Tänzelnde Blätter

Olivenzweig

Herbst im Garten: Die verbliebenen Blätter am Nussbaum tänzeln – sie drehen und wenden sich an ihren langen Stängeln.

Und ich erinnere mich mit einem Lächeln und einer leisen Sehnsucht im Herzen an das Tänzeln – den silbrigen Glanz der Blätter der Olivenbäume in der Toskana, wenn sie sich im Windhauch bewegen.

 

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Triest-Impressionen

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Wenn der Abend
im Meer versinkt
verlieren sich die Farben
der Stadt

Wenn ich wieder fern
sein werde
erinnere ich mich
an den Sonnenuntergang
den Mond
den Schrei der Möven

Meer und Himmel
begegnen sich
am Horizont

Wenn ich einst
für immer fern sein werde
tauche ich ein
in diese Grenzenlosigkeit

(Mai 2017)

Triest-Impressionen

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Zurück aus Triest – der schönen und ambivalenten Stadt. Eine Stadt zwischen gestern und heute. „Triest ist eine Abstellkammer der Zeit“, sagt der berühmte Dichter der Stadt, Claudio Magris. Mitgebracht habe ich – außer dem Duft des Südens – eine Erzählung, Gedichte und Notizen.

Auf der Mole

Oder – Vom unendlichen Schauen – so könnte es auch heißen.

 

Jeden Abend sitze ich gute zwei Stunden oder mehr auf der Mole und schaue.

Ins Meer, den sich verändernden Himmel und die Sonne.

Wie habe ich mich gefreut, dass es da noch andere gibt, die ebenfalls sitzen und warten – auf den Sonnenuntergang. Nicht zu viele. Das wäre auch wieder störend, wenn da plötzlich Massen auftauchen würden. Aber doch einige – eine Hand voll. Wir alle halten unsere Smartphones in der Hand. Ein Fotoapparat ist ja schon fast ein Anachronismus. Obwohl man ihn hin und wieder noch sieht. Misstrauisch beäugt – hauptsächlich von sehr jungen Menschen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, was das ist.

Also – Smartphone. Ich halte es auch in der Hand. Aber die – die anderen – schauen darauf. Unentwegt. Nur manchmal machen sie einen Blick darüber hinaus um zu sehen, wie weit sie denn ist – die Sonne, mit dem Untergehen. Und ich denke mir, vielleicht schau ich die ganze Zeit umsonst. Vielleicht gibt es den ultimativen Augenblick der alle Augenblicke inkludiert. Vielleicht wissen die das. Und ich nicht. Ich hätte sie fragen sollen.

Dann gibt es noch die Fischer. Nicht viele. Nicht mehr als fünf. Die schauen auch. Aufs Wasser. Auf die Angel. Die sitzen noch länger als ich. Manchmal heben sie die Angel und werfen sie gleich wieder aus. Gekonnt. Sehr gekonnt. Man sieht, die machen das sehr oft. Aber es nutzt nichts. Ich habe nur einmal einen Fisch gesehen. Wenn man das kleine Ding schon als Fisch bezeichnen kann. Aber – bewundernswert – das viele ruhige Schauen.

Und hie und da ein junges Pärchen. Die schauen auch. Sich an. Aber auf den Sonnenuntergang warten sie auch. Damals mit M., haben wir das auch gemacht. Unser tägliches Abendritual. Eine Flasche Rotwein. Und die Hände nicht voneinander lassen können. Nein, ich war keine 18. Ich war 38, und er 24. Nein, keine kurze Sommerliebe. Eine Liebe, die in einem sonnigen Herbst begonnen und lange, wunderbare Jahre gedauert hat. Aber das wäre schon wieder eine andere Geschichte. Die Weite lädt ein zum Träumen.

Und dann – die Touristen. Gott sei Dank nicht viele. Denn bei der Mole gibt es vorne einen Schranken. Und da trauen sie sich nicht vorbei. Könnte ja verboten sein. Ich sehe sie immer wieder beratschlagen. Sollen wir oder sollen wir nicht. Und meistens – wie gesagt Gott sei Dank – gehen sie dieses enorme Risiko dann doch nicht ein. Und die wenigen, die sich trauen, ziehen eine Runde. Machen ihre Fotos und ziehen weiter. Darauf zu warten bis die Sonne untergeht, dauert dann doch zu lange. Das Abendessen ruft.

