Der Baum und die Wolke

Die Bäume stehen still in Erwartung des nächsten Regens – oder Schnee …

Monika Chandana Krampl

Amsel 2Amseln im Kleid der Totengräber hoppeln und hupfen mit komplizierten Pirouetten über die  Obstgartenwiese. Weiße Blütensterne der Gänseblümchen blitzen im grün und braun der Wiese. Mit ihren gelben Schnäbeln sammeln die Amseln die letzten Äpfel und Nüsse.

Die Bäume stehen still in Erwartung des nächsten Regens – oder Schnee …

(M.K. 2017)

Der Baum und die Wolke

Ein Baum geht umher im Regen,

eilt an uns vorbei im strömenden Grau.

Er hat ein Anliegen. Er holt Leben aus dem Regen

wie eine Amsel in einem Obstgarten.

Als der Regen aufhört, bleibt der Baum stehn.

Aufrecht, still erscheint er in klaren Nächten

Wie wir in Erwartung des Augenblicks,

da die Schneeflocken ausschlagen im Raum.

Tomas Tranströmer: In meinem Schatten werde ich getragen.

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Der Dichter David Whyte – eine Buchvorstellung

David Whyte

Ich möchte Euch gerne den englischen Dichter David Whyte vorstellen, dessen Gedichte ich immer wieder gerne lese und zitiere.

Whyte hat einen interessanten Lebenslauf. Er schreibt sein poetisches Interesse, sowohl den Liedern als auch der Poesie, dem irischen Erbe seiner Mutter und der Landschaft von West Yorkshire zu, wo er geboren wurde.  Er lebte und arbeitete als Naturforscher auf den Galapagos-Inseln. Auf einer meiner Reisen im Ecuador habe ich die Galapagos-Inseln besucht und stelle es mir faszinierend vor, dort über einen längeren Zeitraum zu leben und zu arbeiten. Auch in den Anden war ich unterwegs. Er leitete anthropologische und naturkundliche Expeditionen in die Anden, den Amazonas und den Himalaya. 1986 begann er zu schreiben.

Nunmehr liegt die erste deutsche Fassung einiger ausgewählter Gedichte von David Whyte vor. Die Übersetzungen wurden von dem von mir gleichfalls sehr geschätzten Philosophen Christoph Quarch vorgenommen. Der einzige Wermutstropfen für mich als haptische Buchliebhaberin ist, dass es nur ein E-Book ist.

‘SÜßES DUNKEL’

Die Dichtung von David Whyte in Übersetzungen von Christoph Quarch

“Ich bin sehr froh darüber, in Christoph Quarch ein so einfühlsames Ohr und Herz ebenso wie einen verständigen Geist gefunden zu haben, der sein tiefes Verständnis des Klanges, seine Einsicht und eine gewisse Resonanz mit Rilke aufgewandt hat, um meine Werke in die deutsche Sprache zu übertragen.“ (David Whyte)

Eine Kostprobe:

Süßes Dunkel
Sind deine Augen müde,
ist müde auch die Welt.
Ist deine Vision geschwunden,
kann nichts mehr in der Welt dich finden.
Zeit ist’s dann, ins Dunkel zu gehen,
wo die Nacht voll Augen ist,
das ihre zu erkennen.
Dort kannst du dir gewiss sein:
Du bist nicht jenseits der Liebe.
Das Dunkel wird dein Zuhause sein,
heut Nacht
Die Nacht wird einen Horizont dir schenken
viel weiter als du sehen kannst.
Eines musst du lernen:
Die Welt ist da, um frei in ihr zu sein.
Lass alle anderen Welten fahren
außer der einen, der du zugehörst.
Manchmal braucht es Dunkelheit
und die süße Haft deines Alleinseins,
damit du lernst:
Alles und jeder,
der dich nicht ins Leben bringt,
ist zu klein für dich.

– David Whyte

 

 

Beat-Lyrik von Gary Snyder

Gary Snyder Beat-Poet

Das Gesicht von Gary Snyder

Es fasziniert mich. Ich möchte es immer wieder betrachten.

Das Gesicht zeigt gelebtes Leben; eine Fröhlichkeit, die aus dem Herzen kommt und die das Alter als natürlichen Prozess des Lebens akzeptiert. Ja, gar nicht in Frage stellt. 

