Meine Trauer über die Türkei

Istanbul 1

Und wieder hat ein Diktator die Bühne betreten

Und diesmal vom eigenen Volk gewählt

Und wieder können / müssen wir zusehen, was passiert, wenn einer die Macht fest in seiner Hand hält

Und es erfüllt sich hier der Wunsch von Menschen, die sich wieder einen Führer wünschen

Und dieser Wunsch nach einem allmächtigen und gnadenlos strafenden GottVater entsetzt mich

Und es macht mich traurig, was so vielen Menschen bereits angetan wurde und in Zukunft noch viel mehr angetan werden wird

Und es macht mich ambivalent, zornig einerseits, weil viele Menschen trotzdem auf Urlaub in das Land fliegen werden – weil es so billig ist – zornig, weil sich der Diktator dadurch bestätigt fühlen wird, und gleichzeitig weiß ich, dass Menschen dadurch ein Einkommen erhalten werden

Und ich bin sehr dankbar über meine 5-wöchige Reise im Jahr 1993 durch die Türkei mit meinem damaligem türkischen Freund, einem Historiker,von Alanya nach Istanbul – über Side, Aspendos, Perge, Konya, Pamukkale, Iznik – welch schönes Land …

https://monikakrampl.wordpress.com/2016/11/19/meine-reise-in-den-orient/

Und ich weiß, dass ich dieses Land nie mehr sehen werde …

Ich höre Istanbul

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Zuerst weht ein sanfter Wind
Leicht schwanken die Blätter
an den Bäumen,
In der Ferne, in weiter Ferne
Unaufhörlich die Glocken der Wasserverkäufer,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Während ich rufen will, die Vögel fliegen vorbei,
Fliegt eine ganze Schar, hoch hinaus, Schrei für Schrei,
Die Fischer holen die großen Netze ein,
Die Füße einer Frau berühren das Wasser,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Kühl, kühl der Große Basar,
Kunterbunt Mahmutpaşa,
Voller Tauben die Höfe,
Vom Dock her hallt es Hammerschläge,
Im herrlichen Frühlingswind liegt Schweiß,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

 

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
In meinem Kopf der Rausch vergangener Feste,
Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern
Steht im abklingenden Geheul der Südwestwinde,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Eine Dirne stolziert auf dem Gehsteig,
Flüche, Gesänge, Anmachsprüche,
Etwas fällt aus ihrer Hand auf den Boden,
Es müsste sich um eine Rose handeln.
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Ein Vogel zappelt an deinen Hängen,
Ich weiß, ob deine Stirn warm oder kalt ist,
Ich weiß, ob deine Lippen feucht oder trocken sind,
Weiß geht der Mond hinter Kiefergewächsen auf,
An deinem Herzschlag erkenne ich
Ich höre Istanbul.

Orhan Veli Kanik (13. April 1914, Istanbul – 14. November 1950, ebenda)

 

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Meine Reise in den Orient

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Türkei – Erinnerungen und Abschied

Aus einem meiner vielen ErinnerKartons, die bis jetzt in einem Lager waren. In diesen Kartons kommt vieles zum Vorschein.

Fünf Wochen Türkei im Jahre 1993

23 Jahre sind vergangen, und natürlich hat sich in der Zeit viel verändert. Wenn der Tourismus ein Land überfällt, ist es wie mit der Heuschreckenplage. Nichts ist wie vorher. Viel zu viele Menschen hatten sich in den Städten der Mittelmeerküsten angesiedelt. Allzu verständlich! Bereits Herodot wird folgende Bemerkung zugeschrieben: „Wer in dieses Gebiet kommt (…) zögert nicht, sich in dieser Stadt mit ihren guten Lebensbedingungen und dieser Schönheit für immer hier anzusiedeln.“ Mit der Ansiedlung und auch den Touristenströmen hat es jetzt ein Ende.

Die Presse (14. 6. 2016): Wenn die Strände leer bleiben. Auf den Hotels an der türkischen Riviera lasten Terror und Politik.

