Damit die guten Vorsätze auch gelingen

Neues Jahr 2018

Bei den guten Neujahrs-Vorsätzen übersehen so manche, dass sie dabei vor allem sich selbst ändern müssen. Das bedeutet – raus aus den bequemen, ausgetretenen Latschen (Gewohnheiten) und barfuss über holprigen Boden laufen. Das will neu gelernt werden.

Stellt euch ein Kleinkind vor das gerade die ersten Schritte macht. Und immer wieder hinfällt. Und wieder aufsteht. Und wieder hinfällt und wieder aufsteht …

Es bleibt nicht nach dem dritten Mal sitzen und sagt – nein, das ist mir zu unbequem. Ich will lieber weiter durchs Leben getragen werden.

Etwas neu oder wieder zu erlernen erfordert Ausdauer und Konsequenz.

Erst etwas Unbequemlichkeit – mit der Zeit kommt die Freude.

Die Freude an der Veränderung.

Glucksendes Lachen aus dem Bauch heraus – LebensFreude, wenn es zum ersten Mal ohne hinzufallen gelungen ist …

Als konkrete Unterstützung für das – vom Wünschen zum Handeln –
eine Anleitung, die ich für das Seminar „Veränderung leben. Altes loslassen. Neues entsteht“ geschrieben habe. Ich denke, es könnte auch für Deine Neujahrs-Vorsätze brauchbar sein.

Vom Wünschen zum Handeln

1. Wunsch

Was du brauchst

  • Bildhaft: Eine Vision / ein starkes Bild
  • Sprachlich: Klare Formulierungen / eine Geschichte

Dies könnte Deine Vorarbeit sein, wenn Du weißt, wo Du hin willst.

Es kann aber auch sein, dass Du nicht weißt, wo du hin willst. Dass jedoch Dein Wunsch, die Situation zu beenden, in der Du Dich befindest, so stark ist, dass Du weiter gehen musst. Dann geh! Dann spring! Was Du dazu brauchst, ist Vertrauen. Vertrauen in Dich selbst, dass es gut wird. Dass es anders wird.

2. Loslassen

Was musst Du loslassen?

Wen musst Du loslassen?

Lass los, was nicht mehr passt und Deine Lebensenergie festhält / verkümmern lässt / zunichte macht. Du hast ein Recht auf ein gutes Leben.

3. Behinderung

Was hindert Dich?

Ängste: Angst vor Konfrontationen / der Bewertung, Verurteilung, von anderen Menschen / …..

Glaubenssätze und Verbote: Das tut man nicht / Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach / ….

Ausreden: Jetzt geht es gerade nicht / Vielleicht nächstes Jahr / Das kann ich ihr / ihm nicht antun …

4. Ressourcen

Welche nicht gelebte oder nicht mehr gelebte Potentiale hast Du in Dir, die Deinen neuen Weg unterstützen?

Du darfst gut für Dich sorgen – mit Selbstmitgefühl.

Du darfst Dir Unterstützung holen.

5. Plan

Falls Du weißt, wo Du hin willst, mach einen Plan mit den erforderlichen Schritten auf dem Weg zu Deinem Ziel.

6. Handeln

Nein, es reicht nicht, es zu 50 % zu wollen.

Es erfordert Deine 100 %ige Energie, Deinen Weg zu gehen. Du setzt Deine Energie für Dich ein – also tu es!

7. Feiern

Die Freude über das Erreichte nicht vergessen. Feiere Deinen Erfolg / oder auch jeden einzelnen Schritt / allein für Dich oder mit lieben Menschen!

Möge die Übung gelingen!

Mögen Deine Wünsche in Erfüllung gehen!

Seminar „Leben in Veränderung. Altes loslassen. Neues entsteht“ – 13.-14. Jänner in St. Pölten, NÖ

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/10/28/nach-langer-zeit-biete-ich-wieder-ein-seminar-an/

Leben im Hier und Jetzt – Meditation Alltagstauglich Fortsetzung …

Taisen Deshimaru Roshi sagt: „Wenn ihr nicht hier und jetzt glücklich seid, werdet ihr es nie sein. Denn nur wenn ihr das „Hier und Jetzt“, an diesem Ort und sofort verwirklicht, steht ihr der Erlösung unmittelbar gegenüber, anderen Orten und zu anderer Zeit gibt es keine Erlösung und kein Glück.“

Kein Ausreden! Jetzt oder nie!

