Über die dunklen Seiten der Seelen von uns Menschen zur Versöhnung und Umarmung an Hand der Texte von Thomas Sautner, Roul Starka und Nicole Lieger

Malina, die Hauptfigur in dem Roman „Das Mädchen an der Grenze“ erzählt, wie ihr Vater und sie, trotz eines gemeinsamen Erlebnisses, alleine sind.

„Alleine, ich für mich, und auch – es traf mich ebenso – du für dich. Nun, da ich endlich deine Zartheit hatte sehen dürfen, wurde mir bewusst, wie sehr nicht nur ich, sondern auch du Hilfe bräuchtest, und ebenso Mutter und meine Schwestern und all die anderen, ja selbst die fremden Menschen aus meinen Wachträumen. Wieso nur waren wir alle … so alleine mit uns? Und immer geschah, geschah, geschah das Leben und immer stieß es uns herum und keiner war da, der lieb war und zugleich auch stark. Lieber Gott, wieso gab es dich nicht?! (…)

Noch einmal berührtest du sachte den Rand der Decke, ließest die Hand aber nicht darauf ruhen, sondern hieltest sie wie schwebend auf dem Stoff. Als wäre die Decke selbst schon schwer genug für mich, als wolltest du mir nicht noch weitere Last, dich, zumuten. Vielleicht war es ja auch deine Art mich zu streicheln, Papa, indem du so behutsam den Stoff berührtest über meinem Herzen. Kurz hobst du den Blick zu mir, strichst noch einmal über den Deckensaum. Dann gingst du.“

Weiter schreibt sie über ihre neue Lehrerin, Frau Schemelmann.

„Ich schreckte hoch, wenn sie mich wie aus dem Nichts anschrie, mir Kopfnüsse verabreichte oder mich an „den Süßen“ zog, dem Haaransatz beim Ohr. Wenn sie das tat und mir dabei viel zu nahe kam, roch ich sie, ihr Kölnischwasser und ihre dickwollige, leicht säuerliche und zugleich modrige Kostümjacke. Gewiss, für ihren Geruch konnte sie nichts, er war ihr mit den Jahren geschehen und Frau Schemelmann nahm ihn vermutlich ebenso wenig wahr, wie sie ihr Verhalten wahrnahm. Darin steckte sie fest wie in einer düsteren, engen Wohnung. Und mir schien, dass nicht sie darin tat und ließ, was sie mochte, sondern die Wohnung mit Frau Schemalmann tat und ließ, wie es ihr gefiel. (…)

Doch das einzige Ergebnis, auf das ich kam, war, dass ihre Verlorenheit die Menschen einte. Hilflos trieben sie auf den Wellen ihrer Emotionen, wurden hin- und hergeworfen von Empfinden, die oft auf Missverständnissen beruhten, auf Halbwahrheit und alten Kränkungen. Alle sehnten sich nach Liebe und Respekt; und beinahe alle glaubten, betrügerisch wenig davon zu bekommen. Es stimmte sie missmutig und aggressiv, ließ sie Krieg führen gegen sich und die Welt.“

Aus dem Buch „Das Mädchen an der Grenze“ von Thomas Sautner

~~~~~~~~~

Roul Starka, Musiker, Komponist und Literat, schreibt in einem fiktiven Gespräch mit George Floyd, dem Afroamerikaner, der am 25. Mai 2020 durch einen Polizisten getötet wurde:

„Alles okay, die letzten Sekunden da unten waren grauenvoll, aber jetzt geht es mir gut. Ich bekam zwar keine Luft mehr, musste aber den Atem des Cops riechen.“
„Wie roch das?“
„Es roch nach Angst, nicht nach meiner, nach seiner.“
„Aber du musst doch Angst gehabt haben?“
„Natürlich, mehr als je zuvor, aber meine war Todesangst, seine war Angst vor seinem eigenen Hass, das stinkt wirklich.“ (…)

„Wie denkst du jetzt über den Cop?“
„Ich würde ihn umarmen und ganz fest drücken.“
„Was? Wir wollen ihn alle ewig lang einsperren, manche wollen ihn hinrichten!“
„Das ist ja das Problem. Aber das befriedigt nur deine Wut, deine Machtlosigkeit, deinen Hass. Es geht dir jetzt wie damals dem Cop, als er klein war, sich nicht wehren konnte gegen eine Bedrohung, gegen eine Einsamkeit.“
„Herrgott, wir können ja nicht alle Mörder umarmen und fest drücken, das ist ja Wahnsinn!“
„Probier es mal mit Fraugott und umarmen, das mit dem Einsperren und Bestrafen funktioniert ja nicht so toll.“

https://www.facebook.com/roul.starka

https://www.starka.at

