Ich habe mein erstes Buch veröffentlicht!

Bild könnte enthalten: Pflanze und Text

Große Freude – mein eigenes Buch in Händen zu halten! 

Mein Buch ist ab sofort im Verlag und in jeder Buchhandlung erhältlich! 

Über diesen Link gibt es Infos zum Buch, eine Leseprobe zum Schmöckern, und Du kannst auch sofort bestellen – Paperback, Hardcover und e-Book – nach Deiner Wahl!

https://www.mymorawa.com/self-publ…/gestaltung/publizieren/…

„Altwerden ist nichts für Weicheier“ (Betty Davies)

Nachdem mich in den letzten 10 Jahren die Realität des Alterns eingeholt hat, bin ich auch dieser Meinung. Ich erzähle in Geschichten und Gedichten über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Altern.

Meine Erfahrungen – und doch wird es für viele Menschen einerseits eine Erleichterung sein, über die Mühen zu lesen (ah ja, endlich spricht es eine aus!) und andererseits eine Ermutigung, sich mit dem eigenen Älterwerden auseinanderzusetzen und schlussendlich anzufreunden. Bleibt ja auch nichts anderes übrig, wenn man nicht für die verbleibenden Jahre dahingranteln möchte!

„Jedes Alter ist schön“ – sagte ich früher sehr oft. Früher, als das Altwerden noch nicht begonnen hatte. Ich jammere nicht. Ich halte aber nichts vom Schönreden, dass ja alles so leiwand ist mit dem Alter, aber auch nichts vom Schlechtreden. Die Wahrheit liegt, wie immer, in der Mitte. Ja, es ist schön, und so manches Mal ist es auch mühsam. Darüber schreibe ich.

Ich freue mich, wenn es Dir gefällt – und ein herzliches Dankeschön fürs Teilen in Deinem Freund*innenkreis!

 

 

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Über den Tod und das Sterben

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Eine Kurzerzählung von mir und zwei Gedichte von Grace Paley, die immer wieder über die Tabuthemen Alter, Tod und Sterben geschrieben hat.

(Grace Paley, 1922 – 2007, Schriftstellerin)

Mutter

Ich habe keine Ahnung davon, wie es ist zu sterben, Mutter.

Ich wüsste zu gern, ob du dich noch erinnerst an mich. Oder ob es dich nicht mehr gibt. Ich erinnere mich an deine Angst zu sterben. Deine Augen angstgeweitet auf mich geheftet, als ob ich dir eine Antwort geben könnte. Als ob ich es wüsste. Ich weiß es nicht, Mutter. Ich sehe deine wunderschönen Hände, suchend auf der Decke. Deine kalten Hände, die am Ende keinen Druck mehr erwiderten. Ich versuchte sie mit meinen Händen zu wärmen. Ich höre deine rasselnden Atemzüge – jeder Atemzug so mühsam.  Ich weiß, wie sich dein kleiner Körper anfühlte, als du nicht mehr hier im Leben warst.

Immer wieder hast du über Nahtoderfahrungen gelesen.

Bist du durch den Tunnel ins Licht gegangen?

Bist du mit deinem Mann und deiner Mutter auf der Blumenwiese und jeder Groll, jede Angst hat sich verwandelt in Liebe.

Bist du nun selbst das Licht?

Ein Lichtfunke des großen Lichtes.

Oder gibt es dich nicht mehr.

Und alles war mit deinem letzten Atemzug zu Ende.

Das große Nichts.

Ich wüsste es gern …

(M.K., 2014)

 

Zwei Gedichte von Grace Paley:

Glauben Sie alte Leute sollten weggeschlossen werden
das eine rote feuchte Auge die Pupille die zurück- und zurückweicht
die Hände sind schuppig
glauben Sie all das sollte man verstecken

 

Ich habe mit meiner schwester gesprochen sie
weiß wohl nicht dass sie seit jetzt zwei jahren
staub und asche ist ich spreche mit ihr
fast jeden tag

http://schoef.signalwerk.org/res/pdf/prospekte/Paley_Editionsplan.pdf

 

 

 

 

Meine Trauer über die Türkei

Istanbul 1

Und wieder hat ein Diktator die Bühne betreten

Und diesmal vom eigenen Volk gewählt

Und wieder können / müssen wir zusehen, was passiert, wenn einer die Macht fest in seiner Hand hält

Und es erfüllt sich hier der Wunsch von Menschen, die sich wieder einen Führer wünschen

Und dieser Wunsch nach einem allmächtigen und gnadenlos strafenden GottVater entsetzt mich

Und es macht mich traurig, was so vielen Menschen bereits angetan wurde und in Zukunft noch viel mehr angetan werden wird

Und es macht mich ambivalent, zornig einerseits, weil viele Menschen trotzdem auf Urlaub in das Land fliegen werden – weil es so billig ist – zornig, weil sich der Diktator dadurch bestätigt fühlen wird, und gleichzeitig weiß ich, dass Menschen dadurch ein Einkommen erhalten werden

