Über die Freiheit und das „Eins zu sein mit allem“ – Friedrich Hölderlin und ich – eine Annäherung …

Das Loslassen all der Dinge aus meiner Vergangenheit / das Auslichten, ging einher mit dem Loslassen von etwas zu Ende gelebtem, aber auch von  „etwas sein müssen / etwas darstellen müssen“.

Das war einerseits eine große Erleichterung / ein Aufatmen und tief Luft holen, –  ich spürte und wusste, das Ende war gut so. Andererseits entstand aber auch immer wieder Verunsicherung / eine Leere  – die Frage  „wer bin ich denn jetzt, wenn ich all das nicht mehr bin?“ und mündet jetzt langsam in der kindlichen Freiheit eines „Zu sein, zu leben, das ist genug …“ (Friedrich Hölderlin).

Ich lese zurzeit das Buch „Zu sein, zu leben, das ist genug. Warum wir Hölderlin brauchen“ von Christoph Quarch, Philosoph, Autor und Denkbegleiter.

So wie Quarch in seinen kongenialen und interessanten Ausführungen und Erzählungen darauf hinweist – ja, wir brauchen ihn. Obwohl er bis dahin ein Unbekannter war für mich.

Und ich meine, dass viele andere Menschen, nicht nur diejenigen, die Corona mit Ängsten, Unsicherheiten und Lebensfragen konfrontiert hat, ihn auch brauchen könnten. Was könnte hilfreicher sein, als Worte die begeistern, aufwecken und lebendig machen im Angesicht des Todes.

Friedrich Hölderlin ist mehr als nur ein Dichter. Er ist einer, der begeistern kann, weil er den guten Geist zur Sprache bringt, der Menschen wachsen und erblühen lässt – schreibt Quarch. Und ja, er begeistert mich mit seiner Sprache und seinen Worten – jeden Tag ein noch mehr …

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Im Kapitel über die Freiheit schreibt Quarch:

„In der Vorrede zu einem der ersten Entwürfe (Fragment von Hyperion) schreibt er (Hölderlin, M.K.) 1794, auf dem Weg zur Freiheit müsse der Mensch eine exzentrische Bahn zurücklegen zwischen Geburt und Tod. Mit dieser Formulierung greift er einen Topos der damaligen Astronomie auf, mit dem die elliptische Kreisbewegung eines Kometen beschrieben wurde. Eine solche vom Zentrum hinaus zur Peripherie und dann wieder zurück zur Mitte führende Kurve sei auch der Lebensweg des Menschen: eine befreiende Bahn der Menschwerdung im eigentlichen Sinne – eine Bahn von kindlich-unschuldiger Unbewusstheit zum erwachsenen Bewusstsein der Verschmelzung von Natur und Geist:

Es gibt zwei Ideale unseres Daseins: einen Zustand der höchsten Einfalt, wo unsere Bedürfnisse mit sich selbst, und mit unsern Kräften, und mit allem, womit wir in Verbindung stehen, durch die bloße Organisation der Natur, ohne unser Zutun, gegenseitig zusammenstimmen, und einen Zustand der höchsten Bildung, wo dasselbe stattfinden würde bei unendlich vervielfältigten und verstärkten Bedürfnissen und Kräften, durch die Organisation, die wir uns selbst zu geben imstande sind.

Die exzentrische Bahn, die der Mensch im allgemeinen und einzelnen, von einem Punkt (der mehr oder weniger reinen Einfalt) zum andern (der mehr oder weniger vollendeten Bildung) durchläuft, scheint sich, nach ihren wesentlichen Richtungen, immer gleich zu sein.

