Plaudereien aus dem Spinnkästchen

Ich liebe Spinnen.

Und ich frage mich, wird vielleicht deshalb – aus meiner Liebe zu den Spinnen – mein Haus eingesponnen? Innen und außen weben sie unaufhörlich und unermüdlich ihre Netze.

Zwei Große Zitterspinnen (fälschlicherweise oft als Weberknecht bezeichnet) sitzen seit Wochen an meiner Zimmerdecke. Regungslos. Leben sie noch? – fragte ich mich. Sah ich sie doch immer am gleichen Platz, so dass ich vorsichtig den Besen balancierend bis auf wenige Zentimeter in ihre Nähe kam, und sie schnellstens auf ihren langen Spinnenbeinen in die Ecke verschwanden. Aha, sie leben! Und wie sie leben! Sie weben ihre Netze nicht nur an den Zimmerdecken, sie weben meine Bilder ein, den CD-Ständer und alles, was ihrer Meinung nach eingenetzt gehört.

Hauswinkelspinnen habe ich wenige, da sie dunklere und feuchte Orte lieben, und von denen gibt es wenige in meinem Haus. In einer Ecke des Badezimmers, versteckt hinter einem Regal, habe ich eine entdeckt, und ich lasse dort in Ruhe. Manchesmal beim Duschen wird das Netz etwas nass und die glitzernden Wassertropfen machen die ganze Schönheit des Netzes sichtbar. Vergleichbar mit den diamantfunkelnden Nebeltropfen auf einem Spinnennetz beim Sonnenaufgang.

Und nun zu meiner Lieblingsspinne – der Gartenkreuzspinne. Sie legt mit zunehmendem Alter ihr Fangnetz hauptsächlich in den Nächten an. Ihre großen, akkuraten und imposanten Radnetze sind unübersehbar. Besonders im so genannten „Altweibersommer“. Der Begriff „Altweibersommer“ bezieht sich jedoch nicht, wie die meisten annehmen, auf ältere Frauen, sondern er stammt aus der germanischen Mythologie. Mit „weiben“ wurde im Altdeutschen das Knüpfen von Spinnweben bezeichnet. Die im Sonnenlicht glänzenden Fäden sehen aus wie silbergraue Haare. Es heißt, es seien Lebensfäden, die den Schicksalsgöttinnen verloren gegangen seien. Es gibt viele Geschichten um den „Altweibersommer“.

Wenn ich am Haus vorbei und durch den Garten gehe, freue ich mich über diese Lebensfäden der Göttinnen, die sich in meinem Haar verfangen. Sollen doch jene Menschen, an denen die Fäden hängen bleiben, stets Glück haben.

Ob es nun Spinnfäden der Gartenkreuzspinne sind, oder die Spinnfäden der fliegenden Spinnen – auch „Seiden-Floß“ genannt, weil sie damit hunderte von Kilometer weit durch die Luft fliegen, ist egal. Die Spinnenetze sind überall – an Gräsern, Büschen, Zäunen und am Haus.

Eine der Gartenkreuzspinnen hat den Außenspiegel von unserem Auto dazu erkoren, ihn mit ihrem Spinnennetz zu überziehen. Und dieses Spinnennetz fährt mit uns mit. Auch bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn – das Spinnennetz hält. Wo sich allerdings in dieser Zeit die Spinne aufhält, habe ich noch nicht herausgefunden.

Und so dürfen die Spinnen mein Haus einweben. So hie und da, eher selten, entferne ich die größten Gespinste in meinen Räumen – sie sind sowieso bald wieder da.

Der Dichter Issa drückt es in einem Haiku so aus:

Keine Angst, ihr Spinnen

ich fege nur

gelegentlich

 

Info für Spinneninteressierte: „Weberknecht und Zitterspinne: Diese zwei Achtbeiner sind nützliche Haushaltshelfer“

  • Spinnen lösen bei den meisten Menschen ein spontanes Unbehagen aus
  • Dabei sind die Tiere in Deutschland nahezu immer ungefährlich
  • Und einige sind sogar im Haushalt sehr nützlich

Sie sind sehr zierlich, werden von acht Beinen getragen und lösen häufig eher ein Unbehagen aus. Zitterspinne und Weberknecht werden häufig verwechselt und für Schädlinge gehalten, aber die Tiere sind regelrechte Haushaltshelfer.