Und ich bin sehr dankbar über meine 5-wöchige Reise im Jahr 1993 durch die Türkei mit meinem damaligem türkischen Freund, einem Historiker,von Alanya nach Istanbul – über Side, Aspendos, Perge, Konya, Pamukkale, Iznik – welch schönes Land …

https://monikakrampl.wordpress.com/2016/11/19/meine-reise-in-den-orient/

Und ich weiß, dass ich dieses Land nie mehr sehen werde …

Ich höre Istanbul

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Zuerst weht ein sanfter Wind
Leicht schwanken die Blätter
an den Bäumen,
In der Ferne, in weiter Ferne
Unaufhörlich die Glocken der Wasserverkäufer,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Während ich rufen will, die Vögel fliegen vorbei,
Fliegt eine ganze Schar, hoch hinaus, Schrei für Schrei,
Die Fischer holen die großen Netze ein,
Die Füße einer Frau berühren das Wasser,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Kühl, kühl der Große Basar,
Kunterbunt Mahmutpaşa,
Voller Tauben die Höfe,
Vom Dock her hallt es Hammerschläge,
Im herrlichen Frühlingswind liegt Schweiß,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

 

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
In meinem Kopf der Rausch vergangener Feste,
Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern
Steht im abklingenden Geheul der Südwestwinde,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Eine Dirne stolziert auf dem Gehsteig,
Flüche, Gesänge, Anmachsprüche,
Etwas fällt aus ihrer Hand auf den Boden,
Es müsste sich um eine Rose handeln.
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Ein Vogel zappelt an deinen Hängen,
Ich weiß, ob deine Stirn warm oder kalt ist,
Ich weiß, ob deine Lippen feucht oder trocken sind,
Weiß geht der Mond hinter Kiefergewächsen auf,
An deinem Herzschlag erkenne ich
Ich höre Istanbul.

Orhan Veli Kanik (13. April 1914, Istanbul – 14. November 1950, ebenda)

 

Anmerkungen für die Zeit des Alterns und über die Zeit des Altseins.

002

Erst die „Anmerkungen für die Zeit des Alterns“ von Gioconda Belli.

Im Anschluss meine „Anmerkungen über die Zeit des Altseins“, in denen ich auf ihre Worte eingehe.

 

Wenn du die Wahrheit wissen willst:

Ich möchte nie alt werden

und noch viel weniger sterben.

Es fällt mir schwer das Leben zu begreifen ohne Schönheit

mir vorzustellen wie mein Körper

nachgibt dem Newtonschen Gesetz,

zerfällt

sich welk seinem Ende neigt

und ich dies ertrage.

Ich denke an die Worte der weisen, alten Frauen.

Sie sagen, das Leben öffne sich wie eine Allee

wenn endlich die Erfahrung die Mitte erreicht

und die Harmonie des Konzerts der gelebten Dinge

in der Dämmerung erklingt.

Doch ihre Worte überzeugen mich nicht.

Ich klammere mich an die Kurven meines Körpers

an den hellen Glanz meines Fleisches

und erschrecke

über die ersten Zeichen der Zeit auf meinem Gesicht.

Noch kann ich sie verbergen.

Noch sind es keine unheilbaren Risse.

Doch das Schreiten der Tage bedroht mich.

Ich sage mir, ich werde mit einer anderen Schönheit lächeln

ich werde eine Großmutter mit Zöpfen sein

und vielen Märchen und Gedichten und Kuchen.

Doch ich täusche mit nicht:

Ich find’s absolut nicht lustig.

Aber nicht ich

noch mein Wunsch

können die unerbittliche Richtung der Uhren verändern

oder mit Tränen der Erde verwehren

gehorsam um ihre Achse zu kreisen.

Ich bin sterblich wie alle.

Ich brauche mich auf mit meinen Erinnerungen

      ich biete dieser Angst die Stirn

und erfinde gefällige Posen

wenn mein Gerüst verrostet und nachgibt

wenn ich mich stützen muss, eine Brille benutzen,

langsam gehen, den Blutdruck überwachen,

     das Herz stärken …

Gewiss ist meine Stunde noch nicht gekommen

doch meine Geburtstage helfen mir nicht gerade

meine jungen Töchter haben schon Frauenkörper

mein Sohn wächst ohne Erbarmen

und ich spüre zu ersten Mal den Drang

ein Gedicht zu schreiben wie dieses.

(Gioconda Belli)

 

Wenn du die Wahrheit wissen willst:

Ich bin alt geworden

ich habe akzeptiert

in der Reihe nach vorne

in die erste Reihe

getreten zu sein.

