließe – wir werden neue, kleinwüchsige Sträucher für sie setzen. Abgesehen davon, haben wir nicht nur eines dieser kleinen Insektenhotels – nein, wir haben eine große runde Wellness-Hotelanlage mit Keller, Erd- und Obergeschoß – ca. 5 m Durchmesser – für Kleintiere aller Art im Keller unter der Erde, und Vögel und Insekten im Obergeschoß. Die Anlage entstand durch Ablagerung von Erdaushub / Grünschnitt / Unkraut / Ästen und Zweigen schon vor mehreren Jahren – mittlerweile ist es ein eigenes Biotop – es hat sich ein ganz eigener Bewuchs gebildet – ein grüner Hügel entstand, der so stehen bleiben darf. Der Garten ist groß genug für alle …

Von der „die die Welt retten wollte und der es nicht gelungen ist“ zur Gärtnerin. Zurück zum Beginn der Lebensgeschichte der alten Frau zu dem kleinen Mädchen in Großmutters Garten. Dahin, wohin die Revolutionärin nie und nimmer zurück wollte …

Corona mit seinen Auswirkungen hat uns weiter fest im Griff. Damit haben wir noch eine weitere ruhigere Zeit für „uns“ – ich schmiere gerade Butter auf meinen Toast und denke mir, wie gut wir es haben, – denn es gibt viele, – viel zu viele Menschen, die keine Butter aufs Brot, bzw. gar kein Brot haben …

Die Revolutionärin im mir regt sich – wenn ich an die täglichen Nachrichten denke – jetzt gerade Moria – das abgebrannte Flüchtlingslager, und wenn einige es als Gefangenenlager bezeichnen, bin ich einverstanden damit; Belarus, der Diktator, der sich aufbäumt und seine hoffentlich letzten Menschrechtsverletzungen begeht; – um nur einen geringen Bruchteil der Ungeheuerlichkeiten in der Welt zu nennen – dann kommt mir meine Beschäftigung mit dem Garten banal vor.

Aber das ist nun mal die Banalität des Lebens / meines Lebens.

Von der großen Welt in die kleine – was man jetzt natürlich nicht als Allgemeingültigkeit fürs Alter nehmen darf. Für manche ältere Menschen wird die Welt im Alter größer, – meine wird kleiner.

Und wieder einmal geht es dabei nicht um eine Bewertung – um gut oder schlecht – es geht um Akzeptanz.

Leben im Jetzt

Lebenswandel

gelebte Jahre

keine Sinnsuche mehr

kein Welterklären mehr

Ungewissheiten

ungewiss sein lassen

Freude über

jeden Tag

jede Stunde

Nichts sonst

(M.K., Sommer 2019)

Achtsamkeit – Alltagstauglich

Eine Anregung – gerade jetzt in der Corona-Zeit.
Im Dezember 2017 habe ich über die Achtsamkeit geschrieben.
Darüber, dass Achtsamkeit auch mit Selbstfürsorge und Selbstverantwortung zu tun hat; und auch, dass, wenn wir andere Menschen unser Handeln und unser Leben bewerten lassen – wir doch unser Leben selbst leben müssen …

Monika Chandana Krampl

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Warum spreche ich von Alltagstauglichkeit?

Achtsamkeit in einem Seminar zu lernen und dort zu praktizieren, ist etwas vollkommen anderes als sie im Alltag zu leben. So wie Meditation auch.

Zeit und Raum für Achtsamkeit und Meditation in den Alltag zu integrieren, so dass sie alltagstauglich sind. Und sollten wir sie dennoch verlieren, dass wir uns daran erinnern und sie wieder aufnehmen – in unseren Alltag. Das ist mir sehr wichtig.

Achtsamkeit ist eine der Grundlagen im Buddhismus. So habe ich die Achtsamkeit kennen gelernt – über meine Beschäftigung mit dem Buddhismus. Und später noch zusätzlich in meiner psychotherapeutischen Ausbildung.

Achtsam zu leben – sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu spüren.

Die Wahrnehmung der eigenen Gefühle und Gedanken.

Was denke ich?

Was fühle ich?

Was brauche ich?

Was brauche ich nicht?

Für mich gehört zu einem Guten Leben Achtsamkeit im Alltag dazu.

Viel wird geredet und geschrieben über das Gute…

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