In der Eingangshalle von japanischen Zen-Tempeln befindet sich manchmal ein kleines hölzernes Brett mit der Inschrift: „Sieh unter deine Füße.“

Meistens aber sehen wir gerade das nicht, was unter den Füßen ist. Unter den Füßen ist der Weg. Nicht Unbekanntes ist zu erkennen, sondern das Allzubekannte. Es ist durch seine Alltäglichkeit verborgen, obwohl es offen vor unseren Augen liegt. Es liegt direkt vor uns. Diejenigen, die nach dem „Wahren“ oder der „Erleuchtung“ in einer jenseitigen Welt suchen, werden sie nicht finden. Erleuchtung ist ein irreführendes Wort.

Suche das Wahre nicht anderswo, du verwegener Wahrheitssucher! Wenn du suchst, entfernst du dich nur. Wer es sucht, wird es nicht finden.

Zitate aus dem Buch von Günter Wohlfahrt: Zen und Haiku

Meditation Alltagstauglich: https://monikakrampl.wordpress.com/…/meditation-alltagstau…/

Zen-Buddhismus oder Zen ist eine in China ab etwa dem 5. Jhdt. n.Chr. entstandene Strömung oder Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Der chinesische Begriff Chan stammt von dem Sanskritwort Dhyana, das in das Chinesische als Chan’na übertragen wurde. Dhyana bedeutet frei übersetzt so viel wie „Zustand meditativer Versenkung“, was auf das grundlegende Charakteristikum dieser buddhistischen Strömung verweist, die daher auch gelegentlich als Meditations-Buddhismus bezeichnet wird.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zen

Meditation Alltagstauglich

Du kannst überall und jederzeit meditieren.

Wenn Du glaubst, dass Du eine Yogamatte, einen Sitzpolster, eine Kerze, Räucherstäbchen, etc., brauchst, um meditieren zu können, schränkst Du Dich sehr ein.

Du wirst dann wahrscheinlich nicht sehr oft meditieren.

Zumindest nicht so oft, wie geplant.

 

Du kannst überall und jederzeit meditieren.

Auf einem Stuhl, im Lesesessel, auf der Couch; in der Natur.

Das Einzige, was Du brauchst, ist eine gerade Sitzhaltung. Natürlich kannst Du auch im Stehen meditieren. Auch da brauchst Du eine gute Haltung – im Stehen.

 

Haltung.

Es ist nicht wichtig, wo Du sitzt oder stehst.

Wichtig ist, wie Du sitzt oder stehst.

Die Sitzhaltung muss so sein, dass Deine Wirbelsäule möglichst gerade ist. Wenn Du einen Polster, eine Decke, oder was auch immer, zum Unterlegen unter Deinen Po hast, damit Du auf Deinen Sitzbeinhöckern sitzen kannst, ist das optimal. Sollte Dir jedoch dies alles nicht zur Verfügung stehen, kannst Du einfach mit Deinen Händen Deinen Po etwas nach oben ziehen. Du wirst es wahrnehmen, wenn Deine Wirbelsäule dadurch gerader wird.

 

Die Wirbelsäule.

Warum die Haltung so wichtig ist.

Die Haltung, die Du wählst, sollte auf jeden Fall angenehm sein für Dich und entspannt. Vielleicht musst Du auch verschiedene Haltungen ausprobieren.

Die Wirbelsäule sollte so gerade wie möglich sein, damit die Energie vom tiefsten Punkt der Wirbelsäule bis in den Nacken, und weiter über Deinen Hinterkopf bis zum Scheitel, fließen kann. Dafür ziehst du das Kinn etwas an, so dass Deine Ohren über Deinen Schultern sind.