Meine Sicht auf die Schönheit von Gesichtern

hat sich geändert

gelebtes Leben in Gesichtern zu sehen

finde ich schön

mehr in anderen als in meinem

– „die Harmonie des Konzerts der gelebten Dinge“ –

Nach wie vor fällt es mir schwer zu sehen

wie mein Körper welkt

zu merken

– „wie mein Gerüst verrostet und nachgibt

wenn ich mich stützen muss, eine Brille benutzen,

langsam gehen, den Blutdruck überwachen,

     das Herz stärken …“ –

Ich bin keine Großmutter geworden

doch ich kann akzeptieren

als solche von Kindern gesehen zu werden.

Mein weißer Großmutterzopf wächst.

Dass mein alternder Frauenkörper

von Männern

nicht mehr gesehen wird

schmerzt.

Der liebevolle Blick fehlt mir

genau so

wie das Begehren im Blick.

Wenn meine Lust aufflammt

ist es nach wie vor eine

Flamme des Feuers

manchmal spüre ich sie

wenn mein Blick die

Linie des Hüftknochens

die langen und starken Oberschenkel

eines Mannes streift.

Der Vorteil der Männer

ihr Fleisch welkt langsamer …

(M.K., 03 04 2018)

 

Gioconda Belli ist die bekannteste Lyrikerin Nicaraguas. Sie wurde 1948 in Managua geboren und beteiligte sich ab 1975 an Guerilla-Aktionen der FSLN. Verhaftung und Flucht nach Costa Rica waren die Folge. Nach 1979 arbeitete sie in verschiedenen politischen und kulturellen Ämtern. Sie lebt in Managua und Los Angeles/USA.

 

 

 

Die Vergangenheitssteine und die Wegsteine

Steinmauer

In den letzten vier Jahren ist alles zusammengebrochen. Kein Stein blieb auf dem anderen. Auch mein Elfenbeinturm, in den ich mich einige Jahre vor dem Zusammenbruch verschanzt hatte, brach zusammen. Übrig blieb ein Trümmerhaufen. Ein Steinhaufen.

Zum Steinerweichen jammerte und klagte ich. Ich saß auf diesem Steinhaufen und konnte mich nicht rühren. Manchmal nahm ich einen Stein in die Hand, und sofort begann er mir seine Geschichte zu erzählen. Doch ich war noch nicht bereit. Ich legte ihn wieder sorgsam hin. Manchmal. Manchmal warf ich ihn auch hin, weil er mich zornig machte.

Eine große Trauer, großer Schmerz und Zorn war in mir. Wieder. Ich dachte, das hätte ich doch schon erledigt. Und auch das machte mich zornig. Verzweifelt.

Doch mit der Zeit spürte ich, dass all diese Gefühle nicht mehr so abgrundtief waren, wie vor langer, langer Zeit, als ich dachte, daran zu sterben, wenn ich mich ganz und bis auf den tiefsten Grund dieser Gefühle einlasse. Nein, jetzt war es anders.

Und erstaunlicherweise gab mir der Steinhaufen, auf dem ich saß, Sicherheit. Ich spürte die Kraft der Steine. Und ich begann zu begreifen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ich griff nach verschiedenen Steinen und begriff gleichzeitig. Jeder Stein war ein Puzzlestück aus meiner Vergangenheit und hatte seine eigene Geschichte und seine eigene Qualität.

Es gibt die Vergangenheitssteine mit all den alten Geschichten meiner Vergangenheit. Und ich begann damit am Rande meines Gartens eine halbkreisförmige Vergangenheitsmauer zu bauen. Eine Mauer, die gleichzeitig Schutz für die Pflanzen, Blumen, Sträucher und Bäume ist. Die Sonne bescheint diese Mauer und jeder Stein strahlt seine Wärme aus in den Garten. Auch auf meinen Sitzplatz, geborgen und beschützt durch die Vergangenheitsmauer.

Dann gibt es noch die Wegsteine. Sorgfalt, Ruhe und Achtsamkeit war notwendig, um die Steine zu sortieren. Was ist ein Vergangenheitsstein und was ist ein Wegstein.

Die Wegsteine beinhalten all die Erfahrungen und das Wissen, das ich mir auf meinem

Lebensweg erworben habe. Erfahrung und Wissen, das mir heute sehr nützlich ist und mich weiter begleitet auf meinem Weg. Und ich begann einen Weg auszulegen in meinem Garten. Es ist ein breiter Weg. Die Steine sind abgeschliffen. Sie lassen sich fugenlos aneinander reihen, so dass ich den Weg auch nachts gehen kann, ohne zu stolpern.

Dieser Weg führt auch hinaus aus meinem Garten. Und ich merke, dass es noch nicht genug wegsame Steine gibt. Manchmal wird der Weg auch etwas unwegsam. Es gibt die Gefahr zu stolpern. Doch ich stürme nicht mehr so dahin wie in meinen früheren Jahren – über Stock und Stein. Ruhe und Achtsamkeit ist jetzt gefordert in unwegsamem Gelände. Ich bin noch nicht fertig mit Erfahrungen sammeln.

Wie das so ist mit dem inneren Widerstand

Wer kennt sie nicht, die Sätze: „Das ist nichts für mich“, „So bin ich nicht“, „Vielleicht irgendwann, aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt“ … und wo weiter und so fort …

Achtsamkeit auf den Widerstand und gleichzeitig Akzeptanz des Widerstandes.

