Mein geheimer Garten

15 08 2019 Uschys Foto

Bild, gemalt von Uschy Pip: https://www.facebook.com/uschypip/

 

Ich bin ein Gartenkind.

Der Garten nährt mich.

Er trägt mich durchs Leben.

Von Kindheit an.

In meinem geheimen Garten bin ich verwurzelt.

Immer.

Meine Großeltern haben 1936 ein Grundstück gekauft und in den nächsten zwei Jahren darauf ein Haus gebaut. Gemeinsam mit dem Nachbar. Zwei Einfamilienhäuser wurden jeweils zusammengebaut, die Grenze des Grundstückes liegt in der Mitte. So wurden alle Häuser in dieser Siedlung damals gebaut. Mein Großvater musste in den Krieg. Meine Großmutter versorgte sich und ihre drei Kinder mit dem großen Gartengrundstück. Es war ein Nutzgarten, so wie alle Gärten in dieser entbehrungsreichen Zeit: Kartoffel, Gemüse, Obstbäume und verschiedenste Beerensträucher gab es. Alles wurde verwendet. Kartoffel und Gemüse für den täglichen Bedarf; das Wintergemüse wurde im Keller in einer Lehmmulde eingelagert. Obst und Beeren wurden zu Marmeladen und Kompott verarbeitet.

Als ich geboren wurde, waren die Bäume bereits so groß, dass ich mit fünf Jahren mit meiner Puppe Lisa und einem Märchenbuch in der Astgabel des Apfelbaumes sitzen konnte. Mit fünf Jahren bekam ich auch mein erstes Gartenbeet, das ich anlegen durfte und für das ich auch verantwortlich war. Ich war sehr stolz.

Ich erlebte und lebte jede Jahreszeit im Garten.

Ein Gartenkind.

Auszug aus der Erzählung: Das Gartenkind.

„Der Apfelbaum steht in der hintersten linken Ecke des Großmutter-Gartens. Wenn man vom Haus nach hinten in den Garten geht, kommt man erst durch den Gemüsegarten, dann über die Wiese mit dem Wäscheplatz und dem Viereck der Wäschestangen und ganz hinten steht der Apfelbaum.

Er ist nicht der einzige Apfelbaum im Garten. Aber er ist mir der Liebste. Linkerhand begrenzt eine Liguster-Hecke das Grundstück. Dahinter der verbotene Nachbars-Garten.

Rechts neben dem Apfelbaum gibt es noch einen Baum mit Ringlotten, zwei Zwetschkenbäume und entlang der gegenüberliegenden Grundstücksgrenze stehen in einer schnurgeraden Reihe Ribisel- und Stachelbeersträucher.

Heute habe ich mir meine Puppe Lisa und mein Lieblingsmärchenbuch mit auf den Baum genommen. Ich gehe zwar noch nicht in die Schule, aber lesen kann ich schon. …. „

Meine Großmutter, geb. 1909, und meine Mutter, geb. 1929, waren schwermütige Frauen. Dass sie in ihrer Jugend auch lustig waren, weiß ich aus Erzählungen. Doch leichten Mutes und leichtfüßig gingen sie mit all ihren Erlebnissen der damaligen Zeit nicht durchs Leben.

Meine Großmutter kam in einem Dorf, in der Nähe von Gmünd an der tschechischen Grenze,  zur Welt. Die Welt ist rau und hart dort oben. Dort lebt sich’s nicht leicht. Und so wie das Land, waren auch die Menschen. Großvater kam nicht zurück aus dem Krieg. Großmutter wurde zur Patriarchin. Sie konnte und musste auch wie Waldviertler Granit sein – war sie doch eine der Nachkriegstrümmerfrauen.

Meine Mutter pflegte zu sagen – „wenn ich den Kirchturm (unseres Stadtteils) nicht mehr sehe, bekomme ich Heimweh“. Beide Frauen waren sehr verwurzelt auf dem Grundstück. Zwischen den realen Garten und ihren inneren Garten passte kein Blatt Papier.

Nun war ich da, geb. 1950. Auch ich war sehr verwurzelt im Garten meiner Kindheit. Und auch ich wurde schwermütig. Ich musste meine Wurzeln rausziehen aus diesem Garten und hinausziehen in die Welt, die für Großmutter und Mutter immer ein gefährlicher Ort war. Nur zu Hause gab es Sicherheit für sie.

Ich musste weg um leichtfüßig zu werden. Um auch mit Leichtigkeit durchs Leben gehen zu können. Obwohl die Schwermut – ich bezeichne sie gerne als meine Melancholie – immer ein Teil meines Lebens blieb. Doch ich kenne beides – Leichtigkeit und Schwere.

Den realen Garten meiner Kindheit gibt es noch immer. Eine andere Familie, liebe Nachbarn,  leben jetzt darin. Und wieder gibt es ein kleines Mädchen, das vielleicht auch irgendwann in der Astgabel sitzen wird. Mein realer Garten ist seit drei Jahren der Garten meines Sohnes, in dem ich mir meinen Alterswohnsitz – ein kleines Häuschen – gebaut habe. Das Haus steht nun gegenüber meinem Elternhaus. Jeden Tag kann ich in den Garten meiner Kindheit schauen. Und jeden Tag bin ich seit drei Jahren damit beschäftigt, mich wieder für einen längeren Zeitraum – hier in diesem Garten, mit dem mächtigen Nussbaum vor meiner Terrasse – einzuwurzeln.

Der alte Nussbaum

weiß

wovon ich erzähle

 

Sein Schweigen

ist Antwort

 

Manchmal

schüttelt

er sein Haupt

 

Dann schwebt

ein Blatt

auf meine Zeilen

(Oktober  2016)

In all den Jahren meines Herumziehens vergrößerte sich mein innerer geheimer Garten mit all den Gärten in denen ich über kurze oder lange Zeit gelebt habe.

Da gab es den Schwiegermuttergarten, als ich heiratete und aus meinem Kindheitsgarten auszog. Dann gab es in Wien den Liebesgarten, ein kleines verschwiegenes und uneinsichtiges Eckchen im barocken Garten des Oberen Belvederes, in den mein damaliger Liebster und ich uns immer zurückzogen; es gab Gärten in Innenhöfen meiner Wohnungen in Wien, die ich benutzen durfte; den Gemüsegarten in Poppi, in der Toskana, den ich anlegte, als wir über Wochen das alte Steinhaus am Hügel renovierten, um ein Seminarhaus daraus zu machen. Und alle diese Gärten und noch mehr gibt es in meinem geheimen Garten. Sie sind da. Ich brauche nur die jeweilige Gartentür zu öffnen und kann sie jederzeit betreten. Um all diese Gartenbereiche gibt es eine hohe Steinmauer – eine Schutzmauer.

Ein geheimer Garten fehlt noch. Es ist der mediterrane Garten am Meer. Er repräsentiert die „Leichtigkeit des Südens“ – ich muss ihn immer wieder besuchen, um die Leichtigkeit zu spüren, sie mir wieder herzuholen, um nicht in den weichen, dunklen Fluten der Melancholie zu versinken.

Ich liebe die Melancholie und ich liebe die Leichtigkeit.

Beides zu seiner Zeit in Ausgewogenheit.

Der mediterrane Garten, der unmittelbar am Meeresufer liegt, mit dunkelgrünen Zypressen vor dem strahlend blauen Himmel; mit Oleander, Granatapfel und Olivenbaum; Palmen, deren Wedel im Wind rascheln; der Duft des Lavendel und der Klang der Zikaden.

Und über allem das Rauschen des Meeres, das Schlagen der Wellen an das Ufer; der Duft nach Salz, Algen und Fisch.

