Über das Ausgesöhnte – die Scham und ich

Textauszüge, die in mein zweites Buch einfließen werden

Die stillen Tage und die Rauhnächte sind gute Tage und Nächte um an meinem zweiten Buch weiter zu schreiben. Ist es doch auch eine Zeit der Auflösung und des Neubeginns.

Ich sichte alte Texte – vor langer Zeit geschrieben – und mein Herz fließt über vor Mitgefühl mit dem Kind / dem Mädchen / der jungen Frau, die sich durch so viele Einschränkungen / Tabus / Begrenzungen / Lieblosigkeit / durch das Dunkel zum Hellen durchgekämpft hat. Es war ein harter Kampf – ein Kampf mit dem Drachen – an dem sie auch scheitern oder zerbrechen hätte können. Ich bewundere sie und bin dankbar für ihren Mut. Durch sie und mit ihr bin ich die geworden, die ich heute bin.

Heute werde ich von ihren Verletzungen erzählen. Doch schlussendlich wird es im Buch eine Heldinnengeschichte werden – unter vielem anderen auch ihr Sieg im Kampf gegen den Drachen Scham.

Aber, Achtung! Wenn selbst Götter und Göttinnen unperfekt sind, dann erst recht Menschen – und damit auch ich.

Vergebung ist der Schlüssel mit der die Gefängnistür des Opferseins geöffnet wird.

Trauerarbeit ist ein Teil dieses Vergebungsprozesses und es war mir nicht bewusst, dass die tiefe Trauer der letzten vier Jahren auch die Wunden dieser alten Verletzungen mit eingeschlossen hat. Mit meiner Mutter habe ich in ihren letzten zwei Jahren hier auf Erden über meine Verletzungen gesprochen. Sie hat sie anerkannt und ausgesprochen, wie viel sie bereut und mich um Vergebung gebeten. Ich habe ihr vergeben. Das ist gut so – meine Bitterkeit und meine Wut haben sich aufgelöst. Das ist gut so – sie konnte versöhnt sterben. *)

Jetzt erkenne ich den Sinn, dass ich in den letzten zwei Jahren als erstes Buch das Buch über die Jahre meines Älterwerdens mit aller Versöhnung die notwendig war, um ein zufriedenes Leben leben zu können, geschrieben habe. Von ausgesöhnten Verletzungen muss ich mich nicht distanzieren und ich kann Hand in Hand mit ihnen gehen, denn sie gehören zu mir.

Eine Versöhnung mit der eigenen Geschichte.

 

die scham – damals in den 70er jahren

 

sie ist 12 jahre alt und früh entwickelt

was immer das heißen mag

es klingt schon fast nach schuldigkeit

und nicht normal

 

warum bist du so früh dran

sagt man ihr

warum hast du schon einen busen

und härchen auf deiner scham

schäm dich

 

du bist zu früh dran

was immer das heißen mag

 

sie schämt sich ohnehin

nicht nur für ihr zu früh dran sein

auch für vieles andere noch

ununterbrochen ist sie da

die scham in ihr

und breitet sich aus

 

ihr kopf ist noch oben

es wird nicht mehr lange dauern

und ihr kopf wird sich gesenkt haben

und lange jahre nicht mehr nach oben kommen

vor lauter scham

 

aber jetzt

nicht nur zu früh mit den knospenden brüsten

und den härchen

auch ihr interesse für die buben

zu früh und überhaupt

was schaust du denn schon wieder nach den buben

sagt man ihr

schäm dich

 

schäm dich

für das entdecken wollen

von etwas

was sie noch gar nicht benennen kann

gesagt wird ihr

dass das nicht in ordnung ist

was sie fühlt

dass es zu früh ist

und überhaupt

also schäm dich

 

und dann der tag am strand in italien

der camping-urlaub 1962

sie will nicht mit

aber sie muss

 

was hast du es doch gut, du undankbares mädchen

andere mädchen können nicht auf urlaub nach italien

doch sie möchte gerne zu den anderen mädchen gehören

sie will nicht im zelt sein

viel zu nahe mit dem neuen mann im leben ihrer mutter

ihrem stiefvater

den sie vater nennen soll

und dieser mutter

die sie nicht kennt und der sie nicht nahe ist

die sie kontrolliert

unablässig

 

wie sehr hat sie sehnsucht nach ihrer großmutter

die ihr aufgetragen hat, brav zu sein

und zu folgen

und ihr keine schande zu machen

damit sie sich nicht schämen muss

 

auch großmutter könnte sich also schämen

für sie

zu ihrer eigenen scham

noch die scham der großmutter

dazu

 

und dann doch

sonne, meer, strand

viele fröhliche jugendliche

zu denen sie nicht gehört

testosteron in der luft

von all den jungen männern

und ihre sehnsucht im bauch

und die scham im kopf

und ihr versuch

irgendwie dem kontrollierenden blick der mutter

zu entkommen

 

wenn SIE am strand sind

ist sie im zelt

hundert ausreden erfindend

 