Immer gleich von einem einfältigen, gleichsam vorbewussten, natürlichen, ereigneten Zustand des Eins-Seins mit der Natur zu einem geistdurchwirkten, in Freiheit angeeigneten Zustand der Konvergenz von Natur und Geist: von dem Zustand der kindlichen Unschuld im Arme der Götter – in dem der Mensch vom Wohllaut des säuselnden Hains erzogen wird, die Lüftchen des Himmels mit ihm spielen und er unter den Blumen zu lieben lernt – hin zu jenem Höhepunkt des Lebens, an dem er vor dem Hintergrund aller leidvollen Erfahrungen, die die exzentrische Bahn seines Lebens bereitgehalten hatte, die Rückkehr in den Arm der Götter vollzogen hat und in aller Freiheit und Bewusstheit sagen kann:

Eines zu sein mit Allem, das ist Leben der Gottheit, das ist der Himmel des Menschen. Eines zu sein mit Allem, was lebt, in seliger Selbstvergessenheit wiederzukehren ins All der Natur, das ist der Gipfel der Gedanken und Freuden, das ist die heilige Bergeshöhe, der Ort der ewigen Ruhe, wo der Mittag seine Schwüle und der Donner seine Stimme verliert und das kochende Meer der Woge des Kornfelds gleicht.

Der Weg von der vorbewussten, kindlichen Verbundenheit mit dem lebendigen Sein dieser Welt hin zur bewussten Hingabe an das lebendige Sein dieser Welt … (…)

Jenen ewigen Widerstreit zwischen unserem Selbst und der Welt zu endigen, den Frieden allen Friedens, der höher ist, denn alle Vernunft, den wiederzubringen, uns mit der Natur zu vereinigen zu einem unendlichen Ganzen, das ist das Ziel all unseres Strebens, wir mögen uns darüber stehen oder nicht. (Vorwort zur vorletzten Fassung des Hyperion)

Dieser Frieden alles Friedens ist Hölderlins Formel für die existenzielle Freiheit. (…)

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Nach all den Jahrzehnten des Tuns in meinem reich gefüllten Leben, den von mir in die Wege geleiteten vielen Lebensveränderungen, dem Leben und Erleben der verschiedensten Lebensrollen, bin ich jetzt wieder in meinem Kindheitsgarten. Nicht ganz, aber sehr nahe. Mein Kindheitsgarten ist gegenüber meinem Haus und gleicht dem Garten, in dem ich letzt lebe. 

Und ich nähere mich täglich mehr den Worten Hölderlins an – „eines zu sein mit Allem, was lebt, in seliger Selbstvergessenheit wiederzukehren ins All der Natur, das ist der Gipfel der Gedanken und Freuden …“

Über meinen Kindheitsgarten habe ich in meinem Buch „LebensZeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …“ geschrieben:

„ (…) Es ist Frühling und der Apfelbaum ist übersät mit weiß-rosa-roten dicken Blütendolden. Die Bienen und Hummeln summen im und um den Baum.

Aus der Liguster-Hecke kommt das aufgeregte Tschilpen von Spatzen. Sie haben dort, so wie jedes Jahr, ihr Nest gebaut. Der Wäscheplatz leuchtet gelb in der Sonne. Eine volle Löwenzahnkugel neben der anderen. Jede Kugel sitzt auf einem hohlen und doch kräftigen, fleischigen und kerzengeraden Stängel. Auch die Ribiselsträucher haben kleine hellgrüne Blättchen und die Rispen mit den vielen winzig kleinen grünen, harten Ribiselkügelchen sind schon erkennbar. (…)“

Nach diesen frühesten Kindheitserlebnissen des „eins zu sein mit Allem“ – meinem behüteten und ruhigen Leben als Gartenkind – begann ein langer Lebenslauf. Ein Marathon – von einer Station zur nächsten. Nun mit 70 Jahren, habe ich zum ersten Mal wieder das Gefühl stehen zu bleiben.

Auch meine Lebensstationen im Buddhismus / im buddhistischen Kloster / in der Achtsamkeitsmeditation – waren Lebensstationen, nach denen ich wieder weiterging. Jedoch Achtsamkeit und Meditation begleitete mich seither mehr oder weniger regelmäßig. Wer weiß, vielleicht wäre ich sonst im Marathonlauf irgendwann zusammengebrochen. Wer weiß …

„Zu sein, zu leben, das ist genug …“ muss ich erst wieder lernen.

Ich bin dabei.

