Geschichten schreiben ist Vergnügen – Roman schreiben Arbeit

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Über das Schreiben eines autobiographischen Romans, der die Vergangenheit zur Gegenwart macht, und die Fragen nach dem Gelingen.

Der Schreibprozess ist ein Eintauchen in mein gelebtes Frauenleben – 67 Jahre. Es beschäftigt mich rund um die Uhr (es ist jetzt, da ich diesen Text schreibe 3.00 früh), und ich muss mich zwischenzeitlich zwingen, wieder auszusteigen und im Hier und Jetzt zu landen.

Eine Gratwanderung zwischen sich in den Geschichten, in meiner Geschichte, zu verlieren. Der Notwendigkeit ein- und unterzutauchen um auszuloten – in den Körper, die Gedankenwelt, das Erleben der 10-jährigen, der 20-jährigen, usw. einzutauchen. Mein altes Ich zu werden und diese Schwester auf ihrem Weg zu begleiten. Eine Vergangenheit, die während des Schreibens zur Gegenwart wird.                                                                        

Eine Einkehr beim Selbst. Es erfordert Zeit und Stille.

Während ich an meinem eigenen autobiographischen Roman schreibe, begleitet mich der Roman von Ulla Hahn „Spiel der Zeit“.

Ich lese, wie sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt, und dass ihr das offenbar auch Mühe bereitet. Dass es nicht immer leicht ist. Das stärkt. Das bestärkt. Mir macht es auch Mühe.

Sie schreibt: „Hilla Palm (diesen Namen hat sie sich als ihre Hauptperson gegeben) ist also auf dem Weg zurück. In die Vergangenheit, wollte ich schreiben, aber dieses Zurück ist ja ihre Gegenwart, und wenn ich das jetzt und hier schreibe, ist es meine Gegenwart, und ich nehme am Schreibtisch eine Haltung ein, die mich meinen Körper vergessen lässt, denn ich brauche jedes Mal einen neuen Anlauf, neue Kraft, Hilla auf den Weg zurückzuschicken, nach Hause.“

Ulla Hahn bezeichnet sich als Alter Ego ihrer Protagonistin Hilla. Sie schreibt aus der Ich-Perspektive, und wechselt dabei zwischen Erzählerin und Hauptfigur. Sie weiß daher als Erzählerin mehr als die Protagonistin, kennt sie doch deren Zukunft. Sie beschreibt auch, siehe oben, wie es ihr als Erzählerin geht.

Eine sehr interessante Erzählform, die ich auch gewählt habe. Erst habe ich begonnen, aus der Sicht der Erzählerin zu schreiben, dann das ganze nochmals aus der Sicht der Hauptfigur. Es ging nicht. Ich habe gemerkt, dass der Wechsel zwischen beiden die einzig mögliche Erzählform für mich ist. Schwierig ist es allemal, wenn ich immer wieder mein Gestern, meine Vergangenheit werde.

Mein Anker ist seit Beginn meines Lebens die Natur. Gleich am Beginn des Buches wird Maria (so werde ich meine Hauptfigur nennen – wenn Maria im Laufe der Zeit nicht einen anderen Namen wählt) ihr 5-jähriges Leben als Gartenkind im Garten der Großmutter erzählen. Sie wird über ihren Lieblingsbaum, den Apfelbaum, der in der hintersten linken Ecke des Großmutter-Gartens steht, erzählen.

Sie ist einverstanden damit, dass ich euch ein paar Zeilen aus ihrer Erzählung schreibe:

„Heute habe ich mir meine Puppe Lisa und mein Lieblingsmärchenbuch mit auf den Baum genommen. Ich gehe zwar noch nicht in die Schule, aber lesen kann ich schon.

Der Apfelbaum hat einen dicken, kurzen Stamm, so dass ich sehr leicht hinaufklettern kann und mir auch mein Kleidchen nicht schmutzig mache. Die Äste bilden eine große Gabel. Ich sitze mit meiner Puppe und meinem Buch fast so bequem wie in einem der hölzernen Liegestühle. Nur auf die Ameisenstraße muss ich aufpassen. Sie führt am Stamm und an einem der dicken Äste entlang.“

Mein jetziger Lieblingsbaum ist ein alter und mächtiger Nussbaum in meinem Garten. Ich gehe durch den und schaue in die immer lichter werdende herbstliche Blätterkrone des Baumes.

Ankommen. Hier und Jetzt.

Die Fragen nach dem Gelingen.

Wenn ich erzähle, dass das Schreiben nicht nur Vergnügen, sondern auch harte Arbeit ist, werde ich immer wieder gefragt: „Ja, aber wie ist das, wenn du scheiterst? Wenn du aufgibst? Jetzt hast du allen erzählt, dass du ein Buch schreibst, und dann wird es vielleicht doch nichts?“

Alles ist ein Risiko. Das Leben ist ein Risiko. Kann morgen vorbei sein.