~~~~~~~~~~~

Sehr lange schon kenne ich die von Nicole Lieger ausgearbeitete und formulierte „Politik der Anziehung“. Und immer wieder, wenn ich von Zeit zu Zeit ihre Texte lese, bin ich begeistert von dem wie sie die Möglichkeit Politik zu machen beschreibt – „ein liebevolles Engagement für eine andere Welt“.

Als ich die zwei obigen Texte ausgewählt habe, ist mir eine Textstelle von ihr eingefallen, die hervorragend dazu passt:

„Ein weiterer Vorschlag, den ich hier in den Raum stellen möchte, ist, eine sprachliche Wendung zu suchen, die immer deutlich macht, dass unser Interesse dem Wohlergehen der gesamten Menschheit gilt. Besser wäre vielleicht noch zu sagen „allen Lebewesen“, aber ich denke, als erster Schritt ist eine Besinnung auf die Menschheit als Ganzes schon sehr hilfreich. Der sprachliche Vorschlag dazu wäre, das Wort „wir“ immer in Bezug auf die Menschheit zu verwenden. Möchte ich auf spezielle Umstände einer bestimmten Situation eingehen, sage ich „diejenigen von uns“. Zum Beispiel: diejenigen von uns, die in China geboren wurden; diejenigen von uns, die gerade Konzerne leiten; diejenigen von uns, die Terroranschläge vorbereiten; diejenigen von uns, die in Slums leben; diejenigen von uns, die gerade als Soldaten unterwegs sind; diejenigen von uns, die als Männer erzogen wurden; diejenigen von uns, die gestorben sind.“

