Über die Einsamkeit im Alter

Gedanken über die frühen Zeiten, in denen der Grundstein für die Einsamkeit gelegt wird

Als ich angefangen habe über das Thema „Einsamkeit im Alter“ nachzudenken, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese nicht erst im Alter beginnt, sondern schon weit vorher – und zwar auf Grund dessen, wie Beziehungen gelebt werden. In der Regel sind das Zweierbeziehungen.

Viel wird über die „Einsamkeit im Alter“ geredet und noch mehr geschrieben. In den letzten Tagen habe ich gelesen, dass es seit kurzem in Großbritannien ein „Ministerium der Einsamkeit“ gibt. Einsamkeit wird ein Politikum, schreiben sie. (Siehe Link unten)

Einsamkeit treffe sehr häufig Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. „Psychisch kranke und beeinträchtigte Menschen sind oft von Isolation betroffen“, sagt Werner Schöny, Psychiater, in einem Artikel in den OÖ Nachrichten. Aber auch ältere Personen seien immer öfter wirklich einsam, meint er.

Ja, genau so ist es.

Ältere Menschen, auch ohne psychische und sonstige Krankheiten sind wirklich immer öfter einsam.

Beginnen wir mit der Grundlagenforschung

Die Abgrenzung zur Umgebung beginnt für viele, wenn sich zwei Menschen zu einem Paar zusammentun. Die Abgrenzung auch bis zu dahin guten Freundschaften. Wenn denn Freundschaften stattgefunden haben. Vielfach ist es auch noch so, dass Männer und Frauen dem illusionären Bild glauben – ein Partner / eine Partnerin für das Leben muss gefunden werden, die dann alle Bedürfnisse erfüllen sollen, und das reicht dann an Kontakten / Beziehungen / Austauschmöglichkeiten. Nichts und niemand weiter sei notwendig. Obwohl sich doch Interessen / Wünsche / Bedürfnisse mit den Jahrzehnten verändern. 
Wie könnte das alles ein Mensch allein erfüllen?

Dass dies nicht funktioniert, wissen wir. 
Da brauchen wir uns nur die Scheidungsstatistiken ansehen. 
Dass Eltern in der gelebten Zweierbeziehung mit Kindern überfordert sind, weil es „ein ganzes Dorf braucht, um Kinder zu erziehen“ wissen wir auch. 
Dass Gewalt und Missbrauch in der Ehe nicht nach außen kommuniziert werden hat auch oft den Grund, weil es da im Außen niemanden gibt und/oder auch nach Außen gemauert / abgegrenzt wird.

Wie oft sehe ich Paare, die nebeneinander oder hintereinander hergehen – wortlos, kontaktlos; 
Paare, die sich in Cafes und Restaurants gegenüber sitzen – wortlos, kontaktlos. Freudlos. 
Und – einsam zu zweit.

Einsamkeit beginnt nicht erst im Alter.

Einsamkeit beginnt, wenn Freundschaften zugunsten einer Zweierbeziehung vernachlässigt / abgebrochen werden
Einsamkeit beginnt, wenn nicht immer wieder neue Freundschaften in allen Altersgruppen aufgebaut werden
Einsamkeit beginnt beim Rückzug in die eigene Wohnung / das eigene Haus – Cocooning (vollständiges Sichzurückziehen /sich einspinnen in die Privatsphäre) statt Clanning (Suche nach Gruppenzugehörigkeit)
Einsamkeit beginnt, wenn Trennungen und/oder Lebensveränderungen nicht zugelassen werden …

Wichtig ist die Neugier auf das Leben und andere Menschen bis zum Tod

Liebesbeziehungen / Freundschaften wollen aufgebaut / zugelassen / gepflegt werden

Sich auf andere Menschen einzulassen / immer wieder / immer wieder aufs Neue

Als Kinder gehen wir auf alle Menschen mit einem offenen Herzen und offenen Armen zu. Irgendwann wird uns das verboten. Von der Konvention „das tut man nicht“ bis zur Angstmache „der tut dir was“. 
Ja, und dann haben wir das intus. 
Und die Einsamkeit beginnt.
Und dann kommt sie – die Prinzessin.
Dann kommt er – der Prinz.
Und erlöst uns aus unserer Einsamkeit.

Nein, halt. 
Zurück an den Start.
Das hatten wir ja schon.

Also – irgendwann ist es Zeit, diese elterlichen Verbote, die zu unseren Verhaltensmustern geworden sind, über Bord zu schmeißen. Auf welche Art auch immer. 
Und uns wieder zu öffnen.

Mit offenem Herzen und offenen Armen auf Menschen zuzugehen.
Immer wieder neu.

Schluss mit der Einsamkeit.

