Wie das so ist mit dem inneren Widerstand

Wer kennt sie nicht, die Sätze: „Das ist nichts für mich“, „So bin ich nicht“, „Vielleicht irgendwann, aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt“ … und wo weiter und so fort …

Achtsamkeit auf den Widerstand und gleichzeitig Akzeptanz des Widerstandes.

Ein Paradoxon – ein scheinbarer Widerspruch.

Jedoch, alles was ich loslassen möchte, will erst einmal akzeptiert werden.

Das Nachdenken über den Widerspruch führt zu einem tieferen Verständnis der Situation – was den Widerspruch im besten Fall bereits auflöst.

In einem therapeutischen Prozess taucht er fasst immer auf – der Widerstand.

Da ist gleichzeitig der Wille zur Veränderung – und gleichzeitig sagt der Widerstand „na, so aber nicht. Vielleicht irgendwann einmal ganz anders, aber so sicher nicht. Das ist jetzt der falsche Zeitpunkt, der falsche Platz, die falsche Methode, etc.“

Vieles scheitert und viele scheitern an diesem Widerstand.

Achtsamkeit ist gefordert: Woraus speist sich der Widerstand – Gefühl oder Verstand oder beides?

Unser Verstand und unser Ego – ich spreche daher meist von unserem Egoverstand -, und unser inneres Kind (Gefühl), mögen keine Veränderung. Veränderung bedeutet Unsicherheit – und Unsicherheit macht Angst.

Der ängstliche Egoverstand wartet immer wieder mit eindrucksvollen und gewieften Argumenten auf, um uns zu überzeugen, warum gerade dies jetzt nicht möglich ist.

Ich denke, viele kennen das nur zu gut.

Ein besonders beliebter Widerstandssatz des Egoverstandes ist auch: „Das ist nichts für mich!“ Ein anderer: „So bin ich nicht!“

Schon erstaunlich, nicht? Ich sage – da ist er ein bisschen blöd, unser gescheiter Verstand. Denn natürlich warst Du bis jetzt nicht so. Aber Du möchtest Dich doch verändern. Also, wirst Du in Zukunft – auch – anders sein. Das Wörtchen – auch – ist sehr wichtig. Denn es gibt viele, viele Teile in uns, die gelebt werden wollen. Wenn wir das wirklich, wirklich wollen und zulassen.

Wenn Du Dich verändern möchtest, dann schmeiß diese Sätze – das ist nichts für mich und so bin ich nicht – aus Deinem Wortschatz.

Setz ihn einmal vor Dich hin – Deinen Widerstand. Und dann lass ihn zu Wort kommen. Lass ihn alles sagen, was er zu sagen hat. Und dann, wenn ihm nichts mehr – aber gar nichts mehr – einfällt, dann sag’ Du ihm, was Du zu sagen hast. Geig’ ihm die Meinung, und sprich aus, wie Du Dir Dein Leben vorstellst.

Veränderung heißt in erster Linie – Du musst dich verändern.

Du musst dich auf Neues einlassen und es auch zulassen neue Seiten an dir kennen zu lernen.

Veränderung heißt – raus aus den ausgetreten Latschen der Gewohnheiten.

Rein in neue Schuhe – oder überhaupt einmal barfuss laufen.

„Wir müssen bereit sein, das Leben aufzugeben, das wir geplant haben, um das Leben zu genießen, das auf uns wartet.“ (Joseph Campbell)

Tu es einfach!

Der richtige Zeitpunkt ist immer JETZT!

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Ein Märchen – vielleicht – oder doch nicht?

Weiher im Nebel

Hexentanz

Ihre Schwester ruft sie. Sie hört sie in ihrem Kopf. Diesmal etwas Erfreuliches. Eine bevorstehende Initiation. Erfreulich, aber trotzdem anstrengend. Mitten im Winter ins Waldviertel zu fahren, fast eine Stunde Wanderung durch den Wald bis zu ihrem geheimen Platz an einem kleinen Weiher. Die Menschen glauben noch immer, dass sie fliegen. Aber das ist nicht so. Nicht mehr. Vieles haben sie verlernt oder auch vergessen. In der Zeit, in der so viele von ihnen getötet wurden, ging viel an überliefertem Wissen verloren. Nun gut, heute fahren Hexen eben auch Auto. Die Besen stehen nur mehr zum Auskehren in der Ecke. Obwohl die Schwestern auch damals keine Besen benutzten, aber die Leut’ und deren Redereien …

Im Hintergrund hört sie nun auch die anderen Schwestern reden, und sie schaltet sich ein. Sendet ihre Botschaft. Zumindest Telefone brauchen sie keine. Nicht mal ein Smartphone oder Internet. Die Telepathie können sie noch. Ihre Gedanken haben nach wie vor viel Kraft.

Also, morgen geht es los. Sie packt ihre große Reisetasche, viele warme Sachen müssen Platz finden. Den Daunenschlafsack und warme Unterwäsche, das Tanzkleid mit Schleier und Kopfschmuck. Ein paar Leckereien und ein paar Flaschen von dem guten Wein für die Abschlussfeier. Vorher wird einen Tag und eine Nacht gefastet.

