Ich lache – ich lasse los – ich lebe

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Ein Nachwort zum Essay „Mein Alter und ich“

Ich freue mich darüber, wie viele Menschen in Resonanz gehen mit meinem Erleben. Besonders freue ich mich auch über die ausgesprochene Wertschätzung und Dankbarkeit dafür, dass ich auch die Unsicherheiten / Ängste / Enttäuschungen an- und ausspreche, die mit dem Älterwerden verbunden sind.

Der einzige Halt liegt
im Loslassen
und in der Veränderung

Das Ja zu sich selbst – und zwar wie man ist / nicht wie man sein möchte.

Andernfalls lügt man sich selbst in die eigene Tasche.

Ein Irrtum ist, dass es nicht da ist, wenn ich mir etwas nicht eingestehe / es verdränge.

 

Verdrängtes sucht sich immer seinen Weg.

Ehrlichkeit mit sich selbst führt zu Wahrnehmung und Veränderung.

 

Im September 2016 schriebe ich in meinem Blog mit dem Titel „Das Leben lebendig leben. Über das Loslassen“: Wenn etwas zu Ende geht, entsteht ein leerer Raum, der sich vielleicht nicht gleich füllt, weil das Neue noch nicht da ist. Eine Wartezeit …

Jedoch – alles was nicht mehr passt, bindet Energie und Loslassen setzt Energie frei für Neues.

Rückzug

Meine Art mit anstehenden Veränderungen umzugehen / mich zu besinnen / ist Rückzug. Immer schon. Aber nicht immer ist das der Grund für meinen Rückzug. Es gibt auch den spirituellen Grund, um mit meinem Innersten, und darüber hinaus mit dem „Nichts und Alleinssein“ in Kontakt zu kommen und zu bleiben. (Siehe meinen Blog „Der liebe Gott und ich und die Überschwemmungsgebiete).

Mein großes Erwachen kam mit 32 Jahren nach einer dreimonatigen Rucksackreise durch Indien. Nach dem Heimkommen begann ich mich zu fragen, was ich da eigentlich mache in meinem Leben. Mit dieser Frage begann mein erster Rückzug in meinem Leben. Und danach blieb kein Stein auf dem anderen – die Beendigung einer Ehe und die Aufgabe einer erfolgreichen Laufbahn in einem Führungsjob. Ich begann eine zweite Berufsausbildung und machte mich selbständig.

Einige fragten mich, wie ich das genau mache – das Hinschauen auf mein Leben.

Nun – ich zähle auf / mache sozusagen „Negativ- und Positiv-Listen“. Wobei ich die Bezeichnungen negativ und positiv nicht so gern habe und nicht verwende.

Ich bezeichne es als – die dunkle und die helle Seite.

 

Negativ bedeutet zumeist, dass uns etwas nicht gefällt und/oder dass wir etwas nicht haben wollen. Es geht aber um Akzeptanz, dass es da ist und das Annehmen. Deshalb dunkle und helle Seite. Ich nehme beide an – die dunkle genauso wie die helle Seite.

Wenn ich mir nicht genau ansehe, was es da zum Loslassen gibt, wie könnte ich dann Loslassen. Ich kenne es ja gar nicht.

 

Indem ich es mir ganz klar bewusst mache, beginnt es sich bereits aufzulösen.

Wenn ich es ausspreche, verliert es seine Macht über mich.

Das Skurrile dabei ist: Wenn ich etwas annehme, kann ich es auch loslassen.

 

Ich nehme meine Traurigkeit / Enttäuschung / Zorn / Hoffnungslosigkeit an – lasse mich ganz hineinfallen – drücke sie an mein Herz – und lasse sie los …

Was diese Besinnung / Betrachtung erfordert, ist – sich Zeit zu nehmen. Zeit für sich selbst. Damit stellt sich auch die Frage – wie wichtig bin ich mir? Wer und was hat Priorität in meinem Leben? Bin ich es, oder sind es andere – Menschen / Beruf / Dinge …

 

Sich gut in seinem Leben einzurichten bedeutet,

sich Zeit für sich selbst zu nehmen.

Sich selbst zur Priorität im eigenen Leben zu machen.

 

Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit – gut für sich selbst sorgen.

Selbst wenn wir in Gemeinschaft (welcher Art auch immer) mit anderen leben kommen wir nur zu einem guten Kompromiss – wenn wir genau wissen was wir wollen und was für uns selbst wichtig ist.