Beim Stuhlsitz schaust du, dass deine Unterschenkel senkrecht sind und Deine Füße hüftbreit am Boden stehen. Knie und Hüften bilden einen rechten Winkel.

Im Stehen sind Deine Füße ebenfalls hüftbreit am Boden und Du lässt in den Knien locker, so dass Dein Becken etwas nach vorne kippt. Dadurch wird die Krümmung Deiner Wirbelsäule im Lendenwirbelsäulenbereich etwas ausgeglichen. Für die Halswirbelsäule, siehe die Beschreibung wie oben, bei der Sitzhaltung.

 

Atmung

Dein Meditationsobjekt kann Dein Atem sein. Den hast Du immer zur Verfügung.

Außerdem fördert es eine Vertiefung Deines Atems. Viele Menschen atmen viel zu flach.

Wenn Du also eine bequeme Sitzhaltung gefunden und Deinen Körper entspannt hast – auch das Gesicht, speziell die Kiefermuskulatur und Mund – kannst Du Deine Aufmerksamkeit auf den Atem richten.

Du hast die Möglichkeit, Deinen Atem beim Ein- und Ausatmen zu beobachten und Dir zu sagen: Ein – aus, ein – aus, ein – aus …

Oder Du beobachtest Deinen Bauch- und Brustbereich und sagst Dir: Heben – senken, heben – senken, heben – senken …

 

Meditationsobjekt

Meditationsobjekte sind dazu da, Deinen Verstand zu beschäftigen, damit er Dich nicht fort trägt, und Du irgendwann (hoffentlich) merkst, dass Du gar nicht da bist, sondern mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftigt bist – aber nicht im Hier und Jetzt.

Am Beginn ist es wichtig, dass Du möglichst oft wahrnimmst, dass Du denkst und was Du denkst. Nur so kannst Du die Gedanken ganz bewusst loslassen.

Solltest Du Dir einen schönen Platz mit Yogamatte, Sitzkissen, Räucherstäbchen und Kerzen eingerichtet haben- wunderbar. Jedoch vergiss nicht – es geht auch anders.

Hier habe ich jetzt einmal ein bisschen von der klassischen Sitz- und Stehmeditation erzählt. Es gibt jedoch viele verschiedene Meditationsmethoden (z.B. mit dem Unterschied von aktiver und passiver Meditation), über die ich ein anderes Mal erzählen werde.

 

Möge die Übung gelingen.

Möge das Meditieren Dir Freude, Entspannung, Bewusstheit und eine verbesserte Gesundheit bringen.

Möge sie ein Teil Deines Alltags werden.

 

 

Auf dieser Seite gibt es ein kurzes Video mit einer Erklärung zu verschiedenen Sitzhaltungen:

http://www.yoga-vidya.de/de/asana/meditation-sitz.html

 

Eine Weihnachtsgeschichte

Eisblumen

Als ich mich um 6 h morgens vor der Terrassentür mit Blick in den Garten hinsetze zu meiner Meditation ist es noch dunkel. Gerade mal den nahesten Baum, den Nussbaum, sehe ich.

Als ich meine Augen schließe, bin ich 5 Jahre alt und spüre die Aufregung des Tages. Nur einen Wimpernschlag von der Kindheit entfernt.

Ich lege die Gedanken auf den Vergangenheitsstapel vor mir ab und kehre zur Beobachtung meines Atems zurück. Diese Geschichte, die da aufsteigt in mir, wird später erzählt werden. Zukunftsstapel. Ein- und Ausatmen. Nichts sonst.

Als ich meine Augen wieder öffne, ist es licht geworden im Garten. Der Wind bewegt jeden Baum und Strauch in einem eigenen Rhythmus. Eine Choreographie des Windes oder des Baumes? Wer weiß das schon. Die großen Äste des Nussbaums wiegen sich von einer Seite zur anderen; die in einer Reihe stehenden Riesen-Lebensbäume, an der Grenze zu Nachbars Garten durften in den Himmel wachsen und die mit den winzigen, schuppenförmigen Blättern besetzten Zweige wiegen sich kreiselnd; der Forsythienstrauch mit den dünnen Zweigen tänzelt wie eine aufgeregte Ballerina.