Die Tochter ihrer Hexenschwester Bettina blutet zum ersten Mal. Ihr Name darf noch nicht genannt werden. Es wird die Blutfeier geben und das Aufnahmeritual in den Hexenzirkel. Sie freut sich sehr. Die letzte Blutfeier ist bereits ein paar Jahre her. Im Wald, mitten im Winter, denkt sie sich – auch schön. Vielleicht sollte sie diese Waldgänge, die sie als junge Hexe so oft gemacht hatte, wieder öfter machen.

Sie werden zusammenkommen. 13 Frauen – Junge und Alte. Sie werden sich auf der Lichtung neben dem Weiher treffen. Und sie werden einen Tag und eine Nacht fasten und schweigen. Sie werden sich um das Lagerfeuer im Kreis in ihre Schlafsäcke legen, und die Älteste wird die Hüterin des Feuers sein. Noch ist sie nicht die Älteste – aber bald.

Das Ritual ist geheim, darüber wird nicht erzählt. Als Abschluss werden sie sich ausziehen und nackt in den Weiher springen – die junge Frau immer in ihrer Mitte. Sie werden den Weiher durchschwimmen, sich gegenseitig abrubbeln und ihre wunderschönen Tanzkleider anziehen. Rund um das Lagerfeuer werden sie dann ihren Hexentanz machen. Der Tanz ist ein uraltes Ritual. Und nachher werden sie schlemmen. Essen, trinken, singen, viel erzählen und sich krumm lachen, die Pfeife wird durch die Runde gehen, sie werden so schallend lachen, dass die Tiere des Waldes neugierig an die Lichtung kommen – bis sie in ihre Schlafsäcke kriechen und ihren Rausch ausschlafen.

So wird es sein.

(M.K., 02 01 2018)

 

 

Jahresuhr – Gedanken über die Zeit

Uhr

Die Jahresuhr tickt.

So wie die Lebensuhr auch.

Das haben Uhren so an sich.

Wobei das mit der Zeit so eine Sache ist.

Eine Erfindung der Menschen.

So wie die Uhren auch.

Ohne Zeit keine Uhren.

 

Dabei wäre die Zeitlosigkeit so schön. Wüssten wir dann von einem Ende? Nein.

Würden wir uns dann beeilen? Nein.

Die Zeit wäre einfach da, ohne dass wir sie bemerken würden.

Wie würde sie sich leben, die Zeitlosigkeit?

Ewig im Hier und Jetzt.

Ewig wohl nicht, denn sterben würden wir trotzdem.

Hätten Menschen dann weniger Angst vor dem Tod, wenn es keine Zeit gäbe?

 

Würden wir im Hier und Jetzt leben, würden wir auch nicht auf etwas warten – etwas erwarten. Denn die Zukunft würde kommen, ohne dass wir sie erwarten.

Kinder würden auch nicht auf das Christkind warten.

Wir würden nicht planen. Keine Geschenke kaufen – für morgen, übermorgen, nächsten Monat. Ein Leben im Hier und Jetzt lässt uns auf das Hier und Jetzt reagieren. Aber Planung – Planung gäbe es wohl nicht. Damit auch keine Vorfreude.

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte der Zeit.

Vor sehr, sehr langer Zeit wurde die Zeit von der Natur bestimmt. Die Menschen erlebten die Zeit als einen ewigen Kreislauf der Natur – den Übergang von Tag und Nacht, sowie den Wechsel der Jahreszeiten. Als vor etwa 800.000 bis 1000.000 Jahren Menschen begannen, Faustkeile oder Hacken herzustellen, ist das ein Zeichen dafür, dass bereits ein Zeitgefühl vorhanden war. In dem Augenblick der Herstellung brauchten sie diese Werkzeuge ja noch nicht – sie dachten also an die Zukunft, an die nächste Ernte.

Hm, also ist es doch gut, dass wir über die Zeit wissen? Dass sie erfunden wurde?

Ob gut oder nicht gut – sie ist da.

Also kommt es wie bei so vielem darauf an, wie wir damit umgehen.

Ein bisschen mehr Achtsamkeit, ein bisschen mehr Entschleunigung. Darüber wird viel geschrieben und noch mehr in guten Vorsätzen gesprochen. Getan – wird es weniger.

 

Zurück zur Lebensuhr.

Ja, sie tickt. Und mit dem Alter tickt sie gefühlt immer schneller.

Achtsamkeit. Zurücklehnen. Durchatmen. Schauen – einfach schauen.

Es ist genug Zeit da.

Und mit dem Durchatmen und der Achtsamkeit wird das ticken langsamer.

Es ist genug Zeit da.

 

Zurücklehnen.

Vor meinem Fenster steht der alte Nussbaum.

Er kennt die Zeit nicht.

Er steht einfach da.

Er atmet die Ewigkeit des Seins ein und aus.

Nichts sonst.

 

Die Jahresuhr hat das neue Jahr eingetickt.

Seit ein paar Stunden tickt die Uhr.

Es ist genug Zeit da.

 

„Was also ist die Zeit?
Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s;
will ich’s aber einem Fragenden
erklären, weiß ich’s nicht.“

Augustinus von Hippo (354 bis 430),
Kirchenlehrer und Philosoph

01 01 2018