Erinnerungsverfälschung

 

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In den letzten Lebensjahren meiner Großmutter fuhr ich mit ihr jeden Sommer ein paar Tage durch ihr geliebtes Waldviertel. Sie wurde in einem kleinen Dorf nahe der tschechischen Grenze geboren. Wir ließen uns Zeit und tuckerten auf kleinen Landstraßen dahin.
Und jedes Mal verbrachten wir einen halben Tag an einem kleinen Weiher mit einem angrenzenden, klitzekleinen Campingplatz. Eine kleine Imbissbude, ein paar Sessel.
Einen dieser Sessel trug ich an den schattigen Platz unter einer großen Linde – und dort saß sie, meine Großmutter. Stundenlang und glücklich. Und sah mir beim Schwimmen zu.
Es war eine gute Zeit. Für uns beide. Und ich bin sehr glücklich über diese Erinnerungen.

Wo es uns gefiel, blieben wir stehen. Und bei unserer letzten gemeinsamen Fahrt, schleppte ich einen großen Waldviertler-Marmor-Stein aus dem Wald und nahm ihn mit. Nun liegt er vor meiner Terrasse. Eine tägliche Erinnerung an meine Großmutter.

Die bewusste Erinnerungsverfälschung?
Ich kenne mich nicht aus mit Steinen. Weiß daher nicht, ob es Waldviertler Marmor oder Quarzstein ist. Dass es Waldviertler Marmor sein könnte, gefällt mir aber besser. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es wirklich die letzte Fahrt mit meiner Großmutter war. Aber auch dieser Gedanke gefällt mir gut.

 

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Eine letzte Schönheit

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Der alte, mächtige Marillenbaum (die Frau Marille) in unserem Garten ist durch einen Sturm entwurzelt werden. Vorher durften wir noch eine Überfülle von saftigen und süß-säuerlich schmeckenden Marillen ernten. Die letzte Marmelade wurde eingekocht.

Wir wissen nie, wann irgendetwas das letzte Mal ist.

Eine Aufforderung für eine tägliche Achtsamkeit / Wertschätzung / Zuneigung / Liebe / Dankbarkeit – für Mensch / Tier / Natur.

Frau Marille hatte sie. Darüber bin ich sehr froh.

Das Holz von Frau Marille trocknet nun und die Farbe wird immer dunkler. Marillenfärbig.

Eine letzte Schönheit.  

                                      

Interessante Geschichte(n) über die Marille.

Die Europäer hielten die Marille lange für ein Aphrodisiakum. In diesem Kontext taucht sie auch in der Literatur auf: In William Shakespeares „Sommernachtstraum“ weist Elfenkönigin Titania ihre Untergebenen an, dem Weber Nick Bottom Aprikosen zu verabreichen, um seine Liebe zu ihr zu wecken: „Be kind and polite to this gentleman. Follow him around. Leap and dance for him. Feed him apricots and blackberries […].“

Die Herkunft der Aprikose, die in Österreich, Südtirol und Bayern Marille genannt wird, ist nicht restlos geklärt. Heute geht man jedoch davon aus, dass die Marille schon vor 4000 bis 5000 Jahren in China kultiviert wurde. Die Römer hatten sie um 70 v.Chr. importiert.

 

Nicht nur das Glück ist ein Vogerl …

Zufriedenheit

Nicht nur das Glück ist ein Vogerl – auch die Zufriedenheit ist ein Vogerl

Ich erinnere mich mehr an glückliche Lebenszeiten, als an Zufriedene. Wobei das Glück hin und wieder mit Zufriedenheit gepaart war, aber nicht immer. Es gab auch glückliche Zeiten, in denen trotzdem Unzufriedenheit da war. Weil das große Sehnen nicht verstummte.

Die obige Collage meiner lieben Freundin Marianne Mairhofer hat mich angeregt, mir Gedanken über die Zufriedenheit zu machen.

Manche LebensVeränderungen gehen leicht – wie von selbst.

Ein Wunsch / ein Gedanke / eine Anziehung / und flugs war sie da – die andere LebensZeit / der andere LebensAbschnitt.