Ein Paradoxon – ein scheinbarer Widerspruch.

Jedoch, alles was ich loslassen möchte, will erst einmal akzeptiert werden.

Das Nachdenken über den Widerspruch führt zu einem tieferen Verständnis der Situation – was den Widerspruch im besten Fall bereits auflöst.

In einem therapeutischen Prozess taucht er fasst immer auf – der Widerstand.

Da ist gleichzeitig der Wille zur Veränderung – und gleichzeitig sagt der Widerstand „na, so aber nicht. Vielleicht irgendwann einmal ganz anders, aber so sicher nicht. Das ist jetzt der falsche Zeitpunkt, der falsche Platz, die falsche Methode, etc.“

Vieles scheitert und viele scheitern an diesem Widerstand.

Achtsamkeit ist gefordert: Woraus speist sich der Widerstand – Gefühl oder Verstand oder beides?

Unser Verstand und unser Ego – ich spreche daher meist von unserem Egoverstand -, und unser inneres Kind (Gefühl), mögen keine Veränderung. Veränderung bedeutet Unsicherheit – und Unsicherheit macht Angst.

Der ängstliche Egoverstand wartet immer wieder mit eindrucksvollen und gewieften Argumenten auf, um uns zu überzeugen, warum gerade dies jetzt nicht möglich ist.

Ich denke, viele kennen das nur zu gut.

Ein besonders beliebter Widerstandssatz des Egoverstandes ist auch: „Das ist nichts für mich!“ Ein anderer: „So bin ich nicht!“

Schon erstaunlich, nicht? Ich sage – da ist er ein bisschen blöd, unser gescheiter Verstand. Denn natürlich warst Du bis jetzt nicht so. Aber Du möchtest Dich doch verändern. Also, wirst Du in Zukunft – auch – anders sein. Das Wörtchen – auch – ist sehr wichtig. Denn es gibt viele, viele Teile in uns, die gelebt werden wollen. Wenn wir das wirklich, wirklich wollen und zulassen.

Wenn Du Dich verändern möchtest, dann schmeiß diese Sätze – das ist nichts für mich und so bin ich nicht – aus Deinem Wortschatz.

Setz ihn einmal vor Dich hin – Deinen Widerstand. Und dann lass ihn zu Wort kommen. Lass ihn alles sagen, was er zu sagen hat. Und dann, wenn ihm nichts mehr – aber gar nichts mehr – einfällt, dann sag’ Du ihm, was Du zu sagen hast. Geig’ ihm die Meinung, und sprich aus, wie Du Dir Dein Leben vorstellst.

Veränderung heißt in erster Linie – Du musst dich verändern.

Du musst dich auf Neues einlassen und es auch zulassen neue Seiten an dir kennen zu lernen.

Veränderung heißt – raus aus den ausgetreten Latschen der Gewohnheiten.

Rein in neue Schuhe – oder überhaupt einmal barfuss laufen.

„Wir müssen bereit sein, das Leben aufzugeben, das wir geplant haben, um das Leben zu genießen, das auf uns wartet.“ (Joseph Campbell)

Tu es einfach!

Der richtige Zeitpunkt ist immer JETZT!

Liebesbrief an meinen ersten Ehemann

Liebe

Heute erwachte ich ganz still. Und wusste noch nicht, dass ich mich hineinfließen lassen werde, in die Erinnerung an unsere Liebe.

Die Dunkelheit des Nachthimmels verabschiedete sich langsam.

Der Sonnenaufgang kündigte sich an mit einem sanften hellblau und rosa.

Ich saß mit meinem Morgenkaffee am Fenster und freute mich über die Stille und die Schönheit des frühen morgens.

Und sanft wie das hellblau des Morgenhimmels stiegen Erinnerungen in mir hoch.

 

Ich erinnere mich an dich.

Ich erinnere mich an dich – meine erste große Liebe.

Ich war 14, und du 15, als unsere Liebe begann.

Als wir heirateten, war ich 18, und du 19.

 

Ich war sehr stolz auf meinen großen, starken und schönen Mann. Du warst der Anführer der Clique, in die du mich aufgenommen hattest.

Ich bin 159 cm groß, und du warst 191. Ein blonder Riese.

Im Stehen konnte ich meinen Kopf in deine Armbeuge schmiegen.

Wenn du mich umarmtest, verschwand ich zur Gänze in deinen kraftvollen, muskulösen Armen. Ich habe es genossen. Ach, wie habe ich es genossen.

Du hattest den schönsten Mund, den ich je gesehen und geküsst habe. Dein Kuss, deine perfekt geschwungenen, vollen Lippen ließen mich bei jedem deiner Küsse schmelzen.

Ich liebte deine Stimme, dein Lachen, das meine Schmetterlinge im Bauch aufflattern ließ zu einem wilden Tanz. Immer wieder. Und immer wieder neu.