Die Zitterspinne fängt in ihren Netzen Mücken und wirkliche Schädlinge. Der Weberknecht spinnt keine Netze, aber er ernährt sich von toten Insekten, schreibt der „Spiegel“. Beide Tiere besitzen einen kleinen Körper und lange Beine. Damit lösen sie gerne eine Gänsehaut aus, wenn sie unbedarften Bewohnern im Haus begegnen.

Spinnen im Haus sind normal

Eine 39-Jährige im bayerischen Pullach ging sogar so panisch auf Spinnenjagd, dass sie ihre Garage bei der Aktion niederbrannte. Dabei sind beide Tiere vollkommen ungefährlich. Der Weberknecht lässt sich auch nur selten in Häusern blicken. Der „Stern“ zitiert einen amerikanischen Insektenkundler, der betont: „Es ist okay, Spinnen in seinem Zuhause zu haben. Es ist sogar vollkommen normal.“

Den Namen hat die Zitterspinne von ihrem Abwehrverhalten. Fühlt sie sich in ihrem Netz bedroht, versucht die Spinne mögliche Angreifer zu verwirren. Sie beginnt sich so schnell zu bewegen, dass ihre Konturen verschwimmen. Faszinierende und nützliche Haushaltshelfer. Wenn sie nur nicht acht lange Beine hätten, wäre ein friedliches Zusammenleben sicher leichter.

https://www.derwesten.de/panorama/weberknecht-und-zitterspinne-diese-zwei-achtbeiner-sind-nuetzliche-haushaltshelfer-id214436833.html

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Herbstlaub

Tanzendes Herbstlaub

Bei unserem heutigen Hundespaziergang im Regen kamen wir an einer Gartentür vorbei, vor der ein Blätterhaufen lag.
Ich erinnerte mich an die wunderschönen Zeilen einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen.

 

“Ich leide an einer Traurigkeit aus Blättern,
die der Wind gegen die geschlossene Tür weht.

Es ist Herbst und das Laub wirbelt auf.
Als würden alle leeren Tages des Lebens
sich im Garten anhäufen und ihre Vergeudung rascheln.”

 

Gioconda Belli, geboren in Nicaragua. Eine Lyrikerin und Erzählerin mit kraftvoll eindrücklichen Worten, die die Seele schwingen lassen. Mit Intensität und Leidenschaft erzählt sie immer wieder von der Zärtlichkeit und Lust der weiblichen Liebe. Zeitlebens ist sie politisch aktiv und beteiligte sich am Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN gegen die Somoza-Diktatur ihres Landes

Schlechtes Wetter, meine Hündin und ich

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Heute Morgen war wieder einmal ein Morgen, an dem ich keine Lust hatte, aus dem Haus zu gehen. Der Himmel grau in grau, kalt. Nicht besonders kalt. Aber kalt genug um es auf das schlechte Wetter zu schieben. Ich sage es meiner Hündin – „nein, heute machen wir keinen Hundespaziergang“. Wir haben einen sehr großen Garten, deshalb hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen. Ich sollte es besser wissen, dass das nicht funktioniert.

Ich richte mich gemütlich bei meinem Computer ein. Samy steht neben mir. Nein, sie setzt sich nicht, sie steht. Sie steht und schaut mich an und wedelt und wedelt. Ich kann es nicht übersehen. Wenn sie könnte, würde sie mir wohl die Leine bringen.

Lange halte ich nicht durch. „Aber nur kurz. Wir gehen nur unsere kurze Strecke“ sage ich zu ihr, während sie bereits herumspringt.

Wir haben verschieden lange Strecken für unsere Hundespaziergänge. Von kurz, bis mittellang, bis zu ganz lang. Ich lebe zwar in der Landeshauptstadt von Niederösterreich, jedoch wir haben nur ca. 55.000 Einwohner. Also eher eine Kleinstadt. Da wir am Stadtrand wohnen, geht es gleich raus auf die Felder. Unsere kurze Strecke ist ein Feldweg bis ins nächste Dorf und wieder zurück. Mittellange Strecken gibt es einige. Die lange Strecke geht über die Felder zu den zwei Badeseen mit einer Umrundung von beiden Seen.