Manche LebensVeränderungen brauchen Zeit.

Manche Veränderungen brauchten meine ganze Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, den Abstieg in die Unterwelt zu wagen. So manche ungelüftete und schon lange nicht mehr besuchte VergangenheitsRäume zu betreten. Die Schattenwelt. Und sich diesen Schatten zu stellen. Das brauchte Zeit.

Die Vergangenheit ist auch unsere Gegenwart. Immer.

Die Zigeunerin und die Beständige

Lange Zeit in meinem Leben stand die Zigeunerin, die sich nie festsetzen wollte / sich immer woanders hin sehnte / im Vordergrund. Ruhelos / rastlos war sie.

Es war gut, dass die Beständige sie zeitweise austricksen konnte, in dem sie die Meditation / den Rückzug / entdeckte.

Das akzeptierte die Zigeunerin – war es doch auch eine Grenzerfahrung.

Die Zigeunerin war und ist süchtig nach Grenzerfahrungen.

In den letzten Jahren betrat ich Neuland – Nicht La La Land – nein, mein AltersLand.

Nicht einfach für die rast- und ruhelose Zigeunerin.

Nicht einfach für sie – einen Schritt zurückzutreten und der Beständigen die Führung zu überlassen.

Über die Vorstellungen über mein Alter, die ich mir gemacht hatte, und wie die Realität dann aussah, habe ich bereits berichtet. Siehe: https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/

Die letzten zwei Jahre meines erstmals Sesshaft-Werdens, erforderten eine ständige Auseinandersetzung mit dem „Ankommen und einwurzeln“ / das zur Ruhe kommen zuzulassen / Gelassenheit / sich im AltersLand wohlzufühlen / das Leben im Hier und Jetzt genießen.

Ankommen in der Zufriedenheit mit dem so wie es ist …

Die Zigeunerin wartet. Sie wird wiederkommen. Wir werden sehen, was dann ist …

Collage: Marianne Mairhofer

https://wortbunt.jimdo.com/

 

Ich hab’s schon wieder getan …

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Als ich meine Bibliothek von 15 Bücherregalen auf 4 reduziert habe, dachte ich, ich kann all diese Bücher nicht weggeben. Ich hab’s dann doch getan.

Heute Nachmittag bin ich in meine verbliebenen 4 Bücherregale abgetaucht.

Zweimal habe ich bereits reduziert. Nach dem Weggeben von ca. 25 Bücherkartons vor 1 1/2 Jahren, bin ich erstaunt, wie viel heute wieder weg gekommen ist. Zum einen haben sich in den letzten 3 Jahren meine Interessen sehr verändert (ein Großteil), zum anderen brauche ich so manche Bücher nicht wirklich.
Und so steht bereits wieder ein Bücherkarton im Vorzimmer und ich freue mich über die neue Ordnung und die neue Übersicht. Die nächsten Tage geht es noch weiter.

Bücherschätze entdecke ich wieder neu beim nochmals Ausräumen, Aussortieren und neu ordnen meiner nunmehr bereits kleinen Bibliothek.

Weniger ist mehr.

Eine Befreiung.

Die Schönheit der Leere.

Statt übervoll – Schätze, die ich im Blickfeld habe.

In so manchen Schatz tauche ich ein und schmökere genussvoll.

Zum Beispiel in das Buch von Isabel Allende: „Aphrodite. Eine Feier der Sinne.“

Ein Buch mit fühl- und schmeckbar sinnlichen Texten, Gedichten, Bildern und Kochrezepten. Sie schreibt mit einer Begeisterung und Leidenschaft von all den sinnlichen Genüssen, dass sogar ich – eine Nichtköchin – Lust auf kochen bekommen. Und noch mehr …

Das Auge isst mit – heißt es doch. Mein Auge liest und schaut und ich meine zu spüren, wie ich die Kräuter und Gewürze zwischen meinen Fingerspitzen zerreibe, ich spüre die Hitze des Ofens und rieche das sich erwärmende Olivenöl, den frischen Zitronensaft und Ingwer.

