Ich lache – ich lasse los – ich lebe

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Ein Nachwort zum Essay „Mein Alter und ich“

Ich freue mich darüber, wie viele Menschen in Resonanz gehen mit meinem Erleben. Besonders freue ich mich auch über die ausgesprochene Wertschätzung und Dankbarkeit dafür, dass ich auch die Unsicherheiten / Ängste / Enttäuschungen an- und ausspreche, die mit dem Älterwerden verbunden sind.

Der einzige Halt liegt
im Loslassen
und in der Veränderung

Das Ja zu sich selbst – und zwar wie man ist / nicht wie man sein möchte.

Andernfalls lügt man sich selbst in die eigene Tasche.

Ein Irrtum ist, dass es nicht da ist, wenn ich mir etwas nicht eingestehe / es verdränge.

 

Verdrängtes sucht sich immer seinen Weg.

Ehrlichkeit mit sich selbst führt zu Wahrnehmung und Veränderung.

 

Im September 2016 schriebe ich in meinem Blog mit dem Titel „Das Leben lebendig leben. Über das Loslassen“: Wenn etwas zu Ende geht, entsteht ein leerer Raum, der sich vielleicht nicht gleich füllt, weil das Neue noch nicht da ist. Eine Wartezeit …

Jedoch – alles was nicht mehr passt, bindet Energie und Loslassen setzt Energie frei für Neues.

Rückzug

Meine Art mit anstehenden Veränderungen umzugehen / mich zu besinnen / ist Rückzug. Immer schon. Aber nicht immer ist das der Grund für meinen Rückzug. Es gibt auch den spirituellen Grund, um mit meinem Innersten, und darüber hinaus mit dem „Nichts und Alleinssein“ in Kontakt zu kommen und zu bleiben. (Siehe meinen Blog „Der liebe Gott und ich und die Überschwemmungsgebiete).

Mein großes Erwachen kam mit 32 Jahren nach einer dreimonatigen Rucksackreise durch Indien. Nach dem Heimkommen begann ich mich zu fragen, was ich da eigentlich mache in meinem Leben. Mit dieser Frage begann mein erster Rückzug in meinem Leben. Und danach blieb kein Stein auf dem anderen – die Beendigung einer Ehe und die Aufgabe einer erfolgreichen Laufbahn in einem Führungsjob. Ich begann eine zweite Berufsausbildung und machte mich selbständig.

Einige fragten mich, wie ich das genau mache – das Hinschauen auf mein Leben.

Nun – ich zähle auf / mache sozusagen „Negativ- und Positiv-Listen“. Wobei ich die Bezeichnungen negativ und positiv nicht so gern habe und nicht verwende.

Ich bezeichne es als – die dunkle und die helle Seite.

 

Negativ bedeutet zumeist, dass uns etwas nicht gefällt und/oder dass wir etwas nicht haben wollen. Es geht aber um Akzeptanz, dass es da ist und das Annehmen. Deshalb dunkle und helle Seite. Ich nehme beide an – die dunkle genauso wie die helle Seite.

Wenn ich mir nicht genau ansehe, was es da zum Loslassen gibt, wie könnte ich dann Loslassen. Ich kenne es ja gar nicht.

 

Indem ich es mir ganz klar bewusst mache, beginnt es sich bereits aufzulösen.

Wenn ich es ausspreche, verliert es seine Macht über mich.

Das Skurrile dabei ist: Wenn ich etwas annehme, kann ich es auch loslassen.

 

Ich nehme meine Traurigkeit / Enttäuschung / Zorn / Hoffnungslosigkeit an – lasse mich ganz hineinfallen – drücke sie an mein Herz – und lasse sie los …

Was diese Besinnung / Betrachtung erfordert, ist – sich Zeit zu nehmen. Zeit für sich selbst. Damit stellt sich auch die Frage – wie wichtig bin ich mir? Wer und was hat Priorität in meinem Leben? Bin ich es, oder sind es andere – Menschen / Beruf / Dinge …

 

Sich gut in seinem Leben einzurichten bedeutet,

sich Zeit für sich selbst zu nehmen.