Du liebtest meinen Leib und ich deinen.

Zärtlich waren wir in der Zeit der ersten Liebe, sehr zärtlich, als wir unsere Leiber entdeckten. Und stürmisch später, als wir uns kannten und vertrauten.

Die Lust, dich anzusehen und zu lachen, aus Freude, dass es dich gab.

 

Vor einem Jahr bist du gestorben.

Dass ich dich noch immer liebte, wusste ich immer.

Wie sehr ich dich noch liebe, weiß ich erst, seit deinem Tod.

 

Muss ich immer erst verlieren, dass ich weiß, wie sehr ich einen Menschen liebe?

Ich liebe dich noch immer.

Und doch musste ich dich verlassen, weil du meine erwachende Stärke nicht aushieltest.

Sie machte dir Angst. Sie passte nicht in dein Frauenbild.

In das Bild, das du dir von mir gemacht hattest.

Du wolltest dir deine Frau erschaffen, so wie du sie haben möchtest. Schriebst du mir einmal. Damals war ich damit einverstanden. Ich glaubte, es müsste so sein.

 

Wir bekamen unser Kind aus den falschen Gründen.

Unser Kind zu bekommen, war nicht falsch.

Die Gründe waren falsch.

Wir waren jung, sehr jung. 18 und 19 Jahre alt.

Wir glaubten, wir seien erwachsen.

Doch wir waren es nicht.

Wir konnten uns gegenüber unseren Eltern nicht durchsetzen.

Wir hatten unsere eigenen Pläne für unser Leben.

Doch wir ließen sie bestimmen über unser Leben.

 

Und anstatt selbst zu wachsen, ließen wir ein Kind in mir wachsen.

Und wir glaubten, dies sei die Lösung.

Doch es war ein Irrtum.

Und nicht gut für unsere Tochter.

 

Wir hatten unsere eigene Sprache und unser gemeinsames Leben noch nicht gefunden.

Und dann veränderte ich mich.

Als ich zu wachsen begann, war dies das Ende.

Du begannst, mein Wachstum zu bekämpfen.

Ich war verzweifelt, zornig. Liebte ich dich doch so sehr.

Und doch musste ich gehen.

Trotz meiner tiefen Liebe zu dir.

 

Meine Liebe zu mir selbst, zu meinem eigenen Leben, war stärker.

 

Es gab noch einige Männer in meinem Leben, die ich liebte.

Kleine und große Lieben.

Drei große Lieben waren es, die tiefer waren. Mit einer großen Verbundenheit auf allen Ebenen. Noch heute spürbar.

Eine davon bist du,

Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Ich erinnere mich gerne an die gute Zeit mit dir, die wesentlich länger war, als die Zeit des Zorns und des Leids.

 

Ich erinnere mich an unsere Liebesnächte.

An unsere Leiber, die sich anzogen wie Magneten. Eine magische Anziehung, die so groß war, dass sie untrennbar schien. Damals.

An die funkensprühenden Berührungen unserer Fingerspitzen, die Schauer durch unsere Körper jagten und uns erbeben ließ. Deine geliebten Hände, die mich fassten.

Ein Erbeben im Gleichklang.

Unsere Liebesbewegungen im Gleichklang, währenddessen wir Aug in Aug in unsere Seelen schauten. Und nicht genug bekommen konnten voneinander.

Wie wir uns nicht aus den Augen ließen, um die eigene Lust und die Lust des anderen zu erleben.

Ich kann mich an dein schönes Gesicht im Augenblick deiner Hingabe, dem Dahinschmelzen in deiner größten Lust, erinnern.

 

Wie könnte ich das je vergessen?

Müsste ich da nicht auch mich selbst vergessen?

Wie könnte ich darauf verzichten, die Innigkeit der Liebe und Lust nicht mehr zu spüren?

 

Heute könnte ich dir das alles sagen.

Ich würde dir erzählen, wie sehr ich dich liebe.

Ich würde dir sagen, wie sehr ich es liebe, wie unsere Körper sich kennen.

Wie sehr ich den Geruch deiner Haut; den Klang deiner Stimme, die mich zum Lachen und Weinen bringt; deine Augen, die vor Liebe und Lust Löcher in meine Haut brennen; liebe.

 

Ich erinnere mich.

Ich erinnere mich sehr genau.

Du, meine erste Liebe in meinem Leben.

Ich erinnere mich an dich.

Nach langer Zeit biete ich wieder ein Seminar an

Wegweiser 3

Leben in Veränderung. Altes loslassen. Neues entsteht.

Wer bin ich?

Wer möchte ich sein?

Was möchte ich noch leben / erleben?

Wenn etwas zu Ende geht, entsteht ein leerer Raum, der sich manchmal nicht gleich füllt, weil das Neue noch hinter der Ecke steht. Veränderungen in die Wege zu leiten und noch nicht zu wissen, was dann passiert, macht unsicher oder vielleicht auch Angst.

„Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.“ (James Neil Hollingworth)

Worum geht es in dem Seminar:

  • Lebensfragen, die Sie mitbringen
  • Selbstwert: Wie leben ich mein Leben und nach wessen Lebensregeln lebe ich? Sind es Regeln / Sätze aus meiner Kindheit / Familie / Partner/in / Freunde?Habe ich Angst, was meine Kinder zu meiner Veränderung sagen würden?
  • Ausrichtung: Was hat sich verändert in meinem Leben? Wovon muss ich / möchte ich Abschied nehmen?

        Kann ich mir die Erlaubnis geben mein Leben zu leben?

  • Ziel: Eine Vision / einen Plan – wie möchte ich mein Leben „jetzt“ gestalten? Entdecken von Ressourcen, die mich dabei unterstützen. Das Ja zu sich selbst – so wie ich jetzt bin.

 

Womit arbeiten wir:

  • Gesprächsrunden
  • Körperwahrnehmungsübungen
  • Entspannungs- und Energieaktivierungsübungen

 

Selbst-Bewusstsein bedeutet auch Körper-Bewusstsein

Die Grundlage aller Sprache ist die Körpersprache. Unser Körper spricht sehr oft zu uns.

Hören wir auch auf ihn? Verstehen wir ihn?

Wir haben Herzklopfen bei Angst, spüren Wut im Bauch oder Ärger im Magen, beißen die Zähne zusammen – oder etwas geht uns unter die Haut …

Um die Körpersprache zu verstehen, ist es notwendig, in Kontakt mit dem eigenen Körper zu sein und seine Botschaften – seinen Ausdruck – empfangen zu können.

Ehrlichkeit mit sich selbst führt zu Wahrnehmung und Veränderung.

Den eigenen Weg finden und gehen

Die eigene Größe und Stärke leben

Von der Angst vor Veränderung zur Freude an Veränderung

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Von denen lernen, die Veränderung gewagt haben.

Meine Großmutter sagte immer: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Da es aber immer etwas zu arbeiten gab, kam es nie zum Vergnügen. Lange dauerte es, bis ich diesen Satz ausgeräumt hatte und mir auch Vergnügen erlaubte. „Was werden die Leute sagen – die werden glauben, du tust nichts“ war ein anderer Satz, als ich mit 34 Jahren aus meinem Beruf ausstieg, mir eine Auszeit gönnte, und dann eine Ausbildung am zweiten Bildungsweg begann. Alles Sätze, die erst bewusst gemacht werden müssen, um uns nicht mehr davon hemmen zu lassen.

(Monika Krampl, 67 Jahre)

Mit 72 habe ich angefangen zu schreiben. Nun habe ich bereits einen Gedichtband veröffentlicht. Nein, ich habe nicht daran geglaubt, dass ich zu alt bin dazu. (Karl M., 72 Jahre)

„Ich bin in meinem Leben an einen Punkt gekommen, an dem es Zeit war für mich, Neues zu wagen. In meinen alten Mustern zu bleiben, hätte Stillstand bedeutet. Ich wollte Neues entdecken, Neues wagen, Neues ausprobieren – mich dem Fluss des Lebens hingeben. Ich habe es gemacht, bin aus meinen alten Schuhen in den Fluss gesprungen und  – werde jeden Tag mit einer Fülle an Lebendigkeit und Lebenslust belohnt.

Ja, ich liebe eine Frau. Und es ist mir egal, was andere dazu sagen oder wie lange es dauert. Ich genieße es. Heute. Ich lebe.“ (Gabriele E., 63 Jahre)

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Zeit: 13. – 14. Jänner 2018

SA 10.00 – 12.00, 14.00 – 19.00, SO 10.00 – 13.00

Kosten: Euro 160,–

Teilnehmende: max. 12 Personen

Ort: Zentrum Argatha, Mühlweg 16, 3100 St. Pölten

Anmeldung: bis spätestens 18. Dezember 2017           

Die Anmeldung ist nur gültig mit schriftlicher Anmeldung und Einzahlung der Hälfte der Seminarkosten.

Weitere Infos zum Seminar, sowie Kontodaten, werden nach schriftlicher Anmeldung bekannt gegeben.

Mitbringen:

Bequeme Kleidung, T-Shirt zum Wechseln (bei den Körperübungen wird’s so manchen warm),

Decke und warme Socken (bei den Entspannungsübungen fährt der Körper die Wärme wieder runter)

Schreibzeug

Seminarleitung:

Monika Krampl, Psychotherapeutin, Seminarleiterin, Bloggerin, Autorin

Email: monika.krampl@gmx.at

 

Älter werden von Silvia Bovenschen

Buch Älter werden Silvia Boverschen

In „Älter werden“ schrieb Silvia Bovenschen erstmals über ihre Krankheit multiple Sklerose. Im Alter von 71 Jahren starb die Bestsellserautorin und Wissenschaftlerin heute in Berlin.

Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Am Ende ein Link mit mehreren Rezensionsnotizen.

Aus dem Klappentext:

Älter werden wir alle, von Anfang an, und es gibt keine Aussicht auf Umkehr. Erst, wir sind noch ein Kind, wollen wir es unbedingt, dann, wir sind erwachsen, widerfährt es uns fast unmerklich, schließlich, die Jahre gehen ins Land, kommen die Tage des Rückblicks, auf die Zeit, in der wir die Zukunft noch vor uns hatten. „Älter werden“ gibt persönlich erzählend, räsonierend und kommentierend einen Rückblick auf das gelebte Leben und einen Ausblick auf möglicherweise Kommendes. Diese erzählten Erinnerungen und gedanklichen Spiele fügen sich zu einem poetischen Bericht über eines der zentralen Themen unserer Zeit.

https://www.perlentaucher.de/buch/silvia-bovenschen/aelter-werden.html

 

 

Mein langer Weg zur Versöhnung mit meiner Mutter

003

Wenn mich meine Mutter gefragt hätte, warum ihr niemand dankbar (von Liebe wagte sie nicht zu sprechen) sei, obwohl sie sich doch so aufgeopfert habe, hätte ich ihr geantwortet:

Weil du nicht in dir zu hause warst. Da war niemand. Du warst außer dir. Immer darauf bedacht, zu erfüllen, was die Anderen von dir wollten. Nein – was du meintest, was andere von dir wollen. Dabei wusstest du nicht, was andere brauchen, weil du sie nicht gesehen hast.

Ich existierte nur in einer Vorstellung, die du dir über mich gemacht hast. Deshalb wusstest du auch nicht, was ich wirklich wollte. Und das, was du glaubtest, dass ich von dir will, wollte ich nicht. Kompliziert, nicht? Aber so ist es. Ein Quirl im Hirn. Sehr mühsam und unbefriedigend. Für beide Seiten.

Deshalb war dein Lächeln auch immer ein gezwungenes.

Deshalb hast du versucht, dir Liebe zu erkaufen. Mit Geld.

Du konntest mich nicht lieben, weil du dich selbst nicht liebenswert gefunden hast.

Du konntest nicht lieben, weil du nie die bedingungslose Elternliebe erfahren hast.

Dein Vater ist im Krieg ermordet worden. Deine Mutter konnte nicht lieben, weil sie bei einer bösen Stiefmutter wie aus dem Märchenbuch, aufgewachsen ist. Ihre Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war.

Ihr Vater, also dein Großvater, konnte sich gegen diese, seine Frau, nicht wehren und „ging ins Wasser“. Er beging Selbstmord. Zurück blieb ein Kind – deine Mutter. Hilflos dieser  Stiefmutter ausgeliefert.

Doch da muss noch eine ganz andere, tiefere, Verletzung zwischen deiner Mutter und dir gewesen sein. Ungeliebt und ausgeschlossen aus dem Geschwisterkreis. Wenn ich mir das gemeinsame Familienbild betrachte, stehst du allein. Und so allein warst du dein ganzes Leben lang. Dabei dachte doch deine ältere Schwester, sie sei diejenige, die ausgeschlossen worden wäre. Der jüngere Bruder, eine Sonderstellung – der Sohn.

Eifersucht zwischen euch drei Geschwister – ein ganzes Leben lang.

Deine Mutter war dir keine gute Mutter.

Du warst mir keine gute Mutter.

Ich war meinem Sohn keine gute Mutter.

Deine Mutter hat lange Zeit Mutterstelle an mir vertreten. Obwohl sie doch meine Großmutter war. Sie versuchte mich auf ihre Seite zu ziehen. Lange Zeit ist ihr das auch gelungen

Du hast Mutterstelle an meinem Sohn vertreten. Obwohl du doch seine Großmutter warst. Du hast versucht ihn auf deine Seite zu ziehen. Ich ließ es nicht zu und er auch nicht.

In den letzten Jahrzehnten dann der unversöhnliche Hass zwischen dir und deiner Mutter. Im gemeinsamen Haus. Unaushaltbar. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Du schon.

Ich bin gegangen. Du nicht.

Deine Mutter unversöhnlich bis über den Tod hinaus. Wie sehr hast du darunter gelitten.

Bis ich aus diesem Familiensystem ausgestiegen und in Therapie gegangen bin.

Ich konnte mein eigenes Leid und das meines Sohnes, nicht mehr ertragen.

Meine Aufarbeitung unserer Geschichte, die mir die Möglichkeit gegeben hat, mich dir wieder anzunähern.

Erst musste ich weggehen. Für lange Zeit, in der du nicht wusstest, wo und wie ich lebe. Ich musste weg – um nicht mehr greifbar zu sein für dich.  Was du nie verstanden hast. Eine weitere Kränkung.

Ich musste weggehen, um Ich zu werden, und als eigenständige Frau mich dir wieder annähern zu können.

