Eine Stadt macht es vor – lokale Firmen statt globale Unternehmen

Wenn wir nichts ändern, werden wir untergehen. Unsere Form des kapitalistischen Wirtschaftens hat uns auch zum Klimanotstand gebracht.
Neil McInroy, Centre for Local Economic Strategies

Nachstehend ein Auszug aus dem Artikel von Andreas Bachmann, veröffentlicht in der Online-Zeitschrift MOMENT. Link am Ende des Beitrags.

Die britische Stadt Preston will wirtschaftlich nicht länger von globalen Investoren und Unternehmen abhängig sein. Öffentliche Aufträge werden gezielt an lokale Unternehmen und Kooperativen vergeben, die „soziale Werte“ schaffen, und nicht nur Gewinne für sich.

Für Neil McInroy ist es eine Frage des Hausverstands. „Warum sollte das Geld der österreichischen SteuerzahlerInnen an große globale Unternehmen gehen, die auf den Cayman-Islands sitzen und hier keine Steuern zahlen?“, fragt er in die Runde. Hausverstand, „Common Sense“, wie es der Brite wörtlich nennt, sei es hingegen, dass die öffentliche Hand ihr Geld so investiert, „dass Österreich und Europa etwas davon haben, und nicht irgendwelche Anteilseigner, die keinen Bezug haben zu Ihrem Land“.

McInroy sitzt an einem der zahlreichen Versammlungstische, die in einer Halle der ehemaligen Glanzstoff-Fabrik in St. Pölten aufgebaut sind. Hier läuft gerade eine Konferenz, die die Zukunft der Arbeit Arbeit bespricht. Aus ganz Europa sind Teilnehmer angereist und stellen ihre Projekte vor. McInroy ist an diesem Tag einer der gefragtesten Gäste. Er begleitet in Preston im Nordwesten Englands ein Programm, bei dem städtische Investitionen und öffentliche Aufträge vermehrt an Unternehmen vergeben werden, die auch dort ansässig sind.

Das beginnt für McInroy schon beim Schulessen: „Es ist Wirtschaften mit Hausverstand, die Kartoffeln für die Kantinen hier bei uns zu besorgen und nicht aus dem Ausland“, sagt er zu MOMENT. Wenn die Stadt Aufträge vergibt, „geht es nicht nur darum, was am günstigsten ist, sondern was uns den besten sozialen Mehrwert bringt“, sagt McInroy.

Wer Mindestlohn zahlt, bekommt den Auftrag

„Sozialer Mehrwert“, das bedeutet für McInroy, dass Unternehmen bevorzugt werden, die Mindestlöhne zahlen und in denen das Verhältnis zwischen den niedrigsten und höchsten Gehältern nicht höher als 20:1 ist; Unternehmen, die Jobs in der Region schaffen, ihre Angestellten weiterbilden, junge Menschen ausbilden und die versuchen, ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu minimieren. All das fließt in ein Punktesystem ein, das neben Preis und angebotener Qualität den Ausschlag gibt, wer öffentliche Aufträge erhält. Und: „Wir motivieren dazu, Kooperationen zu gründen, die von den dort arbeitenden Menschen getragen werden“, sagt McInroy.

Das Ziel: „Der erzeugte Wohlstand soll in den Gemeinden und bei den einzelnen Menschen ankommen“ und dürfe nicht nur in den Bilanzen globaler Unternehmen und Investoren auftauchen, sagt McInroy. Anstatt globale Investoren und multinationale Unternehmen in die Stadt zu locken, die dann ihre Gewinne wieder mitnehmen, sollten lokale Firmen und Kooperationen, die von den dort arbeitenden Menschen getragen werden, zum Zuge kommen.

Das „Prestoner Modell“ ist inzwischen Vorbild für viele andere Gemeinden in Großbritannien. Es sollte die darniederliegende Wirtschaft der 140.000-Einwohner-Stadt in der Grafschaft Lancashire wieder in Schwung zu bringen. Preston wollte dabei nicht mehr abhängig davon sein, ob ein großes Unternehmen sein Versprechen, in der Stadt zu investieren nun hält oder sich doch zurückzieht.