https://homepage.univie.ac.at/nicole.lieger/

~~~~~~~~~

Roul Starka lässt George Floyd in dem fiktiven Gespräch über seinen Mörder sagen – „es roch nach Angst, nicht nach meiner, nach seiner“ und weiter –„Ich würde ihn umarmen und ganz fest drücken“

Malina erzählt in ihrer Geschichte über den „leicht säuerlichen Geruch“ von Frau Memmelmann. Sie beschreibt sie als griesgrämige Frau, die zuweilen spontaner Ärger befiele, und wie eigentlich alle Menschen Hilfe bräuchten.

In meiner Arbeit als Psychotherapeutin habe ich in der speziellen Körperarbeit mit Klient*innen gelernt, die verschiedenen Schweißgerüche zu unterscheiden. Angst riecht zum Beispiel anders als Wut. Und ich habe erfahren, wie sich die Gefühle von Angst, Wut, etc. in Umarmungen und Gehaltenwerden in Trauer und Schmerz verwandeln …

Wie könnte ich nach fünfundzwanzig Jahren Arbeit mit Menschen als Psychotherapeutin nicht über das viele Leid, Schmerz, Missachtung und Missbrauch von Menschen wissen.

Ja, ich weiß, dass derjenige Mensch von uns, der Floyd ermordet hat, nicht als Mörder zur Welt kam.

Könnte ich ihn umarmen?

Ich weiß es nicht.

Da möchte ich doch gerne als Abschluss die Worte von George Floyd in dem fiktiven Gespräch mit Roul Starka zitieren:

„Die Herz Dame im Kartenspiel neu gestalten, Aretha Franklin sitzt neben mir, wär doch ein schönes Foto. Dann die Karten mischen und spielen, statt stechen sagt umarmen …“

Über die Liebe und das Leben

Eine Rückschau mit Dankbarkeit

Mit 70 Jahren darf man schon mal Rückschau halten.

Die Schatztruhe öffnen und schauen, welche Schätze sich darin angesammelt haben. Obwohl es natürlich noch nicht zu Ende ist – die Liebe und das Leben – da kommt noch was …

Reden wir doch über die Liebe und die Lust in unserem Leben.

Was gibt es Wichtigeres?

Gibt es etwas Wichtigeres?

Nein.

Am Ende des Tages – oder hoffentlich schon früher – ist es egal, wer du warst, welchen Beruf du hattest, wie viel du verdient hast, oder was du alles besitzt …

Am Ende des Tages – oder hoffentlich schon früher – wirst du dich fragen, wie viel du geliebt und voll Lust und Freude gelebt hast.

Lasst uns doch diese Geschichten erzählen.

Geteilte Geschichten bereichern und machen Mut zu leben.

Was würdest du erzählen?

Heute erzähle ich – einen Teil – meiner Geschichten. So viel gelebtes Leben lässt sich nicht in einer Geschichte unterbringen – und dafür bin ich sehr dankbar.

In den Jahren meines Liebes-Lebens lernte ich zu unterscheiden:

  • die Herzensliebe – die aus dem Herzen kommt und das Herz überfließen lässt
  • die Seelenliebe – eine seelische Verbundenheit, die sich anfühlt, als wäre die Liebe schon seit Anbeginn der Welt da
  • die Bauchliebe – welche die Schmetterlinge zart mit den Flügeln schlagen lässt in unserem Bauch, und / oder die ein loderndes Feuer entflammt, das uns brennen lässt vor Lust

Ich lernte, dass alle drei für sich gelebt werden können / dürfen.

Und ich lernte, dass, – wenn alle drei zusammentreffen es die „heilige Dreifaltigkeit“ ist. Ein wundersames Geschenk.

Ich schreibe Liebesbriefe an meinen verstorbenen ersten Ehemann, von dem ich mich getrennt habe – damals vor langer Zeit; ich rede mit meinem zweiten Ehemann über unsere Liebe, wenn wir uns sehen; und ich habe Schmetterlinge im Bauch, wenn ich mich mit meinem Lieblings-Ex-Lebenspartner treffe …

Und das alles trage ich in mir und spüre ich jederzeit – wann ich nur will – welch’ glückliche Frau ich doch bin …

Panta Rhei  – Aus der Flusslehre

„Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“

Ich sitze am Ufer meines Flusses und blicke zurück.

Wenn ich zurückblicke, muss ich aufstehen um die Quelle meines Flusses zu sehen; wie er mäandert und sich die Ufer immer wieder verändern.

Schaue ich in die andere Richtung – zum Mündungsdelta des Flusses in das unendliche Meer – kann ich es bereits im sitzen sehen …

Metamorphose – Bewegungsfluss der Liebe

Welch weiter Weg von dem verzweifelten Schrei im Jahr 1988 „er gehört nicht mir“ bis zur Freiheit des Herzens und der Worte „weil meine Liebe nichts verlangt von dir“ im Jahr 2019 …

1988

er braucht mich nicht

er lacht und liebt mit einer anderen

keine liebe

kein vertrauen

keine sicherheit

keine geborgenheit

er braucht  mich nicht

er begehrt mich nicht

nicht mehr

wie gewonnen

so zerronnen

lebensspiel

er gehört nicht mir

nicht mehr

***********

2019

Ich habe keine Angst

dir zu sagen

dass ich dich noch immer liebe

und begehre

Ich habe keine Angst

weil meine Liebe

unabhängig

davon ist

ob du mich liebst

weil meine Liebe

nichts verlangt

von dir

nicht einmal

dass wir uns

wieder sehen