Sich selbst zur Priorität im eigenen Leben zu machen.

 

Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit – gut für sich selbst sorgen.

Selbst wenn wir in Gemeinschaft (welcher Art auch immer) mit anderen leben kommen wir nur zu einem guten Kompromiss – wenn wir genau wissen was wir wollen und was für uns selbst wichtig ist.

 

Die einzige Ausnahme jemand anderen wichtiger zu nehmen

ist die Verantwortung und liebevolle Fürsorge für ein Kind.

 

Die restlichen Jahre meines Lebens möchte ich mit Menschen zusammen sein mit denen ich es gut habe; etwas tun, was mir gut tut.

Zufriedenheit / beglückende Momente zu erleben und zu lieben.

 

Besonders leicht ist es mit dem Loslassen, wenn wir mit uns selbst im Ein-Klang sind.

Zwei-Klang, oder wie viele Klänge auch immer, genießen – sie aber nicht brauchen.

Mit sich selbst im Ein-Klang

Für sich selbst klingen

Klingt das nicht gut?

 

Als Schlusssatz möchte ich Henning Mankell zitieren: „Wahrheit ist immer provisorisch und veränderbar“. Und damit stimme ich ihm voll zu. Also bleiben wir bei der Wahrheit.

Dies ist meine Wahrheit. Für andere mag sie anders sein.

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Eine Empfehlung:

Der von mir sehr geschätzte schwedische Schriftsteller, Krimiautor und Theaterregisseur Henning Mankell, ist 2015 mit 67 Jahren an Krebs verstorben.

Sein Buch „Treibsand – Was es heißt, ein Mensch zu sein“, in dem er sehr persönlich über sein Leben nach der Diagnose, die er Anfang 2014 erhalten hatte, habe ich gelesen. In einer Kolumne für die Zeitung Göteborgs-Posten schrieb er: „Ich höre Menschen sagen: ‚falls‘ ich sterbe, aber zum Teufel, es heißt ‚wenn‘ ich sterbe – der Tod ist das einzige, dessen wir uns ganz sicher sein können.“ 

Mankell hat sich sowohl als Autor und Regisseur, als auch mit seinem politischen Engagement in seiner zweiten Heimat Afrika viel mit dem Begriff Wahrheit auseinandergesetzt.

In seinem letzten Roman „Die schwedischen Gummistiefel“, der 2016 erschienen ist, schreibt er nachdenklich und in knapper Sprache über das Leben mit der Einsamkeit, die Suche nach Nähe, das Alter und den Tod. In diesem Buch geht es um Lebensbilanzen und um die Erkenntnisse von Wahrheit.

Mankell glaubte aber nie, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Sie sei vielmehr „immer provisorisch und veränderbar“, schloss Mankell im März 2015 das Nachwort seines Buches. Ein halbes Jahr später war er tot.

Das Alter und ich …

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Wie sich die 50-jährige das Altwerden vorstellte und wie sie die Realität erlebte

 „Jedes Alter ist schön“ – sagte ich früher sehr oft.

Ich hatte meine Schwierigkeiten damit. Mit dem Satz weniger. Aber mit dem Älterwerden. Etwas widersprüchlich. Aber so war es. Das Älterwerden. Widersprüchlich. Für mich.

Es gibt sie, die Menschen, die kein Problem mit dem Älterwerden haben. Es tut gut, ihnen zuzuhören und zuzusehen. Jedoch – ich gehörte nicht dazu. Nicht immer. Mein Problem hatte aber weniger mit dem Älterwerden, als mit meiner Erwartungshaltung zu tun. Mit einer Erwartungshaltung, die nichts mit meiner Lebens-Realität des Altwerdens zu tun hatte. Darüber möchte ich erzählen.

Ich merkte, dass ich Bilder, die ich mir von meinem eigenen Alter gemacht hatte, loslassen musste.

