Liebesbrief an meinen ersten Ehemann

Liebe

Heute erwachte ich ganz still. Und wusste noch nicht, dass ich mich hineinfließen lassen werde, in die Erinnerung an unsere Liebe.

Die Dunkelheit des Nachthimmels verabschiedete sich langsam.

Der Sonnenaufgang kündigte sich an mit einem sanften hellblau und rosa.

Ich saß mit meinem Morgenkaffee am Fenster und freute mich über die Stille und die Schönheit des frühen morgens.

Und sanft wie das hellblau des Morgenhimmels stiegen Erinnerungen in mir hoch.

 

Ich erinnere mich an dich.

Ich erinnere mich an dich – meine erste große Liebe.

Ich war 14, und du 15, als unsere Liebe begann.

Als wir heirateten, war ich 18, und du 19.

 

Ich war sehr stolz auf meinen großen, starken und schönen Mann. Du warst der Anführer der Clique, in die du mich aufgenommen hattest.

Ich bin 159 cm groß, und du warst 191. Ein blonder Riese.

Im Stehen konnte ich meinen Kopf in deine Armbeuge schmiegen.

Wenn du mich umarmtest, verschwand ich zur Gänze in deinen kraftvollen, muskulösen Armen. Ich habe es genossen. Ach, wie habe ich es genossen.

Du hattest den schönsten Mund, den ich je gesehen und geküsst habe. Dein Kuss, deine perfekt geschwungenen, vollen Lippen ließen mich bei jedem deiner Küsse schmelzen.

Ich liebte deine Stimme, dein Lachen, das meine Schmetterlinge im Bauch aufflattern ließ zu einem wilden Tanz. Immer wieder. Und immer wieder neu.

Du liebtest meinen Leib und ich deinen.

Zärtlich waren wir in der Zeit der ersten Liebe, sehr zärtlich, als wir unsere Leiber entdeckten. Und stürmisch später, als wir uns kannten und vertrauten.

Die Lust, dich anzusehen und zu lachen, aus Freude, dass es dich gab.

 

Vor einem Jahr bist du gestorben.

Dass ich dich noch immer liebte, wusste ich immer.

Wie sehr ich dich noch liebe, weiß ich erst, seit deinem Tod.

 

Muss ich immer erst verlieren, dass ich weiß, wie sehr ich einen Menschen liebe?

Ich liebe dich noch immer.

Und doch musste ich dich verlassen, weil du meine erwachende Stärke nicht aushieltest.

Sie machte dir Angst. Sie passte nicht in dein Frauenbild.

In das Bild, das du dir von mir gemacht hattest.

Du wolltest dir deine Frau erschaffen, so wie du sie haben möchtest. Schriebst du mir einmal. Damals war ich damit einverstanden. Ich glaubte, es müsste so sein.

 

Wir bekamen unser Kind aus den falschen Gründen.

Unser Kind zu bekommen, war nicht falsch.

Die Gründe waren falsch.

Wir waren jung, sehr jung. 18 und 19 Jahre alt.

Wir glaubten, wir seien erwachsen.

Doch wir waren es nicht.

Wir konnten uns gegenüber unseren Eltern nicht durchsetzen.

Wir hatten unsere eigenen Pläne für unser Leben.

Doch wir ließen sie bestimmen über unser Leben.

 

Und anstatt selbst zu wachsen, ließen wir ein Kind in mir wachsen.

Und wir glaubten, dies sei die Lösung.

Doch es war ein Irrtum.

Und nicht gut für unsere Tochter.

 

Wir hatten unsere eigene Sprache und unser gemeinsames Leben noch nicht gefunden.

Und dann veränderte ich mich.

Als ich zu wachsen begann, war dies das Ende.

Du begannst, mein Wachstum zu bekämpfen.

Ich war verzweifelt, zornig. Liebte ich dich doch so sehr.

Und doch musste ich gehen.

Trotz meiner tiefen Liebe zu dir.

 

Meine Liebe zu mir selbst, zu meinem eigenen Leben, war stärker.

 

Es gab noch einige Männer in meinem Leben, die ich liebte.

Kleine und große Lieben.

Drei große Lieben waren es, die tiefer waren. Mit einer großen Verbundenheit auf allen Ebenen. Noch heute spürbar.

Eine davon bist du,

Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Ich erinnere mich gerne an die gute Zeit mit dir, die wesentlich länger war, als die Zeit des Zorns und des Leids.