Und ich sitze und schaue und sauge jeden Augenblick auf. Mit jeder Zelle meines Körpers.

Ich lausche dem Meer. Dem Schlagen der Wellen gegen die alten Steinmauern. Hie und da ein Spritzer auf der Haut – nass, kühl, salzig.

Ich rieche das Meer. Ja, wie riecht es? Nach Salz und Seetang, nach Muschelkalk und Fisch; feucht, warm, angenehm. Aber vor allem riecht es nach unendlicher Weite, Freiheit und Abenteuer. Ja, so riecht das Meer. Für mich.

Ich sehe wie sich die Farben der Wellen verändern mit dem Sonnenstand. Von blau/weiß/grell glitzernd, über ein tiefdunkles rot/golden, bis zu rosafarben/hellblau.

Die Luft fühlt sich weich an auf meiner Haut.

Der Duft des Südens in meiner Nase.

Meine Augen suchen immer wieder die schmale Linie des Horizonts.

Die unendliche Sehnsucht in mir – ein endloses Träumen ohne Grenzen.

Hier finde ich es. Fast. Grenzenlos.

Und über allem der Schrei der Möven

Einstimmung auf meine Triest-Reise

Buchhandlung Saba Triest

Literarischer Befund: „Triest ist eine Frau“

Triest begegnet dem Besucher mit mürrischer Eleganz, befinden manche Experten. Maria Theresia hat die Stadt erst groß gemacht – schnell entwickelte sich das frühere Dorf zu einem 30.000-Einwohner-Schmelztiegel.

 

> Der 300. Geburtstag von Maria Theresia wird auch in Triest weitaus länger gefeiert als einen Tag – den heutigen 13. Mai – lang. Schließlich hatte die Habsburgerin Triest von einem kleinen Dorf mit 5000 Einwohnern in eine Kaiserinnenstadt verwandelt. Das bedeutende urbanistische Projekt wurde im Lauf von nur vierzig Jahren umgesetzt. Triest verzeichnete 23 ethnische und religiöse Gemeinschaften. Die Stadt wurde ein Schmelztiegel, ein frühes New York. Während der Regierungszeit von Maria Theresia wuchs die Bevölkerung auf ein Sechsfaches an. 30.000 Einwohner formierten sich in den griechischen, illyrischen, hebräischen und armenischen Nationen. Die Wirtschaft blühte auf, und erste Zeitungen entstanden. (….)

Literatur als Lebensgefühl

Vor allem in der Literatur des frühen 20. Jahrhunderts manifestiert sich der Mythos Triest, das besondere Lebensgefühl der von der Bora durchwehten Stadt. Mitten im Zentrum, fünfzig Meter von der Statue von Umberto Saba, befindet sich die Libreria Saba, jene Buchhandlung, die der Autor Umberto Saba in Triest betrieben hat. In der Via San Nicolò, einer Seitenstraße der belebten Via Dante, wirkt die Buchhandlung wie kristallisiertes Kakanien. Gerade drängen sich 35 Schüler in dem bis oben mit Regalen versehenen Raum. Die über hundertjährige Buchhandlung ist auch eine Art Museum der Literatur als Lebensgefühl.

„Trieste è una donna“, Triest ist eine Frau, stellte Saba in seinem berühmten der Stadt gewidmeten Gedicht fest. „Triest verströmt mürrische Eleganz“, erzählt der Hüter des literarischen Erbes der Stadt, Mario Cerne. Cerne hat ein Buch gestaltet, das ausschließlich dem Gedicht „Triest“ von Saba gewidmet ist. Kein Wunder, denn der stilvolle Mann ist der Erbe von Saba als Betreiber der Libreria Saba. Das Gedicht „Triest“ hat er in 17 Sprachen übersetzt aufgelegt, und auch ein Buch über Saba als Buchhändler geschrieben. „Dass Maria Theresia dieses Jahr gefeiert wird, mag kurios wirken“, sagt Cerne, „aber sie hat ja Triest groß gemacht.“ (…) <

 

Text v

Foto: Kristallisiertes Kakanien: Sabas legendäre Buchhandlung. – (c) Massimo Crivellari (POR FESR 2007-2013)

http://diepresse.com/home/leben/reise/5217008/Literarischer-Befund_Triest-ist-eine-Frau

Info:  Libreria Antiquaria Umberto Saba, Via San Nicolò 30, 34121 Trieste, Italia www.libreriasaba.it