Schreiben Sie den wahrsten Satz, den Sie kennen …

“All you have to do is write one true sentence.

Write the truest sentence that you know.”

(Ernest Hemingway)

„Alles was Sie tun müssen, ist einen wahren Satz zu schreiben.

Schreiben Sie den wahrsten Satz, den Sie kennen.“

I Wortlos im Schweigen

Seit einiger Zeit schon versinke ich im Schweigen auf der Suche nach meiner Sprache. Leise schält sich durch verschiedene Schichten des Seins ein ursprüngliches Sein heraus, das eine andere Sprache spricht.

Wie eine Fremdsprache muss ich es neu lernen.

Auf der Suche nach Worten spaziere ich über die Felder / umkreise die Seen / sitze beim Schreibtisch und schaue in den Garten …

Ich stehe in der Stille des Sees.

Nein, nicht der See ist still.

Die wahren Worte sind – „der See und ich sind eins“.

Nur wenn es ganz still wird in mir, sind wir eins.

Ich bin die Stille.

Aus den langen, dunkelgrünen, spitz zulaufenden Blättern der Iris ragt der schlanke Blütenstamm der gelben Schwertlilie.

Über mir am Baum krächzt ein Rabe.

Das Schauen lenkt mich ab vom Sein.

Ich kehre mit meiner Aufmerksamkeit zurück zum Atem und atme – ein und aus …

Eines meiner Mantren – „So Ham – Ich bin (das)“ …

Mit dem Einatmen – So – mit dem Ausatmen – Ham – „Ich bin, die ich bin“ …

Ich bin der See / die Schwertlilie / der Rabe …

Ich bin das …

Ich sitze beim Schreibtisch und suche nach Worten.

Und all die Worte geben meine Erfahrung – das SoSein – nicht wieder.

Gibt es den wahren Satz / die wahren Worte – um das SoSein beschreiben zu können? Ist das SoSein nicht jenseits der Worte?

„(…) In schweigenden Menschen liegt eine Wahrheit,

eine Güte,

die man nur schweigend lernen kann. (…)“

schreibt Bruno Mesa in seinem Gedicht „Schweigend“. 1)

„Eine Wahrheit, die man nur schweigend lernen kann …“

Die Wahrheit jenseits der Worte?

„Ich habe den Mund meiner Seele geöffnet und deinen göttlichen Atem eingesogen.“ (Anonyme Quelle)

Nochmals Bruno Mesa:

„ (…) In ihrem Sein liegt ein Rausch

und eine Wahrheit, älter

als die Wahrheit selbst. (…)“

Nach all diesen Worten zum SoSein eine Erzählung über mein kleines Mädchen, das einstmals, als die Welt noch ganz anders war als heute, all diese Fragen nicht gestellt hat. Jenseits aller Worte war sie einfach da – „So Ham“.

Sie war ein Gartenkind und lebte in ihrem Kindheitsgarten. Alles, was sie sah, entzückte sie – „in ihrem Sein war ein Rausch“. Sie war das Gänseblümchen, dem sie täglich beim Wachsen zusah, – ohne den Wunsch, es pflücken zu wollen. Sie saß stundenlang in der Astgabel am Apfelbaum und beobachtete die Ameisen, die die Ameisenstraße entlang liefen. Hinauf und wieder hinunter. Es gab nichts Spannenderes als diese Ameisen. Und – ich möchte heute sagen – mit Ehrfurcht sah sie zu.

So Ham – ich bin (das) – sie war das Gänseblümchen, die Ameisen, der Schmetterling; und sie war die Ribisel – die sie liebevoll und achtsam von der Staude pflückte und sie mit geschlossenen Augen verspeiste, – welch ein Genuss.

Wann war sie nicht mehr So Ham?

Als sie die Worte kennen lernte und sich ihr Märchenbuch mitnahm in die Astgabel? Noch immer Acht gebend auf die Ameisenstraße, aber versunken in den Worten der Geschichten …?

War es als sie in Schule kam und schreiben und rechnen lernte …?

War es als sie die schmerzliche Erfahrung machte, dass ihr „Ich bin, die ich bin“ nicht erwünscht war / nicht in Ordnung war …?