„Im Zen entdecken wir, dass wir nur durch die vollkommen selbstvergessene Hingabe an unser Tun Freiheit finden können. Für den einen kurzen Augenblick Freiheit von unseren Gedanken, Leidenschaften und Täuschungen. Wenn wir mit dieser Hingabe handeln können, finden wir heraus, dass das Selbst zurückkehrt, obwohl und nachdem wir es durch die Handlung selbst vollständig zerstört haben. Und es kehrt nicht nur zurück, sondern kehrt befreit vom Gepäck der Vergangenheit und der Last der Zukunft zurück.“

(Seigaku Kigen Ekeson Osho, Zen-Meister)

Am Fenster im ersten Stock hat sich in der oberen linken Ecke eine Eternitplatte verschoben. Dahinter nisten Spatzen. Ich sehe die Eltern ein- und ausfliegen und höre das aufgeregte Tschilpen der Spatzenjungen. Ich sitze auf meiner Terrasse und schaue ihnen zu …

Info:

Bild: Peter Krawagna

Das Wort „Auslichten“ habe ich von Cambra Skadé übernommen:

https://cambraskade.blog

Christoph Quarch: Zu sein, zu leben, das ist genug. Warum wir Hölderlin brauchen

https://www.morawa.at/detail/ISBN-9783948206031/Quarch-Christoph/Zu-sein-zu-leben-das-ist-genug

Der Textauszug über meinen Kindheitsgarten aus meinem Buch „Lebenszeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …“

https://shop.falter.at/detail/9783990708866

Friedrich Hölderlin: Hyperion

https://www.weltbild.at/artikel/buch/hyperion_21368767-1

Im obigen Text sind Textzeilen aus Hölderlins Gedicht, das er über seine frühe Kindheit schrieb, zitiert:

Da ich ein Knabe war

Rettet’ ein Gott mich oft

Vom Geschrei und der Rute der Menschen,

Da spielt ich sicher und gut

Mit den Blumen des Hains,

Und die Lüftchen des Himmels

Spielten mit mir.

Alle Bücher sind auch in deiner Buchhandlung vor Ort erhältlich!

Meer-Impressionen

Wind fegt über den Sand des Strandes und bewegt ihn wellenförmig Richtung Wasser. Brandung wirft sich dagegen – lässt eine kleine Sanddüne entstehen.

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wenn ich

in rückenlage

im meer treibe

wellen mich schaukeln

blau des himmels über mir

ruhen meine gedanken

im blau und im meer

und ich stelle fest

dass ich

glücklich bin

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eine welle

nimmt mich mit

taucht mich unter

und

ich weiß nicht

ob ich wieder

nach oben will

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möve

am Himmel

schwerelos

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im sand

spielen meine zehen

mit der feder

einer möve

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sonnenuntergang

tag und nacht

trifft sich

möven fliegen

zu ihren schlafplätzen

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das meer ist das meer ist das meer

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Teneriffa, im Mai 2019

Koan

Nichtstun im Tun

Tun im Nichtstun

(M.K.)

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Ein Koan ist ein Paradoxon – eine scheinbar unsinnige Behauptung –  die zum Nachdenken anregen soll. Koans können nie verstandesmäßig gelöst, sondern nur durch ein “Eintauchen” erfahren werden. Etwas, was mit dem Verstand unlösbar ist. Dies wird meist in Zen-Meditations-Übungen praktiziert. Der Zen-Meister stellt eine Frage, die unlösbar erscheint. Ein Koan ist also ein Zen-Rätsel. Es erfordert absolutes Loslassen von herkömmlichen Denkmustern. Erst mit einem „hineinversenken in die Tiefe des Koans“ geschieht der Durchbruch und man weiß die Lösung einfach.

Stille Achtsamkeit

004

Den ziehenden Wolken zusehen.
Nichts sonst.
Dem Lied der Amsel am höchsten Gipfel des Baumes lauschen.
Nichts sonst.
Der Katze zusehen, wie sie auf Zeitlupenpfoten zum Mäusefang über die Wiese schleicht.
Nichts sonst.
Den eigenen Herzschlag spüren.
Nichts sonst.
Die Sonne auf der Haut spüren.
Nichts sonst.

Licht und Schatten wechseln sich ab.
Es gibt nichts zu tun.