Anziehend ist es, dieses Gesicht – ein Mensch, der in sich selbst ruht …

„Es ist, so wie es ist“ – eine buddhistische Weisheit.

 

Heute gibt es in der Sendereihe „Nachtbilder“ um 22.35 den Beitrag über die „Beat-Lyrik des Gary Snyder“.

Zitat aus der Info-Seite von Ö1:

„Mythen & Texte“ von Gary Snyder ist ein radikal poetisches Werk. Es enthält indianisch-schamanische Aspekte ebenso wie Hinweise auf chinesische und japanische Denker und Dichter sowie Inspirationen aus der eigenen Praxis der Zen-Meditation. Zugleich ist die Naturbetrachtung in diesen Gedichten, der Blick auf Landschaften, Klima, Tiere, Pflanzen oder Wasser von einer für den Leser bis jetzt ungekannten, sehr persönlichen Frische und Neuartigkeit. 

Gary Snyder, geboren 1930 in San Francisco, ist einer der interessantesten amerikanischen Lyriker. Im Jahr 1975 erhielt er den Pulitzer-Preis für sein Buch „Turtle Island“. Der Umweltaktivist Gary Snyder war auch eine zentrale Figur der Beat-Bewegung und wandte sich später buddhistischem Denken zu. 

Der österreichische Architekt und Schriftsteller Bernhard Widder, ein ausgewiesener Kenner amerikanischer Literatur, schreibt auch selbst Lyrik auf englisch und deutsch. Bernhard Widder unternahm es, eines der wichtigsten Werke Snyders ins Deutsche zu übertragen. Die ambitionierte Übertragung geht übers bloße Übersetzen weit hinaus und bewahrt doch den Geist des Originals.

https://oe1.orf.at/programm/20180721/520427

 

Gary Snyder verabschiedete sich im Jahr 1956, ein Jahr nach seiner Begegnung mit Jack Kerouac, für fast anderthalb Jahrzehnte nach Japan, um Unterweisung im Zen-Buddhismus zu erhalten.

Snyder, noch in fortgeschrittenem Alter als Wanderer und Bergsteiger aktiv, entdeckte in der kalifornischen Wildnis auf Felsen eingravierte Sätze, die von einem unbekannten „Wüsten-Weisen“ stammen.

Ihr besonderes Understatement deckt sich mit den Intentionen des Dichters, deshalb zitierte er die Sätze als Hommage an den unbekannten Wanderer: 

„. . . entdeckten einen Pfad / mit in Stein gravierten Inschriften, versteckt im Salbeigestrüpp / „Lösche Gier aus!“ / „Die besten Dinge im Leben sind nicht Dinge“ / Worte, gesetzt von einem alten Wüsten-Weisen.“

Welch wunderbare Zen-Sätze!

 

Als Abschluss ein Gedicht von Snyder:

Gary Snyder* 1930

Was nun Dichter angeht

Was nun Dichter angeht,
die Erd-Dichter,
die kleine Gedichte schreiben,
brauchen Hilfe von niemand.

***

Die Luft-Dichter
wettern die schnellsten Stürme
und räkeln sich manchmal in Prielen.
Anrollend
bricht sich Gedicht auf Gedicht.

***

Bei fünfzig Grad unter Null
fließt kein Brennstoff
und Propan bleibt im Tank.
Feuer-Dichter
verbrennen am absoluten Nullpunkt
wieder hochgepumpte Fossil-Liebe.

***

Der erste Wasser-Dichter
blieb sechs Jahre unten.
Er war mit Seetang bedeckt.
Das Leben in seinem Gedicht
hinterließ Millionen winziger,
verschiedener Spuren,
die im Schlick durcheinander liefen.

***

Mit der Sonne und dem Mond
im Bauch
schläft
Der Raum-Dichter.
Himmel ohne Ende –
Aber seine Gedichte fliegen
wie Wildgänse
über den Rand.

***    

Ein Kopf-Dichter
bleibt im Haus.
Das Haus ist leer,
und es hat keine Wände.
Das Gedicht
wird von allen Seiten gesehen,
überall,
sofort.