Wenn der Abend

im Meer versinkt

verlieren sich die Farben

der Stadt

 

Wenn ich wieder fern

sein werde

erinnere ich mich

an den Sonnenuntergang

den Mond

den Schrei der Möven

 

Meer und Himmel

begegnen sich

am Horizont

 

Wenn ich einst

für immer fern sein werde

tauche ich ein

in diese Grenzenlosigkeit

 

(Mai 2017)

Mein geheimer Garten schenkt mir Spuren meines Lebens – Erinnerungen; Geborgenheit und Sicherheit; Stille und Ruhe; Fröhlichkeit und Leichtigkeit; Liebe und Lust; Kontakt mit Pflanzen und Tieren; Wildheit; Schönheit und noch viel mehr – je nachdem, welche Gartentür ich öffne.

In jedem meiner geheimen Gärten den ich betrete, finde ich meine Spuren.

Und ich frage mich, ob sich wohl auch die Gärten – die Bäume und Pflanzen – an mich erinnern – in geheimen Nächten, wenn mein Schatten durch den Garten schwebt …

Info:

Bild, gemalt von:

Uschy Pip, https://www.facebook.com/uschypip/

 

Weitere Gärtenerzählungen:

Meine Lebensgärten

https://monikakrampl.wordpress.com/2018/08/03/meine-lebensgaerten/

Das Gartenkind

https://monikakrampl.wordpress.com/2018/04/18/gartenkind/

Die Einsamkeit der Bäume

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/05/22/die-einsamkeit-der-baeume/

Vollmondiges

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/05/15/vollmondiges/

 

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Nachdenklichkeiten über unseren Stadtteil, Veränderungen, Ängste, Zugezogene, Kastensysteme …

001

Ich wuchs im Stadtteil Wagram in St. Pölten auf und lebe jetzt auch wieder dort. Gegründet wurde dieser als Einfamlienhaussiedlung 1932 – 1938.

In meiner frühesten Kindheit gab es keine Gartenzäune zwischen den Häusern, und zur Straße hin eine Lebendhecke – zumeist Liguster. Die Haustüren waren immer offen.

Mit der Zeit kamen einfache Gitterzäune zwischen die Häuser, die Haustüren waren noch immer offen, auch wenn wir hinter dem Haus im Garten waren.

Dann wurden vor den Gitterzäunen zum Nachbarn Thujen gesetzt. Der Liguster zur Straße wurde entfernt, und auch hier wurden stabilere Zäune gebaut. Unser Zaun wurde mit einem  Natursteinplattensockel und einem Metallgitter gebaut. Die Gartentüren wurden zugesperrt, die Haustüren blieben noch immer offen. Das blieb lange Zeit so.

In den letzten Jahren kamen die Thujen raus und Sichtschutzwände zum Nachbarn wurden aufgestellt. Fenster wurden zum Teil vergittert. Die Haustüren werden zugesperrt. 

Jetzt werden auch straßenseitig Sichtschutzwände aufgestellt und Alarmanlagen eingebaut.

Obwohl die Menschen in den ersten Jahren der Nachkriegszeit traumatisiert waren, es auch viel Unsicherheit gab, gab es doch auch Vertrauen. Oder gab es diese Unbeschwertheit der offenen Türen, weil es in den Häusern nichts zu holen gab? Vielleicht von beidem etwas.

Jetzt wird in den Häusern immer wieder eingebrochen, erzählen sie, und die Menschen reagieren mit Angst und Verunsicherung. Gibt es doch jetzt einiges zu holen in den Häusern.

Die Menschen in der Siedlung teilen sich auf in die Generation meiner Mutter, geb. 1929 – wenige gibt es noch im Alter um die 90 Jahre. Dann folgt bereits meine Generation, geb. 1950 – zum Großteil sind sie nie von der Siedlung weggezogen und haben die Häuser ihrer Eltern übernommen, oder sie sind im Pensionsalter zurückgekommen, so wie ich auch. Und dann gibt es noch die Zugezogenen aller Altersstufen – junge Paare mit Kindern oder Pensionisten. Ist Wagram doch von einer Randsiedlung zu einem begehrten Wohnstadtteil von St. Pölten geworden – auch durch die Nähe zu dem Erholungsgebiet mit den zwei Badeseen und einem Naturschutzsee. Über die Zugezogenen, die die alten Häuser abreißen und Neue bauen, gibt es größtenteils Unmut. Müssen diese sich doch heute nicht mehr an die ehemaligen Bauvorschriften, dass neue Häuser in das Gesamtbild passen müssen, halten und stellen auch schon mal Betonburgen mit großen Terrassen im ersten Stock auf. Da hilft der ganze Sichtschutz des Nachbarn am Gartenzaun nichts mehr.

Wenn ich mit Menschen spreche, höre ich sehr viel an Ängsten. Angst vor Einbrüchen und vor Flüchtlingen und Asylanten, an die wenige Häuser vermietet werden. Bis jetzt kenne ich nur zwei Häuser, die an syrische Familien vermietet wurden. Sie pflegen diese Häuser und die Gärten genauso penibel wie ihre Nachbarn. Da sieht unser Garten wesentlich wilder aus. Zu Gesicht bekam ich sie selten. Sie fühlen sich nicht willkommen.

Als ich die Familie, die in unserer Straße wohnt, zum ersten Mal grüßte, waren sie misstrauisch, vorsichtig. Jetzt stürzen sie aus dem Haus, wenn sie mich sehen. Sie lachen und strahlen. Schön, welche Freude das macht – ihnen und mir.

Bei Mitbürger*innen aus dem Ausland muss ich immer an das Kastensystem in Indien denken. Denn auch hier, bei uns, gibt es ein Kastensystem. Und unsere Mitbürger*innen, aus welchem Land auch immer, sind eindeutig in der untersten Kaste – den Dalits oder Harijans. Diese Dalits dürfen mit den oberen Kasten nicht in Berührung kommen, sie dürfen nicht in ihre Häuser, nicht gemeinsam essen, nichts berühren, was den oberen Kasten gehört. Das ist erbärmlich – zum Erbarmen.

Wenn ich über das Kastensystem nachdenke erinnere ich mich an meine erste große Liebe. Er stammte aus dem „Dörfl“. In unserem Stadtteil gibt es einen Bereich, der offiziell „Im Dörfl“ heißt. Auch heute noch. In diesem Dörfl gab es sieben Bauernhöfe. Heute sind es nur mehr drei. Meine erste große Liebe, mein späterer erste Ehemann, stammte aus einem dieser Bauernhöfe. Er wurde kein Bauer, er machte eine Tischlerausbildung. Ich kam aus der Arbeitersiedlung. In meiner Familie waren auch keine Arbeiter mehr, sondern Angestellte. Und trotzdem hieß es von seiner Familie – nicht mit einem Arbeiterkind; und von meinen Eltern – nicht mit einem Bauernbuben. Klassenbewusstsein im Jahre 1965.

Zurück in die Jetzt-Zeit: Mit den Einbrüchen scheint es mir so zu sein wie mit der stillen Post. Mit jeder Person und jeder Nacherzählung werden es mehr.

Die Häuser sind zum Großteil renoviert und ausgebaut. Die Garagen sind in etwa so groß wie mein kleines Häuschen (ich habe mir im Garten meines Sohnes ein kleines Haus gebaut). Es gibt Gartenschwimmteiche oder überdachte Pool. Ich sehe, den Menschen geht es gut. Auf der materiellen Ebene. Ansonsten herrschen Unzufriedenheit und Ängste vor. Wenn ich auf Nachfrage sage, dass es mir gut gehe, schauen sie mich ungläubig an. Wie kann es einem gut gehen in so unsicheren Zeiten. Zumindest ein bisschen jammern und klagen. Zumindest über das Wetter. So soll’s sein.

