Was ist Glück?

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Mein Sohn ruft durch meine offene Haustür ins Haus „Kommst du?“

Ich stehe auf und setze mich zu ihm vors Haus auf die Gartenstühle. Wir schauen in den Abendhimmel und auf den Hund und die drei Katzen, die sich auf ihren Lieblingsplätzen auf der Wiese und der Bank zusammengerollt haben.

Still ist es auf der Straße und in den Gärten. Wir plaudern immer wieder – ein paar Worte nur, zwischendurch Schweigen. Im Nachbarhaus gehen die Lichter an.

Nach einer Weile steht mein Sohn auf. „Schlaf gut“ – sagt er. Er geht die zehn Schritte bis zu seiner Haustür. Hund und Katzen schauen auf, erheben sich und strecken sich und gehen ihm nach – langsam. Er wartet an der Tür bis alle drinnen sind und schließt ab.

Ich drehe mich um, schaue nochmals in den sich verdunkelnden Garten, atme die kühle Nachtluft ein und schließe meine Tür. Gute Nacht.

Das ist Glück!

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Vorfreude auf Sommergenüsse – Erinnerungen

 

Granatapfel

Sommer ist – paradiesische Körperlichkeit

Sommer ist – Nacktheit …

Am Morgen mit einem Tuch um die Hüften auf der Terrasse frühstücken. Nackt im Garten herumspazieren. Mit dem Liebsten im Garten schlafen. Nackt im See baden …
Sommerliche Essgenüsse – Wildkräutersalate, Erdbeeren mit Schlagobers, Granatapfelsorbet …

Die Vorfreude vermischt sich mit der Erinnerung …

Das Granatapfelsorbet

Sie kann seine Lust und seinen Frust beim Granatapfelkernausklopfen durch die weit offenen Fenster aus der Küche hören. Begleitet von Schmerzensschreien, wenn er sich in seiner Ungeduld in den Finger schneidet. Sie betritt die Küche sehr selten. Es ist sein Reich, und sie überlässt ihm gerne diesen Raum seiner Fantasie und Kreationen, mit denen er sie immer wieder überrascht.

Wie ein Urknall war er in ihr Leben getreten. Vor vielen Jahren. Bei einem Rockkonzert. Damals war es noch nicht Liebe. Es war eine animalische Anziehungskraft, die sie im wahrsten Sinn des Wortes zusammenstoßen ließ – Sex, Drugs and Rock’n Roll. In dieser Masse von Menschen hatte sich ein schmaler luftleerer Raum um ihn gebildet, so als ob er die Luft ansaugen würde und dieses Vakuum um ihn niemand betreten konnte. Er war groß und hatte eine blonde Haarmähne, zusammengehalten von einem bunten Stirnband. Im Scheinwerferlicht der Bühne, das immer wieder über die Menge hinwegwischte, sah sie das Muskelspiel seines nackten Oberkörpers, und der langen kräftigen Schenkel unter dem dünnen Jeansstoff. Sie tanzte bereits eine Weile neben ihm – auch sie trug ein buntes Stirnband und ihr T-Shirt klebte schweißnass an ihren Brüsten. Jeder tanzte für sich und doch trafen sich ihre Augen immer wieder und immer länger. Es nahm ihr den Atem als er mit einer einzigen Bewegung seines Armes ihren Oberkörper umfasste und sie zu sich zog. Als wäre sie schwerelos. Für einen Moment nahm es ihr die Luft, als er sie durch diesen Vakuumraum zog, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Paris hatte ihr den Granatapfel überreicht.

Ja, so war das damals. Mit Heiterkeit und Schmetterlingen im Bauch denkt sie an die vielen stürmischen Nächte. Jedes Zusammensein war wie ein tobender Orkan mit Lustschreien, die jedes Rockkonzert in den Schatten stellten. Mit der Zeit wurde es Liebe – tiefe, innige Liebe. Und sie begannen, sich etwas mehr Zeit zu lassen und ihre Körper sanft wie eine Morgenbrise zu erforschen. Es war wohlig und lustvoll zugleich, wenn ihre Münder und Hände sich auf Entdeckungsreise machten.

Sie tritt auf die Terrasse und schaut in den Himmel. Der Beginn der blauen Stunde – wenn es  für einen Moment still wird, bevor das Abendkonzert der Vögel beginnt und der Himmel einen seidig blauen Schleier über den Garten legt. Sie breitet eine Decke auf der Wiese unter dem Apfelbaum aus. Pölster und Decken griffbereit. Ihr Liebeslager für diese Nacht.

Da tritt er aus der Tür. In jeder Hand eine Schale mit seinem Granatapfelsorbet.

Sein Anblick nimmt ihr den Atem. Noch immer. Und immer wieder. So wie damals.

Der Abendstern und die Mondsichel stehen bereits am Firmament – Wohnsitz der Götter. Die Nacht beginnt. Hier im Garten – das verlorene Paradies. Du und ich – denkt sie.

Und wir haben Zeit. Viel Zeit.

 

„Dein Körper ist das verlorene Paradies
aus dem mich nie
ein Gott wird vertreiben.“

(Gioconda Belli)