und wenn SIE im zelt sind

möchte sie gerne an den strand

darf aber nicht

 

allein am strand

was könnte da passieren

 

aber

es passiert doch

aber anders

 

der gute-nacht-kuss

sie im zelt auf der luftmatratze

zwischen den campingbetten

von dem stiefvater und der mutter

so eng

nicht einmal eine handbreit zwischenraum

so eng wie das ganze leben

 

und dann

dieser gute-nacht-kuss

er beugt sich über sie

sie am boden sitzend

sein männergeruch über ihr

vorher nicht sicher

ob sie diesen geruch mag

oder abstossend findet

nachher

wird sie ihn für immer abstossend finden

und der kuss

mit diesen großen, feuchten lippen

geöffnet

und der zunge

die sich

in ihren mund

drängt

überraschend

übergreifend

ekelig

 

ihre mutter neben ihr

dicht

und sie sagt nichts

kann nichts sagen

ihr mund verschließt sich

und verstummt

und sie schämt sich

 

später

viel später

wird man sie immer wieder fragen

warum hebst du deinen kopf nicht

warum versteckst du dein gesicht

hinter deinen haaren

warum redest du nicht

 

doch SIE haben ihr die stimme genommen

mit all ihren lügen

und SIE haben die scham

in sie

hineingepflanzt

 

SIE haben ihr

die stimme genommen

 

später

viel später

wird sie kommunikationsseminare besuchen

weil eine leere in ihrem kopf entsteht

wenn sie reden soll

weil sie keine stimme hat

 

weil die alten stimmen in ihr auftauchen

die ihr sagen

du hast nichts zu sagen

und

das letzte wort habe ich

 

doch

das letzte wort

ist noch nicht gesprochen

 

********************

Die Grenzen des Blicks

Im Erdgeschoss der Hauptschule befand sich die Kochschule. Die großen Fenster gingen in den Garten, in dem sich niemand aufhalten durfte. Und schon gar nicht Buben, die im Nebengebäude untergebracht waren. Doch manchmal standen welche vor dem Fenster und machten Faxen.

Wenn ich zum Fenster hinaussah in den Garten, brüllte die Kochlehrerin – schaust du schon wieder nach den Buben?

In meinem Elternhaus gab es den sicheren Bereich des Gartens hinter dem Haus, und den unsicheren Bereich vor dem Haus.

Wenn ich mich vor dem Haus aufhielt und zur Straße hinaussah, zischte meine Mutter – schaust du schon wieder nach den Buben?

Ich hätte mich das nie getraut. Nach den Buben schauen. Dort nicht und da nicht. Kam ich mir doch viel zu dick vor. Ich kam mir immer zu dick und hässlich vor. Die ganze Hauptschulzeit. Kurze Zeit später, als ich dann wirklich begann mich für Buben zu interessieren – nein, auch nicht für die Buben, nur für einen – begann ich abzunehmen. Die erste Hungerzeit in meinem Leben, der noch viele folgen sollten. Mein ganzes Leben lang. 20 kg mehr – 20 kg weniger. Eine Pendelbewegung.

Ich traute mich auch nicht aufzuschauen. Angst. Nur nicht auffallen. Wenn ich doch einmal den Blick hob, begegnete ich den wachsamen Augen der Kochlehrerin. Und wenn diese rote Flecken am Hals hatte, begann die Brüllerei von neuem. Ich konnte nichts richtig machen. Und weil ich Angst hatte, machte ich auch nichts richtig. Ich musste die brennheißen Erdäpfel in die ganze Hand nehmen – nein, nicht mit den Fingerspitzen halten und auch nicht auf eine Gabel – in die Handfläche. Und nicht fallen lassen. Wenn jemand flüsterte, wenn jemand etwas falsch machte, blies die Kochlehrerin in ihre schwarze Pfeife, die sie um den Hals hängen hatte, und alle standen stramm. Besonders ich. Ich war froh und erleichtert, dass mir alles schmeckte. Wenigstens das. Andere Mädchen haben sich erbrochen, mussten ihr Erbrochenes wegwischen, sich hinsetzen und weiter essen. Am Ende der Stunde, war ich es, die noch mit einem Eimer und dem Ausreibfetzen am Boden kniete und den Boden aufwischte. Alle anderen standen bereits, ihrer Kochschürzen entledigt, bei der Tür und warteten auf mich. Ungeduldig. Welche Scham.

Beim Umkleiden im Keller vor dem Schwimmbeckenbereich traute ich mich nicht meine Mitschülerinnen anzuschauen. Ich tat es doch. Heimlich. Hinter dem Vorhang meiner Haare heraus. Ich kannte keine nackten Körper. Ich sah, welch schöne Unterwäsche manche anhatten. Meine BH’s nähte die Großmutter selbst. Und meine Unterhosen waren Pumphosen. Das waren weite Hosen aus weißer oder rosa Baumwolle, die fast bis zum Knie reichten. Auch von meiner Großmutter genäht. Und im Winter waren sie aus dicker, fester Baumwolle, die mich noch unförmiger erscheinen ließen. Ich schämte mich in Grund und Boden.

