3 Frühlings-Haikus

DSC02945

Gefällter Baumstamm
Biberspuren am Seeufer
Erste Schneeglöckchen

*****

Auf kahlem Astwerk
Zwei Türkentauben gurren
Frühlingsluft bewegt

*****

Dort auf der Wiese
Schneebedeckt die Wurzeln noch
Die Weidenkätzchen

(M.K., März 2018)

Werbeanzeigen

Die Reise aus der Unendlichkeit in die Endlichkeit des Leben

003

Mit 40 Jahren begann ich mich mit dem Älterwerden zu beschäftigen. Der Tod war noch graue Theorie – obwohl ich bereits 8 Jahre zuvor an einer buddhistischen Begräbniszeremonie, der Verbrennung eines Menschen am Meeresufer in Sri Lanka, teilgenommen hatte. In der intensiven Meditationsschulung in einem buddhistischen Kloster war eine unserer Aufgaben, nicht nur über den eigenen Tod, sondern auch über den Tod der liebsten Angehörigen zu meditieren. Ich kann mich noch sehr gut an den Schrecken erinnern, der immer wieder in mir auftauchte. Der Tod an und für sich erschreckte mich nicht, aber das abgrundtiefe Gefühl des Verlustes und der Trauer. Doch wäre ich nicht so in die Tiefe gegangen, wäre ich am Ende dieses Prozesses nicht zur Akzeptanz gelangt.

Die Akzeptanz von Tod und Sterben macht frei von Angst.

Die Akzeptanz von Tod und Sterben macht nicht frei von den Gefühlen des Verlustes und der Trauer. Diese Gefühle sind beim Erleben des Todes nach wie vor da. Und das ist gut so. Alle Gefühle sind gut, keines ist schlecht. Doch die Gefühle sind nicht mehr scheinbar abgrundtief. Sie sind willkommen. Die Abgrundtiefe entstand aus der Angst vor diesen Gefühlen. Somit befreite die Akzeptanz von dieser Angst.

„Traurigkeit ist sehr tief.
Nimm sie an. Genieße sie.
Spüre sie ohne Zurückweisung“ *)

Die Sache mit dem Älterwerden war wieder eine andere Erfahrung – darüber haben ich in meinem Blog-Beitrag „Wie sich die 50-jährige das Alter vorstellte und die 67-jährige es erlebt“ geschrieben.
(https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/)

Aber damit ist die Erfahrungsgeschichte natürlich noch nicht zu Ende.
Zu Ende wird sie erst sein mit meinem Ende – dem Tod.
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon.
Bis dahin geht es weiter und weiter. Jetzt – mit dem Altsein.

Und mit meinen 68 Jahren sage ich – „ja, ich bin alt“.

Nein, ich bin nicht am Älterwerden und schon gar nicht am „eh’ noch jung sein“. Nein, ich bin alt. Und mit diesem Gefühl des Altseins, kommt die innerste Erfahrung und Gewissheit der Endlichkeit. Nicht ein Erschrecken, sondern ein – einmal tief durchatmen – wenn das Gefühl der Endlichkeit in mir spürbar wird. Sie begleitet mich von nun an.

Ich bin sehr dankbar für das Gefühl der Unendlichkeit in meinen früheren Jahren in allen Lebensbereichen – sonst hätte ich vieles nicht so angstfrei und unbekümmert gemacht, wie ich es gemacht, gelebt und erlebt habe.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich jetzt mit meinem Gefühl der Endlichkeit in mir, noch immer neugierig auf die Welt und Welt erleben bin. Jedoch anders als früher.

„Ich freue mich auf den Frühling. Ich genieße die wechselnden Jahreszeiten jetzt viel mehr, könnte es doch immer die Letzte sein“ sagte ich zu meinem jüngeren Gegenüber.
Ein erschrecken und ein aufmuntern wollen war die Antwort.
„Aber nein – ich bin nicht traurig und auch nicht krank. Aber ja, es geht mir gut! Es geht mir sehr gut!“
Ich merkte, dass die Endlichkeit meinem Gegenüber zwar bewusst ist, aber nicht gespürt wird. Noch nicht, und das ist gut so.

Der Tod begleitet mich. Er steht hinter mir und manchmal flüstert er mir über die Schulter etwas zu. Er weiß, er ist akzeptiert. Er weiß es, und deshalb meldet er sich immer wieder zu Wort. Und seine Worte sind gut – weise und hilfreich. Wenn er in naher Zukunft an meiner Seite gehen wird, werden wir befreundet sein. Doch Freundschaft braucht seine Zeit um zu wachsen und sich bedingungslos gut zu sein.

*)
„Traurigkeit hat eine Melodie – Traurigkeit ist sehr tief.
Nimm sie an. Genieße sie. Spüre sie ohne Zurückweisung,
und du wirst sehen, dass sie dir viele Geschenke macht,
die Glück dir nie geben kann.“
(Osho)