Ich schmecke das Mousse von Krebs und Avocado auf meiner Zunge.

Und nun lasse ich Isabel Allende selbst zu Wort kommen:

„Mich reuen die Schlankheitsdiäten, mich jammern die köstlichen Gerichte, die ich aus Eitelkeit zurückwies, und ebenso leid tut es mir um die Gelegenheiten zur Liebe, die ich vorübergehen ließ …

Ich kann die Erotik nicht vom Essen trennen, und ich sehe auch keinen Grund, warum ich es tun sollte, im Gegenteil, ich habe vor, weiterhin beides zu genießen, solange mir Kräfte und gute Laune reichen.

Daher kam mir die Idee zu diesem Buch, das eine Reise ohne Landkarte durch die Gebiete der sinnlichen Erfahrung ist, wo die Grenzen zwischen Liebe und Appetit sich so verwischen, dass sie mir bisweilen völlig abhanden kommen.“ 

Da gibt’s nichts weiter dazu zu sagen …

 

Gelassenheit

wilhelm-schmid

Die Kunst des Älterwerdens

Gelassenheit ist in jeder Lebensphase ein Gewinn, insbesondere aber beim Älterwerden. Dieses Buch zeigt in zehn Schritten den Weg zu ihr auf.

Es scheint an ihr zu fehlen: Die fortschreitende Moderne wühlt die Menschen dermaßen auf und wirbelt ihr Leben so sehr durcheinander, dass die Sehnsucht nach Gelassenheit wächst. Sie war ein großer Begriff seit der Antike. In der Moderne aber geriet sie in Vergessenheit. Sie wurde zum Opfer des modernen Aktivismus, des wissenschaftlich-technischen Optimismus. Die Zurückhaltung, die sie verkörperte, galt nicht als Tugend. Eine bestimmte Lebenszeit schien lange wie geschaffen für die Gelassenheit: Das Älterwerden. Aber auch daraus ist eine stürmische Zeit geworden, die Gelassenheit will nicht mehr so ohne Weiteres gelingen. Wie ist sie wiederzugewinnen? Kann die älter werdende Gesellschaft eine gelassenere sein?
Der Berliner Lebenskunstphilosoph und Bestsellerautor (Glück) präsentiert ein Buch, in dem es ihm darum geht, Gelassenheit nicht einfach nur zu proklamieren, sondern lebenspraktisch zu zeigen, wie sie erreicht werden kann. Ein Buch für die Zeit, in der Gelassenheit zur begehrten Ressource wird, sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft.

http://www.suhrkamp.de/buecher/gelassenheit-wilhelm_schmid_17600.html

Ebenso bereits hier empfohlen: „Menschen haben den Maßstab verloren“.

Ein Interview mit dem Philosophen Wilhelm Schmid, 63,  über die Liebe, das Älterwerden  und das Denken als Quelle der Gelassenheit.

https://www.ursachewirkung.at/leben/1949-wir-menschen-haben-den-massstab-verloren

Mein langer Weg zur Versöhnung mit meiner Mutter

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Wenn mich meine Mutter gefragt hätte, warum ihr niemand dankbar (von Liebe wagte sie nicht zu sprechen) sei, obwohl sie sich doch so aufgeopfert habe, hätte ich ihr geantwortet:

Weil du nicht in dir zu hause warst. Da war niemand. Du warst außer dir. Immer darauf bedacht, zu erfüllen, was die Anderen von dir wollten. Nein – was du meintest, was andere von dir wollen. Dabei wusstest du nicht, was andere brauchen, weil du sie nicht gesehen hast.

Ich existierte nur in einer Vorstellung, die du dir über mich gemacht hast. Deshalb wusstest du auch nicht, was ich wirklich wollte. Und das, was du glaubtest, dass ich von dir will, wollte ich nicht. Kompliziert, nicht? Aber so ist es. Ein Quirl im Hirn. Sehr mühsam und unbefriedigend. Für beide Seiten.