 

Die einzige Ausnahme jemand anderen wichtiger zu nehmen

ist die Verantwortung und liebevolle Fürsorge für ein Kind.

 

Die restlichen Jahre meines Lebens möchte ich mit Menschen zusammen sein mit denen ich es gut habe; etwas tun, was mir gut tut.

Zufriedenheit / beglückende Momente zu erleben und zu lieben.

 

Besonders leicht ist es mit dem Loslassen, wenn wir mit uns selbst im Ein-Klang sind.

Zwei-Klang, oder wie viele Klänge auch immer, genießen – sie aber nicht brauchen.

Mit sich selbst im Ein-Klang

Für sich selbst klingen

Klingt das nicht gut?

 

Als Schlusssatz möchte ich Henning Mankell zitieren: „Wahrheit ist immer provisorisch und veränderbar“. Und damit stimme ich ihm voll zu. Also bleiben wir bei der Wahrheit.

Dies ist meine Wahrheit. Für andere mag sie anders sein.

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Eine Empfehlung:

Der von mir sehr geschätzte schwedische Schriftsteller, Krimiautor und Theaterregisseur Henning Mankell, ist 2015 mit 67 Jahren an Krebs verstorben.

Sein Buch „Treibsand – Was es heißt, ein Mensch zu sein“, in dem er sehr persönlich über sein Leben nach der Diagnose, die er Anfang 2014 erhalten hatte, habe ich gelesen. In einer Kolumne für die Zeitung Göteborgs-Posten schrieb er: „Ich höre Menschen sagen: ‚falls‘ ich sterbe, aber zum Teufel, es heißt ‚wenn‘ ich sterbe – der Tod ist das einzige, dessen wir uns ganz sicher sein können.“ 

Mankell hat sich sowohl als Autor und Regisseur, als auch mit seinem politischen Engagement in seiner zweiten Heimat Afrika viel mit dem Begriff Wahrheit auseinandergesetzt.

In seinem letzten Roman „Die schwedischen Gummistiefel“, der 2016 erschienen ist, schreibt er nachdenklich und in knapper Sprache über das Leben mit der Einsamkeit, die Suche nach Nähe, das Alter und den Tod. In diesem Buch geht es um Lebensbilanzen und um die Erkenntnisse von Wahrheit.

Mankell glaubte aber nie, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Sie sei vielmehr „immer provisorisch und veränderbar“, schloss Mankell im März 2015 das Nachwort seines Buches. Ein halbes Jahr später war er tot.

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Der liebe Gott und ich und die Überschwemmungsgebiete

Buddhismus

Ich wurde in eine katholische Familie hineingeboren.

Nach meiner Rückkehr in meine Geburtsstadt habe ich die Kirchturmspitze der Kirche meiner Kindheit täglich vor Augen, und meine Gedanken beschäftigen sich unweigerlich immer wieder mit meinem Kindheitsglauben und dem Herausfallen aus meiner Gläubigkeit.

Als Kind fühlte ich mich sehr aufgehoben in meinem Glauben und den Ritualen in der Kirche. Ich ging gerne mit meiner Großmutter in die Kirche. Die Kirche in unserem Stadtteil war ca. einen Kilometer von unserem Haus entfernt. Im Sommer setzte mich meine Großmutter in den Kindersitz auf ihrem Fahrrad. Im Winter stapften wir durch den hohen Schnee. Ich liebte die Festtage und die Maiandachten. Besonders angetan hatten es mir jedoch die Kreuzwegandachten. Das Leiden von Christus am Kreuz. Dazu kamen noch die vielen Geschichten im Katechismus über die Leiden der Märtyrer. Ich wollte auch Leiden.

Mit 6 Jahren war mein innigster Wunsch Märtyrerin zu werden – mein Leben für Jesus hinzugeben. Ein halbes Jahr später sprach ich mit unserem Pfarrer. Ich sagte ihm, dass ich einen Brief an den Papst schreiben möchte, da ich es nicht gerecht finde, dass meine Mutter, weil sie geschieden ist, nun nicht mehr zur Kommunion gehen darf. Ich sagte ihm, ich möchte dem Papst erklären, warum er bei meiner Mutter eine Ausnahme machen muss. Der Pfarrer erklärte mir – der 6-jährigen, dass dies nichts bringen wird, da der Papst keine Ausnahme machen könne. Dies sei Kirchengesetz. Das war 1956. Meine erste große Enttäuschung. Der Märtyrerinnenwunsch verschwand einige Zeit später. 