Und ja – es könnte auch sein, dass ich mit dem Buch schreiben aufhöre.

Doch nicht weil ich scheitere oder aufgebe. Es würde eine bewusste Entscheidung sein.

Ein – ich kann das nicht, gibt es nicht.

Denn, wenn ich es wirklich, wirklich will, werde ich mir das nötige Handwerkszeug aneignen. Ich werde mir Unterstützung, und alles was nötig ist, was ich brauche, suchen.

Sollte ich jedoch merken, dass ich es vielleicht gar nicht wirklich will, dass es nur mehr anstrengende Arbeit ist, und nicht zwischendurch Vergnügen und Freude bereitet, dass keine Befriedigung nach einem gut geschriebenen Satz da ist, dann werde ich das Lebens-Projekt „Buch schreiben“ ganz bewusst schließen.

Doch – ich hätte es gemacht.

Und dieses „ich habe es gemacht“ – nicht „ich habe es versucht oder probiert“, sondern wirklich gemacht, ist im Rückblick auf mein Leben sehr wichtig. Denn, auch wenn ich mit so manchem wieder aufgehört habe, weil sich herausstellte – eigentlich will ich das doch nicht – weiß ich es jetzt. Ich habe es zumindest eine Zeit lang gelebt und erfahren.

Ich kann diesen Traum ad acta legen und muss ihm nicht nachweinen – „ach, hätte ich doch …“

Und so bin ich weiter am Schreiben.

Und wir werden sehen, wie es ausgeht …

 

Hahn Ulla: Spiel der Zeit, 2014, Deutsche Verlags-Anstalt, München

 

Gedichte über Sprachlosigkeit und Worte

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Sprachlosigkeit

Sprachlosigkeit     

seit langem

sprachlos

bewegungslos

nicht geistlos                 

Im Kopf zu hause

alles mit dem Geist

begreifen wollen

nicht fühlbar

nicht spürbar

auf der Suche

nach Worten

mir wieder

begreifbar machen

Die Worte im Kopf

die Gefühle im Bauch

reduziert

auf funktionieren

Schreiben

leeres Blatt

füllbar mit Worten

fühlbar

fühlbare Zweifel

die Sicherheit des Weges ?

(M.K., 1995)

 

Das Lachen ausradiert

Spaß und Freude

verboten

Energie

zurückziehen

Ernsthaftigkeit

darüber stülpen

gibt

Überlegenheit                                   

(M.K., 1988)

 

Immer wieder

die Sprache

verloren

die Worte

nie

sprachlos

geworden

schrieb ich

Worte

auf

(M.K., 27 09 2017)

 

Ich bin

verstummt

an meinen

Worten

erstickt

das habt ihr gemacht

 

bis ich

eines Tages

die Worte

hinaus schrie

wochenlang

monatelang

das habe ich gemacht

 

mir die Lust

verboten

das habt ihr gemacht

 

bis ich

meine Lust

lebte

jahrelang

bis mein

Körper

in Stücke zersprang

das habe ich gemacht

 

mein Herz

umzäunt

mit Mauer

und Stacheldraht

das habe ich gemacht

 

Mauer abtragen

ein Leben lang

(M.K., 27 09 2017)

 

 

 

The Doors

 

Draußen eine stürmische Nacht. Herinnen die ungezügelte, wilde, (vom Sturm) bewegte Musik der Doors …

Das Debütalbum der Gruppe von Januar 1967 enthält den Welthit Light My Fire, den bekannten Love-Song The Crystal Ship und den Song The End, der unter anderem durch den Film Apocalypse Now wieder bekannt wurde und dessen Originalaufnahme teilweise auf Plattenaufnahmen wegen seines Textes zensiert wurde.

Dabei handelt es sich um eine Intertextualität, die auf die griechische Sagengestalt Ödipus verweist, einen Königssohn, der unwissentlich seinen Vater tötet, seine Mutter heiratet und mit ihr schläft. Die Textzeilen: „Father I want to kill you, Mother I want to fuck you“ (deutsch: Vater, ich will dich töten, Mutter, ich will dich ficken) erschienen der Öffentlichkeit als zu vulgär, wenngleich schon seit Jahrtausenden selbige Szene in den Theatern aufgeführt wurde. Weiterhin enthält das Album das Brecht/Weill-Lied Alabama Song.

 

 

Driving with Jim Morrison

„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, würde den Menschen alles so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich.“ (William Blake)

Die Gruppe gilt als eine der einflussreichsten Bands der 1960er Jahre. Der Bandname entstand in Anlehnung an den Essay von Aldous Huxley The Doors of Perception (Die Pforten der Wahrnehmung). Aldous Huxley entnahm den Titel seines Essays einem Zitat von William Blakes The Marriage of Heaven and Hell:

„If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, infinite.“

(„Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, würde den Menschen alles so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist: unendlich.“)