Corpus Delicti von Juli Zeh

Buch Corpus Delicti Juli Zeh

Ich entziehe einer Gesellschaft das Vertrauen, die aus Menschen besteht und trotzdem auf der Angst vor dem Menschlichen gründet.

Ich entziehe einer Zivilisation das Vertrauen, die den Geist an den Körper verraten hat.

Ich entziehe einem Körper das Vertrauen, der nicht mein eigenes Fleisch und Blut, sondern eine kollektive Vision vom Normalkörper darstellen soll.

Ich entziehe einer Normalität das Vertrauen, die sich selbst als Gesundheit definiert.

Ich entziehe einer Gesundheit das Vertrauen, die sich selbst als Normalität definiert.

Ich entziehe einem Herrschaftssystem das Vertrauen, das sich auf Zirkelschlüsse stützt.

Ich entziehe einer Sicherheit das Vertrauen, die eine letztmögliche Antwort sein will, ohne zu verraten, wie die Frage lautet.

Ich entziehe einer Philosophie das Vertrauen, die vorgibt, dass die Auseinandersetzung mit existentiellen Problemen beendet sei.

Ich entziehe einer Moral das Vertrauen, die zu faul ist, sich dem Paradoxon von Gut und Böse zu stellen und sich lieber an „funktioniert“ oder „funktioniert nicht“ hält.

Ich entziehe einem Volk das Vertrauen, das glaubt, totale Durchleuchtung schade nur dem, der etwas zu verbergen hat.

Ich entziehe einer Methode das Vertrauen, die lieber der DANN eines Menschen als seinen Worten glaubt.

Ich entziehe dem allgemeinen Wohl das Vertrauen, weil es Selbstbestimmtheit als untragbaren Kostenfaktor sieht.

Ich entziehe dem persönlichen Wohl das Vertrauen, solange es nicht weiter als eine Variation auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ist.

Ich entziehe einer Politik das Vertrauen, die ihre Popularität allein auf das Versprechen eines risikofreien Lebens stützt.

Ich entziehe einer Wissenschaft das Vertrauen, die behauptet, dass es keinen freien Willen gebe.

Ich entziehe der Liebe das Vertrauen, die sich für das Produkt eines immunologischen Optimierungsvorgangs hält.

Ich entziehe Eltern das Vertrauen, die ein Baumhaus „Verletzungsgefahr“ und ein Haustier „Ansteckungsrisiko“ nennen.

Ich entziehe einem Staat das Vertrauen, der besser weiß, was gut für mich ist, als ich selbst.

Ich entziehe jenem Idioten das Vertrauen, der das Schild am Eingang unserer Welt abmontiert hat, auf dem stand: „Vorsicht! Leben kann zum Tode führen.“

 

Juli Zeh: Corpus Delicti. Ein Prozess, Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung, Frankfurt am Main, S. 186.

 

Juli Zeh entwirft in Corpus Delicti das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert. Gesundheit ist zur höchsten Bürgerpflicht geworden. Die „Methode“ verlangt ein festes Sportpensum ebenso wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. Buchstäblich über den jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat informiert.

Corpus Delicti handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit kann und wird der Staat individuelle Recht einschränken? Gibt es ein Recht des Einzelnen auf Widerstand?

 

 

Nach langer Zeit biete ich wieder ein Seminar an

Wegweiser 3

Leben in Veränderung. Altes loslassen. Neues entsteht.

Wer bin ich?

Wer möchte ich sein?

Was möchte ich noch leben / erleben?

Wenn etwas zu Ende geht, entsteht ein leerer Raum, der sich manchmal nicht gleich füllt, weil das Neue noch hinter der Ecke steht. Veränderungen in die Wege zu leiten und noch nicht zu wissen, was dann passiert, macht unsicher oder vielleicht auch Angst.

„Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.“ (James Neil Hollingworth)

Worum geht es in dem Seminar:

  • Lebensfragen, die Sie mitbringen
  • Selbstwert: Wie leben ich mein Leben und nach wessen Lebensregeln lebe ich? Sind es Regeln / Sätze aus meiner Kindheit / Familie / Partner/in / Freunde?Habe ich Angst, was meine Kinder zu meiner Veränderung sagen würden?
  • Ausrichtung: Was hat sich verändert in meinem Leben? Wovon muss ich / möchte ich Abschied nehmen?

        Kann ich mir die Erlaubnis geben mein Leben zu leben?

  • Ziel: Eine Vision / einen Plan – wie möchte ich mein Leben „jetzt“ gestalten? Entdecken von Ressourcen, die mich dabei unterstützen. Das Ja zu sich selbst – so wie ich jetzt bin.