Hier der Link: https://www.moment.at/story/prestoner-modell

Das Weltklima, Zivilisation, Kultur und die Bishnois – eine Gegenüberstellung

Wir sind nicht die Herrscher*innen über die Natur. Wir sind ein Teil der Natur.

Der Ökonom Niko Paech rügt den Lebensstil vieler Bürger*innen und bezeichnet sie als „Ökologische Vandalen“. Er meint, dass sie sich über die fatalen und umweltschädlichen Folgen ihres Lebensstils selbst täuschen, und dass eine „Entrümpelung unseres Lebensstils“ dringend notwendig sei.

„Die Bishnoi sind ein Volk, das größtenteils in der Wüste Thar im indischen Bundesstaat Rajasthan lebt. Bishnoi bedeutet „Neunundzwanzig“ und bezieht sich auf die 29  ökologischen und spirituellen Gebote, die Jambheshwar, der Gründer der Gemeinschaft aufstellte. Diese Gebote verbieten unter anderem den Verzehr von Fleisch und das Fällen von Bäumen.

Seit mehr als 500 Jahren konnten die Bishnoi so unter schwierigen klimatischen Bedingungen überleben. Sie leben strikt lakto-vegetarisch und vertreiben auch alle Jäger und Wilderer aus ihren Gebieten. Verlassene Jungtiere werden sogar von den Bishnoi-Frauen gestillt. Eine der größten Populationen der Hirschziegenantilope konnte sich auf diese Weise im Tal des Luni halten.“ 1)

Und während ich dies schreibe höre ich bereits die Stimmen – aber das kann man ja nicht vergleichen / und es können doch nicht alle vegetarisch leben / das sind Naturvölker, die in der Wüste leben und wir leben im zivilisiertem Europa / naive Vorstellungen sind das …

Naive Vorstellungen?

Zivilisation?

„Als Zivilisation wird eine menschliche Gesellschaft bezeichnet, bei der die sozialen und materiellen Lebensbedingungen durch technischen und wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht und von Politik und Wirtschaft geschaffen werden. 

Und weiter – Zivilisation ist eine durch Erziehung und Bildung erworbene, verfeinerte Lebensart.“ 2)

Die verfeinerte Lebensart möchte ich einmal dahingestellt lassen, nehme ich doch eine zunehmende Rücksichtslosigkeit innerhalb unserer „zivilisierten Gesellschaft“, gleichfalls zunehmende Gewaltexzesse – nicht nur durch die von den Medien in den Vordergrund gespielten terroristischen Anschläge, sondern auch und vor allem gegenüber Kindern und Frauen, und innerhalb der Familien, wahr.

Sehen wir uns einmal die Definition der „die einem Volk zugesprochene Zivilisation“ an.

„Lebensbedingungen, die gekennzeichnet sind durch:

  • Arbeitsteilige Wirtschaft
  • Städtebau
  • ein gewisses technisch-mechanisches Entwicklungsniveau
  • eine hierarchisch geordnete Verwaltungs- und Machtstruktur
  • gewisse hochkulturelle Genauigkeit
  • institutionalisierte Rechtsprechung
  • einen gewissen materiellen Wohlstand“ 2)

Und nun ein Auszug aus den 29 ökologischen und spirituellen Geboten der Bishnois

  • Großmütige und achtungsvolle Beziehung zwischen Frau und Mann
  • Töte niemals ein Tier, egal wie klein es ist
  • Iss niemals Fleisch
  • Gib Schafen und Ziegen einen Unterschlupf, um sie vor Schlachtung zu bewahren
  • Denke, bevor du sprichst
  • Habe Verständnis zu vergeben
  • Kritisiere nicht ohne Grund
  • Habe Mitgefühl mit allem, was lebt
  • Fälle niemals einen Baum, beschneide keinen grünenden Baum 1)

Wenn ich mir die Definition der „Zivilisation“, und vor allem auch die lebensfeindlichen Auswüchse / Klimaschädigung / etc. dieser Zivilisation vor Augen führe, wäre dann die „Zivilisation“ nicht als negativ zu bewerten?