Als ich mich mit 14 in meinen zukünftigen ersten Mann verliebte, ging mein Blick eindeutig über die gesetzten Grenzen hinaus. Heute würde ich sagen – ich sah ihn und wollte ihn. Damals – ja damals, war das nicht so eindeutig. Das Wollen – das Träumen – hatten sie mir ausgetrieben. Träumen tat ich nur mehr in meinen Büchern, die ich las. Und mit 14 hatte ich alle Karl May-Bände die es in der kleinen Bibliothek gab, ausgelesen. 60 waren es. Und ich bewunderte Old Shatterhand. Nein, nicht Winnetou, wie alle anderen Mädchen – Old Shatterhand. Und dann – dann traf ich ihn.

Ich stand mit meiner Freundin vor dem Kino und wartete auf den Beginn des Films „Winnetou I“. Wir gingen in die Nachmittagsvorstellung. Und ich wusste, hie und da kamen meine Eltern vorbei, nachzuschauen, ob ich mich auch wirklich nur mit meiner Freundin traf und ich mich auch nicht „aufführte“. Wie hätte ich mich das getraut. Unsicherheit und Angst.

Und dann sah ich ihn – Old Shatterhand. Franz hieß er, und er stand inmitten seiner Bubenclique – der Anführer. Er war 1,91 groß, blond, markantes Kinn, und von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet. In mir war ein Sturm von Gefühlen. Bewunderung, Liebe, Lust – von der ich damals nicht wusste, dass dies Lust war, Verlangen, Angst und Scham. Vor allem Scham. Dies war ein Gefühl, das mich noch lange in meinem Leben begleiten sollte.

Jetzt stand er dort – mein Held Old Shatterhand. Mein Held, der mich erlösen sollte. Und wenn ich in der Folge sämtliche Winnetou-Filme zwei- oder dreimal sah, dann nicht nur wegen der Filmfigur, sondern wegen Franz. Und irgendwann, als ich meine Eltern belog, und nicht mit meiner Freundin ins Kino ging, sondern alleine, hob ich meinen Blick und schaute ihn an. Ich weiß bis heute nicht, woher ich diesen Mut nahm. Er stand unterhalb der Stufen zum Kinoeingang. Seine Freunde etwas entfernt. Ich stellte mich auf die zweite Stufe, um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein, und redete ihn an. Und er schaute mich an. Dies war der Beginn einer bittersüßen Liebesgeschichte.

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Als die Liebesgeschichte, die in einer frühen Ehe mündete, zu Ende ging, begann der zweite Durchgang durch die Scham. Aber nein – die Liebesgeschichte ging nicht zu Ende – ich liebe ihn heute noch. Jedoch, die Möglichkeit eines guten Zusammenlebens ging zu Ende. Wir konnten nicht reden miteinander. Wir hatten beide keine eigene Stimme.

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am abgrund stehend

die scham – in späteren jahren

 

für das was ich war

für das was ich nicht war

für das wie ich war

für das wie ich nicht war

für das was ich nicht wusste

 

scham und unsicherheit

mich falsch zu benehmen

nicht das richtige zu sagen

nicht das richtige zu tun

 

und aus dieser unendlichen scham heraus

bestätigung suchend

bei einem mann

von einem mann

gib mir endlich die anerkennung

die bestätigung

dass ich in ordnung bin

dass mit mir alles in ordnung ist

erlöse mich von meiner scham

und unsicherheit

 

und es konnte nicht genug sein

an männern

die mir anerkennung gaben

 

und irgendwie

wusste ich damals nicht

dass ich ausgewählt hatte

beim ersten blick gewählt hatte

und meinte

dass sie mich ausgewählt hätten

 

und dann das spiel von neuem

weil es keine erfüllung gab

 

die scham und unsicherheit

nach einem moment der ekstase

sich wieder breit machte

sich ausbreitete

 

und dann begann das spiel von neuem

unendliche spielvariationen

mit unendlichen spielfolgen

und wechselnden mitspielern

 

was blieb

war die scham

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familie

ich musste erst so weit weg wie möglich von euch

um mich euch wieder annähern zu können

weggehen müssen um zu der zu werden die ich bin

sonst wäre ich zu der geworden die ihr haben wolltet

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*)  „Vergeben und Verzeihen sind nicht gleich Versöhnung. Versöhnung bedeutet zusätzlich zur Verzeihung, dass beide Seiten unbelastet von der Verletzung die vorbestehende Beziehung fortsetzen wollen. 

Nach der Vergebung kann eine Beziehung auch beendet werden; d. h. es kommt zu keiner Versöhnung, jedoch wird nichts nachgetragen. Eine Versöhnung ist nur sinnvoll, wenn der Täter Reue zeigt und Wiedergutmachung leistet. „Versöhnung fordert, dass die Parteien ihr Vertrauen zueinander erneuern.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Vergebung_(Psychologie)

 

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Mein erstes Buch „LebensZeichen. Erzählungen übers Älterwerden und mehr …“

Die letzten 10 Jahre meines Lebens.