Aus der katholischen Kirche ausgetreten bin ich mit ca. 30 Jahren. Doch das Christentum war lange Zeit meine Heimat und ist ein Teil meiner Vergangenheit. Seit der Zeit meines Kirchenaustritts beschäftigt mich meine Auseinandersetzung mit Gott und Jesus. 

Könnte ich schon lange sagen – ich glaube nicht mehr, wenn da nicht meine mystischen Erlebnisse aus meiner Kindheit in der Kirche wären. Und die mystischen Erlebnisse meiner Klosteraufenthalte als Erwachsene. Besonders die Erlebnisse meiner Kindheit, in der ein tief verbundener und nicht in Frage gestellter Glaube in mir war, haben nicht nur einen tiefen Eindruck hinterlassen – sie sind ein wunderbares Erlebnis in mir. Ein wahrer Schatz.

Ich kann nicht sagen – ich glaube nicht, wenn ich solches erlebt habe.

Ich könnte jetzt noch viele Erlebnisse in der Kirche aufzählen. Ich habe mich sehr aufgehoben und auch beschützt gefühlt. Das vermisse ich.

Jetzt wird es kompliziert: Ich kann es nicht glauben, dass ich nicht glaube. Und gleichzeitig glaube ich nicht. Und mein Unglaube schmerzt mich. Manchmal. Ich vermisse das Aufgehobensein.

Nach einer Diskussionsveranstaltung mit dem von mir sehr geschätzten Bruder David Steindl-Rast, Benediktinermönch, und als solcher im Dialog zwischen westlicher und östlicher Spiritualität, habe ich mir sein Buch „Credo“ gekauft. Das christliche Glaubensbekenntnis, das auch ich abgelegt habe, und das ich schon lange nicht mehr aussprechen kann. Es besteht nur aus 77 Worten. 
Steindl-Rast setzt sich mit jedem Satz / mit jedem Wort dieses Credo sehr gezielt und achtsam auseinander. Er stellt dazu jeweils die drei Fragen: 
„Was heißt das eigentlich?“ 
„Woher wissen wir das?“
„Warum ist das so wichtig?“

Er beantwortet die Fragen mit seinen Gedanken dazu und auch seinen persönlichen Erlebnissen. Seit Jahren lese ich in dem Buch. Immer und immer wieder. Jeder Satz von ihm regt zum Nachdenken an. Und ich bin noch lange nicht fertig damit …

Ich bringe ein längeres Zitat aus der Einleitung des Buches. Er bezieht besonders die aus der Kirche Ausgetretenen mit ein. Es gefällt mir sehr gut, obwohl ich nicht mit allem einverstanden bin. Aber so ist das. Und jedes Nichteinverstandensein führt zu neuem Nachdenken. Seine Frage in dem Absatz: „Wohin führt dieser Schritt des Austretens?“ – kann ich erst einmal beantworten – zu einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit dem Christentum, und zur Hinwendung zum Buddhismus.

Zu Ende ist es noch lange nicht, und vielleicht auch nie. 

Das Zitat aus David Steindl-Rasts Buch :
„Ein Leserkreis, für den dieses Buch besondere Bedeutung haben könnte, sind die aus der Kirche Ausgetretenen. Sie nehmen nämlich in vielen Fällen den Glauben besonders ernst, ernst genug jedenfalls für einen öffentlichen Schritt wie den Kirchenaustritt. Das verlangt Respekt. Es führt aber auch zu der Frage: Wohin führt dieser Schritt des Austretens? Da hilft mir ein Bild aus meiner Jugend in Wien: Wenn die Donau ins Überschwemmungsgebiet austritt, dann verlässt sie ihren alten Lauf gar nicht, sondern schließt vielmehr weitere Gebiete ein. Es scheint, dass wir berechtigt sind, das Austreten vieler Christen in diesem Sinn zu verstehen. Indem sie aus einer Kirche austreten, die ihnen zu eng geworden ist, schließen sie sich gar nicht aus, sondern sie schließen dadurch vieles ein, was zu einem umfassenderen Verständnis von Kirche und Glauben gehört.“

Das Bild des Überschwemmungsgebietes gefällt mir. Viele weitere Gebiete sind dazu gekommen. Eine Bereicherung. Die Kirche ist mir nicht nur zu eng geworden. Vieles gefällt mir nicht und lehne ich ab: Den Allmachtsanspruch über das Leben der Menschen bestimmen zu können; den Reichtum „auf Erden“ – Pomp und Prunk; den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt; das Vertuschen von Fehlern. Missbrauch, Gewalt; etc. 