In den letzten Jahren habe ich mich von vielen Bildern, die ich über die Welt und mich hatte, verabschiedet. Ich habe vieles herausgeschrieben aus mir und mich verabschiedet – vor allem in den Erzählungen –  „Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt“ / „Medea geht in Pension“ / „Vom Vergeben und Verzeihen“ …

II Wortlos in der Ekstase

Die andere Seite der Medaille – Schweigen und Stille -, ist die Ekstase. Das Leben beruht auf Gegensätzen – Tag und Nacht / Sommer und Winter / Leben und Tod …

Die andere Seite des Schweigens ist Musik und Tanz.

Sich ganz in der Musik verlieren – eins werden mit den Tönen – sich selbst / das Ich – vergessen und sich mitnehmen lassen in einen anderen Raum.

Wenn ich meinen Körper / jede Zelle meines Körpers / mit den Tönen der Musik mitschwingen lasse, kann ich zu jeder Musik tanzen. Und es wird immer anders sein. Ganz gleich ob das Musik von Bach / Mozart / oder Pink Floyd ist. Ganz gleich ob Gregorianische Gesänge oder Oshos Tanzmeditationen sind.

Osho schreibt:

„Musik ist Meditation – kristallisiert in einer bestimmten Dimension. Meditation ist Musik – ins Dimensionslose aufgelöst. Sie sind nicht zwei. (…) Du gehst in ihr auf, du wirst betrunken in ihr. Etwas aus dem Unbekannten senkt sich über dich … (…) Du bist auf einmal in einem tiefen Orgasmus mit dem Ganzen; mit dem All. (…) 1)

So Ham …

„(…) Du atmest ein und du atmest aus, und darin ist Rhythmus und Harmonie. Das Einatmen ist weder gegen das Ausatmen noch ist das Ausatmen gegen das Einatmen. Beides gehört ein und demselben Vorgang an. (…)“ (2)

Die vergessene Sprache der Ekstase.

Auch hiefür gilt es Worte zu finden.

In meiner Erzählung „Das Geheimnis des Berges“ habe ich über eine Wanderung auf einen Berg im Anagagagebirge auf Teneriffa erzählt. Der Berg hat mich gerufen, und als ich ihn verließ, schrieb ich: „(…)Wenn ich längst zu Hause sein werde – wieder weg von der Insel –  und ich weiß nicht, wie viele Jahre lang, wird er noch immer Einatmen – den einen Atemzug, den er begonnen hat, als ich bei ihm war. (…)“

So Ham …

Ohne Abschied nichts Neues.

Ohne Loslassen nichts Neues.

Ich schreibe weniger.

Ich schreibe anders.

Ich habe die wahren Worte noch nicht gefunden – vielleicht in Ansätzen erahne ich sie …

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Hier das Gedicht von Bruno Mesa, aus dem ich zitiert habe:

Schweigend

In schweigenden Menschen liegt eine Wahrheit,

eine Güte,

die man nur schweigend lernen kann.

Doch auch in den Steinen,

der Parkbank

und dem quietschenden, verlassenen Stuhl:

eine Bitte und eine Wahrheit.

In diesen Dingen erlöse ich mich täglich,

gehe ungewollt auf sie zu.

Sie bejahen in ihrer Sprache,

was ich in meiner nicht sehen kann.

In ihrem Sein liegt ein Rausch

und eine Wahrheit, älter

als die Wahrheit selbst.

(Bruno Mesa, übersetzt von Magdalena Kotzurek) 1)

Info:

1) Grand Tour. Eine Reise durch die junge Lyrik Europas; Hanser Verlag

2) Das Buch, 1988 gekauft hieß damals: Das Orangene Buch. Die Meditationstechniken von Bhagwan Shree Rajneesh

Heute heißt es: Das Orangene Buch. Die Osho Meditationen für das 21. Jahrhundert; Innenwelt Verlag

3) Osho: Glück, Ekstase und das Lied des Seins. Über die poetischen Verse des Mystikers Kabir; Innenwelt Verlag

Konstantin Wecker und ich …

Als ich letzten Sonntag Konstantin Wecker vier Meter vor mir auf der Bühne sitzen sah, ihn anschaute und ihm zuhörte, dachte ich mir: „Wir sind gemeinsam alt geworden – ich mit ihm oder er mit mir.

Ich sehe ihn und mich, wie wir vor 35 Jahren waren – die ungestüme, hemmungslose, und auch maßlose Lust auf das Leben, die Sucht – auf der Suche. Und heute – wenn es Not tut, noch immer ungestüm, aber nicht mehr maßlos; das Wissen, dass die Suche eine Suche nach dem Urgrund des Seins war und ist. Weißhaarige Silberrücken.