In meinen Bildern vom Alter war ich immer unverändert unverbraucht, unversehrt, unangreifbar. In meinen Bildern und Vorstellungen, die ich mir im Zeitraum von meinem 40. bis 50. Lebensjahr ausgedacht hatte, ging ich von meinem damaligen Körper aus – meiner scheinbar unendlichen, kraftvollen Energie und meiner Attraktivität. Krankheiten kamen in meinen Bildern schon gar nicht vor.

Nachdem ich mit meiner ersten Berufslaufbahn die Wünsche meiner Eltern erfüllt hatte, begann ich mit 38 Jahren eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. Als Berufseinsteigerin in meine Lebens-Berufung als körperorientierte Psychotherapeutin ging ich von der Voraussetzung aus – wenn ich nur alles richtig mache, dann passiert mir nichts. Das „alles“ waren die körpertherapeutischen Übungen (nach Wilhelm Reich, Alexander Lowen etc.).

Mein absoluter Glaube – wenn meine Energieblockaden gelöst sind und meine Energie frei fließen kann, werde ich nicht krank. Das war nicht nur ein Glaube, es war schon fast ein religiöser Eifer. Und es war ein Irrtum.

Lange Zeit war es auch so. Bis auf leisen Sohlen das Alter kam.

Mit meinem 53. Lebensjahr kamen die Wechseljahre in mein Leben. Ich hatte meine letzte Beziehung beendet. Es war keine große Liebe, eher eine Liebelei mit viel Spaß und Verrücktheit. Danach beschloss ich, durch meinen Wechsel alleine durchzugehen. Als ob ich es geahnt hätte, dass ich mich häute und wieder einmal eine ganz andere Frau zum Vorschein kommt. Eine, mit der ich erst einmal Mühe hatte, sie zu akzeptieren.

Wie es begann mit den Realitäten

Realität war – mit meinem 55er begann mein Körper sich zu verändern. Die Haut wurde schlaffer, faltig; die Gesichtszüge, die Brüste und der Bauch begannen nach unten zu sinken.

Es zeigte sich das eine oder andere Wehwehchen. Der Schock meines Lebens war mit 63 Jahren eine lebensbedrohliche Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ich verbrachte eine Woche im Krankenhaus. Dabei stellte man fest, dass meine Bauchspeicheldrüse geschädigt ist und ich auf meinen geliebten Rotwein und Schokolade verzichten sollte. Sollte. Mache ich aber nicht immer. Nicht ganz.

In der Folge war auch eine Gallenblasenentfernung notwendig.

Mein erster operativer Eingriff! Entsetzen!

Auch meine Beweglichkeit und Belastbarkeit wurde und wird weniger. Sei dies nun bei Übersiedlungskartons schleppen, der Gartenarbeit, beim Wandern, beim Yoga, beim Nächte um die Ohren schlagen …

Oh Gott, wovon spreche ich denn da? Wann hatte ich mir denn das letzte Mal irgendetwas um die Ohren geschlagen …

Mein Körper, der so lange so gut funktioniert hatte, ließ mich im Stich! Welch eine Enttäuschung.

Realität ist – mit meinem 60er wurde meine Energie weniger. Meine unendlich geglaubten Kräfte schwanden. Ich wurde müde. Schaffte weniger als früher. Machte ein Mittagsschläfchen. Früher unvorstellbar!

Auch mein Schaffensdrang wurde weniger. Ich machte nicht mehr fünf Sachen und Projekte gleichzeitig. Ja, ich habe sogar meine Praxis geschlossen. Hatte ich doch das Bild von mir als 80jähriger Therapeutin – rastlos tätig und agil. Eine Vorstellung, dass ich eines Tages müde der Therapie, den Geschichten und psychischen Störungen der KlientInnen sein könnte, gab es nicht. Auch nicht, dass ich eines Tages die Verantwortung nicht mehr tragen möchte.