Angst habe ich keine. Verunsicherung ja. Das merke ich so hie und da, wenn ich mir überlege ob ich meine Haustür versperren soll, wenn ich in den Garten hinter dem Haus gehe. Und es gefällt mir gar nicht. Nein, es gefällt mir nicht. Nimmt mir dies doch meine Unbeschwertheit – meine Freiheit.

Ich möchte weiterhin mit Unbeschwertheit in der Welt sein – ob in meinem Haus und Garten oder unterwegs – und ich übe. Verlustangst um mein Hab und Gut habe ich keine, habe ich mich doch in den letzten Jahren von vielen materiellen Dingen getrennt. Und ich weiß, ich kann auch ohne diesen Besitz leben. Angst vor Verlust meines Lebens, weil ich mich weiter uneingeschränkt in der Welt bewege? Nun, ich habe schon viel gute Jahre gelebt. Sollte es so sein, dass ich mein Leben verliere, dann ist es so.

Und nur so kann ich mich angstfrei, unbeschwert und voll Vertrauen in meiner Welt bewegen.

Wie geschrieben – ich übe. Dies ist ein Zustand, der nicht immer hundertprozentig da bleibt. Um ihn zu stabilisieren ist es immer wieder notwendig, nicht andauernd alle schlechten Nachrichten zu konsumieren, sondern sich auf die guten Nachrichten zu konzentrieren.

Und – Achtsamkeit auf die eigenen Gedanken und das eigene Tun.

Geschichte über die Entstehung:

In den Jahren 1932 bis 1938 entstand am Ostrand Wagrams in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde und der bis heute bestehenden „Allgemeinen gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft St. Pölten“ nach Plänen des Architekten Rudolf Wondracek die sogenannte (Stadt-)Randsieldung. Meine Großeltern begannen 1936 mit dem Hausbau.

Ab Oktober 1935 als „Dollfuß-Siedlung“ bezeichnet, wurde sie nach dem Anschluss 1938 in Dietrich-Eckhart-Siedlung „umbenannt.

Schließlich erhielt die Siedlung in der Nachkriegeszeit die Benennung „Hubert Schnofl-Siedlung“ – zur Erinnerung an den von 1919 bis 1933 amtierenden sozialdemokratischen St. Pöltner Bürgermeister.

Foto: Häuser 1935

 

 

Ich und mein Tagebuch

001

Mein Tagebuchschreiben begann mit 30 Jahren, nachdem ich meiner Mutter den Schlüssel für meine Wohnung abgenommen hatte. Mir reichten ihre Kontrollgänge durch meine Wohnung und die in Fragen verpackte Missbilligung – warum das und warum dieses – und – ihre Ordnung in meiner Wohnung herzustellen.

War nicht einfach für mich, mit 30(!) Jahren meine Unabhängigkeitserklärung bekannt zu geben. Das war Artikel 1. Artikel 2 folgte auf dem Fuß, als ich es ablehnte weiter finanzielle Zuwendungen anzunehmen. Artikel 3 etwas später, als ich den damaligen abgestandenen Mief der Kleinstadt verließ und nach Wien zog.

Und wie bei jeder Unabhängigkeitsbestrebung ging das nicht so einfach über die Bühne – es gab Aufstand und Krieg. Zum Krieg kam es erst etwas später, Aufstände gab es zur Genüge.

Aber diese Geschichten gehören nicht hierher – geht es doch um das Tagebuchschreiben …

Tagebuch 1984:

„Ich frage mich, ob es wohl je in meinem Leben eine Zeit geben wird, in der ich ohne schlechtes Gewissen das machen kann, was ich möchte. Des Weiteren frage ich mich, ob es uns wohl noch gelingen kann, meine Tochter zu einem glücklichen, zufriedenen Leben zu führen. Ich fürchte bereits jetzt wieder die Vorwürfe der Familie, wo ich mir doch selbst genug mache und nicht klar komme damit.“

Das Tagebuchschreiben war ein Beginn – ein Beginn, mit dem ich meinen täglichen Ärger und Enttäuschung mit und über meine Mutter reinschreiben konnte. Als sie noch jederzeit Zutritt zu meiner Wohnung hatte, wäre das nicht möglich gewesen. Ich machte eine Therapie und meine Mutter verschwand aus meinem Tagebuch. Doch bevor ich mit meiner Psychotherapie begann machte ich noch eine Woche Naikan. Dies habe ich in meinem Tagebuch nachgelesen – so vieles vergisst man mit der Zeit.

Was Naikan ist, siehe unten.

Tagebuch 2003:

„ich musste erst so weit weg wie möglich von euch

um mich euch wieder annähern zu können.

weggehen müssen um zu der zu werden, die ich bin,

sonst wäre ich zu der geworden, die ihr haben wolltet“

Dann trat er in mein Leben. Der schwarzhaarige Jüngling, mein Liebster, der nicht nur Tagebuch schrieb, sondern auch Gedichte. Ich liebte und bewunderte ihn dafür – und entdeckte das großartige Wunder der Poesie auch in mir.

Und irgendwann,  später noch, las ich im Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron und darin ihren Übungsvorschlag der Morgenseiten. Und damit veränderte sich mein Schreiben nochmals – es wurde eine spirituelle Praxis – vergleichbar einer Meditation. Ich schrieb und schrieb und las mir das Geschriebene immer erst nach ein paar Monaten durch. Und siehe da – auf manchen Seiten stand ein literarischer Text. Einfach so.

Und mit der Zeit, da arbeitete ich bereits als Psychotherapeutin, habe ich das Buch – ich weiß nicht wie oft – vielen meiner KlientInnen empfohlen. Nicht nur die Morgenseiten sind gut, alle anderen Übungen auch.

Nun habe ich in den letzten Jahren mein Tagebuch in meinen Computer geschrieben.

In der letzten Zeit dachte ich schon öfter an die mit der Hand geschriebenen Morgenseiten. Und heute – der letzte Anstoß meine Morgenseiten wieder mit der Hand zu schreiben.

Und jetzt weiß ich, dass ich die Freude über das Fühlen des Papiers unter meiner Hand und mit den Fingern den Stift zu halten, vermisst habe. Den Stift aufzusetzen und Worte entstehen zu lassen; meine Handschrift zu sehen, die ganz unterschiedlich sein kann und damit meine Gefühle zum Ausdruck bringt. Die Farbstifte liegen daneben, so wie immer, und manchmal gibt es eine kleine Zeichnung dazu oder ich nehme nur einen oder mehrere Farbstifte und übermale den Text mit einer Farbstimmung …

Tagebuch 2018:

„Mächtiger Nussbaum verwurzelt

grüne Pracht vor blauem Himmel

regungslos

kein Blatt bewegt sich

 

Die Freiheit nichts zu tun

regungslos

Seelenruhe“

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Im Link könnt ihr ab Seite 11 über die Morgenseiten lesen:

https://www.droemer-knaur.de/livebook/LP_978-3-426-87360-1/downloads/livebook.pdf?fbclid=IwAR0h0sP4P3-iTLFhwpF1x_vIuremw4n1Or81OrB3IZZLnJ2Nq9gP3kIC-HQ

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Zu Naikan – was ist Naikan?

Die Naikan-Methode kommt aus Japan und kombiniert drei Elemente:

  • Ordnung im Innenleben mit einer einfachen Fragestellung
  • die Kraft der Stille
  • sanfte, respektvolle Begleitung

Ich erforsche mein eigenes Leben und strukturiere die Ereignisse, an die ich mich erinnern kann:

  • Ins Zentrum der Betrachtung stelle ich eine Bezugsperson (zuerst Mutter, danach Vater, Geschwister, Partner …).
  • Ich betrachte einen klar begrenzten Zeitraum und folge dabei meinem eigenen Lebensweg (als ich 0-6 Jahre alt war, danach 6-10 usw. bis heute).
  • Meine Erinnerungen durchleuchte ich im Hinblick auf 3 Fragen.