Die Presse (31. 10. 2016): Zahl der Türkei-Touristen bricht um ein Drittel ein. Auch im dritten Quartal ist die Tourismusbranche – einer der wichtigsten Devisenbringer – dramatisch eingebrochen.

Die diktatorische und Menschenrechte verletzende Politik von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat zu einer Situation geführt hat, in der ich das Land sicher nicht mehr bereisen werde. In der es vielleicht in Zukunft auch nicht mehr möglich sein wird.

Bei meiner Türkeireise war ich verliebt. Ich reise gerne, wenn ich verliebt bin. Die Wahrnehmung und das Erleben der Welt ist anders – auch beim Reisen. Ich bin offener, die Stimmung ist freudvoller, glücklicher – es macht einfach viel mehr Spaß. Ich nehme alles viel unmittelbarer war. Die fünf Sinne sind weit geöffnet. Das Meer ist blauer und das Gras grüner, die fremde Musik und die fremden Laute sind fröhlicher, der Wein ist süffiger … 

Die Welt ist zum Umarmen  …

Ich bin sehr dankbar, dass ich mir fünf Wochen Zeit genommen habe für diese Reise, und ich bin meinem damaligen türkischen Freund, Kulturhistoriker, sehr dankbar für seine ausführliche, private Reiseführung, und seine liebevolle Begleitung. Auch wenn wir touristische Sehenswürdigkeiten besucht haben, so doch zu ungewöhnlichen Zeiten und allein. Und damit hatte alles einen eigenen Zauber.

Von Alanya nach Istanbul

Unsere Reise führte uns von Alanya an der Küste entlang nach Side, Aspendos und Perge. Dann ging es ins Landesinnere nach Konya, Pamukkale. Quer durch das Land, durch viele Dörfer, Iznik am wunderschönen Isznik-See bis zu unserem Endziel Istanbul.

Ich erzähle hier von den größeren Orten. Es würde sonst zu umfangreich. Obwohl viele Schönheiten im touristisch unbekannten Landesinneren waren.

Wie war das damals so als unverheiratetes Paar? Ein Türke und eine Österreicherin.

Ich fuhr mit dem Auto, weil mein Freund keinen Führerschein hatte. In den größeren Städten war es kein Problem, wenn mein Freund auf dem Beifahrersitz saß. Obwohl es auch hier so manches Mal unfreundliche Blicke gab. War ich allein unterwegs im Auto, wurde ich zum Großteil nicht beachtet. Anders war dies im Landesinneren – von überraschten und erstaunten Blicken bis zu erzürnten. Im Landesinneren, in den kleineren Dörfern, war es auch vielfach nicht möglich gemeinsam ein Zimmer zu nehmen, weil wir nicht verheiratet waren. Die schlimmste Situation war in einem kleinen Dorf an einem wilden Fluss, zu dem man nur über einem fast unbefahrbaren, mit Geröll übersäten Weg kam. Hier wurden wir, als wir nach einem Nachtquartier fragten, mit Steinen beworfen. Sie wollten uns sicher nicht treffen. Es wäre ihnen sonst gelungen. Aber vertreiben wollten sie uns.

Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Situation in den letzten 20 Jahren verbessert hatte. Vielleicht nicht gerade in dem Dorf hinter den Bergen …

Jedoch fürchte ich, dass es gerade jetzt wieder einen Rückschritt geben wird.

 

Unsere Reise

Tagebucheintrag 5. Juni 1993: 6.00 morgens Anflug auf Antalya. Auf der einen Seite des Flugzeugs das Meer, die Küste und ein Vollmond, auf der anderen Seite über dem Taurusgebirge die aufgehende Sonne. Mit dem Auto auf dem Weg nach Alanya – Bananen, Orangen, Zitronen, Feigen – und die rot blühenden Oleanderbüsche am Straßenrand.

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Alanya

Alanya, eine der bezauberndsten Ortschaften der anatolischen Südküste mit kilometerlangen Stränden. Eine Stadt zum Ankommen, zum entspannten Flanieren durch die Gassen der Stadt oder auf den Burgberg. Und vor allem die Sonne und das tiefblaue Meer zu genießen am Kleopatra Strand. Das Bergmassiv im Norden Alanyas ist die Küsten-Gebirgskette des West-Taurusgebirges.