 

Womit arbeiten wir:

  • Gesprächsrunden
  • Körperwahrnehmungsübungen
  • Entspannungs- und Energieaktivierungsübungen

 

Selbst-Bewusstsein bedeutet auch Körper-Bewusstsein

Die Grundlage aller Sprache ist die Körpersprache. Unser Körper spricht sehr oft zu uns.

Hören wir auch auf ihn? Verstehen wir ihn?

Wir haben Herzklopfen bei Angst, spüren Wut im Bauch oder Ärger im Magen, beißen die Zähne zusammen – oder etwas geht uns unter die Haut …

Um die Körpersprache zu verstehen, ist es notwendig, in Kontakt mit dem eigenen Körper zu sein und seine Botschaften – seinen Ausdruck – empfangen zu können.

Ehrlichkeit mit sich selbst führt zu Wahrnehmung und Veränderung.

Den eigenen Weg finden und gehen

Die eigene Größe und Stärke leben

Von der Angst vor Veränderung zur Freude an Veränderung

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Von denen lernen, die Veränderung gewagt haben.

Meine Großmutter sagte immer: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Da es aber immer etwas zu arbeiten gab, kam es nie zum Vergnügen. Lange dauerte es, bis ich diesen Satz ausgeräumt hatte und mir auch Vergnügen erlaubte. „Was werden die Leute sagen – die werden glauben, du tust nichts“ war ein anderer Satz, als ich mit 34 Jahren aus meinem Beruf ausstieg, mir eine Auszeit gönnte, und dann eine Ausbildung am zweiten Bildungsweg begann. Alles Sätze, die erst bewusst gemacht werden müssen, um uns nicht mehr davon hemmen zu lassen.

(Monika Krampl, 67 Jahre)

Mit 72 habe ich angefangen zu schreiben. Nun habe ich bereits einen Gedichtband veröffentlicht. Nein, ich habe nicht daran geglaubt, dass ich zu alt bin dazu. (Karl M., 72 Jahre)

„Ich bin in meinem Leben an einen Punkt gekommen, an dem es Zeit war für mich, Neues zu wagen. In meinen alten Mustern zu bleiben, hätte Stillstand bedeutet. Ich wollte Neues entdecken, Neues wagen, Neues ausprobieren – mich dem Fluss des Lebens hingeben. Ich habe es gemacht, bin aus meinen alten Schuhen in den Fluss gesprungen und  – werde jeden Tag mit einer Fülle an Lebendigkeit und Lebenslust belohnt.

Ja, ich liebe eine Frau. Und es ist mir egal, was andere dazu sagen oder wie lange es dauert. Ich genieße es. Heute. Ich lebe.“ (Gabriele E., 63 Jahre)

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Zeit: 13. – 14. Jänner 2018

SA 10.00 – 12.00, 14.00 – 19.00, SO 10.00 – 13.00

Kosten: Euro 160,–

Teilnehmende: max. 12 Personen

Ort: Zentrum Argatha, Mühlweg 16, 3100 St. Pölten

Anmeldung: bis spätestens 18. Dezember 2017           

Die Anmeldung ist nur gültig mit schriftlicher Anmeldung und Einzahlung der Hälfte der Seminarkosten.

Weitere Infos zum Seminar, sowie Kontodaten, werden nach schriftlicher Anmeldung bekannt gegeben.

Mitbringen:

Bequeme Kleidung, T-Shirt zum Wechseln (bei den Körperübungen wird’s so manchen warm),

Decke und warme Socken (bei den Entspannungsübungen fährt der Körper die Wärme wieder runter)

Schreibzeug

Seminarleitung:

Monika Krampl, Psychotherapeutin, Seminarleiterin, Bloggerin, Autorin

Email: monika.krampl@gmx.at

 

Im Tempel der Stille von Chao-Hsiu Chen

Buch Im Tempel der Stille Chao-Hsiu Chen

Ein Buch, in dem ich immer wieder gerne blättere und kleine Kostbarkeiten finde:

„Wenn die Schwalbe über den See fliegt, hinterläßt sie ihren Schatten auf der Oberfläche des Wassers. Doch hat man dort je etwas gefunden, sobald der Vogel fort war? Oder hat sich das Wasser verändert?“

Chao-Hsiu Chen wurde in Taiwan geboren, wo sie in den alten Weisheiten des Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus unterwiesen wure.

Zwischen ihren minimalistischen Gedichten, die ich so sehr liebe, erzählt sie in wundersamen kurzen Geschichten über Gespräche mit ihrem alten Lehrmeister, einem Mönch in einem Kloster. Geschichten mit feinen buddhistischen und taoistischen Weisheiten. Die chinesischen Schriftzeichen, Pinselzeichnungen und Kalligraphien sind auch von der Autorin. Eine ruhige und stille Vielfalt zum Lesen und Schauen.