Nun, heute also die kurze Strecke. Am Ende der Strecke, wo es entweder ums Umkehren oder weiter auf die mittellange Strecke geht, hat sich mein Gefühl für das Wetter bereits verändert. Ich finde nicht mehr, dass es ein schlechtes Wetter ist. Eigentlich liebe ich diese Nebeltage. Und kalt ist mir sowieso nicht. Bin ich doch gut eingepackt und beim Gehen wird mir warm. Also – es geht weiter. Bei der Abzweigung ist meine Hündin mit mir stehen geblieben. Sie setzt sich und sieht mich von der Seite an. Sie lächelt. Ja, sie lächelt – das kann sie. Ich kann ihre Gedanken lesen, so wie auch sie meine liest. „Immer wieder das gleiche Theater“ denkt sie sich, und wir marschieren weiter.

Jetzt sitze ich wieder beim Computer. Bin froh, draußen gewesen zu sein. Samy liegt auf ihrer Hundedecke und streckt alle Viere von sich. Sie blinzelt mir zu und schließt ihre Augen. Ich bin mir sicher, gleich wird sie schnarchen.

Und ich werde dieses glückliche Lächeln auf meinen Lippen haben, das sich automatisch einstellt, wenn meine Hündin neben mir liegt und leise schnarcht …

 

 

 

 

HerbstArbeiten im Garten

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Im samtenen Licht der Herbstsonne trudeln und tanzen braune Blätter vom Nussbaum.

Das Licht der Herbstsonne – die Wärme der Sommersonne.

Ich sammle eine Kiste voll mit Nüssen unter dem Nussbaum. Bücken und einsammeln, bücken und einsammeln … Es ist bereits die vierte Kiste in diesem Herbst. Der Nussbaum verschenkt sich reichlich. Nächstes Jahr werden es wieder weniger sein. So ist das. Er braucht Erholung.

Nach dem Nüsse klauben, das Laub zusammen rechen. Am Ende stehen drei volle Laubsäcke geschützt vor den aufziehenden Regenwolken unterm Dach. Morgen werden sie weggebracht.

Jetzt ist auch die Fläche unter dem Nussbaum bereit zum Wiesen mähen. Insgesamt sind es 900 m2 – unser großer, wilder Garten. Kein Rasen. Nein, eine Wiese. Und der alte, schwere Rasenmäher lässt sich nicht so leicht über die vielen Buckel schieben.

Es wird dunkel und kühl. Schatten liegen über dem Garten. Die frisch gemähte Wiese duftet. Der Nachbar hat seinen Kamin beheizt. Es riecht nach Holzfeuer.

Jetzt noch die Gartengeräte wegräumen und rein in mein warmes Gartenhäuschen. Ich spüre jeden einzelnen Muskel meines Körpers und – bin glücklich und zufrieden.

(2017)

Ich erinnere mich: „Ich bin 5 Jahre und gehe mit meiner Großmutter durch den Garten. Wir sammeln alles ein, was wir zusammengerecht haben. Ich rieche das Holz, das verbrennende Laub und den Rauch des Feuers. Funken sprühen in die untergehende Abendsonne. Der Abendstern ist bereits am Himmel sichtbar. Es ist kühl und Großmutter zieht mir die von ihr gestrickte Weste an. Sie kratzt ein bisschen, aber sie ist mollig warm. Wir sind beide zufrieden.“

(1955)

Heute ist es verboten Feuer in den Gärten zu machen – Laub und Äste zu verbrennen, Lagerfreuer zu machen – vieles ist verboten …

 

 

 

Mein Hund …

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Foto: Nachmittagslektüre vor dem Schläfchen …

Mein Herz wird ganz weit und meine Mundwinkel gehen nach oben, wenn mein Hund sich freut, wenn ich bei der Tür reinkomme; wenn er mich so intensiv anschaut, dass ich mir überlege, was er wohl grade denkt; wenn er schläft und sein ganzer Körper ruckelt und zuckelt; wenn er schläft und schnarcht; wenn ich die Leine in die Hand nehme und er vor Freude herumspringt wie ein Ziegenbock; wenn ich traurig bin und er seinen Kopf auf meine Knie legt; wenn er beim Spazierengehen dauernd Neues entdeckt und ich stehen bleiben muss, um im Hier und Jetzt zu landen ….

Herbst

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Es wird Herbst.
Man fürchtet sich vor Kastanien
und anderen Früchten
die aus den Bäumen fallen.
Dagegen
hält man die Hand über den Kopf
oder trägt einen breitkrempigen Hut.
Baum- und Heckenschützen
haben es schwerer:
sie werden leichter entdeckt.
(Gert Jonke)