Der Truthahn schmort im Ofen und beginnt zu duften. Der Tisch ist gedeckt. Alles ist vorbereitet. Jetzt ist Zeit für die Erinnerung.

Mit einem Wimpernschlag von der Kindheit entfernt. Ich bin 5 Jahre alt und spüre die Aufregung des Tages. Dieses Tages. Unendlich ersehnt, ist es heute soweit. Fast nicht auszuhalten. Großmutter hat bereits, so wie jeden Tag, den Ofen eingeheizt. Ich springe rasch aus dem Bett im kalten Schlafzimmer und laufe bloßfüßig in die warme Küche. Auf die Ofenbank hingekauert und mit dem warmen Nachtatem ein Loch in die mit Eisblumen übersäte Fensterscheibe blasen. Das dauert eine Weile, bis das Loch groß genug ist, um hindurchzusehen. Der Marillenbaum hat eine dicke Schneehaube auf seinen Ästen.

Und nein, das Christkind fliegt noch nicht vorbei. Aber es ist ja auch noch früh am Morgen. Vielleicht später. Vielleicht kann ich es später sehen, das Christkind. Jetzt erst einmal frühstücken. Warme Milch mit viel dicker Haut oben. Das schmeckt. Und eine Semmel zur Feier des Tages. Die Erwachsenen frühstücken nicht. Es ist ein Fasttag. Gegessen wird erst am Abend, vor der Bescherung.

Es ist ein kleines Haus, das Haus der Großmutter. Heute ist es gefüllt mit Menschen. Meine Mama ist zu Hause. Sie muss heute nicht arbeiten. Mein Onkel kommt später. Er ist Automechaniker, und wenn er nicht arbeiten muss, fährt er den Rettungswagen. Ich bin sehr stolz auf ihn. Er hilft kranken und alten Menschen. Meine Tante ist auch da. Endlich wieder. Sie ist immer sehr lange weg. Sie ist Frisörin und ist immer auf Saison. Aber heute ist sie da und sie frisiert mich immer so schön. Sie macht mir sicher heute Stoppellocken, mit einer großen weißen Schleife im Haar. Sie hat gesagt, dass sie mit dem Christkind gesprochen hat, damit es mir eine große Puppe mit Echthaar bringt. Ich liebe meine Tante sehr.

Das Schlafzimmer ist schon abgesperrt. Damit wir das Christkind nicht stören. Wir wissen ja nicht, wann es kommt. Hat es doch so viel zu tun. Ich darf mit Großmutter vor die Haustür gehen. Großmutter hat schon Schnee geschaufelt, sonst könnte ich gar nicht vor die Tür, weil so viel Schnee liegt. Im Schnee liegt das Blech mit der selbstgemachten Schokolade. Großmutter hat sie auf ein Blech gegossen, in dem Formen von Bäumen, Glocken und dem Christkind sind – und ich durfte den Faden in die weiche Schokolade drücken, damit das Christkind ihn später auf den Baum hängen kann. Wir müssen dem Christkind ein bisschen helfen, sagte die Großmutter. Jetzt holen wir das Blech rein und Mama stellt das Blech in das kalte Schlafzimmer. Ich darf aber nicht hineinsehen.

Als mein Onkel nach Hause kommt, bauen wir einen großen Schneemann. Später, wenn es dunkel ist, gibt es dann Würstel und Semmeln.

Gesehen habe ich es noch nicht, das Christkind. Obwohl ich so aufgepasst habe.

Ich bin schon so neugierig, was das Christkind mir bringen wird.

24 12 2017

 

Ich bin nicht mehr die, die ich war

Achtsamkeit 3

Im April dieses Jahres erzählte ich  „Wie sich die 50-jährige das Alter vorstellte und die 67-jährige es erlebt.“ Am Ende der Erzählung schrieb ich: „Nein, mir fällt es nicht leicht und ich bin mitten drin. Möge die Übung gelingen.“

Nun geht das Jahr zu Ende. Im Jänner 2018 werde ich 68 Jahre alt.