Wilhelm von Humboldt meint, dass Bildung und Entwicklung der Persönlichkeit Momente der Kultur seien, während rein praktische und technische Dinge dem Bereich der Zivilisation zugehören.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Die früheste Formulierung dieses Gegensatzes  in der deutschen Sprache stammt von Immanuel Kant:

„Wir sind im hohen Grade durch Kunst und Wissenschaft cultivirt. Wir sind civilisirt bis zum Überlästigen, zu allerlei gesellschaftlicher Artigkeit und Anständigkeit. Aber uns für schon moralisirt zu halten, daran fehlt noch sehr viel. Denn die Idee der Moralität gehört noch zur Cultur; der Gebrauch dieser Idee aber, welcher nur auf das Sittenähnliche in der Ehrliebe und der äußeren Anständigkeit hinausläuft, macht blos die Civilisirung aus.“ 3)

Nach Albert Schweitzer erstrebt die Kultur letztlich „die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen“. In unserer heutigen Sprache bedeutet dies wohl Selbstreflexion (Ende der Selbsttäuschung) und Weiterentwicklung des Einzelnen – damit auf längere Zeit der Gesellschaft und schlussendlich auch der Zivilisation.

Spiritualität fehlt in unserem Leben.

„Nur Narren loben und verherrlichen die Moschee
Während sie Herzen voll von Liebe und Glauben unterdrücken“

(Rumi, persischer Mystiker)

Rumi betont damit den Vorrang der Liebe vor formaler Religionsausübung.

Spiritualität hat nichts mit den Religionen zu tun. Und Rumis Moschee könnte auch durch Kirche oder Tempel ersetzt werden.

Spiritualität beinhaltet das Wissen über die Zusammenhänge – dass wir alle Eins sind.

Mensch und Natur – dass die Natur nicht etwas von uns getrenntes ist, sondern dass wir als Menschen ein „Teil der Natur“ sind. Das macht uns ein bisschen kleiner. Stutzt uns zurecht.

Wir sind nicht die Herrscher*innen über die Natur. Wir sind ein Teil der Natur.

Damit sieht die Sachlage schon etwas anders aus. Und vielleicht trägt diese Erkenntnis zur anderen Erkenntnis bei, dass, wenn wir die Natur um uns herum schädigen, uns auch selbst schädigen.

Erleben wir das jetzt nicht fast täglich?

Als Abschluss möchte ich den Leser*innen dieses wunderbare Video „ans Herz legen“- die Geo Reportage: „Bishnoi, Tierliebe bis in den Tod“

Inhaltsbeschreibung zitiert:

„Die Wüste Thar im Nordwesten Indiens. Schon früh am Morgen geht Ramniwas Budhnagar hinaus, um Wasser und Futter für die wilden Tiere bereitzustellen. Ramniswas‘ Familie gehört zum Volk der Bishnoi. Bishnoi bedeutet „29“, abgeleitet von den 29 Geboten, die Guru Jambeshwar vor etwa 500 Jahren für seine Gemeinde aufstellte.

Zu jener Zeit drohte das Land durch Konflikte zwischen Muslimen und Hindus und Rivalitäten innerhalb der verschiedenen Kasten auseinanderzubrechen. Jambeshwar glaubte, dass der einzige Weg aus dieser Situation ein absoluter Respekt gegenüber jedem Leben ist. Dafür stellte er die 29 Regeln auf. Sie betreffen die tägliche Hygiene ebenso wie die Art zu sprechen, die Ernährung, das Mitgefühl und das Vergeben gegenüber anderen. Auch das Verbot Tiere zu töten und Bäume zu fällen ist in den 29 Regeln festgeschrieben. Damit gehören die Bishnoi seit 500 Jahren zu den ersten Umweltschützern der Welt.