Wie alles im Orient, hat auch der Kleopatra Strand eine Geschichte: Antonius erhielt für seine Verdienste nach Cesars Tod das Gebiet Kilikien. In dieser Zeit machte Königin Kleopatra auf ihrer Mittelmeerrundfahrt die Bekanntschaft von Antonius. Sie verliebten sich und heirateten. Als Hochzeitsgeschenk bekam Kleopatra von Antonius Korakesion (Alanya).

Was für eine schöne Geschichte …

Um der Sommerhitze auszuweichen, zieht die Stadtbevölkerung in die Sommerhäuser auf den Plateaus. 25 bis 60 km, und man ist in den kühlen Wäldern mit Wasserfällen und Picknickplätzen. In den Pergolas auf der Hochebene saßen wir so manchen Nachmittag, tranken Tee und schauten auf Alanya und das Meer.

Alanya-Lied

Am Mittelmeer glänzt du

Alanya als Perle.

Du bist einmalig auf Erden,

du bist die Schönste, Alanya.

 

Den Sandstrand streicheln die

Wellen des Mittelmeers,

die die Stadt heiter umgeben.

Ein Reiz ist jede Welle.

 

Zu jeder Zeit sind saftgrün

deine Gärten und Weinberge

Das Auge kommt auf sein Kosten

Smaragd sind die steil aufragenden Berge.

 

Wer dich gesehen hat,

vergisst diesen Traum nicht

Was für ein Zauber und Blendwerk,

welche Kraft, ist ungewiss.

 

Mit deiner einmaligen Schönheit

Bist du die Krönung, Alanya

Deine Natur macht dich

Zu einem Gedicht, Alanya.

(Arif Rüstü Görgün, Dichter, geboren in Alanya)

 

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Side

Ca. 75 km westlich von Antalya, auf einer kleinen Halbinsel, befindet sich Side. Side wurde bereits im VII. Jh. v. Chr. von den Griechen gegründet.

Wir wohnten in einem kleinen Häuschen direkt am Meer, in dessen Garten die Überreste von antiken Säulen und Kapitellen, diese von Blumen und Oleanderbüschen überwuchert, lagen. Wir kamen uns vor wie in einem grandiosen Freilicht-Museum.

Überreste der alten Stadtmauer, eine byzantinische Basilika, der Apollon-Tempel …

Eine malerische Altstadt mit einem kleinen Fischerhafen und einem feinen Sandstrand …

 

Ganz in der Nähe von Side, zwei beeindruckende – nein, überwältigende – Theater:

Aspendos

das besterhaltene und mit ziemlicher Sicherheit schönste unter den römischen Theatern der Türkei, mit einer überwältigenden Szenenwand.

Perge

erbaut im Jahre 100 n. Chr. mit einem Aufnahmevermögen von 12000 Zuschauern! Perge ist eine der wichtigsten Städte der Küste und auch vom religiösen Standpunkt aus berühmt. Der heilige Paulus hielt hier seine erste Rede. Historisch bedeutsam ist Perge, weil in Perge der Schriftsteller Apollonius geboren wurde.

 

mevlana

Konya

Wer kennt sie nicht – die „Tanzenden Derwische“?

Konya ist eines der häufigst besuchten Touristenziele der Türkei. Ein Ort, dessen Spirit leider durch die unzähligen Reisebusse und den Horden an Menschen verloren gegangen ist.

Mit Beginn des VIII. Jh. wird Konya von Celaleddin Rumi – bekannt als Mevlana – zum Wohnsitz ausersehen. Dieser Dichter und Philosoph war der Gründer des mystisch-religiösen Ordens der „Tanzenden Derwische“.

Wenn man jedoch das Kloster-Mausoleum Mevlanas, schon weitem erkennbar durch die mit grünen Fayencekacheln bedeckte, kegelförmige Kuppel, in einer stillen Stunde besucht, dann ist die Mystik dieses Ortes spürbar und Stille tritt ein.