Erhältlich in jeder Buchhandlung und im Buchhandel.

https://www.mymorawa.com/self-publishing/gestaltung/publizieren/?books%2FID53210%2FLebensZeichen&fbclid=IwAR2S-5OWe2wZHPwP3jdnMV4EbeDu80RDOOcpJuOTvkqYcepiKS95FvDbp-I

 

 

 

Ältere Frauen schämen sich für ihren sozialen Abstieg

„Immer mehr Frauen geraten geraten nach ihrer Pensionierung in die Armutsfalle.“

Mit diesen beiden Eingangssätzen beginnt ein Artikel vom 19. November in der österreichischen Tageszeitung „Kurier“. Er ist es wert ihn zu lesen. Am Ende meines Textes gibt es den Link dazu.

Hier meine Erläuterungen zum Thema „Scham“ und „Einsamkeit“.

Lassen wir die Gründe für die Altersarmut von Frauen einmal außen vor – sie sind vielfach.

Sprechen wir einmal über die Scham. 
Ich spreche über die Scham.

Hatte ich doch einmal viel Geld zur Verfügung, das ich großzügig für mich und mir liebe Menschen ausgegeben habe. Ich habe mir viel geleistet – ein gutes Leben, viele lange Reisen, etc.

Nun bin ich in Pension und habe sehr wenig Geld zur Verfügung. Ich wusste, dass das so sein wird. Ich hätte auch weiter arbeiten können. Ich wollte nicht.
Nun hätte auch der Gedanke auftauchen können – hättest du etwas gespart, wärest du nicht so großzügig gewesen. Hättest du ….

Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Scham.
Das wäre schon einmal ein Schritt in Richtung Nichtakzeptanz dessen, wie ich mein Leben gelebt habe.

Nein, ich bin froh über meine Großzügigkeit – dass ich mein Leben maßlos, leidenschaftlich, zügellos und ausgelassen gelebt habe. Ihr werdet an meiner Wortwahl merken, dass es mir sehr gefallen hat! Es wäre nicht das gleiche, würde ich mein Leben heute so leben wollen. Es wäre ganz anders – vieles könnte ich gar nicht mehr machen, was ich damals gemacht und erlebt habe!

Seit mein Auto seinen Motorgeist aufgegeben hat und seine Ruhe auf dem Autofriedhof gefunden hat, habe ich kein Auto mehr. Ich gehe zu Fuß, fahre mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln. Von einigen werde ich scheel angesehen – gering geschätzt? Nun ja, das Auto ist, so wie vieles andere auch, noch immer ein Prestigeobjekt.

Schäme ich mich? Nein.
Hat es mich verunsichert? Ja.

Verunsichert, weil ich nun einiges, was ich gerne machen würde, nicht machen kann.
Es ist nicht viel, aber immerhin, z.B. Konzerte besuchen, Reisen …
Verunsichert, weil es nun liebe Menschen aus meiner Umgebung sind, die großzügig „zu mir“ sind, war ich doch die, die großzügig war. Nun hat es sich umgekehrt.
Und – es hat mich Mühe gekostet, es anzunehmen.
Nun kann ich es.
Ich akzeptiere.
Mein Leben, wie es war.
Mein Leben, wie es ist.

Warum ich das in diesem Kontext des Artikels schreibe?

Weil ich damit Frauen Mut machen möchte, nicht nur zu akzeptieren mit wenig Geld auskommen zu müssen, sondern auch darüber zu sprechen und sich damit zu zeigen.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich mich nicht zeigen und vereinsame.

Wenn ich nicht akzeptiere, kann ich auch keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Mir ist schon bewusst, dass ich noch immer sehr viel habe. 
Es ist wenig Geld, das ich zur Verfügung habe, aber nicht zu wenig zum Leben so wie für manche Frauen. Ich habe zu wenig Geld für meine Geistes- und Seelennahrung. Wie oben bereits geschrieben, sind das kulturelle Veranstaltungen und Reisen. 
Ich habe ein Haus und ich habe Menschen um mich, die ich liebe und die mich lieben – meinen Sohn, meine Schwester mit ihrer Familie, meine Kusine und herzensgute Freund*innen. Dafür bin ich bin sehr dankbar!

Für all diejenigen Frauen, die zu wenig zum Leben haben, gibt es auf dieser Seite Informationen für Unterstützungsmöglichkeiten.

Und wenn die eine oder die andere das hier liest, dann bitte ich dich, schäme dich nicht und nimm Hilfe in Anspruch! 

Die Gründe, warum so viele Frauen in der Altersarmut sind, ist wieder ein anderes Thema.
Dass die Politik gefordert ist, auch.