Bis heute versuchen sie ihren Idealen treu zu bleiben, in einer globalisierten Welt, in der wenig Platz für Individuen und Lebensformen jenseits der Moderne ist. Die jungen Bishnoi wandern in die Städte ab. Diejenigen, die bleiben, kämpfen weiter für die Rechte der Tiere, verarzten verwundete Gazellen und pflegen sie in den eigenen Tempeln gesund. Aber sie haben die Zeichen der Zeit erkannt. Längst greift Ramniswas auf moderne Kommunikationsmittel wie das Mobiltelefon zurück, organisiert Demonstrationen, über die am nächsten Tag in der Zeitung berichtet wird. Aber wird das reichen, um den Bishnoi und ihrem Kampf ein dauerhaftes Überleben zu sichern?“ 4)

Wird das reichen, um den Bishnoi und ihrem Kampf ein dauerhaftes Überleben zu sichern?

Vielleicht – wenn wir unsere Zivilisation mit Kultur und Spiritualität verbinden, und  mit Achtung, Respekt und einem liebevollem Herzen mit unserer Umwelt, unseren Mitmenschen und uns selbst umgehen.

Wie heißt es in den Geboten der Bishnois?

Großmütige und achtungsvolle Beziehung zwischen Frau und Mann

Habe Verständnis zu vergeben

Habe Mitgefühl mit allem, was lebt ….

1) https://de.wikipedia.org/wiki/Bishnoi

2) https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilisation

3) https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur

4) https://www.youtube.com/watch?v=zyOFQFpX61w

Foto: https://programm.ard.de/TV/Themenschwerpunkte/Dokus–Reportagen/Alle-Dokumentationen/Startseite/?sendung=287242316318105

Spiritualität und Philosophie und Politik

016

Ich werde immer wieder gefragt, wie das gehe, dass ich spirituell-philosophische Gedichte und Texte schreibe, und mich gleichzeitig immer wieder auch mit Politik beschäftige.

Die Antwort ist sehr einfach: Weil sich das nicht ausschließt.

Gar nicht ausschließen kann, wenn ich das, was in der Politik passiert, von der spirituellen Ebene aus betrachte. Denn ich stehe nicht außerhalb.

Auch wenn viele der Meinung sind, das habe alles nichts mit ihnen zu tun.

„Das geht mich nichts an“ – höre ich.

Nein, so ist das nicht.

Alles hat mit uns zu tun. Weil wir ein Teil dieser Welt – der Erde / der Menschen / Tiere / Pflanzen / allem Guten und auch allem Bösen / allem was es gibt – sind.

Niemand kann sich ausschließen.

Und alle tragen wir Verantwortung.

Jede*r Einzelne von uns. Und so auch ich.

Gerade die Innenschau / das Innehalten / bringt mir die nötige Klarheit im Außen.

Ein „Erwachen“ – die Welt so zu sehen, wie sie ist.

Konstantin Wecker, der Sänger, Poet und Rebell, sagt, dass, wer sich politisch engagiere, bereit sein muss, sich immer wieder auf sich selbst zu besinnen, um in sich selbst und seine psychischen Verstrickungen hineinzublicken –  seine wahre Identität zu entdecken.

„Gleich wie das Weltmeer von einem einzigen Geschmack durchdrungen ist, dem Geschmack des Salzes, ebenso auch ist diese Lehre von einem einzigen Geschmack durchdrungen, dem Geschmack der Befreiung.“

(AN Nikaya VIII-19)

Gemeint ist die Lehre des Buddha, in der kein göttliches Wesen im Mittelpunkt steht, dass uns sagt was wir zu tun haben – das belohnt und bestraft. Es geht um unsere eigenen Einsichten und Erkenntnisse.

Die Lehre des Buddha schult unseren Geist, um zu tieferer Einsicht über das heilsame oder unheilsame Wirken unseres Handelns zu gelangen. Wenn ich mir klar mache, dass alles abhängig ist von Ursachen und Bedingungen, dann kann ich auch die Abhängigkeit und den Zusammenhang von Allem sehen.

Diese Sichtweise ermöglicht mir Handlungen der Gewaltfreiheit und Eigenverantwortung.