Die drei Naikan-Fragen sind:

  1. Was hat die Person, die ich betrachte, in diesem Zeitraum für mich getan?
  2. Was habe ich für diese Person getan?
  3. Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person verursacht?

Diese einfachen drei Fragen ermöglichen ganz neue Perspektiven auf die eigene Lebensgeschichte und das eigene Verhalten.

Aus der Seite von Johanna Schuh, Insightvoice Naikan Center Vienna

https://www.insightvoice.at/index.html

 

Ich schreibe weiter an meinem zweiten Buch

Delhi Connaught Place

Der vorläufige Arbeitstitel: „LebensZeichen. Hineinwachsen in mich. Ich habe mir nicht die Flügel stutzen lassen.“

Heute bin ich mit beiden Beinen, mit Herz und Seele im „Kapitel 4: 1981 – 1990“ gelandet.
Ich schreibe über unsere dreimonatige Indien-Reise mit Rucksack. 

Kurze Kostproben

(….) 
Wir waren um die 30, und wir waren mit dem Rucksack unterwegs. Meine erste Erfahrung, wie man mit wenigen Dingen gut auskommt. Diesmal ging es nicht über den Landweg, das hätte denn doch zu lange gedauert. Wir flogen mit der russischen Fluglinie Aeroflot, die zu diesem Zeitpunkt noch die größte Fluggesellschaft der Welt war – und die günstigste für Backpacker. Als wir in Wien in das Flugzeug einstiegen, wusste ich noch nicht, dass damit unser Abenteuer bereits begonnen hatte.

Es war ein kalter Novembertag als wir abflogen und wir waren sehr leicht bekleidet. Wir wussten zwar, dass wir in Moskau in eine andere Maschine umsteigen mussten, um nach Delhi weiterzufliegen, doch das Abenteuer hatte begonnen mit der Unzuverlässigkeit der Aeroflot und sollte sich in Indien fortsetzen. In diesen kommenden drei Monaten sollte ich lernen, meinen Pünklichkeits- und Perfektionsanspruch zu vergessen.

Moskau

Wir kamen mit Verspätung in Moskau an und unsere Anschlussmaschine war abgeflogen. Das bedeutete, dass wir im Transit Hotel am Flughafen übernachten mussten. Auf jeder Etage saß eine resolute, russische Wächterin, die für kommunistische Disziplin sorgte. Immerhin war für uns Transitgäste eine Busfahrt durch Moskau organisiert worden. Ich weiß nicht, ob die Möglichkeit einer Weigerung bestanden hätte. Wir haben es nicht versucht. Direkt vor dem Hotelausgang stand der Bus, sodass wir nur ein paar unberechtigte Schritte auf russischem Boden machen mussten, um in den Bus einzusteigen. Wir hatten Sommerkleidung an. Es war kalt. Draußen meterhoher Schnee. Im Bus keine Heizung. Die Fensterscheiben zugefroren. Es dauerte eine Weile, bis wir mit Anhauchen der Scheiben und klammen Fingern ein winziges Loch freigelegt hatten, um hinausschauen zu können. Die Reiseleiterin sprach französisch. Wir verstanden kein Wort. Wir sahen auch nicht viel von Moskau. Große Bauten, leere Straßen.

(….)

Delhi

Die Ankunft in Delhi war anders, aber nicht weniger abenteuerlich. Ich stieg aus dem Flugzeug aus und es war heiß. Sehr heiß. Die unterschiedlichsten Gerüche umspielten meine Nase. Und ich hatte erst mal keine Zeit herauszufinden, ob ich sie mochte oder nicht. Alle strömten in die Ankunftshalle und hier erwartete mich Indien. Ein Gedränge von Menschen – stehend, auf dem Boden sitzend, drängend. Und Lärm – Stimmen, die fremde Laute artikulierten, laute Musik mit vielen verschiedenen Musikstücken gleichzeitig. Und die erste Begegnung mit Warten. Alles ging langsam. Bis die Rucksäcke kamen, bis unsere Papiere angesehen wurden, bis wir uns durch die vielen an uns zerrenden Taxifahrer zum Sammeltaxi durchgekämpft hatten.

Nun war ich in meinem Sehnsuchtsland gelandet und wollte eigentlich – ja, eigentlich, wollte ich sofort wieder weg.

Nach ein paar Tagen Eingewöhnung und Akklimatisierung in einem Guesthouse, mitten in Delhi am Connaught Place, sah es bereits ganz anders aus. Und ich begann das Land zu lieben. Die Menschen, die Geschichte und Kultur des Landes, die Götterwelt mit den an allen Straßenecken präsenten Tempeln und heiligen Plätzen, den Lärm auf den Straßen, ja sogar die vielen Gegensätze dieses Landes, die unmittelbar und unvorhergesehen überall aufeinanderprallen.

(….)

Viele Stunden lang saßen wir in dem kleinen Park am Connaught Place und langsam lernte ich nichts zu tun, nichts zum Tun vorzuhaben und zu schauen. Einfach nur zu schauen. Rund um uns lagerten zur Mittagszeit auf ihren Tüchern Angestellt aus den umliegenden Büros und hielten ein Mittagsschläfchen. Manche sprachen uns an – where do you com from? / Ah, from Australia? / Austria? Where is Austria? … Und waren es erst zwei, meist kamen sie zu zweit, waren es nach einer Minute bereits zehn Personen – junge Männer – die um uns herumstanden – take a picture of us?
Die meiste Zeit beobachteten wir die Streifenhörnchen. Sie wuselten am Boden herum und fütterten unsere Nüsse. Wir ließen uns in das Nichtstun hineinsinken wie in eine warme Badewanne, wir lauschten den fremden Lauten, rochen die fremden Gerüche, hielten uns an der Hand und waren glücklich. Angekommen.

(….)

Taj Mahal

Viele Höhepunkte gab es auf der Reise. Einer davon war das Taj Mahal. Vor allem aber auch, dass wir ganz allein das Taj Mahal genießen durften. Dies verdankten wir unserem Rikschafahrer. Wir unterhielten uns immer wieder mit Händen und Füßen, und wir bezahlten ihm einen guten Preis. Er sprach daraufhin mit einem seiner Brüder, der im Garten des Taj Mahal arbeitete, und dieser schloss uns am Abend das Tor auf und ließ uns hinein. Auch wenn ich versuchen würde es noch so blumig zu schildern, ich käme mit meinen Worten nicht an den Zauber dieser Nacht heran.

Das silbrig glänzende Licht des Vollmondes auf dem Mausoleum der Großen Liebe, erbaut vom Großmogul Shah Jahan für seine geliebte Gattin. Die Wohlgerüche des Gartens, das Plätschern des Wassers, und ansonsten Stille.

Und wir, mein Liebster und ich – staunend und verstummend voll Glück über diese Schönheit. Ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht.

(…)

Die größeren und bekannteren Orte unserer Reise:

Delhi – Agra – Jaipur – Ahmedabad – Bombay (jetzt Mumbai )– Goa – Bangalore – Rameswaram – mit dem Fährschiff von Rameswaram nach Talaimannar in Sri Lanka
Sri Lanka: Talaimannar – Anuradhapura – Colombo – Hikkaduwa – Galle – Udawalawa – Nuwara Eliya – Kandy – Kanduboda – Colombo
Mit dem Flugzeug von Colombo zurück nach Indien: Madras – Kanchipuram – Mahabalipuram – Madras
Von Madras zurück nach Österreich

(….)