Deshalb war dein Lächeln auch immer ein gezwungenes.

Deshalb hast du versucht, dir Liebe zu erkaufen. Mit Geld.

Du konntest mich nicht lieben, weil du dich selbst nicht liebenswert gefunden hast.

Du konntest nicht lieben, weil du nie die bedingungslose Elternliebe erfahren hast.

Dein Vater ist im Krieg ermordet worden. Deine Mutter konnte nicht lieben, weil sie bei einer bösen Stiefmutter wie aus dem Märchenbuch, aufgewachsen ist. Ihre Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war.

Ihr Vater, also dein Großvater, konnte sich gegen diese, seine Frau, nicht wehren und „ging ins Wasser“. Er beging Selbstmord. Zurück blieb ein Kind – deine Mutter. Hilflos dieser  Stiefmutter ausgeliefert.

Doch da muss noch eine ganz andere, tiefere, Verletzung zwischen deiner Mutter und dir gewesen sein. Ungeliebt und ausgeschlossen aus dem Geschwisterkreis. Wenn ich mir das gemeinsame Familienbild betrachte, stehst du allein. Und so allein warst du dein ganzes Leben lang. Dabei dachte doch deine ältere Schwester, sie sei diejenige, die ausgeschlossen worden wäre. Der jüngere Bruder, eine Sonderstellung – der Sohn.

Eifersucht zwischen euch drei Geschwister – ein ganzes Leben lang.

Deine Mutter war dir keine gute Mutter.

Du warst mir keine gute Mutter.

Ich war meinem Sohn keine gute Mutter.

Deine Mutter hat lange Zeit Mutterstelle an mir vertreten. Obwohl sie doch meine Großmutter war. Sie versuchte mich auf ihre Seite zu ziehen. Lange Zeit ist ihr das auch gelungen

Du hast Mutterstelle an meinem Sohn vertreten. Obwohl du doch seine Großmutter warst. Du hast versucht ihn auf deine Seite zu ziehen. Ich ließ es nicht zu und er auch nicht.

In den letzten Jahrzehnten dann der unversöhnliche Hass zwischen dir und deiner Mutter. Im gemeinsamen Haus. Unaushaltbar. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Du schon.

Ich bin gegangen. Du nicht.

Deine Mutter unversöhnlich bis über den Tod hinaus. Wie sehr hast du darunter gelitten.

Bis ich aus diesem Familiensystem ausgestiegen und in Therapie gegangen bin.

Ich konnte mein eigenes Leid und das meines Sohnes, nicht mehr ertragen.

Meine Aufarbeitung unserer Geschichte, die mir die Möglichkeit gegeben hat, mich dir wieder anzunähern.

Erst musste ich weggehen. Für lange Zeit, in der du nicht wusstest, wo und wie ich lebe. Ich musste weg – um nicht mehr greifbar zu sein für dich.  Was du nie verstanden hast. Eine weitere Kränkung.

Ich musste weggehen, um Ich zu werden, und als eigenständige Frau mich dir wieder annähern zu können.

Ich hatte wieder Kontakt zu dir aufgenommen. 15 Jahre vor deinem Tod, weil du Krebs hattest. Wir haben uns langsam angenähert. Miteinander gesprochen. Gesehen hast du mich weiter nicht.

Als du wieder krebsfrei warst, habe ich dich in eine Auseinandersetzung gezwungen. Ja, gezwungen. Zum ersten Mal kamst du nach meiner Aufforderung und nach langem hin und her zu mir – in meine Wohnung. Bei dir zu Hause hattest du ein Heimspiel. Bei mir in der Wohnung warst du unsicher. Unbekanntes Terrain.

Als du da warst, habe ich abgesperrt, Damit du nicht weglaufen konntest. Deine übliche Reaktion. Oder deine emotionale Erpressung, dass du sofort und auf der Stelle einen Herzinfarkt bekommen wirst. Es zog nicht mehr. Und du hast keinen bekommen. Ich habe dir alles gesagt, was ich dir zu sagen hatte. Meine Kränkungen, meine Verletzungen, dein Desinteresse an mir und meinem Leben, das du nicht weißt, wer ich wirklich bin ….