 

Kurier-Artikel: https://kurier.at/leben/akademikerin-57-armutsgefaehrdet/400327407?fbclid=IwAR01gDXXTulrm-oPYuF1oESVO85G8ibw8CQKhlGKGmMuM-8_WwxIx2rY7LU

Information Unterstützung: https://www.erzdioezese-wien.at/unit/aaw/hilfeundunterstuetzung?fbclid=IwAR3OpxA6y5ASeOKwYUFQ2oidRHKr9xVIdYnbnXhbWqQh6rH7CJDTy1S4XC8

 

ein haus für mich allein

Damals, 1988, war ich es bereits gewohnt, mich allein oder mit meinem Lebenspartner für längere Zeit aus dem Alltag zurückzuziehen, um wichtige Lebensfragen zu klären.

Aus dem Alltag mit den gewohnten Abläufen und Ablenkungen auszusteigen – um dieser einen Frage die nötige Achtsamkeit zu geben und zu einer Klarheit zu kommen.

Zur Zeit der Entstehung dieses Gedichtes hatte ich mich allein in dieses abgeschiedene Haus zurückgezogen.

 

nur ich und das haus

am ende des weges

duckt es sich

schmiegt sich ein

in die felder

an der rückseite

der wald

der brunnen

vor dem haus

eine küche

zwei zimmer

halbdunkel

der dämmerung

rot lodert das feuer im ofen

im ofenschiff

beginnt

das wasser zu singen

 

erinnerung

das warme zimmer

draußen dunkelheit und stille

drinnen ich

kind

beschützt und warm

rot lodert das feuer im ofen

großmutters leiser singsang

damals

als alles noch gut war

damals

 

stille hüllt mich ein

die dämonen

erwachen

heben die köpfe

brüllen

laut und lauter

verlagern die ängste

die bedrohung

nach außen

fürchte dich nicht

 

stille hüllt mich ein

dämonen

bezwingen

masken

herunterreißen

dahinter

ist

nichts

nichts

fürchte dich nicht

 

stille hüllt mich ein

jede bewegung von mir

ein geräusch

kein fernseher

kein radio

kein kühlschrank

ich höre

nur

mich

 

nur ich und das haus

und manchmal

ein lauschen

nach draußen

 

nur ich und das haus

(M.K., 1988)

Ré Soupault und meine Betrachtungen über ihre beeindruckenden Aussagen

Re Soupault

Nach meinen Betrachtungen über die Zitate von Ré Soupault poste ich einen Artikel mit einer kurzen Biografie von Soupault, eine Rezension des Buches mit Briefen, biografischen Texten und Tagebuchpassagen.

Ihr Leben und die drei Aussagen von ihr, die in diesem Artikel erwähnt werden, haben mich sehr beeindruckt.

„Es gibt zwei Wege im Leben: der eine führt nach außen: Karriere, Geltung, Besitz … der andere nach innen: Arbeit, aber ohne Rücksicht auf äußeren Erfolg, schöpferische Arbeit, die ihren Lohn in sich selbst findet.“

Zwei Wege, präzise definiert. Ich finde mich sofort darin wieder.

Beschreibt sie doch damit meinen inneren Zwiespalt, der mich mein ganzes Leben lang nicht nur begleitet, sonder auch geleitet hat. Ein Zwiespalt der mich den einen Weg gehen ließ, um nach einer Weile wieder den anderen Weg einzuschlagen. Ein ganzes lang – ein hin und her. So manches Mal sehr mühsam und anstrengend. Dann wieder sehr abenteuerlich, aufregend und immer sehr lehrreich. Ich habe beide Seiten kennen gelernt.

 „Die Habsucht ist die Ursache allen Übels.“

Diese Weisheit hat sie anlässlich ihres Sanskritstudiums und der Beschäftigung mit asiatischer Philosophie kennen gelernt. Ich selbst, in meiner Auseinandersetzung mit dem Buddhismus.

Ja, ich kenne sie die „Habsucht“ – das haben wollen und nicht genug kriegen können. Und immer wieder rettete mich dann, dass ich diesen Weg wieder verließ und wieder den Weg nach innen beschritt – „Arbeit, aber ohne Rücksicht auf äußeren Erfolg, schöpferische Arbeit, die ihren Lohn in sich selbst findet“.

Habsucht und Selbstsucht gehen Hand in Hand.

Solange ich auf der Suche nach mir Selbst bin und versuche, dieses Selbst mit möglichst vielen Dingen im Außen zu stützen, wird es zusammenfallen, wenn mir das genommen wird. Deshalb auch die Ängste von vielen Menschen. Die Versuche, das Angesammelte/ den Besitz zu sichern. Die Bedrohung kommt von Außen – jemand, der/die „meinen“ Mann/ „meine“ Frau  wollen könnte; mein Auto, mein Haus, meinen Job ….

Dabei steht das „mein“ im Vordergrund. „Mein“ als Stützung eines Scheinselbst.

Das Selbst braucht keine Besitztümer.

Ich habe das immer wieder Loslassen gelernt.

Erst angesammelt – Karriere, Geltung, Besitz – und wieder losgelassen.