Ich brauche kein „umfassenderes Verständnis von Kirche“ – ich habe verstanden, wie die jetzige Kirche funktioniert. 

2009 war ich für eine Woche Turmeremitin im Mariendom in Linz.

Linz war in diesem Jahr Kulturhauptstadt und es war eines der Projekte. Jede Woche gab es eine/n andere/n TurmeremitIn.

Man konnte sich bewerben, und ich wurde genommen. Und wieder war es eine Begegnung mit dem Christentum. Ich war dort ohne Handy und ohne meine eigenen Bücher. Auf einem schmalen Bücherbord in der kleinen Türmerstube, hoch über den Dächern von Linz, standen vielleicht fünf Bücher. Eines davon war „Das Buch meine Lebens“ von Teresa von Avila, (1515 – 1582). Sie trat mit 21 Jahren in das Karmelitinnenkloster ihrer Heimatstadt ein und gründete selbst 17 Klöster. Auch in diesem Buch lese ich seit Jahren, finde ich mich doch in vielen ihrer beschriebenen Erfahrungen in der Meditation wieder.

Mein spiritueller Betreuer in der Zeit, ein evangelischer Pfarrer, sagte zu mir: „Mit all deinem Zweifel bist du Gott näher als so mancher Gläubige“. 

Das glaube ich manchmal auch, manchmal nicht …

Vor 35 Jahren habe ich den Buddhismus kennen gelernt und ihn studiert. Meine schönsten und tiefgreifendsten Meditationserfahrungen machte ich in einem buddhistischen Kloster in Sri Lanka.

Als mein zweiter Ehemann und ich 1982 nach einer dreimonatigen Rucksackreise durch Indien und Sri Lanka zurückkamen, besuchten wir die wöchentlichen Yoga- und Meditationsabende im Buddhistischen Zentrum in Wien. Das Fernsehen wollte einen Bericht über Yoga und Meditation bringen und filmte an einem der Abende. Als der Film ausgestrahlt wurde, sah in zufällig meine Mutter und deren Nachbarin. Damals hat man auch noch gemeinsam ferngesehen. Wenn man keinen eigenen Fernseher hatte, ging man zum Nachbarn. Meine Mutter rief mich daraufhin – es war 1982, also am Festnetztelefon – an. Sie sei entsetzt und habe sich geschämt vor der Nachbarin, meinte sie, da wir jetzt offensichtlich bei einer Sekte seien. So war das damals. Es ist erst 36 Jahre her und doch hört es sich an, wie aus einer anderen Zeit.

Ich bezeichne mich als christliche Buddhistin.

Der Buddhismus ist zwar in Österreich als Religionsgemeinschaft eingetragen und anerkannt, doch ist er keine Religion, weil es keinen Gott gibt. Obwohl er von vielen als Religion gesehen wird, betrachte ich ihn als eine Lehrtradition. Der Buddhismus gibt Antworten auf die großen Fragen der Religionen – zum Beispiel nach dem Sinn des Lebens oder nach dem Leben nach dem Tod.

Die Lehren Buddhas haben meinem Leben eine Ausrichtung gegeben, die ich sehr schätze. Achtsamkeit im Alltag; das Leben im Hier und Jetzt; die Übernahme der Eigenverantwortung, speziell für das eigene Leid und einen guten Weg für die Auflösung des Leids. 

Alles Böse zu vermeiden, das Gute zu kultivieren und seine Gedanken zu reinigen – das ist die Lehre Buddhas.

(aus dem Dhammapada)

Das Gottes-Bild meiner Kindheit gibt es nicht mehr. Es ist wie ein schönes Märchen – der alte Mann mit seinem langen Bart und den wallenden Gewändern. 

Steindl-Rast schreibt, er selbst verwende oft die Ausdrücke: „Letzte Wirklichkeit“, „Urgrund des Seins“, „Quelle aller Lebendigkeit“. 
Der fast bildlose Ausdruck „Urgrund des Seins“ stammt vom englischen Dichter Gerard Manley Hopkins: 

„Ground ob being, and granite of it: past all / Grasp, God“ – „Urgrund des Seins, und sein Urgestein: Jenseits von allem / Begreifen, Gott“.