Ich habe dich angeschrieen und du hast keinen Herzinfarkt bekommen.

Am Ende waren wir beide erschöpft und haben geweint. Jede für sich. Jede aus anderen Gründen.

Du bist aufgestanden und hast dich zum ersten Mal in meiner Wohnung umgesehen. Hast mir Fragen gestellt. Ich dachte – sie hat etwas verstanden.

Du wolltest gehen. Ich war einverstanden. Im Vorzimmer hast du dich angezogen und in deiner Tasche gekramt. Ich dachte – sie hat nichts verstanden. Wenn sie mir Geld gibt, ist es aus.

Dann hast du mich umarmt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals von dir im Arm gehalten worden zu sein.

Du sagtest – verzeih’ mir.

Und ich bin in deinen Armen zusammengebrochen. Ich weinte. Mein ganzer Körper hat gezittert. Und vielleicht habe ich sogar gehört, wie der eiserne Ring um mein Herz gesprungen ist.

Das schönste Weihnachtsgeschenk meines Lebens.

Das war der Beginn, nicht das Ende. Der Beginn einer weiteren Annäherungsstufe.

Am Ende deines Lebens, als der Krebs wieder zurückgekommen ist, bin ich zu dir zurückgekommen. In mein Elternhaus. Um bei dir zu sein und dich zu unterstützen. Hätte ich mir nicht vorstellen können, wenn es nicht bereits diese Annäherung zwischen uns gegeben hätte.

In diesen letzten zwei Jahren, die wir zusammen waren, haben wir zum ersten Mal gemeinsam gelacht.

Das selbstverständlichste der Welt ein außergewöhnliches Ereignis!

Du hast mich oft in den Arm genommen.

Du hast dich sehr oft bedankt bei mir.

Und immer wieder dein Erstaunen darüber, dass ich bei dir bin.

Du hast angefangen, MICH zu sehen. Du hast mich ERKANNT. Du hast gesehen wer ich bin.

Doch ich konnte nur die werden, die ich bin, weil ich von dir weggegangen bin.

In diesen letzten zwei Jahren haben wir uns ausgesöhnt. Und ich weiß daher, wie es ist, von der eigenen Mutter GESEHEN zu werden. Von der Mutter ANERKANNT zu werden. Welches Gefühl das ist.

Es ist eine Befreiung. Eine Herzöffnung. Eine Stärkung des Selbstbewusstseins als Frau.

Und deshalb kenne ich auch den Unterschied zwischen einer UNVERSÖHNTEN Tochter und einer VERSÖHNTEN Tochter. Ja, ich sehe sie – die vielen unversöhnten Töchter, wie sie noch als erwachsene Frauen um das Gesehen werden, um Anerkennung und Bestätigung, um Liebe kämpfen. Wie sie sich noch als erwachsene Frauen von den Müttern abwerten lassen und noch immer unterordnen.

Ich verstehe sie. Habe ich das doch lange Zeit auch gemacht. Weil ich nicht wusste, dass es anders möglich ist.

Ja, ich konnte auch gut als unversöhnte Tochter leben. Weil ich viel an mir gearbeitet habe. Und es war Schwerstarbeit, die ich da geleistet habe. Aber ich habe nicht aufgegeben. Weil ich MICH kennen lernen wollte.

Am Ende deines Lebens sagtest du – und du hast mich dabei angeschaut – du hast MICH gesehen – „wir hätten es so schön haben können“. Ja, Mama! Dieser Satz taucht jetzt immer auf in mir, wenn ich an deinem Grab stehe und ich füge hinzu: „Ja, wir hätten es so schön haben können und am Ende hatten wir es noch schön!“

Dass ich die Anerkennung und Liebe – ja, es war schon auch Liebe, die zum Schluss zwischen uns da war – erhalten habe, ist ein wunderbares und unerwartetes Geschenk.

Für Herz und Seele.

Ich bin unendlich dankbar dafür.