Unser Reiseplan sah vor, von Delhi an der Westküste runter bis zur Südspitze, von dort ein Kurztrip mit dem Schiff nach Sri Lanka, und zurück nach Madras, um an der Ostküste bis Kalkutta, und von dort aus zurück nach Delhi zu reisen. Wir hatten aber vereinbart, dass alles auch ganz anders sein könnte. So sollte es auch kommen. Wir fuhren dorthin, wo es uns hinzog und blieben so lange wie wir wollten. Eigentlich sollte es nur ein Kurztrip nach Sri Lanka werden, doch wir verliebten uns in das Land – den Garten Eden – und blieben länger als gedacht. Bis dahin waren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln – ein Erlebnisabenteuer pur – Bussen, Eisenbahn und Schiff, unterwegs. Da uns die Zeit knapp wurde, flogen wir von Colombo nach Madras, und von Madras zurück nach Wien.

 

Über das Ausgesöhnte – die Scham und ich

Textauszüge, die in mein zweites Buch einfließen werden

Die stillen Tage und die Rauhnächte sind gute Tage und Nächte um an meinem zweiten Buch weiter zu schreiben. Ist es doch auch eine Zeit der Auflösung und des Neubeginns.

Ich sichte alte Texte – vor langer Zeit geschrieben – und mein Herz fließt über vor Mitgefühl mit dem Kind / dem Mädchen / der jungen Frau, die sich durch so viele Einschränkungen / Tabus / Begrenzungen / Lieblosigkeit / durch das Dunkel zum Hellen durchgekämpft hat. Es war ein harter Kampf – ein Kampf mit dem Drachen – an dem sie auch scheitern oder zerbrechen hätte können. Ich bewundere sie und bin dankbar für ihren Mut. Durch sie und mit ihr bin ich die geworden, die ich heute bin.

Heute werde ich von ihren Verletzungen erzählen. Doch schlussendlich wird es im Buch eine Heldinnengeschichte werden – unter vielem anderen auch ihr Sieg im Kampf gegen den Drachen Scham.

Aber, Achtung! Wenn selbst Götter und Göttinnen unperfekt sind, dann erst recht Menschen – und damit auch ich.

Vergebung ist der Schlüssel mit der die Gefängnistür des Opferseins geöffnet wird.

Trauerarbeit ist ein Teil dieses Vergebungsprozesses und es war mir nicht bewusst, dass die tiefe Trauer der letzten vier Jahren auch die Wunden dieser alten Verletzungen mit eingeschlossen hat. Mit meiner Mutter habe ich in ihren letzten zwei Jahren hier auf Erden über meine Verletzungen gesprochen. Sie hat sie anerkannt und ausgesprochen, wie viel sie bereut und mich um Vergebung gebeten. Ich habe ihr vergeben. Das ist gut so – meine Bitterkeit und meine Wut haben sich aufgelöst. Das ist gut so – sie konnte versöhnt sterben. *)

Jetzt erkenne ich den Sinn, dass ich in den letzten zwei Jahren als erstes Buch das Buch über die Jahre meines Älterwerdens mit aller Versöhnung die notwendig war, um ein zufriedenes Leben leben zu können, geschrieben habe. Von ausgesöhnten Verletzungen muss ich mich nicht distanzieren und ich kann Hand in Hand mit ihnen gehen, denn sie gehören zu mir.

Eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte.

 

die scham – damals in den 70er jahren

 

sie ist 12 jahre alt und früh entwickelt

was immer das heißen mag

es klingt schon fast nach schuldigkeit

und nicht normal

 

warum bist du so früh dran

sagt man ihr

warum hast du schon einen busen

und härchen auf deiner scham

schäm dich

 

du bist zu früh dran

was immer das heißen mag

 

sie schämt sich ohnehin

nicht nur für ihr zu früh dran sein

auch für vieles andere noch

ununterbrochen ist sie da

die scham in ihr

und breitet sich aus

 

ihr kopf ist noch oben

es wird nicht mehr lange dauern

und ihr kopf wird sich gesenkt haben

und lange jahre nicht mehr nach oben kommen

vor lauter scham

 

aber jetzt

nicht nur zu früh mit den knospenden brüsten

und den härchen

auch ihr interesse für die buben

zu früh und überhaupt

was schaust du denn schon wieder nach den buben

sagt man ihr

schäm dich

 

schäm dich

für das entdecken wollen

von etwas

was sie noch gar nicht benennen kann

gesagt wird ihr

dass das nicht in ordnung ist

was sie fühlt

dass es zu früh ist

und überhaupt

also schäm dich

 

und dann der tag am strand in italien

der camping-urlaub 1962

sie will nicht mit

aber sie muss

 

was hast du es doch gut, du undankbares mädchen

andere mädchen können nicht auf urlaub nach italien

doch sie möchte gerne zu den anderen mädchen gehören

sie will nicht im zelt sein

viel zu nahe mit dem neuen mann im leben ihrer mutter

ihrem stiefvater

den sie vater nennen soll

und dieser mutter

die sie nicht kennt und der sie nicht nahe ist

die sie kontrolliert

unablässig

 

wie sehr hat sie sehnsucht nach ihrer großmutter

die ihr aufgetragen hat, brav zu sein

und zu folgen

und ihr keine schande zu machen

damit sie sich nicht schämen muss

 

auch großmutter könnte sich also schämen

für sie

zu ihrer eigenen scham

noch die scham der großmutter

dazu

 

und dann doch

sonne, meer, strand

viele fröhliche jugendliche

zu denen sie nicht gehört

testosteron in der luft

von all den jungen männern

und ihre sehnsucht im bauch

und die scham im kopf

und ihr versuch

irgendwie dem kontrollierenden blick der mutter

zu entkommen

 

wenn SIE am strand sind

ist sie im zelt

hundert ausreden erfindend

 

und wenn SIE im zelt sind

möchte sie gerne an den strand

darf aber nicht

 

allein am strand

was könnte da passieren

 

aber

es passiert doch

aber anders

 

der gute-nacht-kuss

sie im zelt auf der luftmatratze

zwischen den campingbetten

von dem stiefvater und der mutter

so eng

nicht einmal eine handbreit zwischenraum

so eng wie das ganze leben

 

und dann

dieser gute-nacht-kuss

er beugt sich über sie

sie am boden sitzend

sein männergeruch über ihr

vorher nicht sicher

ob sie diesen geruch mag

oder abstossend findet

nachher

wird sie ihn für immer abstossend finden

und der kuss

mit diesen großen, feuchten lippen

geöffnet

und der zunge

die sich

in ihren mund

drängt

überraschend

übergreifend

ekelig

 

ihre mutter neben ihr

dicht

und sie sagt nichts

kann nichts sagen

ihr mund verschließt sich

und verstummt

und sie schämt sich

 

später

viel später

wird man sie immer wieder fragen

warum hebst du deinen kopf nicht

warum versteckst du dein gesicht

hinter deinen haaren

warum redest du nicht

 

doch SIE haben ihr die stimme genommen

mit all ihren lügen

und SIE haben die scham

in sie

hineingepflanzt

 

SIE haben ihr

die stimme genommen

 

später

viel später

wird sie kommunikationsseminare besuchen

weil eine leere in ihrem kopf entsteht

wenn sie reden soll

weil sie keine stimme hat

 

weil die alten stimmen in ihr auftauchen

die ihr sagen

du hast nichts zu sagen

und

das letzte wort habe ich

 

doch

das letzte wort

ist noch nicht gesprochen

 

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Die Grenzen des Blicks

Im Erdgeschoss der Hauptschule befand sich die Kochschule. Die großen Fenster gingen in den Garten, in dem sich niemand aufhalten durfte. Und schon gar nicht Buben, die im Nebengebäude untergebracht waren. Doch manchmal standen welche vor dem Fenster und machten Faxen.