Und damit bin ich wieder am Beginn: Alles hat mit uns zu tun.

Dies ist mein Weg. Es gibt viele Wege die zur Erkenntnis / zum Erwachen führen.

Jede*r kann den für sich selbst geeigneten Weg gehen.

Nur – auf den Weg machen sollte man sich schon …

 

Erwachen

den eigenen

Weg gehen

Erwachen

Wirklichkeit

erleben

Nichts sonst

(Teneriffa, 25 05 2019)

Ältere Frauen schämen sich für ihren sozialen Abstieg

„Immer mehr Frauen geraten geraten nach ihrer Pensionierung in die Armutsfalle.“

Mit diesen beiden Eingangssätzen beginnt ein Artikel vom 19. November in der österreichischen Tageszeitung „Kurier“. Er ist es wert ihn zu lesen. Am Ende meines Textes gibt es den Link dazu.

Hier meine Erläuterungen zum Thema „Scham“ und „Einsamkeit“.

Lassen wir die Gründe für die Altersarmut von Frauen einmal außen vor – sie sind vielfach.

Sprechen wir einmal über die Scham. 
Ich spreche über die Scham.

Hatte ich doch einmal viel Geld zur Verfügung, das ich großzügig für mich und mir liebe Menschen ausgegeben habe. Ich habe mir viel geleistet – ein gutes Leben, viele lange Reisen, etc.

Nun bin ich in Pension und habe sehr wenig Geld zur Verfügung. Ich wusste, dass das so sein wird. Ich hätte auch weiter arbeiten können. Ich wollte nicht.
Nun hätte auch der Gedanke auftauchen können – hättest du etwas gespart, wärest du nicht so großzügig gewesen. Hättest du ….

Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Scham.
Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Nichtakzeptanz dessen, wie ich mein Leben gelebt habe.

Nein, ich bin froh über meine Großzügigkeit – dass ich mein Leben maßlos, leidenschaftlich, zügellos und ausgelassen gelebt habe. Ihr werdet an meiner Wortwahl merken, dass es mir sehr gefallen hat! Es wäre nicht das gleiche, würde ich mein Leben heute so leben wollen. Es wäre ganz anders – vieles könnte ich gar nicht mehr machen, was ich damals gemacht und erlebt habe!

Seit mein Auto seinen Motorgeist aufgegeben hat und seine Ruhe auf dem Autofriedhof gefunden hat, habe ich kein Auto mehr. Ich gehe zu Fuß, fahre mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. Von einigen werde ich scheel angesehen – gering geschätzt? Nun ja, das Auto ist, so wie vieles andere auch, noch immer ein Prestigeobjekt.

Schäme ich mich? Nein.
Hat es mich verunsichert? Ja.

Verunsichert, weil ich nun einiges, was ich gerne machen würde, nicht machen kann.
Es ist nicht viel, aber immerhin, z.B. Konzerte besuchen, Reisen …
Verunsichert, weil es nun liebe Menschen aus meiner Umgebung sind, die großzügig „zu mir“ sind, war ich doch die, die großzügig war. Nun hat es sich umgekehrt.
Und – es hat mich Mühe gekostet, es anzunehmen.
Nun kann ich es.
Ich akzeptiere.
Mein Leben, wie es war.
Mein Leben, wie es ist.

Warum ich das in diesem Kontext des Artikels schreibe?

Weil ich damit Frauen Mut machen möchte, nicht nur zu akzeptieren mit wenig Geld auskommen zu müssen, sondern auch darüber zu sprechen und sich damit zu zeigen.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich mich nicht zeigen und vereinsame.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich auch keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Mir ist schon bewusst, dass ich noch immer sehr viel habe. 
Es ist wenig Geld, das ich zur Verfügung habe, aber nicht zu wenig zum Leben so wie für manche Frauen. Ich habe zu wenig Geld für meine Geistes- und Seelennahrung. Wie oben bereits geschrieben, sind das kulturelle Veranstaltungen und Reisen. 
Ich habe ein Haus und ich habe Menschen um mich, die ich liebe und die mich lieben – meinen Sohn, meine Schwester mit ihrer Familie, meine Kusine und herzensgute Freund*innen. Dafür bin ich bin sehr dankbar!