Ich bin angekommen. In der Stille und im Schweigen.

In diesen 9 Monaten habe ich vieles ausprobiert. Habe experimentiert. Dachte, dass ich das was ich gemacht habe, so wie ich gelebt habe, modifizieren muss, anpassen muss – an meinen veränderten Energielevel, an meine jetzigen Bedürfnisse.

Das mit dem Anpassen, ist nicht gelungen.

Ist es doch so, als würde man mit einem neuen Kleid und vielleicht auch noch mit einer anderen Frisur, das alte Ritual nach den alten Regeln abhalten. War ich doch damit noch immer eine Gefangene meines alten Lebens. Die alten Rituale, die so gar nicht meinen jetzigen Bedürfnissen entsprechen. Den Takt meines Lebens hatte ich damit nicht gefunden. Dachte, ich muss. Ich muss nach Außen gehen. Ich darf mich nicht so zurückziehen. Ich werde menschenscheu. Eine komische Alte. Zu meinem Leben gehört doch tanzen und singen, und viele andere Interessen noch dazu. Das ist das lebendige Leben.

Ich besuchte eine Chorgruppe. Und ging nur einmal hin. Es war schön, fröhlich und lebendig. Viele liebe Menschen. Doch ich fühlte mich im falschen Leben. Inmitten all dieser Menschen fragte ich mich – was mache ich da? Warum kann ich die Lebendigkeit nicht in mir spüren? An der Oberfläche ja, aber nicht tief drinnen.

Die Tanzgruppe besuchte ich gleich gar nicht. In meinem Kalender hatte ich viele Veranstaltungen notiert, die ich dann nicht besuchte. Und meine strenge Kritikerin machte mir Vorwürfe. Du musst. Du musst doch ….

Meine wahren Bedürfnisse

Meine Sehnsucht nach Stille und Kontemplation wurde immer größer. Die erlaubte ich mir zwar in Form meiner Meditation. Aber darüber hinaus sollte ich doch …

Austreibung der dunklen Gestalten der Vergangenheit – ein Perchtenlauf

Vor vier Jahren bin ich in meine Geburtsstadt zurückgezogen. Wohne gegenüber meinem Elternhaus. Täglich, wenn ich meine Haustür öffnete, wurde ich mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Dachte, ich habe doch in meiner Therapie schon so viel aufgearbeitet. War zornig und traurig, habe mich versöhnt. Nun wurde ich bei meinen Hundespaziergängen auf jeden Schritt und Tritt an Erlebnisse erinnert – aus meiner Kindheit, meiner Jugendzeit, meiner ersten Ehe. Die dunklen Gestalten meiner Vergangenheit drängten sich in den Vordergrund. Erinnerten an mein erlebtes Leid und erinnerten an meine Fehler, Unzulänglichkeiten, an das, was ich anders machen hätte können; an Leid, das ich anderen zugefügt habe. Ich begegnete meinen inneren Dämonen – all das hätte ganz anders sein können. Hätte ich doch. Ich begann zu zweifeln, ob meine Entscheidung, gerade hierher zurück zu kommen, richtig war.

Doch da gibt es auch die andere Seite. Meinen Sohn. Die neue Nähe und das gute Zusammensein mit ihm. Den Garten und die Tiere – Hund und Katzen. Die Geborgenheit eines zu Hause – nicht mehr am Sprung, mich nicht festlegen und eigentlich könnte ich doch auch wieder woanders hin.

Ich bin geblieben. Und einige fragten – „warum tust du dir das an?“ Und ich antwortete, weil ich nicht mit dunklen Gestalten, die jederzeit aus einer Ecke hervorspringen könnten, leben möchte. Die dunklen Gestalten brauchen das Dunkel. Sie verdunkeln das Licht in mir. Ich möchte keine Angst haben müssen. Ich möchte das Licht in mir – Liebe, Mitgefühl, Freude.

Und die Spaziergänge veränderten sich. Ich versöhnte mich mit den Teilen in mir, die noch unversöhnt geblieben waren. Ruhe kehrte ein.