Meine Energie, die mir so unendlich erschien, wurde weniger. Welch eine Enttäuschung.

Realität ist – erst selbst entschieden für eine Weile beziehungslos zu sein, ist es mit der Partnersuche nicht mehr so leicht.

Das Tabuthema „Sexualität im Alter“, von dem ich bereits gewusst hatte, betraf mich nun selbst. Es fiel mir immer sehr leicht, Männer kennen zu lernen. Ich war zwei Mal verheiratet, hatte Lebenspartner, Geliebte und One-Night-Stands. Ich habe monogame Beziehungen gelebt und auch Polyamorie-Beziehungen.

Ich dachte nicht, dass ich eines Tages für die Männerwelt unsichtbar werden würde. Dass sich mir nicht mehr alle Blicke zuwenden würden, wenn ich einen Raum betrete. Und wenn, dann nur kurz.

Die selbstverständliche Attraktivität als Frau und Partnerin scheint mit den Jahren verschwunden zu sein. Auch eine Enttäuschung.

Realität ist – ich habe jahrzehntelange im Hier und Jetzt gelebt – was kostet die Welt …

Nur ja nichts Sparen. Doch Jetzt erlaubten mir meine Finanzen nicht, meine Träume, die ich für das Alter hatte, umzusetzen. Meine Träume waren ein Haus in der Toscana und durch die Welt zu reisen. Doch womit denn? Ich dachte nicht daran, dass ich, wenn ich einmal aufhören würde als Therapeutin zu arbeiten, ich von meiner Pension leben muss. War dieses Aufhören doch auch nicht vorgesehen.

Der Geldfluss war versiegt. Welch eine Enttäuschung.

Das Loslassen und die Akzeptanz – es ist, wie es ist – war ein langer Prozess.

Ein notwendiger – um gut im Hier und Jetzt landen zu können.

Ich lebe in einem kleinen Häuschen mit einem großen Garten. Im Haupthaus wohnt mein Sohn. Das ist in Ordnung so.

„Ausgedinge“ nannte man das früher. „Altenwohnsitz“ heute.

In Gehnähe gibt es wunderschöne Badeseen. Ich habe liebevolle und nährende Freundschaften. Liebesbeziehung(en) habe ich keine. Das fehlt, und auch wieder nicht. Denn ich lebe und bin auch sehr gerne alleine.

Männer sind eine eigene Geschichte. Mit älteren Männern kann ich nichts anfangen. Und sie nicht mit mir. Ich sei zu selbständig / brauche zu viel Zeit für mich allein – hörte ich.

Jüngere Männer interessieren mich. Und ich sie auch. In den letzten 35 Jahren war ich mit jüngeren Männern zusammen – ein beidseitiger Gewinn. Um sie kennen zu lernen, muss ich / will ich / wieder mehr hinaus aus meinem Schneckenhaus in die Welt.

Zwar weitaus langsamer und nicht mehr so stürmisch, aber doch …

Ob ich noch an die Liebe glaube? Ja, natürlich!

Falls sie kommt, freue ich mich! Sehr! Falls nicht, geht’s mir auch gut.

Aus meiner LiebesBunt-Gedichtreihe:

Heute

Ist die Liebe

SommerHimmelDunkelbau

Grüne Weingärten

Silbrigglitzernde Olivenbaumblätter

Du und ich

Versteckt hinter Ginster

Im kühlen Wasser des Teiches

Ineinander verschlungen

(30. August 2016)

 

Nun von der dunklen Seite „meines“ Alterns – von dem, was alles nicht ist, zur hellen Seite – dem was ist.

Ich habe ein Grundeinkommen – die Pension.

Ich komme zur Ruhe und ich habe Zeit.

Wenn ich mir Zeit lasse und achtsam bin mit mir und meiner Umwelt – spüre ich Zufriedenheit und Glücksmomente. Über vieles. Auch und vor allem über Kleinigkeiten. Ich habe viel gelebt und erlebt – sehr viel. Viele Menschen suchen sich im Alter eine neue Aufgabe. Das ist gut so. Ich habe so viele Aufgaben und Fleißaufgaben erledigt, so viel gemacht und Verantwortung getragen, dass ich es mir erlaube – einfach nichts zu tun.