Übersetzung von Klaus Martens

 

Infos über Gary Snyder:

https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_reflexionen/kompendium/32345_Die-besten-Dinge-im-Leben.html?em_cnt_page=2

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/frankfurter-anthologie/frankfurter-anthologie-gary-snyder-voegel-bestimmen-13872433.html

https://www.fixpoetry.com/feuilleton/lesarten/gary-snyder/was-nun-dichter-angeht

 

… wie die Erde aus sich kommt …

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An diesem SonnenSonntag ein Gedicht der österreichischen Lyrikerin Christine Lavant (1915-1973). Es ist so schön, dass es keiner weiteren Worte bedarf …

 

An gottverlassenen Regentagen
kannst du – wenn du ganz einsam bist –
und vom Scheitel bis zu den Zehennägeln
keine einzige furchtsame Stelle mehr hast
sehen oder auch riechen
wie die Erde aus sich kommt.

 

Gartenfoto: M.K., Juni 2018

https://literaturleuchtet.wordpress.com/2017/06/09/christine-lavant-gedichte-aus-dem-nachlass-wallstein-verlag/

 

 

Anmerkungen für die Zeit des Alterns und über die Zeit des Altseins.

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Erst die „Anmerkungen für die Zeit des Alterns“ von Gioconda Belli.

Im Anschluss meine „Anmerkungen über die Zeit des Altseins“, in denen ich auf ihre Worte eingehe.

 

Wenn du die Wahrheit wissen willst:

Ich möchte nie alt werden

und noch viel weniger sterben.

Es fällt mir schwer das Leben zu begreifen ohne Schönheit

mir vorzustellen wie mein Körper

nachgibt dem Newtonschen Gesetz,

zerfällt

sich welk seinem Ende neigt

und ich dies ertrage.

Ich denke an die Worte der weisen, alten Frauen.

Sie sagen, das Leben öffne sich wie eine Allee

wenn endlich die Erfahrung die Mitte erreicht

und die Harmonie des Konzerts der gelebten Dinge

in der Dämmerung erklingt.

Doch ihre Worte überzeugen mich nicht.

Ich klammere mich an die Kurven meines Körpers

an den hellen Glanz meines Fleisches

und erschrecke

über die ersten Zeichen der Zeit auf meinem Gesicht.

Noch kann ich sie verbergen.

Noch sind es keine unheilbaren Risse.

Doch das Schreiten der Tage bedroht mich.

Ich sage mir, ich werde mit einer anderen Schönheit lächeln

ich werde eine Großmutter mit Zöpfen sein

und vielen Märchen und Gedichten und Kuchen.

Doch ich täusche mit nicht:

Ich find’s absolut nicht lustig.

Aber nicht ich

noch mein Wunsch

können die unerbittliche Richtung der Uhren verändern

oder mit Tränen der Erde verwehren

gehorsam um ihre Achse zu kreisen.

Ich bin sterblich wie alle.

Ich brauche mich auf mit meinen Erinnerungen

      ich biete dieser Angst die Stirn

und erfinde gefällige Posen

wenn mein Gerüst verrostet und nachgibt

wenn ich mich stützen muss, eine Brille benutzen,

langsam gehen, den Blutdruck überwachen,

     das Herz stärken …

Gewiss ist meine Stunde noch nicht gekommen

doch meine Geburtstage helfen mir nicht gerade

meine jungen Töchter haben schon Frauenkörper

mein Sohn wächst ohne Erbarmen

und ich spüre zu ersten Mal den Drang

ein Gedicht zu schreiben wie dieses.

(Gioconda Belli)

 

Wenn du die Wahrheit wissen willst:

Ich bin alt geworden

ich habe akzeptiert

in der Reihe nach vorne

in die erste Reihe

getreten zu sein.

Meine Sicht auf die Schönheit von Gesichtern

hat sich geändert

gelebtes Leben in Gesichtern zu sehen

finde ich schön

mehr in anderen als in meinem

– „die Harmonie des Konzerts der gelebten Dinge“ –

Nach wie vor fällt es mir schwer zu sehen

wie mein Körper welkt

zu merken

– „wie mein Gerüst verrostet und nachgibt

wenn ich mich stützen muss, eine Brille benutzen,

langsam gehen, den Blutdruck überwachen,

     das Herz stärken …“ –

Ich bin keine Großmutter geworden

doch ich kann akzeptieren

als solche von Kindern gesehen zu werden.