Das letzte große Loslassen gab es in den letzten Jahren – siehe:

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/04/28/das-alter-und-ich/

Loslassen und die Unsinnigkeit der Habsucht, habe ich in dem Gedicht zusammengefasst:

Schöne Dinge

In einem

vergangenem Leben

gesammelt

zeugen täglich

von der

Vergänglichkeit

des Lebens

„Der Staat kann die Freiheit nicht ersetzen“

Ré Soupault führt weiter aus: „“Ist Freiheit Reife? Vielleicht umgekehrt. Jedenfalls die innere Freiheit. Aber es muss auch eine politische Freiheit geben. Der Staat kann sie nicht ersetzen. Zu dieser Freiheit gehört die Reife des Bürgers und des Volkes als Ganzes. Darum ist Freiheit wohl das am schwersten Erreichbare.“

Ja, umgekehrt – Reife ist Freiheit. Erst wenn ich reif bin – im Sinne von mir selbst bewusst, und damit ein Selbstbewusstsein entwickelt habe, kenne ich meine Grenzen. Und ich kann sehr genau wahrnehmen, wenn jemand meine Grenzen überschreitet – mich jemand eingrenzt.

Wenn ich meine Grenzen wahren kann, kann ich auch die Grenzen von anderen Menschen wahrnehmen und akzeptieren.

Dies ist ein Thema, das sich von innen – der inneren Freiheit fortsetzt nach außen – der politischen Freiheit. Auf der realpolitischen Ebene ist es ein sehr aktuelles Thema. Freiheiten werden gerade jetzt unter dem manipulativ gebrauchten Thema der „Sicherheit“ eingeschränkt.

Einschränkende Freiheit vermehrt nicht Sicherheit. Aufklärung und Wissen vermehrt Sicherheit.

Wissen ist Macht. Wird deshalb versucht, viele Menschen unwissend zu lassen?

Eigenmacht zu haben ist Freiheit.

Und nun die Rezension von Carsten Hueck, veröffentlicht auf der Internetseite von Radio Ö1:

Ré Soupault – „Nur das Geistige zählt“

Die Ikone der Avantgarde in eigenen Worten: mit Briefen, biografischen Texten und Tagebuchpassagen.

Zwischen ihrer Geburt und ihrem Tod liegt fast das gesamte 20. Jahrhundert: Meta Erna Niemeyer, Tochter eines Metzgers und Pferdezüchters kam 1901 im pommerschen Nest Bublitz zur Welt und starb als anerkannte Fotografin und wiederentdeckte Ikone der künstlerischen Avantgarde unter dem Namen Ré Soupault 1996 in Versailles.

Zwei Wege im Leben

Darüber, was diese Frau gesehen und erlebt hat, gibt nun ein Buch Auskunft: Unter dem Titel „Nur das Geistige zählt – Vom Bauhaus in die Welt“ hat der Heidelberger Verleger Manfred Metzner Ré Soupaults Briefe, biografische Texte und Tagebuchpassagen zu einem Erinnerungsband montiert. Gleich zu Beginn tritt uns eine beeindruckende Frau entgegen: eigenwillig, klug, unsentimental und mit unbestechlichem Blick fürs Essentielle:

„Es gibt zwei Wege im Leben: der eine führt nach außen: Karriere, Geltung, Besitz … der andere nach innen: Arbeit, aber ohne Rücksicht auf äußeren Erfolg, schöpferische Arbeit, die ihren Lohn in sich selbst findet.“

Eine schöpferische Arbeiterin, das war sie: nach den Entbehrungen des Ersten Weltkriegs, die sie als junges Mädchen kennen gelernt hatte, entfloh Erna Niemeyer der bürgerlichen Familie und studierte ab 1921 am Bauhaus in Weimar. Erna Niemeyer empfing hier ihre ersten prägenden Impulse als Künstlerin. Neben Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer wurde sie vor allem Johannes Itten beeinflusst. Dieser war es auch, der bei der jungen Frau das Interesse für asiatische Philosophie weckte. Zwei Semester lang radelte sie wöchentlich von Weimar nach Jena, um an der dortigen Universität auch noch Sanskrit zu studieren.

Die Habsucht ist die Ursache allen Übels.

„Diesem Studium verdanke ich meine Lebensdevise: die Habsucht ist die Ursache allen Übels.“ Solche Sanskrit-Weisheiten fanden später, weil die angehende Künstlerin sich auch für die Form der Schrift begeisterte, Eingang in die abstrakten Farbkompositionen ihrer Teppiche.

Zeichnerin, Journalistin und Modedesignerin

Den Namen Ré erhielt Erna Niemeyer von Kurt Schwitters, als dieser in Berlin den schwedischen Filmvisionär Viking Eggeling besuchte, dem sie damals assistierte. Über Eggeling wiederum lernte sie den Dadaisten Hans Richter kennen: Heirat 1926. Das Bauhaus war da bereits nach Dessau umgezogen und Ré beschließt, mit ihrem Mann in Berlin zu bleiben.

