Oktobertage

feuer-im-ofen

Aus der wunderbaren Erzählung „Der Ofen“ von Falk Andreas Funke

>> (…) Und dann, wenn die Ofenzeit kommt, kann er zusehen, wie die Flammen hinter der Glasscheibe lecken, sich hermachen über das Räuberholz. Das Feuer ist ein heißhungriges Tier, dem er, Ansgar Blökecke, die Scheite zum Fraß vorwirft. Ab durch die Luke, hinein ins Geflacker. Wie schnell und gierig das Feuertier erst mal das Nadelholz und die Kiefernzapfen verschlingt. Damit beginnt das Anfeuern. Und dann – schon gemächlicher – geht es ans Buchenholz. Mit dem Buchenholz lässt es sich Zeit. Überzieht es mit flachen, blauen Flammen. Ein Orientteppich aus Gas. Das ist Genießertum, Holzfeinschmeckerei. Ja, so ein Küchenofen ist schon ein anderer Schnack. Urwärme. So was wie Großmuttergemütlichkeit. Und seine Großmutter hat ja immerhin noch mit Kohlen geheizt. Erinnerungen machen so schön, machen so bittersüß melancholisch.

(…) <<

(Veröffentlicht in der Literaturzeitschaft etcetera Nr. 65)

 

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