 

Mein ganzes Leben liegt in diesen

drei Worten:

„Ich war unreif,

entflammte –

und wurde zu Glut“

(Mevlana)

 

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Von Konya nach Pamukkale

Als Pamukkale (Baumwollschloss) werden die weiß glitzernden Sinterterrassen bezeichnet. Die Terrassen sind das natürliche Werk von Jahrtausenden, in denen sich auf dem Plateau durch die kalkhaltigen Wasserläufe eine baumwollweiße Sinterschicht gebildet hat. Sogar die Grundmauern mancher antiker Bauten wurden so ca. 1 m tief vom Gestein begraben.

Aber nicht alles wurde begraben! Das Quellwasser füllt zuerst einen Quellenteich, und fließt dann weiter über die Terrassen. Dieser Quellenteich wurde von einem Hotel umbaut, und so kann man dort – sozusagen hautnah – zwischen zahlreichen antiken Säulentrommeln schwimmen.

Ein Hauch Geschichte und ein unbeschreibliches Erlebnis. Ein verliebtes Paar, nachts schwimmend zwischen antiken Säulentrommeln, Vollmond über den schimmernden Terrassen …  Klingt sehr kitschig. Aber so war es.

Welch ein Schatz in der Erinnerkiste.

 

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Iznik – von hier ist es nicht mehr weit nach Istanbul

Iznik ist historisch eine sehr interessante Stadt. So wie vieles in der Türkei. Eine angenehme Landstadt am Iznik-See. Gelbes Schilf, blaues Wasser, die Wellen rauschen ans Ufer, grüne Hügel …

Ascanius hieß dieser See früher. Die Stadt am Ufer hieß Nicaea und war eine Metropole des oströmischen Reiches. In der Geschichte des Christentums hat diese Stadt, einen besonderen Platz, denn hier tagten zu byzantinischer Zeit zwei der sieben allgemein anerkannten Ökumenischen Konzile, und zwar das erste und das letzte.

Türkische Archäologen entdecken im Iznik-See eine Ruine. Es könnte sich um den Tagungsort des ersten Konzils von Nicaea handeln. Der Ort des siebten Konzils, die Hagia Sophia von Iznik, ist seit 2011 Moschee.

Und natürlich, nicht zur vergessen – die Iznik-Keramik!

Iznik-Keramik ist die Bezeichnung für die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert hergestellte glasierte Töpferware. Gefördert durch den osmanischen Hof und inspiriert durch chinesisches Porzellan im Blau-Weiß-Stil. Eine dieser wunderbaren Handwerksarbeiten steht als Erinnerung bei mir zu Hause.

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Istanbul

Die Einfahrt über die Bosporus-Brücke gibt bereits einen Vorgeschmack auf das Autofahren in Istanbul. Aber ich muss sagen, es war weniger anstrengend als in Athen.

Ich kann mir vorstellen, dass das anstrengendste Autofahren wahrscheinlich in Dehli und Bombay ist. Aber dort bin ich selbst nie Auto gefahren. Und – das ist auch wieder eine andere Geschichte.

Zu Istanbul werde ich nicht viel sagen. Istanbul ist allseits bekannt.

Istanbul, Konstantinopel, Byzanz –Krone dreier Reiche, 2700 Jahre Geschichte, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Türkei, Stadt auf zwei Kontinenten …

Und lebendig! Nicht nur in den Ladengasse des geschlossenen Basars, sondern auch abends in den Lokalen am Bosporus. Ich hatte das Gefühl, Istanbul schläft nie! Ich werde jetzt nicht wieder den Vollmond bemühen – obwohl er da war …

„Kein Verliebter kann diesen Basar durchschreiten, ohne es wie ein Unglück zu empfinden, nicht Millionär zu sein“ schrieb der Italiener Edmondo de Amicis im 19. Jahrhundert.

In den verwinkelten Gassen abseits der touristischen Strömungen trifft man ihn noch – den alten Zauber des traditionellen Basarlebens.