Ich hatte wieder Kontakt zu dir aufgenommen. 15 Jahre vor deinem Tod, weil du Krebs hattest. Wir haben uns langsam angenähert. Miteinander gesprochen. Gesehen hast du mich weiter nicht.

Als du wieder krebsfrei warst, habe ich dich in eine Auseinandersetzung gezwungen. Ja, gezwungen. Zum ersten Mal kamst du nach meiner Aufforderung und nach langem hin und her zu mir – in meine Wohnung. Bei dir zu Hause hattest du ein Heimspiel. Bei mir in der Wohnung warst du unsicher. Unbekanntes Terrain.

Als du da warst, habe ich abgesperrt, Damit du nicht weglaufen konntest. Deine übliche Reaktion. Oder deine emotionale Erpressung, dass du sofort und auf der Stelle einen Herzinfarkt bekommen wirst. Es zog nicht mehr. Und du hast keinen bekommen. Ich habe dir alles gesagt, was ich dir zu sagen hatte. Meine Kränkungen, meine Verletzungen, dein Desinteresse an mir und meinem Leben, das du nicht weißt, wer ich wirklich bin ….

Ich habe dich angeschrieen und du hast keinen Herzinfarkt bekommen.

Am Ende waren wir beide erschöpft und haben geweint. Jede für sich. Jede aus anderen Gründen.

Du bist aufgestanden und hast dich zum ersten Mal in meiner Wohnung umgesehen. Hast mir Fragen gestellt. Ich dachte – sie hat etwas verstanden.

Du wolltest gehen. Ich war einverstanden. Im Vorzimmer hast du dich angezogen und in deiner Tasche gekramt. Ich dachte – sie hat nichts verstanden. Wenn sie mir Geld gibt, ist es aus.

Dann hast du mich umarmt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals von dir im Arm gehalten worden zu sein.

Du sagtest – verzeih’ mir.

Und ich bin in deinen Armen zusammengebrochen. Ich weinte. Mein ganzer Körper hat gezittert. Und vielleicht habe ich sogar gehört, wie der eiserne Ring um mein Herz gesprungen ist.

Das schönste Weihnachtsgeschenk meines Lebens.

Das war der Beginn, nicht das Ende. Der Beginn einer weiteren Annäherungsstufe.

Am Ende deines Lebens, als der Krebs wieder zurückgekommen ist, bin ich zu dir zurückgekommen. In mein Elternhaus. Um bei dir zu sein und dich zu unterstützen. Hätte ich mir nicht vorstellen können, wenn es nicht bereits diese Annäherung zwischen uns gegeben hätte.

In diesen letzten zwei Jahren, die wir zusammen waren, haben wir zum ersten Mal gemeinsam gelacht.

Das selbstverständlichste der Welt ein außergewöhnliches Ereignis!

Du hast mich oft in den Arm genommen.

Du hast dich sehr oft bedankt bei mir.

Und immer wieder dein Erstaunen darüber, dass ich bei dir bin.

Du hast angefangen, MICH zu sehen. Du hast mich ERKANNT. Du hast gesehen wer ich bin.

Doch ich konnte nur die werden, die ich bin, weil ich von dir weggegangen bin.

In diesen letzten zwei Jahren haben wir uns ausgesöhnt. Und ich weiß daher, wie es ist, von der eigenen Mutter GESEHEN zu werden. Von der Mutter ANERKANNT zu werden. Welches Gefühl das ist.

Es ist eine Befreiung. Eine Herzöffnung. Eine Stärkung des Selbstbewusstseins als Frau.

Und deshalb kenne ich auch den Unterschied zwischen einer UNVERSÖHNTEN Tochter und einer VERSÖHNTEN Tochter. Ja, ich sehe sie – die vielen unversöhnten Töchter, wie sie noch als erwachsene Frauen um das Gesehen werden, um Anerkennung und Bestätigung, um Liebe kämpfen. Wie sie sich noch als erwachsene Frauen von den Müttern abwerten lassen und noch immer unterordnen.

Ich verstehe sie. Habe ich das doch lange Zeit auch gemacht. Weil ich nicht wusste, dass es anders möglich ist.

Ja, ich konnte auch gut als unversöhnte Tochter leben. Weil ich viel an mir gearbeitet habe. Und es war Schwerstarbeit, die ich da geleistet habe. Aber ich habe nicht aufgegeben. Weil ich MICH kennen lernen wollte.

Am Ende deines Lebens sagtest du – und du hast mich dabei angeschaut – du hast MICH gesehen – „wir hätten es so schön haben können“. Ja, Mama! Dieser Satz taucht jetzt immer auf in mir, wenn ich an deinem Grab stehe und ich füge hinzu: „Ja, wir hätten es so schön haben können und am Ende hatten wir es noch schön!“

Dass ich die Anerkennung und Liebe – ja, es war schon auch Liebe, die zum Schluss zwischen uns da war – erhalten habe, ist ein wunderbares und unerwartetes Geschenk.

Für Herz und Seele.

Ich bin unendlich dankbar dafür.