Wenn ich zum Fenster hinaussah in den Garten, brüllte die Kochlehrerin – schaust du schon wieder nach den Buben?

In meinem Elternhaus gab es den sicheren Bereich des Gartens hinter dem Haus, und den unsicheren Bereich vor dem Haus.

Wenn ich mich vor dem Haus aufhielt und zur Straße hinaussah, zischte meine Mutter – schaust du schon wieder nach den Buben?

Ich hätte mich das nie getraut. Nach den Buben schauen. Dort nicht und da nicht. Kam ich mir doch viel zu dick vor. Ich kam mir immer zu dick und hässlich vor. Die ganze Hauptschulzeit. Kurze Zeit später, als ich dann wirklich begann mich für Buben zu interessieren – nein, auch nicht für die Buben, nur für einen – begann ich abzunehmen. Die erste Hungerzeit in meinem Leben, der noch viele folgen sollten. Mein ganzes Leben lang. 20 kg mehr – 20 kg weniger. Eine Pendelbewegung.

Ich traute mich auch nicht aufzuschauen. Angst. Nur nicht auffallen. Wenn ich doch einmal den Blick hob, begegnete ich den wachsamen Augen der Kochlehrerin. Und wenn diese rote Flecken am Hals hatte, begann die Brüllerei von neuem. Ich konnte nichts richtig machen. Und weil ich Angst hatte, machte ich auch nichts richtig. Ich musste die brennheißen Erdäpfel in die ganze Hand nehmen – nein, nicht mit den Fingerspitzen halten und auch nicht auf eine Gabel – in die Handfläche. Und nicht fallen lassen. Wenn jemand flüsterte, wenn jemand etwas falsch machte, blies die Kochlehrerin in ihre schwarze Pfeife, die sie um den Hals hängen hatte, und alle standen stramm. Besonders ich. Ich war froh und erleichtert, dass mir alles schmeckte. Wenigstens das. Andere Mädchen haben sich erbrochen, mussten ihr Erbrochenes wegwischen, sich hinsetzen und weiter essen. Am Ende der Stunde, war ich es, die noch mit einem Eimer und dem Ausreibfetzen am Boden kniete und den Boden aufwischte. Alle anderen standen bereits, ihrer Kochschürzen entledigt, bei der Tür und warteten auf mich. Ungeduldig. Welche Scham.

Beim Umkleiden im Keller vor dem Schwimmbeckenbereich traute ich mich nicht meine Mitschülerinnen anzuschauen. Ich tat es doch. Heimlich. Hinter dem Vorhang meiner Haare heraus. Ich kannte keine nackten Körper. Ich sah, welch schöne Unterwäsche manche anhatten. Meine BH’s nähte die Großmutter selbst. Und meine Unterhosen waren Pumphosen. Das waren weite Hosen aus weißer oder rosa Baumwolle, die fast bis zum Knie reichten. Auch von meiner Großmutter genäht. Und im Winter waren sie aus dicker, fester Baumwolle, die mich noch unförmiger erscheinen ließen. Ich schämte mich in Grund und Boden.

Als ich mich mit 14 in meinen zukünftigen ersten Mann verliebte, ging mein Blick eindeutig über die gesetzten Grenzen hinaus. Heute würde ich sagen – ich sah ihn und wollte ihn. Damals – ja damals, war das nicht so eindeutig. Das Wollen – das Träumen – hatten sie mir ausgetrieben. Träumen tat ich nur mehr in meinen Büchern, die ich las. Und mit 14 hatte ich alle Karl May-Bände die es in der kleinen Bibliothek gab, ausgelesen. 60 waren es. Und ich bewunderte Old Shatterhand. Nein, nicht Winnetou, wie alle anderen Mädchen – Old Shatterhand. Und dann – dann traf ich ihn.

Ich stand mit meiner Freundin vor dem Kino und wartete auf den Beginn des Films „Winnetou I“. Wir gingen in die Nachmittagsvorstellung. Und ich wusste, hie und da kamen meine Eltern vorbei, nachzuschauen, ob ich mich auch wirklich nur mit meiner Freundin traf und ich mich auch nicht „aufführte“. Wie hätte ich mich das getraut. Unsicherheit und Angst.

Und dann sah ich ihn – Old Shatterhand. Franz hieß er, und er stand inmitten seiner Bubenclique – der Anführer. Er war 1,91 groß, blond, markantes Kinn, und von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet. In mir war ein Sturm von Gefühlen. Bewunderung, Liebe, Lust – von der ich damals nicht wusste, dass dies Lust war, Verlangen, Angst und Scham. Vor allem Scham. Dies war ein Gefühl, das mich noch lange in meinem Leben begleiten sollte.

Jetzt stand er dort – mein Held Old Shatterhand. Mein Held, der mich erlösen sollte. Und wenn ich in der Folge sämtliche Winnetou-Filme zwei- oder dreimal sah, dann nicht nur wegen der Filmfigur, sondern wegen Franz. Und irgendwann, als ich meine Eltern belog, und nicht mit meiner Freundin ins Kino ging, sondern alleine, hob ich meinen Blick und schaute ihn an. Ich weiß bis heute nicht, woher ich diesen Mut nahm. Er stand unterhalb der Stufen zum Kinoeingang. Seine Freunde etwas entfernt. Ich stellte mich auf die zweite Stufe, um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein, und redete ihn an. Und er schaute mich an. Dies war der Beginn einer bittersüßen Liebesgeschichte.

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Als die Liebesgeschichte, die in einer frühen Ehe mündete, zu Ende ging, begann der zweite Durchgang durch die Scham. Aber nein – die Liebesgeschichte ging nicht zu Ende – ich liebe ihn heute noch. Jedoch, die Möglichkeit eines guten Zusammenlebens ging zu Ende. Wir konnten nicht reden miteinander. Wir hatten beide keine eigene Stimme.

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am abgrund stehend

die scham – in späteren jahren

 

für das was ich war

für das was ich nicht war

für das wie ich war

für das wie ich nicht war

für das was ich nicht wusste

 

scham und unsicherheit

mich falsch zu benehmen

nicht das richtige zu sagen

nicht das richtige zu tun

 

und aus dieser unendlichen scham heraus

bestätigung suchend

bei einem mann

von einem mann

gib mir endlich die anerkennung

die bestätigung

dass ich in ordnung bin

dass mit mir alles in ordnung ist

erlöse mich von meiner scham

und unsicherheit

 

und es konnte nicht genug sein

an männern

die mir anerkennung gaben

 

und irgendwie

wusste ich damals nicht

dass ich ausgewählt hatte

beim ersten blick gewählt hatte

und meinte

dass sie mich ausgewählt hätten

 

und dann das spiel von neuem

weil es keine erfüllung gab

 

die scham und unsicherheit

nach einem moment der ekstase

sich wieder breit machte

sich ausbreitete

 

und dann begann das spiel von neuem

unendliche spielvariationen

mit unendlichen spielfolgen

und wechselnden mitspielern

 

was blieb

war die scham

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familie

ich musste erst so weit weg wie möglich von euch

um mich euch wieder annähern zu können

weggehen müssen um zu der zu werden die ich bin

sonst wäre ich zu der geworden die ihr haben wolltet

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*)  „Vergeben und Verzeihen sind nicht gleich Versöhnung. Versöhnung bedeutet zusätzlich zur Verzeihung, dass beide Seiten unbelastet von der Verletzung die vorbestehende Beziehung fortsetzen wollen. 