Mein weißer Großmutterzopf wächst.

Dass mein alternder Frauenkörper

von Männern

nicht mehr gesehen wird

schmerzt.

Der liebevolle Blick fehlt mir

genau so

wie das Begehren im Blick.

Wenn meine Lust aufflammt

ist es nach wie vor eine

Flamme des Feuers

manchmal spüre ich sie

wenn mein Blick die

Linie des Hüftknochens

die langen und starken Oberschenkel

eines Mannes streift.

Der Vorteil der Männer

ihr Fleisch welkt langsamer …

(M.K., 03 04 2018)

 

Gioconda Belli ist die bekannteste Lyrikerin Nicaraguas. Sie wurde 1948 in Managua geboren und beteiligte sich ab 1975 an Guerilla-Aktionen der FSLN. Verhaftung und Flucht nach Costa Rica waren die Folge. Nach 1979 arbeitete sie in verschiedenen politischen und kulturellen Ämtern. Sie lebt in Managua und Los Angeles/USA.

 

 

 

Der Baum und die Wolke

Amsel 2

Amseln im Kleid der Totengräber hoppeln und hupfen mit komplizierten Pirouetten über die  Obstgartenwiese. Weiße Blütensterne der Gänseblümchen blitzen im grün und braun der Wiese. Mit ihren gelben Schnäbeln sammeln die Amseln die letzten Äpfel und Nüsse.

Die Bäume stehen still in Erwartung des nächsten Regens – oder Schnee …

(M.K. 2017)

 

Der Baum und die Wolke

Ein Baum geht umher im Regen,

eilt an uns vorbei im strömenden Grau.

Er hat ein Anliegen. Er holt Leben aus dem Regen

wie eine Amsel in einem Obstgarten.

 

Als der Regen aufhört, bleibt der Baum stehn.

Aufrecht, still erscheint er in klaren Nächten

Wie wir in Erwartung des Augenblicks,

da die Schneeflocken ausschlagen im Raum.

 

Tomas Tranströmer: In meinem Schatten werde ich getragen.

 

Schokoladenströme

Schokolade

Ach,

hätte ich doch

Schokolade essend

dieses geschrieben.

Die Tasten

umschmeichelnd

mit der Lust

meiner

schokoladigen

Finger.

***************

 

Schokoladenlust

Ein dunkles Schokoladenviereck

übt auf die Zähne

den gleichen sinnlichen Reiz aus

wie Matsch auf die mutwilligen Füße der Kindheit.

Auf der Zunge lockt die dichte, dunkle Masse

Speichel aus roten Gräben.

Die Schokolade löst sich süß in zähen Schlamm

liebkost man bedächtig die Kanten

des Täfelchens, bis es

Aromen, Erinnerungen und Blumen

den entspannten Papillen preisgibt.

Schokoladenströme

fließen über Zahnfleisch, dringen in Zwischenräume,

und die Lust – die wir als flüchtig kennen –

dreht, im Mund gefangen, ihre Runden.

Jetzt, da ich dich nicht habe,

verzehre ich Schokolade

um mich, ganz legitim und ohne Schuld,

dem Eros hinzugeben.

 

Schokolade essend denk ich Biss um Biss an deine Haut

denke an deine Beine

deine Füße

denke an die Leckerbissen

des Lebens.

Gioconda Belli: Ich bin Sehnsucht – verkleidet als Frau

Herbstlaub

Tanzendes Herbstlaub

Bei unserem heutigen Hundespaziergang im Regen kamen wir an einer Gartentür vorbei, vor der ein Blätterhaufen lag.
Ich erinnerte mich an die wunderschönen Zeilen einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen.

 

“Ich leide an einer Traurigkeit aus Blättern,
die der Wind gegen die geschlossene Tür weht.

Es ist Herbst und das Laub wirbelt auf.
Als würden alle leeren Tages des Lebens
sich im Garten anhäufen und ihre Vergeudung rascheln.”