Für all diejenigen Frauen, die zu wenig zum Leben haben, gibt es auf dieser Seite Informationen für Unterstützungsmöglichkeiten.

Und wenn die eine oder die andere das hier liest, dann bitte ich dich, schäme dich nicht und nimm Hilfe in Anspruch! 

Die Gründe, warum so viele Frauen in der Altersarmut sind, ist wieder ein anderes Thema.
Dass die Politik gefordert ist, auch.

 

Kurier-Artikel: https://kurier.at/leben/akademikerin-57-armutsgefaehrdet/400327407?fbclid=IwAR01gDXXTulrm-oPYuF1oESVO85G8ibw8CQKhlGKGmMuM-8_WwxIx2rY7LU

Information Unterstützung: https://www.erzdioezese-wien.at/unit/aaw/hilfeundunterstuetzung?fbclid=IwAR3OpxA6y5ASeOKwYUFQ2oidRHKr9xVIdYnbnXhbWqQh6rH7CJDTy1S4XC8

 

Meine Trauer über die Türkei

Istanbul 1

Und wieder hat ein Diktator die Bühne betreten

Und diesmal vom eigenen Volk gewählt

Und wieder können / müssen wir zusehen, was passiert, wenn einer die Macht fest in seiner Hand hält

Und es erfüllt sich hier der Wunsch von Menschen, die sich wieder einen Führer wünschen

Und dieser Wunsch nach einem allmächtigen und gnadenlos strafenden GottVater entsetzt mich

Und es macht mich traurig, was so vielen Menschen bereits angetan wurde und in Zukunft noch viel mehr angetan werden wird

Und es macht mich ambivalent, zornig einerseits, weil viele Menschen trotzdem auf Urlaub in das Land fliegen werden – weil es so billig ist – zornig, weil sich der Diktator dadurch bestätigt fühlen wird, und gleichzeitig weiß ich, dass Menschen dadurch ein Einkommen erhalten werden

Und ich bin sehr dankbar über meine 5-wöchige Reise im Jahr 1993 durch die Türkei mit meinem damaligem türkischen Freund, einem Historiker,von Alanya nach Istanbul – über Side, Aspendos, Perge, Konya, Pamukkale, Iznik – welch schönes Land …

https://monikakrampl.wordpress.com/2016/11/19/meine-reise-in-den-orient/

Und ich weiß, dass ich dieses Land nie mehr sehen werde …

Ich höre Istanbul

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Zuerst weht ein sanfter Wind
Leicht schwanken die Blätter
an den Bäumen,
In der Ferne, in weiter Ferne
Unaufhörlich die Glocken der Wasserverkäufer,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Während ich rufen will, die Vögel fliegen vorbei,
Fliegt eine ganze Schar, hoch hinaus, Schrei für Schrei,
Die Fischer holen die großen Netze ein,
Die Füße einer Frau berühren das Wasser,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Kühl, kühl der Große Basar,
Kunterbunt Mahmutpaşa,
Voller Tauben die Höfe,
Vom Dock her hallt es Hammerschläge,
Im herrlichen Frühlingswind liegt Schweiß,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

 

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
In meinem Kopf der Rausch vergangener Feste,
Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern
Steht im abklingenden Geheul der Südwestwinde,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Eine Dirne stolziert auf dem Gehsteig,
Flüche, Gesänge, Anmachsprüche,
Etwas fällt aus ihrer Hand auf den Boden,
Es müsste sich um eine Rose handeln.
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Ein Vogel zappelt an deinen Hängen,
Ich weiß, ob deine Stirn warm oder kalt ist,
Ich weiß, ob deine Lippen feucht oder trocken sind,
Weiß geht der Mond hinter Kiefergewächsen auf,
An deinem Herzschlag erkenne ich
Ich höre Istanbul.

Orhan Veli Kanik (13. April 1914, Istanbul – 14. November 1950, ebenda)