(M.K., 24 04 2018)

 

Rückzug in die Stille für 18 Tage

Ich verbringe sehr viel Zeit in facebook. Der Kontakt mit meinem FreundInnenkreis in vielen Ländern dieser Welt ist mir sehr wichtig, genauso wie ein reger Austausch für meine Interessensgebiete Literatur, Initiativen der Zivilgesellschaft – also Gesellschaftspolitik; und jede Menge anderer Interessen. Um wieder einmal innerlich still zu werden und herauszufinden, was denn jetzt wirklich wichtig ist für mich, braucht es eine „Einkehr“.

Facebook wurde daher für diese 18 Tage gestrichen. Ein Rückzug im weltlichen Alltagsleben erfordert wieder eine eigene Achtsamkeit – anders als in der Stille des Klosterlebens.

Besinnung auf sich selbst und Einkehr bei sich selbst.

Und Staunen über das, was man vorfindet. Der Weg nach Innen ist immer auch ein Weg zu den eigenen Dämonen – jedoch auch ein Weg der Versöhnung.

Nachstehend Auszüge über diese stillen Tage aus meinem Tagebuch.  

Tag 1

Bereits das Morgenritual ist anders. Bis gestern war mein Morgenkaffee verbunden mit dem Einschalten des Computers und dem Einstieg in facebook.

Ich steh’ da mit meinem Kaffee – und siehe da – nicht das erwartete Bedauern, sondern Erleichterung! Kein sofort meinen Verstand in Gang setzen müssen und die neuesten Nachrichten lesen, vielleicht auch gleich im Kopf einen Beitrag formulieren.

Nein – Stille.

Ich setz mich mit meinem Cafe vor die Terrassentür und schau in den Garten. Das Gehirn darf noch eine Weile im Ruhemodus bleiben.

Wenn es im Inneren still ist, ist das Außen egal.

Ich gehe nach dem Einkaufen mit meinem Rucksack und einer Tasche zur Busstation. Die Busstation liegt an einer stark befahrenen Straße. Der nächste Bus fährt in 15 Minuten. Den vorherigen Bus habe ich knapp verpasst und es regnet. Ich beschließe zu warten und fühle leichten Ärger.

Habe ich einen Termin? Nein. Ich habe Zeit.

Also – warum nicht entspannen. Die Füße hüftbreit, loslassen in den Knien. Mein Rücken entspannt sich. Ich atme tief ein und aus und richte meine Aufmerksamkeit auf das Heben und Senken meines Brustbereiches und Bauches. Der Straßenlärm verklingt. Ich höre ein Rauschen und stelle mir vor, ich stehe an einem lauten Fluss. Ein und ausatmen.

Der Bus fährt vor.

Was, jetzt schon?

Siehe auch: Achtsamkeit Alltagstauglich (4. 12. 2017)

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/12/04/achtsamkeit-alltagstauglich/

 

Aus Tag 2

Ich habe jetzt mehr Zeit. Nein, so stimmt der Satz nicht.

Die Zeit ist da. Immer. Wir entscheiden, wie wir die Zeit nutzen, wie wir damit umgehen. Um Prioritäten setzen zu können, muss ich jedoch erst wissen, wo meine Prioritäten liegen. Und – jede Entscheidung hat Konsequenzen.

Siehe auch: „Jahresuhr – Gedanken über die Zeit“ (1. Jänner 2018)

https://monikakrampl.wordpress.com/2018/01/01/jahresuhr-gedanken-ueber-die-zeit/

 

Aus Tag 6

Zwei Haikus von heute morgen:

Im Morgenlicht schon

Drängt sich der alte Nussbaum

Aus der Dunkelheit

 

Auf Buddhas Scheitel

Fest sitzt die Schneehaube in

Frostiger Kälte

 

Aus Tag 8

 

 „Ich weiß sehr wohl, wie widersprüchlich man sein muss, um wirklich konsequent zu sein.“ (Pier Palolo Pasolini)

Ja, der Satz gefällt mir und kann ich nur zustimmen.

 

Aus Tag 11

Für eine kommende WS-Reihe habe ich die Stille zum Thema gemacht: „Raum der bewegten Stille“. Diese WS-Reihe wird über 6 Abende, beginnend Ende März, stattfinden.