Wenn ich an das Gefühl in meinen Meditationen denke – Bilder gibt es da keine – würde ich dieses Gefühl als ein gleichzeitiges „Nichts und eine Allverbundenheit“ beschreiben. Wenn ich in diesem Gefühl ankomme, ist es wie ein „Heimkommen“. 
So schön, dass die Tränen fließen …
Selbstbildnis

Es interessiert mich nicht, ob es einen
Gott gibt oder viele Götter.
Ich möchte wissen, ob du
dazugehörst oder dich verlassen fühlst,
ob du Verzweiflung kennst und sie erkennen kannst
in andern. Ich möchte wissen,
ob du zu leben bereit bis in der Welt
mit ihrem harten Zwang,
dich zu verändern. Ob du zurückschauen kannst
mit festem Blick und sagen:
„Hier stehe ich“. Ich möchte wissen,
ob du es verstehst,
in die feurige Lebenshitze hineinzuschmelzen,
hineinzufallen
mitten in deine Sehnsucht. Ich möchte wissen,
ob du bereit bist,
Tag für Tag die Folgen der Liebe zu ertragen
und die ungewollte bittere Leidenschaft
deiner unausweichlichen Niederlage.

In dieser feurigen Umarmung, heißt es,
reden selbst die Götter von Gott.

(David Whyte)

 

 

 

 

Der Großmutter-Baum

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Der Großmutter-Baum

Meine Großmutter war diejenige, die immer da war für mich.
Sie war die Erste, die ich am Morgen, wenn ich meine Augen öffnete sah, und die Letzte am Abend. Unter ihrem Schutz und Schirm bewegte ich mich tagsüber im Garten. Noch im entferntesten Winkel des Gartens spürte ich ihre Anwesenheit. Meine Großmutter war die Erste, die mich nach meiner Geburt im Arm gehalten hat. Das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit begleitet mich über ihren Tod hinaus.

Nun lebe ich in einem anderen Garten. Und ich nenne den Nussbaum in der Mitte des Gartens – Großmutter. Wenn ich nachts die Augen öffne, schaue ich in seine Krone. Genauso des Abends und Morgens. Im Winter ist er Raststätte für die Raben. Jetzt im Frühling schwirrt und zwitschert es auf seinen alten Ästen. Im Sommer sitze ich in seinem mächtigen Schatten. Unter seinem Schutz und Schirm bewege ich mich durch Garten. Auch im entferntesten Winkel des Gartens sehe ich ihn. Er ist tröstlich – Sicherheit und Geborgenheit. Und wenn ich Glück habe, werde ich eines Tages unter seiner Krone einschlafen …

Leben ist Veränderung

Zeit für Neues - Label

 

Selbstermächtigung zum eigenen Leben bedeutet, raus aus der Komfortzone – die zumeist nur scheinbar komfortabel ist – und sich den eigenen Ängsten und Unsicherheiten stellen.

Ängste behindern Wachstum.

Menschen / Umstände, die in Kindheit und Jugend vielleicht behindert / gehindert haben, den eigenen Weg zu gehen, sind Vergangenheit.
Wie ist das im Hier und Jetzt?
Sind in der unmittelbaren Umgebung auch jetzt Menschen die behindern und Ängste schüren anstatt zu ermutigen?
Oder sind es die eigenen diffusen Ängste?

Es gilt unterscheiden zu lernen zwischen realen und diffusen Ängsten.
Es gilt zu akzeptieren, dass das Leben unsicher ist. Sicherheit gibt es nicht.
Es gilt zu lernen, dass sich Sorgen machen um die Zukunft nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun haben. Ja, dass es die Zukunft nicht gibt.

Das Leben findet im Hier und Jetzt statt. Wenn die unvorhersehbare Zukunft da ist, ist sie wieder das Hier und Jetzt.

Die ersten Schritte zur Veränderung mögen schwer sein und von Unsicherheit begleitet. Dann jedoch wachsen Kraft und Begeisterung für das eigene Tun mit jedem Schritt.

In das Eigene hineinwachsen, zum eigenen Ich zu kommen / in uns selbst zu Hause zu sein, stärkt und bringt uns wieder in unsere Eigenmacht.

Sich selbst nahe zu sein und sich selbst zu verstehen ist die Grundlage dafür, den eigenen Lebensweg zu gehen. Und – sie sind auch die Voraussetzung dafür, anderen nahe kommen zu können, sie zu verstehen und annehmen zu können.