Die große Stille

War nie

Von uns

Getrennt

 

Wir waren es

Die sie

Im

Stich ließen

 

 

 

Älter werden von Silvia Bovenschen

Buch Älter werden Silvia Boverschen

In „Älter werden“ schrieb Silvia Bovenschen erstmals über ihre Krankheit multiple Sklerose. Im Alter von 71 Jahren starb die Bestsellserautorin und Wissenschaftlerin heute in Berlin.

Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Am Ende ein Link mit mehreren Rezensionsnotizen.

Aus dem Klappentext:

Älter werden wir alle, von Anfang an, und es gibt keine Aussicht auf Umkehr. Erst, wir sind noch ein Kind, wollen wir es unbedingt, dann, wir sind erwachsen, widerfährt es uns fast unmerklich, schließlich, die Jahre gehen ins Land, kommen die Tage des Rückblicks, auf die Zeit, in der wir die Zukunft noch vor uns hatten. „Älter werden“ gibt persönlich erzählend, räsonierend und kommentierend einen Rückblick auf das gelebte Leben und einen Ausblick auf möglicherweise Kommendes. Diese erzählten Erinnerungen und gedanklichen Spiele fügen sich zu einem poetischen Bericht über eines der zentralen Themen unserer Zeit.

https://www.perlentaucher.de/buch/silvia-bovenschen/aelter-werden.html

 

 

Vom sichtbaren Selbst des Mädchens zum wahren Selbst der Erwachsenen

Meditation Stille

So wie alle kleinen Mädchen betrachtete ich mich gerne im Spiegel. Mein Gesicht studierend – mich ansehend / mich ausprobierend – Faxen schneiden. Ich suchte mich. Ich suchte Selbstbestätigung – die Bestätigung des sichtbaren Selbst. So sehe ich aus. Das bin ich.

Der Spiegel war sehr klein. Rechteckig, ohne Einfassung, ohne Schnörkel und Verzierungen. Ein Gebrauchsgegenstand. Für die Männer zum Rasieren. Mehr nicht.

Doch Großmutter sah das gar nicht gerne, wenn ich vor dem Spiegel stand.  Im Gegenteil – sie warnte vor der Hoffart. „Sei nicht hoffärtig“, sagte sie, „das ist eine Todsünde“, und meinte damit die 1. Todsünde, den Stolz. Die etymologische Bedeutung des Wortes, die assimilierte Form vom mhd. hōchvart – bedeutet „Hochsinn, edler Stolz, äußerer Glanz, Pracht, Aufwand, Übermut“.

Und diese Eigenschaften – diese Eigenschaften waren erst recht verboten. Vor allem für Mädchen. Das passte nicht zu stillen, ordentlichen und sauberen Mädchen – so wie ich eines sein sollte und für lange Zeit auch war.  

Großmutter warnte immer wieder, wenn sie mich doch wieder vor dem Spiegel erwischte: „Schau nicht in den Spiegel, da kommt der Teufel raus!“ Für Großmutter – und daher auch für mich – war der Teufel damals genauso präsent wie Gott. Und vor allem hatte er auch viel Macht. Über Gott nicht, nein. Obwohl Gott immer ein Auge auf ihn haben musste. Aber er hatte Macht über Menschen und vor allem über so kleine Mädchen wie mich, die nicht immer brav waren.

Später, sehr viel später, erinnerte ich mich an diesen Satz mit dem Spiegel und dem Teufel –  als ich die Zeilen las:

 

Du lebst im Sichtbaren

Wie kannst Du es trotzdem

Meiden?

 

Du lebst im Sichtbaren

Mußt Du es deshalb

Fliehen?

 

Du blickst Dich im Spiegel an

Doch blickt der Spiegel auf Dich?

Was siehst Du im Spiegel?

 

Siehst Du Dich?

 

Muss das sichtbare Selbst nicht erst wissen, dass es ein sichtbares Selbst ist, um es Loslassen zu können? Durch das Sich-selbst-loslassen zum wahren Selbst zu kommen?

 

Wie erkennt man

Das wahre Selbst

 

Indem man

Nicht mehr

In den

Spiegel

Blickt

 

Und damit hat sie dann doch recht behalten, die Großmutter – „indem man nicht mehr in den Spiegel blickt“ …

 

Beide Gedichte: Chao-Hsiu Chen: Im Tempel der Stille. Gustav Lübbe Verlag

Chao-Hsiu Chen wurde in Taiwan geboren, wo sie in den alten Weisheiten des Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus unterwiesen wurde. Sie studierte klassische Musik in Wien und Salzburg und arbeitet als Schriftstellerin, Malerin und Komponistin in Rom und München.