 

Gioconda Belli, geboren in Nicaragua. Eine Lyrikerin und Erzählerin mit kraftvoll eindrücklichen Worten, die die Seele schwingen lassen. Mit Intensität und Leidenschaft erzählt sie immer wieder von der Zärtlichkeit und Lust der weiblichen Liebe. Zeitlebens ist sie politisch aktiv und beteiligte sich am Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN gegen die Somoza-Diktatur ihres Landes

Im Tempel der Stille von Chao-Hsiu Chen

Buch Im Tempel der Stille Chao-Hsiu Chen

Ein Buch, in dem ich immer wieder gerne blättere und kleine Kostbarkeiten finde:

„Wenn die Schwalbe über den See fliegt, hinterläßt sie ihren Schatten auf der Oberfläche des Wassers. Doch hat man dort je etwas gefunden, sobald der Vogel fort war? Oder hat sich das Wasser verändert?“

Chao-Hsiu Chen wurde in Taiwan geboren, wo sie in den alten Weisheiten des Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus unterwiesen wure.

Zwischen ihren minimalistischen Gedichten, die ich so sehr liebe, erzählt sie in wundersamen kurzen Geschichten über Gespräche mit ihrem alten Lehrmeister, einem Mönch in einem Kloster. Geschichten mit feinen buddhistischen und taoistischen Weisheiten. Die chinesischen Schriftzeichen, Pinselzeichnungen und Kalligraphien sind auch von der Autorin. Eine ruhige und stille Vielfalt zum Lesen und Schauen.

Die große Stille

War nie

Von uns

Getrennt

 

Wir waren es

Die sie

Im

Stich ließen

 

 

 

Meditations-Zeit

buddha-in-meditationshaltung-polonaruwa

„In der Nacht, tief in den Bergen, sitze ich in Zazen.

Die Angelegenheiten der Menschen gelangen nie hierher.

In der Stille sitze ich auf einem Kissen,

dem leeren Fenster gegenüber.

Die endlose Nach hat den Duft

Des Räucherstäbchens verschluckt.

(Meister Ryokan, 18. Jhdt.)

 

Im buddhistischem Kloster Kanduboda in Sri Lanka begann die Morgenmeditation um 3.30. In der Abgeschiedenheit und in einer Zeit ohne Ablenkungen im Kloster fällt dies leicht. Im Hier und Jetzt, speziell wenn es noch kalt ist, fällt es schon schwerer. Zurzeit stehe ich um 6.00 auf. Mein Ziel ist 5.00. Die Freude und Köstlichkeit der Stille, der Morgendämmerung, dem ersten Vogelgezwitscher, überwiegt die Überwindung aus dem warmen Bett zu steigen.

 

Zitat:

> Chinesische Wissenschaftler beobachteten über Jahrhunderte den körperlichen Rhythmus des Menschen und gaben ihre Erkenntnisse von Generation zu Generation weiter. So wurde der Zyklus entdeckt, den der Körper mit seinen Organen durchläuft. Sie nannten ihn Chi-Zyklus. Dem zufolge sind die Zeiten nicht allzu lange vor dem Morgengrauen die besten für spirituelle Wahrheitssucher. …

Nach dem Chi-Zyklus beginnt um drei Uhr die Zeit, in der unsere Lungen die höchste Aktivität haben. Der Atem ist die Schnittstelle zwischen Unbewusstem und Bewusstem, zwischen innen und außen. So wie der erste Atemzug der Beginn eines Lebens ist, so beginnt der neue Tag ab drei Uhr.

Ab fünf Uhr bereitet sich der Körper auf das Aufwachen vor: Jetzt ist Transformationszeit. Altes wird losgelassen, Neues entsteht. Je eher Sie in dieser Zeit zwischen fünf und sieben Uhr aus dem Bett hüpfen, desto mehr Kraft für Veränderungen haben Sie. Bis sieben Uhr ist also eine gute Zeit zum Meditieren. <

 

Aus dem Artikel „Die beste Zeit fürs Meditieren“, Dr. Fleur Sakura Wöss, Leiterin des Zen-Zentrums Mishoan in Wien. Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Ursache / Wirkung“, Nr. 99,