Zwei herausragende Erlebnisse, außer den täglichen vielen wunderbaren Entdeckungen an jeder Straßenecke, waren einerseits der Besuch der Hagia Sophia. Ich finde, sie ist eines der großartigsten und beeindruckendsten Bauwerke, die ich gesehen habe. Das andere, der Besuch der Prinzeninseln, oder auch Prinzessinneninseln genannt.

Die Prinzeninseln bestehen aus einer Gruppe von Inseln, die rund 20 Kilometer von Istanbul, direkt an der asiatischen Küste der Stadt gelegen sind. Genauer befinden sie sich im Marmarameer.

Auch hier wieder eine Geschichte: Einst dienten die Inseln als Verbannungsort für byzantinische Prinzen und Fürsten, daher auch der Name.

Heute wohnen hier hauptsächlich wohlhabende Einwohner von Istanbul, die im Sommer dort in ihren Sommerhäusern residieren. Die Inseln sind komplett autofrei. Man geht zu Fuß, fährt mit dem Fahrrad oder mit einem Pferdewagen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Zuerst weht ein leichter Wind,

Leicht bewegen sich

Die Blätter in den Bäumen.

In der Ferne, weit in der Ferne.

Pausenlos die Glocke der Wasserverkäufer.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

In der Höhe die Schreie der Vögel,

Die in Scharen fliegen.

Die großen Fischernetze werden eingezogen,

Die Füße einer Frau berühren das Wasser.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Der kühle Basar,

Mahmutpascha mit dem Geschrei der Verkäufer,

Die Höfe voll Tauben.

Das Gehämmer von den Docks her;

Im Frühlingswind der Geruch von Schweiß.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Im Kopf den Rausch vergangener Feste.

Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern,

Das Sausen der Südwinde legt sich.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ein Dämchen geht auf dem Gehsteig.

Flüche, Lieder, Rufe hinter ihr her.

Sie lässt etwas aus der Hand fallen,

Es muss eine Rose sein.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ein Vogel zappelt an deinen Hängen.

Ich weiß, ob deine Stirn heiß ist oder nicht,

Ich weiß, ob deine Lippen feucht sind oder nicht.

Weiß geht der Mond hinter den Nussbäumen auf,

Ich weiß es von deinem Herzschlag.

Ich höre Istanbul.

(Orhan Veli)

 Damit sind wir am Ende der Reise angelangt. Das Reduzieren auf nur Weniges aus diesen fünf Wochen fiel mir nicht leicht. Ich danke sehr herzlich meinem damaligen Freund und seiner Familie, die ich in Istanbul kennen lernen durfte, und den vielen gastfreundlichen Menschen, die ich unterwegs getroffen habe. Auch dem unendlich schönen Land, das noch viele Reisen wert wäre.

Da ich auf dieser Reise nicht fotografiert habe, sind sämtliche Fotos aus dem Internet.

Für die, die sich nach dem Meer sehnen

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Schiffe gleiten durch meine Träume,
Schwerbeladene Schiffe, über die Dächer.
Ich Armer
Sehne mich jahrelang nach dem Meer,
„Ich schaue und schaue und weine“.
Ich denke daran, wie ich die Welt zuerst sah.
Durch einen Haufen von Muschelschalen:
Das Grün des Wassers, das Blau des Himmels,
Die stachligsten bunten Fische
Noch jetzt fließt salzig mein Blut,
Wo mich die Austern geschnitten.
Wie sind wir ins Weite gelaufen
Wie toll mit dem schneeweißen Wellenschaum!
Dem Schaum, der kein böses Herz hat,
Dem Schaum, der den Lippen gleicht,
Dem Schaum, der mit den Menschen
Ehebruch treiben darf.
Schiffe gleiten durch meine Träume,
Schwerbeladene Schiffe, über den Dächern.
Ich Armer
Sehne mich jahrelang dem Meer.

(Orhan Veli, 1914 – 1950, türkischer Dichter und Erneuerer der türkischen Poesie)