Der Beginn eines neuen Weges

nebel-im-herbst

Es war November, so wie jetzt, und ich erinnere mich …

November 1983. Ich war stolze Besitzerin einer Ente. Kein Auto, bitte. Eine Ente.

Es soll Menschen geben, die dieses Kultauto nicht kennen. Für diese zur Erklärung – es ist, war muss man sagen, ein Citroen 2CV. Angeblich lauteten die Anforderungen an den Konstrukteur André Lefèbvre: „Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 km verbraucht. …“

Ich möchte aber nicht über das Auto erzählen, sondern über die wöchentlichen Fahrten von 4 Frauen und mir als Chaffeuse ins Waldviertel. Genauer gesagt, in das Straßendorf Rastbach, in der Gemeinde Gföhl. Das sind von St. Pölten nach Rastbach ca. 60 km. Eine Strecke.

Es ist ein sehr kleines Dorf, in dessen Mittelpunkt auf einem kleinen Hügel Schloss Rastbach thront. Gleich unterhalb des Schlosses hatten sich damals in einem alten Vierkanthof Sannyasins (SchülerInnen von Osho, vorher Bhagwan) niedergelassen. Sie hatten einen Teil des Hofes renoviert und als Seminarzentrum eingerichtet. Der Seminarraum hatte wunderschöne Gewölbedecken. Ich vermute, dass dieser Teil des Hauses ca. 400 Jahre alt ist.

Die Sannyasins hatten Ausbildungen in westlichen und östlichen Therapiemethoden und wir 5 Frauen nahmen dort an unseren ersten Selbsterfahrungsgruppen teil. Wir waren begeistert. Dort war Leben, es war lebendig! Wir waren laut – wir tanzten, bis wir in Schweiß gebadet waren, wir tobten und schrieen, bis wir keine Stimme mehr hatten – wir entdeckten uns, unsere jeweiligen Geschichten, unsere verdrängten Gefühle, unsere Sexualität und unsere Körper!

Es war toll! Es war so toll und befreiend, dass wir von September bis Dezember wöchentlich 120 km durch Herbstnebel- und Winternächte, durch Regen und über vereiste und verschneite Straßen fuhren. Mit der Ente. Eingepackt in dicke Decken. Die Heizung funktionierte nicht. Die Fenster klapperten und so manches Mal mussten wir sie zu halten.

Es war 1983. Ich war damals 33 und es war der Beginn eines neuen und unaufhaltsamen Weges für mich. Etwas Neues hatte begonnen – ein Weg des Lachens, der Freude, der Liebe, der Freiheit.

Es war November, so wie jetzt, und ich erinnere mich …

 

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