**********

Liebe und Lust sind unendlich.

Es gibt nicht nur die eine Liebe, es gibt viele Lieben.

Liebe ist unendlich und immer anders.

Jede Liebe ist immer eine besondere Liebe, – da das Gegenüber immer anders und besonders ist.

Zu lieben ohne Ausschließlichkeit und damit ohne andere ausschließen zu müssen, heißt – lieben und andere mit einschließen zu dürfen.

Keine Trennung machen zu müssen, die zu leidvoller Trennung führt.

Je mehr Liebe wir verschenken, je mehr wir uns zu lieben trauen, desto mehr Liebe ist in unserem Herzen.

Selbstverständlich gibt es auch in guten Liebesbeziehungen Zorn und Schmerz und Trauer. So ist das Leben. Und so sind wir in unseren ganz besonderen Verschiedenartigkeiten. Ohne Gefühle keine Lebendigkeit. Und zwar alle Gefühle. Die ganze Gefühlspalette – vom einem Ende der Verzweiflung und dem Schmerz bis zur anderen Seite der Glückseligkeit. Sich irgendwie in der Mitte einzupendeln – der Versuch / die Resignation / das Vermeiden wollen von Gefühlstiefen führt zu Unlebendigkeit.

Eine Zeit lang, als ich den Buddhismus kennen lernte, verfiel ich dem Irrtum, dass ich jetzt nur mehr mit Dauerlächeln auf den Lippen, möglichst im Lotussitz, durchs Leben schweben werde.

Wie gesagt, das war ein Irrtum. Da habe ich etwas grundlegend missverstanden mit der Achtsamkeit und Gelassenheit. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Heute bin ich sehr achtsam mit meiner Achtsamkeit – und – weiß wie wichtig mein „heiliger Zorn“ und meine „Tränen der Seele“ sind.

Es geht nie um ein „entweder – oder“.

Es geht immer um ein „und“ …

Achtsamkeit bedeutet zum Beispiel – Zorn und Trauer bis zum tiefsten Grund zuzulassen / dann erschöpfen sich diese Gefühle von allein / sie sind ausgelebt / vorbei – um dann zurückzukehren zur unerschöpflichen Liebe.

Achtsamkeit bedeutet auch – einen Schritt zurückzutreten / einige Atemzüge zu nehmen – und zu merken, dass Zorn und Trauer nichts mit dem Gegenüber zu tun haben, sondern mit dem eigenen Selbst – um dann zurückzukehren zur unerschöpflichen Liebe.

Mein Weg des Lebens – mit der Liebe

Wild – sinnlich – besinnlich

Immer wieder bin ich dankbar für mein gelebtes Leben!

Wie viele Wege bin ich gegangen – manchmal ein leichter Wanderweg, dann wieder eine schnelle Autobahn /  in ein liebliches Tal und über eine Alm mit Kräuterduft / manchmal ein schwieriger Anstieg über eine Geröllhalde und die Glückseligkeit des Gipfelerlebnisses / und so manches Mal ein Stolpern durch die brennheiße Wüste ohne Ende / ein Dschungelpfad mit wilden Tieren / manchmal eine Sackgasse und zurück an den Start / und immer wieder die Stille des Rückzugs – das Sitzen am Fluss …

**********

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/11/23/liebesbrief-an-meinen-ersten-ehemann/

https://monikakrampl.wordpress.com/2020/05/03/ein-mann-und-zwei-witwen/

https://monikakrampl.wordpress.com/2019/12/30/leben-heist-lieben-und-lieben-heist-leben/

Ein Mann und zwei Witwen

Liebesbrief Nr. 4 an meinen ersten Ehemann

So hie und da, wenn ich am Morgen mit meinem Hund bei ihrem Gartenzaun vorbeilaufe, und sehe, dass sie im Garten ist, öffne ich die Gartentür und trete ein. Sie freut sich, mich zu sehen – deine Ehefrau Nr. 2. Und wir – sie und ich, Ehefrau Nr. 1, – setzen uns an den Tisch und trinken gemeinsam Kaffee.

Wir reden über dich, so wie immer.

Anfangs, weinten wir sehr viel. Wir lagen uns immer wieder in den Armen und trösteten uns. Mit der Zeit wurde es leichter. Und jetzt lachen wir sehr viel miteinander. Wir erzählen uns verschiedene Anekdoten über das Leben mit dir. Und immer wieder lesen wir die Sehnsucht nach dir in den Augen der anderen.

Ja, so könnte es sein.

Ist es aber nicht.

Und obwohl wir nur einige Häuser entfernt in der Straße wohnen, haben wir uns über Jahrzehnte nicht gesehen. Ich lebte in Wien und war nur selten in meinem Elternhaus. Als ich wieder zurückgekommen bin, warst du bereits sehr krank. Hat man mir erzählt.

Deine zweite Frau – wir kannten uns einmal sehr gut – kennt mich nicht mehr oder will mich nicht kennen. Ich weiß es nicht.

Manchmal nickt sie mir zu, über den Gartenzaun hinweg. Aber ich bin mir nicht sicher, ob diese alte, kranke Frau, die mühsam an ihrem Gehstock Schritt für Schritt durch den Garten geht, mich erkennt.

Ich wünschte mir, ich hätte den Mut gehabt und hätte bei ihr angeläutet.

Wir hätten gemeinsam um dich trauern können.

Zwei Witwen.

Das hätte ich mir gewünscht.

„Traurigkeit ist eine Mauer zwischen zwei Gärten“, sagte Khalil Gibran. Das gefällt mir.

Vor drei Jahren bist du gestorben.

Ich habe dir damals den ersten Liebesbrief geschrieben.

Den ersten nach deinem Tod.