 

Der oben erwähnte Artikel: https://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/Einsamkeit-wird-ein-Politikum;art114,2802042?fbclid=IwAR3G8y95ptBvlo19M7W6DrWrheSTw0qJwAKKiZRZtfDsD29s4Yzq8Ql5mFI

 

 

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Ältere Frauen schämen sich für ihren sozialen Abstieg

„Immer mehr Frauen geraten geraten nach ihrer Pensionierung in die Armutsfalle.“

Mit diesen beiden Eingangssätzen beginnt ein Artikel vom 19. November in der österreichischen Tageszeitung „Kurier“. Er ist es wert ihn zu lesen. Am Ende meines Textes gibt es den Link dazu.

Hier meine Erläuterungen zum Thema „Scham“ und „Einsamkeit“.

Lassen wir die Gründe für die Altersarmut von Frauen einmal außen vor – sie sind vielfach.

Sprechen wir einmal über die Scham. 
Ich spreche über die Scham.

Hatte ich doch einmal viel Geld zur Verfügung, das ich großzügig für mich und mir liebe Menschen ausgegeben habe. Ich habe mir viel geleistet – ein gutes Leben, viele lange Reisen, etc.

Nun bin ich in Pension und habe sehr wenig Geld zur Verfügung. Ich wusste, dass das so sein wird. Ich hätte auch weiter arbeiten können. Ich wollte nicht.
Nun hätte auch der Gedanke auftauchen können – hättest du etwas gespart, wärest du nicht so großzügig gewesen. Hättest du ….

Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Scham.
Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Nichtakzeptanz dessen, wie ich mein Leben gelebt habe.

Nein, ich bin froh über meine Großzügigkeit – dass ich mein Leben maßlos, leidenschaftlich, zügellos und ausgelassen gelebt habe. Ihr werdet an meiner Wortwahl merken, dass es mir sehr gefallen hat! Es wäre nicht das gleiche, würde ich mein Leben heute so leben wollen. Es wäre ganz anders – vieles könnte ich gar nicht mehr machen, was ich damals gemacht und erlebt habe!

Seit mein Auto seinen Motorgeist aufgegeben hat und seine Ruhe auf dem Autofriedhof gefunden hat, habe ich kein Auto mehr. Ich gehe zu Fuß, fahre mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. Von einigen werde ich scheel angesehen – gering geschätzt? Nun ja, das Auto ist, so wie vieles andere auch, noch immer ein Prestigeobjekt.

Schäme ich mich? Nein.
Hat es mich verunsichert? Ja.

Verunsichert, weil ich nun einiges, was ich gerne machen würde, nicht machen kann.
Es ist nicht viel, aber immerhin, z.B. Konzerte besuchen, Reisen …
Verunsichert, weil es nun liebe Menschen aus meiner Umgebung sind, die großzügig „zu mir“ sind, war ich doch die, die großzügig war. Nun hat es sich umgekehrt.
Und – es hat mich Mühe gekostet, es anzunehmen.
Nun kann ich es.
Ich akzeptiere.
Mein Leben, wie es war.
Mein Leben, wie es ist.

Warum ich das in diesem Kontext des Artikels schreibe?

Weil ich damit Frauen Mut machen möchte, nicht nur zu akzeptieren mit wenig Geld auskommen zu müssen, sondern auch darüber zu sprechen und sich damit zu zeigen.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich mich nicht zeigen und vereinsame.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich auch keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Mir ist schon bewusst, dass ich noch immer sehr viel habe. 
Es ist wenig Geld, das ich zur Verfügung habe, aber nicht zu wenig zum Leben so wie für manche Frauen. Ich habe zu wenig Geld für meine Geistes- und Seelennahrung. Wie oben bereits geschrieben, sind das kulturelle Veranstaltungen und Reisen. 
Ich habe ein Haus und ich habe Menschen um mich, die ich liebe und die mich lieben – meinen Sohn, meine Schwester mit ihrer Familie, meine Kusine und herzensgute Freund*innen. Dafür bin ich bin sehr dankbar!

Für all diejenigen Frauen, die zu wenig zum Leben haben, gibt es auf dieser Seite Informationen für Unterstützungsmöglichkeiten.

Und wenn die eine oder die andere das hier liest, dann bitte ich dich, schäme dich nicht und nimm Hilfe in Anspruch! 

Die Gründe, warum so viele Frauen in der Altersarmut sind, ist wieder ein anderes Thema.
Dass die Politik gefordert ist, auch.

 

Kurier-Artikel: https://kurier.at/leben/akademikerin-57-armutsgefaehrdet/400327407?fbclid=IwAR01gDXXTulrm-oPYuF1oESVO85G8ibw8CQKhlGKGmMuM-8_WwxIx2rY7LU

Information Unterstützung: https://www.erzdioezese-wien.at/unit/aaw/hilfeundunterstuetzung?fbclid=IwAR3OpxA6y5ASeOKwYUFQ2oidRHKr9xVIdYnbnXhbWqQh6rH7CJDTy1S4XC8