Es gab Zeiten in meinem Leben, da hörte ich ihn täglich – so manches Mal den ganzen Tag über, weil ich die Unterstützung seiner Gedanken und Lieder brauchte. Eine Unterstützung die mich stärkte und mir wieder Mut machte.

Letzten Sonntag also, war er in den Sonntagsgesprächen im Volkstheater in Wien. Illija Trojanow lädt ein – und das Thema war: „Anarchismus – Ein unbändiges Ideal.“ Wecker als Vertreter eines Aspektes der anarchischen Tradition – „der Poesie einer radikal humanen Haltung.“ Und diese Haltung hat er nach wie vor – und ich mit ihm …

„Es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Engagement zwischen Wut und Zärtlichkeit.“ – der Buchtitel, Kösel-Verlag. Lesenswert!

Zwei Rebellen und ihre Anstiftung zum Einmischen.
Sänger und Poet Konstantin Wecker und der amerikanische Zen-Meister Bernard Glassman Roshi sprechen über weises Handeln in einer gefährdeten Welt. Wie kann der Einzelne wirklich etwas in der Welt verändern? Braucht soziales und politisches Engagement eine spirituelle Quelle, um langfristig etwas zu bewegen? Bleibt Spiritualität ohne aktives Tun für andere bloße Nabelschau?

 

https://www.randomhouse.de/ebook/Es-geht-ums-Tun-und-nicht-ums-Siegen/Konstantin-Wecker/Koesel/e375075.rhd

Joja Wendt & Roger Cicero

Eigentlich wollte ich euch Joja Wendt vorstellen.

Dann habe ich diese Aufnahme mit Roger Cicero entdeckt – und so ist es eine Vorstellung von Joja Wendt und eine Hommage an Roger Cicero geworden.

Durch diesen Auftritt am 4.Mai 2005 bei einem von Joja Wendts genialen jährlichen Hamburger Musikhallen (Laiszhallen) Konzerten in denen er regelmässig bekannte und unbekannte Musiker präsentiert, ist Roger Cicero für sein Swingprojekt entdeckt worden. Roger war zu dem Zeitpunkt noch total unbekannt.

Joja Wendt ist ein außergewöhnlicher Klavierspieler – von Jazz bis Klassik. Ich liebe Boogie und dachte bis jetzt Axel Zwingenberger sei der Boogie-Meister am Klavier, jetzt ist es (für mich) Joja Wendt.

Was auch immer euch gefällt – Jazz / Boogie / Klassik – viel Vergnügen!

 

The Doors

 

Draußen eine stürmische Nacht. Herinnen die ungezügelte, wilde, (vom Sturm) bewegte Musik der Doors …

Das Debütalbum der Gruppe von Januar 1967 enthält den Welthit Light My Fire, den bekannten Love-Song The Crystal Ship und den Song The End, der unter anderem durch den Film Apocalypse Now wieder bekannt wurde und dessen Originalaufnahme teilweise auf Plattenaufnahmen wegen seines Textes zensiert wurde.

Dabei handelt es sich um eine Intertextualität, die auf die griechische Sagengestalt Ödipus verweist, einen Königssohn, der unwissentlich seinen Vater tötet, seine Mutter heiratet und mit ihr schläft. Die Textzeilen: „Father I want to kill you, Mother I want to fuck you“ (deutsch: Vater, ich will dich töten, Mutter, ich will dich ficken) erschienen der Öffentlichkeit als zu vulgär, wenngleich schon seit Jahrtausenden selbige Szene in den Theatern aufgeführt wurde. Weiterhin enthält das Album das Brecht/Weill-Lied Alabama Song.

 

 

Driving with Jim Morrison

„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, würde den Menschen alles so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich.“ (William Blake)

Die Gruppe gilt als eine der einflussreichsten Bands der 1960er Jahre. Der Bandname entstand in Anlehnung an den Essay von Aldous Huxley The Doors of Perception (Die Pforten der Wahrnehmung). Aldous Huxley entnahm den Titel seines Essays einem Zitat von William Blakes The Marriage of Heaven and Hell:

„If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, infinite.“

(„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, würde den Menschen alles so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich.“)