 

Ich erinnere mich an unsere Liebesnächte.

An unsere Leiber, die sich anzogen wie Magneten. Eine magische Anziehung, die so groß war, dass sie untrennbar schien. Damals.

An die funkensprühenden Berührungen unserer Fingerspitzen, die Schauer durch unsere Körper jagten und uns erbeben ließ. Deine geliebten Hände, die mich fassten.

Ein Erbeben im Gleichklang.

Unsere Liebesbewegungen im Gleichklang, währenddessen wir Aug in Aug in unsere Seelen schauten. Und nicht genug bekommen konnten voneinander.

Wie wir uns nicht aus den Augen ließen, um die eigene Lust und die Lust des anderen zu erleben.

Ich kann mich an dein schönes Gesicht im Augenblick deiner Hingabe, dem Dahinschmelzen in deiner größten Lust, erinnern.

 

Wie könnte ich das je vergessen?

Müsste ich da nicht auch mich selbst vergessen?

Wie könnte ich darauf verzichten, die Innigkeit der Liebe und Lust nicht mehr zu spüren?

 

Heute könnte ich dir das alles sagen.

Ich würde dir erzählen, wie sehr ich dich liebe.

Ich würde dir sagen, wie sehr ich es liebe, wie unsere Körper sich kennen.

Wie sehr ich den Geruch deiner Haut; den Klang deiner Stimme, die mich zum Lachen und Weinen bringt; deine Augen, die vor Liebe und Lust Löcher in meine Haut brennen; liebe.

 

Ich erinnere mich.

Ich erinnere mich sehr genau.

Du, meine erste Liebe in meinem Leben.

Ich erinnere mich an dich.

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Über das Gehen und wie Gehen unser Leben verändert

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Drei Menschen berichten

 

Ich fotografiere oft meine Füße, weil ich es mag, den Boden zu sehen, auf dem meine Füße stehen und weil ich gerne durch’s Leben gehe. Auch im Alltag.

Beim Nordic Walking, Wandern und auch beim Pilgern trifft man jede Menge Leute. Doch im Alltag? Bin ich auf Geh-Steigen und Landstraßen meist allein.

Vor meinem 30. Lebensjahr habe ich Urlaub gemacht – 14 Tage, 3 Wochen. Seit meinem 30. Lebensjahr reise ich. Reisen beginnen bei mir mit einer Dauer von mindestens 4 Wochen. Zeit um Land, Menschen und Kultur kennen zu lernen. Auch zu Fuß.

Zeit meines Lebens habe ich mich als „Wanderin“ bezeichnet. Meine „Wohnhöhlen“ waren und sind mir sehr wichtig. An einem Tag kann ich mich wohnlich einrichten. Doch es musste immer die Möglichkeit des jederzeit „Weggehen-könnens“ vorhanden sein. Insgesamt bin ich ca. 15 mal umgezogen. Und jeder Umzug war wie eine neue Liebe – mit Schmetterlingen im Bauch.  

 

Goethe nannte sich in seiner Jugend einen „Wanderer“, der von Unrast und Naturliebe getrieben wird. In einem Brief aus Leuk schrieb er: „Zu Fuß zu gehen ist am Ende doch immer das Angenehmste“.

 

Heute möchte ich euch drei Menschen vorstellen, denen Gehen auch sehr wichtig ist und deren Welt / Leben sich durch das Gehen verändert hat.

 

Jens Fröhlke, der mit 53 Jahren ohne Geld und zu Fuß durch Deutschland gegangen ist, um herauszufinden, wie er nach seiner Rückkehr weiterleben will. Er hat’s herausgefunden.

 

45 Minuten, denen man sich nicht entziehen kann – sehenswert!

 

Sandro Langholz, der über 2 Jahre lang zu Fuß losgezogen ist, um Selbstversorger- und Gemeinschaftsprojekte zu besuchen.

Hier das sehenswerte Video „Zu Fuß – Zum Wir – Zu Mir. Meine Reise zu Selbstversorger- und Gemeinschaftsprojekten“

 

http://www.sustainhappylity.de/der-film-ueber-die-ersten-2-jahre-meiner-reise/

 

Und ein Video mit Michaela Schmitz. „Wie schlimm es ist, wenn nichts mehr GEHt und wie wichtig es ist, GEHen zu können, erzählt uns Michaela in diesem Film. Seht selbst… „

 

http://www.wildurb.at/blog/wien-geht-interview-mit-michaela-schmitz#comments