Denn die vielen Liebesbriefe von damals, als du deinen Präsenzdienst leisten musstest und wir monatelang getrennt waren, habe ich noch. Wir haben uns fast täglich geschrieben und in jedem Brief spricht unsere Liebe und unsere Sehnsucht danach, uns wieder in die Arme schließen zu können.

Jahrzehntelang hatte ich nicht mehr an dich gedacht. Und es überraschte mich, dass ich mich plötzlich als Witwe fühlte; – dass ich mich in diesem Gefühl deiner zweiten Ehefrau sehr nahe fühle.

Obwohl ich auch einen zweiten Ehemann und mehrere Lebenspartner hatte. Männer, die ich jeweils ganz besonders liebte. Jeden in seiner eigenen Besonderheit.

Und ich denke mir, wie schön wäre es, wenn das viele Menschen wüssten – dass man mehr Menschen lieben kann, – jeden und jede in ihrer und seiner Besonderheit. Keine Ausschließlichkeit mehr – sondern Einschließlichkeit – neue Strukturen / neue Ordnungen würde sich bilden.

Kein Liebesleid und leiden mehr.

Worüber würden die Dichter dann schreiben …?

Vor drei Jahren, als ich von deinem Tod erfuhr, war sie plötzlich wieder da – die große Liebe, die ich für dich empfand und jetzt noch immer spüre. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese große Liebe – das glückselige Herz und das brennende Verlagen – mit dir leben durfte, und es heute noch in mir trage.

In meinem ersten Liebesbrief, damals vor drei Jahren, schrieb ich:

„Heute erwachte ich ganz still. Und wusste noch nicht, dass ich mich hineinfließen lassen werde, in die Erinnerung an unsere Liebe.

Die Dunkelheit des Nachthimmels verabschiedet sich langsam.

Der Sonnenaufgang kündigt sich an. Ich sitze am Fenster und freue mich über die Stille und die Schönheit des frühen morgens.

Und sanft wie das hellblau des Morgenhimmels steigen Erinnerungen in mir hoch.

Ich erinnere mich an dich.

Ich erinnere mich an dich – meine erste große Liebe.

Ich war 14, und du 15, als unsere Liebe begann.

Als wir heirateten, war ich 18, und du 19.“

Heute, – drei Jahre später, ist es wieder ein stiller Morgen – vom Dunkel der Nacht in die erste Helle des Morgens / wie ich diese Stunden liebe …

Ich zitiere nochmals aus dem Brief, weil es heute noch immer Gültigkeit hat und für immer haben wird:

„Ich erinnere mich gerne an die gute Zeit mit dir, die wesentlich länger war, als die Zeit des Zorns und des Leids.

Wie könnte ich das je vergessen?

Müsste ich da nicht auch mich selbst vergessen?

Wie könnte ich darauf verzichten, die Innigkeit der Liebe und Lust nicht mehr zu spüren?

Ich erinnere mich.

Du, meine erste Liebe in meinem Leben.

Ich erinnere mich an dich.“

https://monikakrampl.wordpress.com/2017/11/23/liebesbrief-an-meinen-ersten-ehemann/

Vom Vergeben und Verzeihen

Aus dem theoretischen und dem ErfahrungsWissen heraus, dass wirkliches Herzens-Vergeben und –Verzeihen nur möglich ist, wenn ich den Verletzungen meines inneren Kindes genügend Beachtung geschenkt habe – …

wenn ich das innere Kind genügend auf die bösen Eltern und alle anderen schimpfen und klagen habe lassen und mich an seine Seite gestellt habe; wenn ich es immer wieder in den Arm genommen und ihm – so wie meine Großmutter es tat – vorgesungen habe –

Heile, heile Gänschen

es ist bald wieder gut

es Kätzchen hat ein Schwänzchen

es ist bald wieder gut

heile, heile Mausespeck

in hundert Jahr ist alles weg

– …

wenn ich der Jungendlichen und der erwachsenen Frau in mir ihre Entscheidungen, die sie aus ihren Verletzungen heraus getroffen hat; ihr Verhalten Menschen gegenüber, das sie aus ihren Schmerzen / dem Zorn / der Scham / der Selbstunsicherheiten zeigte, vergeben habe, —

dann, und erst dann, wird das große Vergeben und Verzeihen möglich sein.

Das innere Bild des kleinen Mädchens, das in einer Ecke sitzt, die Arme um die angezogenen Knie gelegt, den gesenkten Kopf auf den Armen abgelegt, die Haare, die nach vorne fallen und man daher ihr verweintes kummervolles Gesicht nicht sieht, hat sich gewandelt.

Das jetzige innere Bild des kleinen Mädchens ist ein Mädchen, das mit erhobenen Armen, das Gesicht der Sonne zugewandt, umgeben von Schmetterlingen und Bienen, mit ihren strahlenden Augen über die Blumenwiese tanzt und vor sich hin trällert …

Auf sie habe ich lange gewartet.

Und wenn sie wieder da ist – so da ist – kann auch den erwachsenen Menschen aus der Kindheit, die durch ihren eigenen Schmerz so viel an Schmerz verbreitet haben, vergeben werden …

Heile, heile Gänschen …

…..

Und JETZT geht die 70-jährige in den Garten, hebt ihre Arme und das Gesicht der Sonne entgegen – und tanzt an der Hand des lachenden kleinen Mädchens.

Welch wundervolle Welt – trotz allem …

Welche Welt voller Wunder …