In den Roaring Twenties arbeitet Ré Richter als Zeichnerin und Journalistin für den Berliner Scherl Verlag. 1929 gründet sie in Paris ein Modestudio, entwirft erfolgreich sportliche Alltagsmode für die moderne Frau, erfindet den Hosenrock, das Schürzenkleid – und das Transformationskleid.

Verwandlung des Kleides

„Ich ging immer von einer konkreten Idee aus: Eine Sekretärin oder eine Verkäuferin , die abends nach der Arbeit ausgehen möchte, aber nicht vorher nachhause gehen kann, verwandelt ihr Kleid, das sie tagsüber mit einem kleinen Kragen oder einer bescheidenen Brosche getragen hat, in ein Abendkleid, indem sie den Reißverschluss, der bis zur Taille zu öffnen ist, nach innen kehrt, rechts und links mit Klips befestigt und in den bis zur Taille zugespitzten Ausschnitt einen Einsatz anbringt, je nach Wunsch aus Brokat oder aus weißem Piquet.“

Übersiedlung nach Tunis, Flucht nach New York

1933 lernt Ré auf einem Empfang der russischen Botschaft den surrealistischen Dichter Philippe Soupault kennen. Mit ihm reist sie durch die Welt. Sie beginnt zu fotografieren, illustriert Philippes Reportagen. Wenige Jahre später wird er ihr zweiter Ehemann. Europa steht da bereits im Schatten heraufziehender Katastrophen. Ré zieht mit ihrem Mann nach Tunis. Philippe Soupault soll dort im Auftrag der französischen Regierung ein antifaschistisches Radioprogramm organisieren.

Die Niederlage der Franzosen gegen Nazideutschland bringt das Paar in akute Gefahr, Philippe wird verhaftet, ihr Haus beschlagnahmt, später zerstört und geplündert. Nach der Landung der Alliierten in Nordafrika gelingt den Soupaults die Flucht nach New York. Nach Kriegsende trennen sie sich und Ré beginnt, sich eine Existenz als Übersetzerin und Journalistin aufzubauen. Sie bereist Mittel- und Südamerika sowie das von den Kriegsfolgen gezeichnete Europa. In ihrem Tagebuch notiert sie:

„Der Staat kann die Freiheit nicht ersetzen“

„Ist Freiheit Reife? Vielleicht umgekehrt. Jedenfalls die innere Freiheit. Aber es muss auch eine politische Freiheit geben. Der Staat kann sie nicht ersetzen. Zu dieser Freiheit gehört die Reife des Bürgers und des Volkes als Ganzes. Darum ist Freiheit wohl das am schwersten Erreichbare.“

Ré Soupault pendelt zwischen New York, Basel, Paris und Berlin. Heute würde man ihre Lebensweise als prekäre Existenz bezeichnen. Auch wenn sie im Atelier von Max Ernst wohnt und den Literaturnobelpreisträger Romain Rolland übersetzt, ist es alles andere als schillernd. Sie selbst aber beschreibt in den Erinnerungen, die ungefähr 1950 enden, ihr Leben als das einer schöpferischen und arbeitenden Frau.

Ein beeindruckendes Zeitdokument

Die Lektüre dieses Buches gebietet Respekt vor der Autorin. Vor ihrer Leistung als Künstlerin, ihrem bodenständigen Lebenswillen, dem Mangel an Klagen. Trotz des Wechsels von einem Leben als anerkannte Künstlerin zu dem eines auf sich selbst gestellten Flüchtlings, dessen Welt in Trümmern liegt, scheint Ré Soupault mit sich selbst eins zu sein.

Ihre Erinnerungen verdeutlichen ihre Persönlichkeit, ihre Neugier und Wahrnehmungsfähigkeit, ihr Urteilsvermögen. Doch vermitteln sie durch Detailschärfe und immer auch einen ausreichend erhellten Hintergrund einen tiefen Eindruck von der Atmosphäre jener Tage zwischen dem Beginn des Ersten und dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Service

Ré Soupault, „Nur das Geistige zählt – Vom Bauhaus in die Welt. Erinnerungen“, Herausgegeben von Manfred Metzner, Verlag Wunderhorn

https://oe1.orf.at/artikel/646351

 

Über das Altsein und das Tabuthema Sexualität

Tantra

 

Altwerden und Altsein wird sehr verschieden empfunden und gelebt. So wie wir Frauen auch sehr verschieden sind und bis zum Alterungsprozess auch sehr verschieden gelebt haben und weiter leben werden. Achtung vor unserer Vielfältigkeit tut gut.

Wenn Lotti Huber in ihrem Buch „Diese Zitrone hat noch sehr viel Saft“ u.a. schreibt:

Mit den ersten Falten stellen sich besonders Frauen oft in eine Warteposition, treten auf der Stelle und werden natürlich immer unzufriedener. Sie werden sich ihrer Falten bewusst, nicht aber ihrer Fähigkeiten.(…)“

dann trifft das auf einige Frauen zu. Auf mich nicht. Ich bin mir meiner Fähigkeiten und vor allem auch meiner wachsenden Fähigkeiten sehr bewusst.