Nach der Vergebung kann eine Beziehung auch beendet werden; d. h. es kommt zu keiner Versöhnung, jedoch wird nichts nachgetragen. Eine Versöhnung ist nur sinnvoll, wenn der Täter Reue zeigt und Wiedergutmachung leistet. „Versöhnung fordert, dass die Parteien ihr Vertrauen zueinander erneuern.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Vergebung_(Psychologie)

 

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Mein erstes Buch „LebensZeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …“

Die letzten 10 Jahre meines Lebens.

Erhältlich in jeder Buchhandlung und im Buchhandel.

https://www.mymorawa.com/self-publishing/gestaltung/publizieren/?books%2FID53210%2FLebensZeichen&fbclid=IwAR2S-5OWe2wZHPwP3jdnMV4EbeDu80RDOOcpJuOTvkqYcepiKS95FvDbp-I

 

 

 

Ich wünsche Dir zur Weihnachtszeit …

Zwei Menschen sehen sich an

Ich wünsche Dir stille Momente.

Unendliche Ruhe.

Unendliche Zeit.

Stell Dir vor – Du hast unendlich Zeit und es gibt nichts zu tun.

 

Du setzt Dich mit Deinem*r Liebsten hin.

Gegenüber – mit einem Meter Abstand.

Ihr schließt die Augen und atmet tief ein und aus.

Eine Minute lang.

Dann öffnet Ihr die Augen und schaut Euch an.

Vollkommene Stille.

Vielleicht entsteht das Bedürfnis mit den Augen auszuweichen.

Vielleicht entsteht das Bedürfnis Euch zuzuzwinkern.

Du bleibst beim Schauen.

Vollkommene Stille

Atme

 

Vollkommene Stille entsteht

Ihr schaut euch an

Vielleicht entstehen Gefühle

Registriere sie in Deinem Inneren

Akzeptiere sie

Bleib ruhig sitzen

Vielleicht fließen Tränen

Lass sie fließen

Atme

 

Spüre Dein Herz

Spüre Deinen Körper – von den Fußsohlen bis zum Kopf

Spüre Deinen Atem

Lass ihn fließen

Ein und aus – er kommt und geht ganz von allein

Raum für Körper, Geist und Seele 

 

Ich wünsche Euch diese intimsten Momente des einander Sehens

Des einander Wahrnehmes

Mit Herz und Seele

 

Durch vollkommene Stille in die Seele schauen

Das wünsche ich Dir zur Weihnachtszeit …

 

Solltest Du mit Dir allein sein, kannst Du das auch vor einem Spiegel machen

Durch vollkommene Stille Dich selbst wahrnehmen

Durch vollkommene Stille in Deine Seele schauen

 

Wie lange Du diese Übung des Sehens mit dem Herzen machst, bleibt Dir überlassen

Vielleicht beginnst Du mit zehn Minuten …

 

Und dann – feiert das Leben

Liebt Euch

Feiert ein Fest

Lasst es euch gut gehen

Esst / singt / tanzt

Und seid fröhlich …

 

Das wünsche ich Euch zur Weihnacht …

 

Über die Einsamkeit im Alter

Gedanken über die frühen Zeiten, in denen der Grundstein für die Einsamkeit gelegt wird

Als ich angefangen habe über das Thema „Einsamkeit im Alter“ nachzudenken, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese nicht erst im Alter beginnt, sondern schon weit vorher – und zwar auf Grund dessen, wie Beziehungen gelebt werden. In der Regel sind das Zweierbeziehungen.

Viel wird über die „Einsamkeit im Alter“ geredet und noch mehr geschrieben. In den letzten Tagen habe ich gelesen, dass es seit kurzem in Großbritannien ein „Ministerium der Einsamkeit“ gibt. Einsamkeit wird ein Politikum, schreiben sie. (Siehe Link unten)

Einsamkeit treffe sehr häufig Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. „Psychisch kranke und beeinträchtigte Menschen sind oft von Isolation betroffen“, sagt Werner Schöny, Psychiater, in einem Artikel in den OÖ Nachrichten. Aber auch ältere Personen seien immer öfter wirklich einsam, meint er.

Ja, genau so ist es.

Ältere Menschen, auch ohne psychische und sonstige Krankheiten sind wirklich immer öfter einsam.

Beginnen wir mit der Grundlagenforschung

Die Abgrenzung zur Umgebung beginnt für viele, wenn sich zwei Menschen zu einem Paar zusammentun. Die Abgrenzung auch bis zu dahin guten Freundschaften. Wenn denn Freundschaften stattgefunden haben. Vielfach ist es auch noch so, dass Männer und Frauen dem illusionären Bild glauben – ein Partner / eine Partnerin für das Leben muss gefunden werden, die dann alle Bedürfnisse erfüllen sollen, und das reicht dann an Kontakten / Beziehungen / Austauschmöglichkeiten. Nichts und niemand weiter sei notwendig. Obwohl sich doch Interessen / Wünsche / Bedürfnisse mit den Jahrzehnten verändern. 
Wie könnte das alles ein Mensch allein erfüllen?

Dass dies nicht funktioniert, wissen wir. 
Da brauchen wir uns nur die Scheidungsstatistiken ansehen. 
Dass Eltern in der gelebten Zweierbeziehung mit Kindern überfordert sind, weil es „ein ganzes Dorf braucht, um Kinder zu erziehen“ wissen wir auch. 
Dass Gewalt und Missbrauch in der Ehe nicht nach außen kommuniziert werden hat auch oft den Grund, weil es da im Außen niemanden gibt und/oder auch nach Außen gemauert / abgegrenzt wird.

Wie oft sehe ich Paare, die nebeneinander oder hintereinander hergehen – wortlos, kontaktlos; 
Paare, die sich in Cafes und Restaurants gegenüber sitzen – wortlos, kontaktlos. Freudlos. 
Und – einsam zu zweit.

Einsamkeit beginnt nicht erst im Alter.

Einsamkeit beginnt, wenn Freundschaften zugunsten einer Zweierbeziehung vernachlässigt / abgebrochen werden
Einsamkeit beginnt, wenn nicht immer wieder neue Freundschaften in allen Altersgruppen aufgebaut werden
Einsamkeit beginnt beim Rückzug in die eigene Wohnung / das eigene Haus – Cocooning (vollständiges Sichzurückziehen /sich einspinnen in die Privatsphäre) statt Clanning (Suche nach Gruppenzugehörigkeit)
Einsamkeit beginnt, wenn Trennungen und/oder Lebensveränderungen nicht zugelassen werden …

Wichtig ist die Neugier auf das Leben und andere Menschen bis zum Tod

Liebesbeziehungen / Freundschaften wollen aufgebaut / zugelassen / gepflegt werden

Sich auf andere Menschen einzulassen / immer wieder / immer wieder aufs Neue

Als Kinder gehen wir auf alle Menschen mit einem offenen Herzen und offenen Armen zu. Irgendwann wird uns das verboten. Von der Konvention „das tut man nicht“ bis zur Angstmache „der tut dir was“. 
Ja, und dann haben wir das intus. 
Und die Einsamkeit beginnt.
Und dann kommt sie – die Prinzessin.
Dann kommt er – der Prinz.
Und erlöst uns aus unserer Einsamkeit.

Nein, halt. 
Zurück an den Start.
Das hatten wir ja schon.

Also – irgendwann ist es Zeit, diese elterlichen Verbote, die zu unseren Verhaltensmustern geworden sind, über Bord zu schmeißen. Auf welche Art auch immer. 
Und uns wieder zu öffnen.

Mit offenem Herzen und offenen Armen auf Menschen zuzugehen.
Immer wieder neu.

Schluss mit der Einsamkeit.