(M.K., 07 04 2017)

Das Leben lebendig leben

Über das Loslassen

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Wieder einmal stehe ich an einer Wegkreuzung.

Viele Wegweiser. Sie weisen in verschiedene Richtungen. Ich kann mich nicht entscheiden. Vielleicht ist es auch ein Weg ohne Wegweiser.

Ein Feld- und Wald- und Wiesenweg.

Ein Weg der noch nicht erkennbar ist.

 

Was zu Ende gegangen ist:

Vor zwei Jahren habe ich nach 25 Jahren mein Hand- und Seelenwerk als Psychotherapeutin beendet.

Eine lange Zeit …

Jetzt bin ich dabei, nach 30 Jahren mein Engagement und mein Tun in der Zivilgesellschaft zu beenden. Auch ein einjähriges Hineinschnuppern in parteipolitische Arbeit.

Eine lange Zeit …

Nach 40 Jahren Wandertum, bin ich seit einem Jahr sesshaft. Das eine ausgekostet. Dem anderen nähere ich mich vorsichtig an.

Meine Mutter ist vor zwei Jahren verstorben.

Nun bin ich die nächste in der Reihe.

 

Die wenigen Jahre, die noch bleiben.

Der Tod.

Das nicht mehr da sein kommt mir nahe.

Vertrocknete Blätter fallen vom Nussbaum.

Nichts anderes.

Es wird nicht anders sein.

Was ich spüre ist, dass all dies von mir Gelebte zu Ende ist. Mein Herz nicht mehr dabei ist.

Vielleicht noch mein halbes Herz. Aber das reicht nicht.

Wenn etwas zu Ende geht, entsteht ein leerer Raum, der sich vielleicht nicht gleich füllt, weil das Neue noch nicht da ist. Eine Wartezeit …

Wenn für etwas was wir leben, keine Energie mehr da ist / wenn wir nicht mehr mit dem Herzen dabei sind, spüren wird das. Übrigens – andere auch.

Es wird leblos

Es stirbt

Ein natürlicher Prozess

 

Und doch sehe ich vielfach, wie Menschen versuchen etwas festzuhalten, was nicht mehr stimmt / etwas am Leben zu erhalten, was schon lange gestorben ist

Beziehungen / Freundschaften / Arbeitsplätze / Wohnorte / Jungsein / Lebenspläne / Gefühle / Verhaltensmuster  etc. etc.

Alles was nicht mehr passt bindet Energie

Loslassen setzt Energie frei für Neues

Manchmal fühlt sich das Loslassen an wie im freien Fall zu sein / macht unsicher / macht Angst /

Freiheit die unsicher macht

Dabei ist lebendiges Leben selbst andauernde Veränderung

Warum macht Veränderung Angst?

Weil Loslassen auch Abschiednehmen heißt / weil’s auch traurig macht / weil keine Energie für das Neue vorhanden ist, solange das Alte nicht losgelassen worden ist

 

Ich bin nur mehr müde

Klagte ich

Bis mir bewusst wurde

Dass ich alte Wege verlassen muss

Alte Wege, die mir sehr lieb sind

Neue Wege wollen beschritten werden

Ich kenne den Weg nicht

Und doch

Fühlt es sich leicht an

 

Einer meiner besten und liebsten Freunde ist mit 40 Jahren an Darmkrebs gestorben. Darm hat für mich mit Loslassen zu tun. Wenn man nicht loslässt, kommt nichts raus. So einfach ist das. Seine Worte habe ich in Erinnerung. Er sagte: „Ich versteh’ das nicht. Wenn dir etwas nicht mehr passt, dann lässt du es einfach. Du drehst dich um und gehst weiter. Wie machst du das bloß?“

Die wenigen Jahre unseres Lebens, sollten wir doch damit verbringen, mit Menschen zusammen zu sein mit denen wir es gut haben / etwas tun, das wir gerne tun

Zufriedenheit / beglückende Momente zu erleben / zu lieben

Besonders leicht ist es mit dem Loslassen, wenn wir mit uns selbst im Ein-Klang sind.

Zwei-Klang, oder wie viele Klänge auch immer, genießen – sie aber nicht brauchen …

Mit sich selbst im Ein-Klang

Für sich selbst klingen

Klingt das nicht gut?

SupercalifragilisticexpialidociousGut

Das Leben lebendig leben