Wobei das mit dem Nichtstun, na ja – sogar bei der Meditation tut man nicht einfach nichts. Um ein paar Momente Nirvana / das ewige Nichts / Urgrund des Seins* zu erleben, muss man schon sehr viel tun.

Und so schreibe ich hie und da ein Gedicht und meine Gedanken nieder. So manches Mal auch auf Wunsch Texte für FreundInnen, ich unterstütze Kolleginnen.

Und meine Schatzkiste ist bis oben voll. Ich kann sie jederzeit öffnen, darin herumkramen und mich freuen.

Und so hatte das Leben der Vergangenheit im Hier und Jetzt auch seinen Sinn. Ich habe nicht das Gefühl allzu viel versäumt zu haben. Weniges vielleicht. Aber das kratzt mich nicht.

Enttäuschungen und Schmerzliches zu verbalisieren – Auszusprechen oder Aufzuschreiben, holt es aus der Dunkelheit ins Licht und die (zer)störende Kraft des Ungesagten und Ungezeigten schwindet. Es wird leichter. Und eines Tages schwindet es ganz.

Betty Davies drückte es zu ihrem 70. Geburtstag sehr drastisch aus, wenn sie meinte: „Altwerden ist nichts für Weicheier.“

„Verfallen müssen wir lernen“, sagt Thekla Carola Wied zu dem an Demenz leidenden Matthias Habich in dem Film „Sein gutes Recht“.

Ja, Verfallen muss / möchte ich lernen. Nein, mir fällt das nicht leicht und ich bin mitten drin. Möge die Übung gelingen …

Und so könnte ich, wenn ich all die Bilder von meinem Alter, die ich mir in meiner Mittelalterphase von 40 – 50 gemacht habe, loslasse, ein zufriedenes Leben leben.

Könnte ich? Nein, kann ich …

 

* Der Begriff „Urgrund des Seins“ stammt von dem englischen Dichter Gerard Manley Hopkins: „ Ground of being, and granite of it: past all / Grasp, God“

 

Himmel auf Erden

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Sonnenaufgang

Morgenröte

blassblauer Morgenhimmel

wird dunkelblau

Schwalben ziehen ihre Kreise

Morgendunst über den Feldern und Hügeln

Steinhaus

Fensterläden öffnen sich

Vorhänge wehen im Wind

ein gedeckter Tisch in der Pergola

Caffe latte und krosses Weißbrot

in den Hügeln

leises Glöckchengebimmel der Schafe

eine durchliebte Nacht im Körper

Geruch von mir und dir

Arme die mich umfassen

dein Körper der sich an meinen presst

gemeinsam der Morgenstille lauschen

ein leichtes Frösteln in der Morgenkühle

die Wärme der aufgehenden Sonne spüren

eine Minute Eins-Sein

eine Minute Glück

eine Minute Ewigkeit

Himmel auf Erden

 

(M.K., 16. Mai 2003)

Wo steht unser Mandelbaum

Blooming is vernal.

Ich liege

in deinen Armen, Liebster,

wie der Mandelkern in der Mandel.

Sag mir: wo steht

unser Mandelbaum?

 

Ich liege in deinen Armen

wie in einem Schiff,

ohne Route noch Hafen,

aber mit Delphinen am Bug.

 

Unter unserem Rücken

ein Band von Betten,

unsere Betten in den vielen Ländern,

im Nirgendwo der Nacht,

wenn rings ein fremdes Zimmer versinkt.

 

Wohin wir kamen

– wohin wir kommen, Liebster,

alles ist anders,

alles ist gleich.

 

Überall wird das Heu

auf andere Weise geschichtet

zum Trocknen

unter der gleichen

Sonne.

(Hilde Domin)