Stille und Ruhe (um sich selbst zu spüren und wahrzunehmen) ist genau so wichtig, wie Bewegung. Bewegung, die aus sich selbst entsteht – z.B. freies Tanzen, um sich selbst und die Bedürfnisse des eigenen Körpers wieder wahrzunehmen.

Raum der bewegten Stille.

Stille am See

Stille im Garten

Stilles Abendrot

Und doch

Ist alles

In Bewegung

 

Tag 13

 

5 h morgens.

Das Glück der Stunden, in denen Gedichte und Geschichten einfach da sind und nur aufgeschrieben werden müssen …

 

Die Vergangenheitssteine und die Wegsteine.

In den letzten vier Jahren ist alles zusammengebrochen. Kein Stein blieb auf dem anderen. Auch mein Elfenbeinturm, in den ich mich einige Jahre vor dem Zusammenbruch verschanzt hatte, brach zusammen. Übrig blieb ein Trümmerhaufen. Ein Steinhaufen.

Zum Steinerweichen jammerte und klagte ich. Ich saß auf diesem Steinhaufen und konnte mich nicht rühren. Manchmal nahm ich einen Stein in die Hand, und sofort begann er mir seine Geschichte zu erzählen. Doch ich war noch nicht bereit. Ich legte ihn wieder sorgsam hin. Manchmal. Manchmal warf ich ihn auch hin, weil er mich zornig machte.

Eine große Trauer, großer Schmerz und Zorn war in mir. Wieder. Ich dachte, das hätte ich doch schon erledigt. Und auch das machte mich zornig. Verzweifelt.

Doch mit der Zeit spürte ich, dass all diese Gefühle nicht mehr so abgrundtief waren, wie vor langer, langer Zeit, als ich dachte, daran zu sterben, wenn ich mich ganz und bis auf den tiefsten Grund dieser Gefühle einlasse. Nein, jetzt war es anders.

Und erstaunlicherweise gab mir der Steinhaufen, auf dem ich saß, Sicherheit. Ich spürte die Kraft der Steine. Und ich begann zu begreifen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ich griff nach verschiedenen Steinen und begriff gleichzeitig. Jeder Stein war ein Puzzlestück aus meiner Vergangenheit und hatte seine eigene Geschichte und seine eigene Qualität.

Es gibt die Vergangenheitssteine mit all den alten Geschichten meiner Vergangenheit. Und ich begann damit am Rande meines Gartens eine halbkreisförmige Vergangenheitsmauer zu bauen. Eine Mauer, die gleichzeitig Schutz für die Pflanzen, Blumen, Sträucher und Bäume ist. Die Sonne bescheint diese Mauer und jeder Stein strahlt seine Wärme aus in den Garten. Auch auf meinen Sitzplatz, geborgen und beschützt durch die Vergangenheitsmauer.

Dann gibt es noch die Wegsteine. Sorgfalt, Ruhe und Achtsamkeit war notwendig, um die Steine zu sortieren. Was ist ein Vergangenheitsstein und was ist ein Wegstein.

Die Wegsteine beinhalten all die Erfahrungen und das Wissen, das ich mir auf meinem Lebensweg erworben habe. Erfahrung und Wissen, das mir heute sehr nützlich ist und mich weiter begleitet auf meinem Weg. Und ich begann einen Weg auszulegen in meinem Garten. Es ist ein breiter Weg. Die Steine sind abgeschliffen. Sie lassen sich fugenlos aneinander reihen, so dass ich den Weg auch nachts gehen kann, ohne zu stolpern.

Dieser Weg führt auch hinaus aus meinem Garten. Und ich merke, dass es noch nicht genug wegsame Steine gibt. Manchmal wird der Weg auch etwas unwegsam. Es gibt die Gefahr zu stolpern. Doch ich stürme nicht mehr so dahin wie in meinen früheren Jahren – über Stock und Stein. Ruhe und Achtsamkeit ist jetzt gefordert in unwegsamem Gelände. Ich bin noch nicht fertig mit Erfahrungen sammeln.

 

Tag 18

Vorbereitung auf die Rückkehr.

Und das Wissen / der Wunsch – der nächste Rückzug in die Stille wird wieder einmal ein Rückzug in die Stille eines Klosters werden …