Doch habe ich wieder mit anderen Dingen Schwierigkeiten – so z.B. mit meiner nachlassenden Energie; meinem alternden Körper, der schwerfälliger wird – und ja auch, mit dem Aussehen meines Körpers.

Gioconda Belli beschreibt es in ihren „Anmerkungen für die Zeit des Alterns“ so:

„Es fällt mir schwer das Leben zu begreifen ohne Schönheit

mir vorzustellen wie mein Körper

nachgibt dem Newtonschen Gesetz,

zerfällt

sich welk seinem Ende neigt (….)

wenn mein Gerüst verrostet und nachgibt

wenn ich mich stützen muss, eine Brille benutzen,

langsam gehen, den Blutdruck überwachen,

das Herz stärken (…)“

 

Und dann höre ich die Worte, und sehe schon die erhobenen Zeigefinger: „Ja, aber, man muss doch …, und die inneren Werte …., und überhaupt … . „
Nein, ich muss gar nichts. Ich habe meine Schwierigkeiten damit. Punkt. Vielleicht verändert sich dies irgendwann. Vielleicht aber auch nicht.

Lust und Leidenschaft hören mit dem Alter nicht auf. 

Will ich ein verrücktes Leben als Alte leben?

Nein, ein verrücktes Leben möchte ich heute nicht mehr leben, habe ich doch genug an Verrücktheiten gelebt. Unangepasst zu sein ist mir jedoch wichtiger denn je.

Ja, ein unangepasstes Leben – mich nicht in krank machende Systeme hineinpressen zu lassen – das mehr denn je.

Mir fehlt das Lustgefühl der Sexualität.   

Wenig wird über Sexualität geredet und geschrieben.

 

Wir könnten doch über die körperliche Liebe sprechen – genauso wie wir über andere Dinge unseres Lebens sprechen. Ob sich Einsamkeit oder die Liebe in unseren Nächten breit macht …

Und dabei sind wir Alten doch frei zu leben – auch Erotik und Sexualität. Wir können nicht mehr schwanger werden! Müssen uns um keine Verhütung kümmern.

Welche Freiheit!

Und wir können auch unsere Liebes-Fähigkeiten wachsen lassen – in unseren Herzen, in unseren Seelen und in unseren Bäuchen.

Welche Freude!

Herzlich noch mehr Menschen zu lieben; spirituelle allumfassende Liebe zu leben – und es ist egal ob mit oder ohne Religion; erotische Liebes- und Orgasmusfähigkeit.

Lassen wir unsere Körper erglühen in wonnigen Liebesschauern, umarmen und küssen wir uns, zeigen wir unser Begehren und werden wir bedächtige GenießerInnen – wir, die wir jetzt Zeit haben. Geben wir uns der Wollust und Sinnlichkeit hin, während aus unseren Körpern die Liebe strömt …

 

Ich habe schon längere Zeit keine Partner. Die letzten Jahre, in denen ich Liebe, Lust und Leidenschaft gelebt habe, habe ich in verschiedenen Beziehungsmodellen – sowohl in monogamen Beziehungen als auch in Polyamory-Beziehungen gelebt.

Und ich merke, wenn ich schon mal – sehr selten – einen Mann treffe, der Interesse an mir zeigt, dann möchte er vor allem eine herkömmliche Beziehung leben. Zusammenziehen, bekocht werden, alles gmeinsam machen, etc. etc. – mich streift da der Verdacht des Versorgt-werden-wollens.

Nein, das will ich nicht. So nicht.

Ich möchte eine lebendige und erwachsene Partnerschaft, in der man nicht unbedingt zusammenwohnen muss. Ich habe auch sehr viele eigene Interessen und brauche daher auch viel Zeit für mich. Ich brauche kein Gegenüber, damit mir nicht langweilig ist.

Neugier auf das Leben; Unabhängigkeit; Liebe, die nicht braucht; und Lust und Leidenschaft – das möchte ich.

Nein, ich leide nicht darunter, Liebe, Lust und Leidenschaft zurzeit nicht in einer Beziehung leben zu können. Ich kann sie vielfältigst auf andere Art und Weise leben.

Jedoch frage ich mich, womit es zu tun hat, dass ich dies alles bis zu meinem 53. Lebensjahr immer wieder leben konnte, und jetzt mit meinen 68 Jahren nicht mehr?

Hat es damit zu tun, dass ich seit meinem 38. Lebensjahr immer mit jüngeren Partnern zusammen war?

Und jetzt ein jüngerer Partner schon mindestens 20 Jahre jünger sein müsste, um nicht in dieser bequemen altherrlichen Manier zu leben?

Hat es mit meinen Ansprüchen zu tun?

Na ja, dann war’s das.

Denn ohne meine Ansprüche an das Leben würde mir mein Leben nicht gefallen …