Eine Befreiung, eine Erleichterung.

Und immer wieder zurück zu der Frage: Wer bin ich eigentlich?

Die Antwort:

Ich bin nicht mehr die, ich war.

Und daher auch ein „ich bin nicht mehr ich“.

Und gleichzeitig auch „ich bin jetzt endlich ich“.

 

Jetzt einmal. Für diese Phase meines Altseins. Vielleicht wird sich die Frage „wer bin ich eigentlich?“ für die Greisin noch einmal stellen.

Nein, ich muss nichts mehr. Ich darf so sein, wie ich jetzt bin.

Und ich bin jetzt anders.

Ich erlaube mir meinen Rückzug von der Außenwelt. Ich erlaube mir, mit mir allein zu sein. Die alte Form meines Ich ist nicht mehr. Ich hatte es noch immer festgehalten.

Das Alte loszulassen bedeutet Freiheit.

Wie das so ist mit dem Loslassen. Auch wenn ich es kenne und weiß, verfiel doch dieser Teil in mir, der losgelassen werden will, in Panik und versuchte allerlei Tricks, damit er weiter bleiben kann.

Und das Alte ist wie eine Mumie, die aus ihrem Grab an die frische Luft geholt wird und zu Staub zerfällt. Und ich blase den Staub in alle vier Winde.

Als ich im April die Erzählung über das Altwerden schrieb, war ich überzeugt, dass meine Zeit als Psychotherapeutin zu Ende sei. Doch auch da die Veränderung. Plötzlich verspürte ich wieder Lust Menschen zu begleiten. Und ich biete wieder ein Seminar an. Auch das wird im Jänner stattfinden. Nach meinem Geburtstag. Und ich weiß, dass dieses Seminar anders sein wird, als alle anderen Seminare, die ich geleitet habe. In meiner Vorbereitung dachte ich an Lieblingsübungen, die ich gerne mit den TeilnehmerInnen gemacht habe. Und dann sah ich mich, wie ich diese Übungen anleite, und ich merkte, dieses Bild stimmt nicht mit dem überein, wie ich jetzt bin. Und ich weiß, jetzt wird es ganz anders werden. Wie genau, weiß ich noch nicht – aber anders. Dem entsprechend, die ich jetzt bin.

Und ich weiß, ich möchte den Titel Psychotherapeutin ablegen. Es ist ein Titel, der nichts bedeutet. Nicht mehr. Er schränkt mich ein. Ich bin nicht „die Psychotherapeutin“. Ich bin viel mehr. Wenn ich alles zusammenführe – bin ich Psychotherapeutin, Meditationslehrerin, Seminarleiterin; aber vor allem die, die viel erlebt und gelebt hat und aus Lebenserfahrung schöpft.

Ich bin ein breiter Fluss, der als Quelle seinen Ursprung hoch oben im Gebirge hat. Eisig ist das Wasser, das sich durch Geröll seinen Weg sucht, über Wasserfälle nach unten stürzt, zu einem Bach, und durch viele Zuflüsse zu einem breiten Strom wird. Menschen können daraus trinken und darin baden. Aus dem eisigen Wasser ist ein warmer Strom geworden, der irgendwann ins Meer münden und sich darin auflösen wird.

Ich bin mehr als das alles und gleichzeitig Nichts.

Wie soll ich das Nichts benennen?

„Aus der Stille trete ich heraus

Und singe

Aus der Leere trete ich

Und bin

Aus der Stille trete ich heraus

Und schaffe

Und alles was ich bin und mache

Drängt wieder nur zur Stille hin.“ *)

 

Meditation und Kotemplation

Sie beschränkt sich nicht auf das Sitzen auf meinem Meditationspolster.

Der Alltag wird Meditation. Ich sitze und schaue beim Fenster raus in den Garten, ich gehe mit meinem Hund und die Gehstrecke wird immer länger.

Ich verliere das Zeitgefühl.

Ich bin einfach da

Ich sehe

Ich fühle

Nichts sonst

Es darf so sein

 

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/

*) Deuter – Silence ist the answer