 

Der oben erwähnte Artikel: https://www.nachrichten.at/nachrichten/gesundheit/Einsamkeit-wird-ein-Politikum;art114,2802042?fbclid=IwAR3G8y95ptBvlo19M7W6DrWrheSTw0qJwAKKiZRZtfDsD29s4Yzq8Ql5mFI

 

 

Ältere Frauen schämen sich für ihren sozialen Abstieg

„Immer mehr Frauen geraten geraten nach ihrer Pensionierung in die Armutsfalle.“

Mit diesen beiden Eingangssätzen beginnt ein Artikel vom 19. November in der österreichischen Tageszeitung „Kurier“. Er ist es wert ihn zu lesen. Am Ende meines Textes gibt es den Link dazu.

Hier meine Erläuterungen zum Thema „Scham“ und „Einsamkeit“.

Lassen wir die Gründe für die Altersarmut von Frauen einmal außen vor – sie sind vielfach.

Sprechen wir einmal über die Scham. 
Ich spreche über die Scham.

Hatte ich doch einmal viel Geld zur Verfügung, das ich großzügig für mich und mir liebe Menschen ausgegeben habe. Ich habe mir viel geleistet – ein gutes Leben, viele lange Reisen, etc.

Nun bin ich in Pension und habe sehr wenig Geld zur Verfügung. Ich wusste, dass das so sein wird. Ich hätte auch weiter arbeiten können. Ich wollte nicht.
Nun hätte auch der Gedanke auftauchen können – hättest du etwas gespart, wärest du nicht so großzügig gewesen. Hättest du ….

Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Scham.
Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Nichtakzeptanz dessen, wie ich mein Leben gelebt habe.

Nein, ich bin froh über meine Großzügigkeit – dass ich mein Leben maßlos, leidenschaftlich, zügellos und ausgelassen gelebt habe. Ihr werdet an meiner Wortwahl merken, dass es mir sehr gefallen hat! Es wäre nicht das gleiche, würde ich mein Leben heute so leben wollen. Es wäre ganz anders – vieles könnte ich gar nicht mehr machen, was ich damals gemacht und erlebt habe!

Seit mein Auto seinen Motorgeist aufgegeben hat und seine Ruhe auf dem Autofriedhof gefunden hat, habe ich kein Auto mehr. Ich gehe zu Fuß, fahre mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. Von einigen werde ich scheel angesehen – gering geschätzt? Nun ja, das Auto ist, so wie vieles andere auch, noch immer ein Prestigeobjekt.

Schäme ich mich? Nein.
Hat es mich verunsichert? Ja.

Verunsichert, weil ich nun einiges, was ich gerne machen würde, nicht machen kann.
Es ist nicht viel, aber immerhin, z.B. Konzerte besuchen, Reisen …
Verunsichert, weil es nun liebe Menschen aus meiner Umgebung sind, die großzügig „zu mir“ sind, war ich doch die, die großzügig war. Nun hat es sich umgekehrt.
Und – es hat mich Mühe gekostet, es anzunehmen.
Nun kann ich es.
Ich akzeptiere.
Mein Leben, wie es war.
Mein Leben, wie es ist.

Warum ich das in diesem Kontext des Artikels schreibe?

Weil ich damit Frauen Mut machen möchte, nicht nur zu akzeptieren mit wenig Geld auskommen zu müssen, sondern auch darüber zu sprechen und sich damit zu zeigen.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich mich nicht zeigen und vereinsame.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich auch keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Mir ist schon bewusst, dass ich noch immer sehr viel habe. 
Es ist wenig Geld, das ich zur Verfügung habe, aber nicht zu wenig zum Leben so wie für manche Frauen. Ich habe zu wenig Geld für meine Geistes- und Seelennahrung. Wie oben bereits geschrieben, sind das kulturelle Veranstaltungen und Reisen. 
Ich habe ein Haus und ich habe Menschen um mich, die ich liebe und die mich lieben – meinen Sohn, meine Schwester mit ihrer Familie, meine Kusine und herzensgute Freund*innen. Dafür bin ich bin sehr dankbar!

Für all diejenigen Frauen, die zu wenig zum Leben haben, gibt es auf dieser Seite Informationen für Unterstützungsmöglichkeiten.

Und wenn die eine oder die andere das hier liest, dann bitte ich dich, schäme dich nicht und nimm Hilfe in Anspruch! 

Die Gründe, warum so viele Frauen in der Altersarmut sind, ist wieder ein anderes Thema.
Dass die Politik gefordert ist, auch.

 

Kurier-Artikel: https://kurier.at/leben/akademikerin-57-armutsgefaehrdet/400327407?fbclid=IwAR01gDXXTulrm-oPYuF1oESVO85G8ibw8CQKhlGKGmMuM-8_WwxIx2rY7LU

Information Unterstützung: https://www.erzdioezese-wien.at/unit/aaw/hilfeundunterstuetzung?fbclid=IwAR3OpxA6y5ASeOKwYUFQ2oidRHKr9xVIdYnbnXhbWqQh6rH7CJDTy1S4XC8

 

Radiointerview zu meinem Buch „LebensZeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …“

Paradise 2

Hier gibt es den Link zum Nachhören der Radiosendung im Campus & City Radio St. Pölten vom 23. Oktober 2018. Die Redakteurin Gabriele Ebmer schreibt zur Sendung:

„Die Psychotherapeutin und Autorin Monika Krampl beschäftigt sich in ihrem neuen Buch „LebensZeichen“ mit dem Thema „Alt Werden“ und den Erfahrungen, die sie dazu veranlassten, sich mutig zu Tabuthemen unserer Zeit zu äußern.“

Die Musik, die während der Sendung gespielt wird, habe ich mitgebracht. Hört euch am Ende, wenn wir uns schon verabschiedet haben, noch das letzte Stück an – eines meiner LieblingsGustoStückerln von Konstantin Wecker!

 

https://cba.fro.at/386289?fbclid=IwAR0ENF4r3Y1KsQni-nMWz_pBDLKm-jLN13_JkEZoPkzM3147kloEAZbYr30

Ich habe mein erstes Buch veröffentlicht!

Bild könnte enthalten: Pflanze und Text

Große Freude – mein eigenes Buch in Händen zu halten! 

Mein Buch ist ab sofort im Verlag und in jeder Buchhandlung erhältlich! 

Über diesen Link gibt es Infos zum Buch, eine Leseprobe zum Schmöckern, und Du kannst auch sofort bestellen – Paperback, Hardcover und e-Book – nach Deiner Wahl!

https://www.mymorawa.com/self-publ…/gestaltung/publizieren/…

„Altwerden ist nichts für Weicheier“ (Betty Davies)

Nachdem mich in den letzten 10 Jahren die Realität des Alterns eingeholt hat, bin ich auch dieser Meinung. Ich erzähle in Geschichten und Gedichten über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Altern.

Meine Erfahrungen – und doch wird es für viele Menschen einerseits eine Erleichterung sein, über die Mühen zu lesen (ah ja, endlich spricht es eine aus!) und andererseits eine Ermutigung, sich mit dem eigenen Älterwerden auseinanderzusetzen und schlussendlich anzufreunden. Bleibt ja auch nichts anderes übrig, wenn man nicht für die verbleibenden Jahre dahingranteln möchte!

„Jedes Alter ist schön“ – sagte ich früher sehr oft. Früher, als das Altwerden noch nicht begonnen hatte. Ich jammere nicht. Ich halte aber nichts vom Schönreden, dass ja alles so leiwand ist mit dem Alter, aber auch nichts vom Schlechtreden. Die Wahrheit liegt, wie immer, in der Mitte. Ja, es ist schön, und so manches Mal ist es auch mühsam. Darüber schreibe ich.

Ich freue mich, wenn es Dir gefällt – und ein herzliches Dankeschön fürs Teilen in Deinem Freund*innenkreis!