~~~~~~~~~~

„Gib mir noch eine kleine Weile Zeit:

ich will die Dinge so wie keiner lieben“

(Rainer Maria Rilke)

~~~~~~~~~~

Postscriptum:

Der lange Weg bis zu Obigem …

1984 begann ich mit einer Therapie, da ich merkte, dass ich mich nicht zu leben traute, wie ich leben wollte – Ängste / Scham / schlechtes Gewissen / etc. beherrschten mich

1984 – 1990 Kennenlernen des Buddhismus / Aufenthalte im buddh. Kloster in Sri Lanka / Yoga- und Meditationsausbildung

1988 begann ich mit der Ausbildung zur Psychotherapeutin – nochmals mit viel Eigen- und Gruppentherapie.

1990 – 2015 – ein langer Lern- und Erfahrungsprozess in der Begleitung meiner Klient*innen in meiner Praxis

In all diesen Jahren das Kennenlernen von verschiedensten anderen Therapie- und Heilmethoden nicht nur durch Seminare, sondern auch von mehr und weniger langen Eigentherapie.

Und mit all diesem und noch viel mehr kreiste ich zu Zeiten auch immer wieder um das Vergeben und Vergessen.

Ich schätze das Erfahrungswissen mehr als theoretisches Wissen, wobei natürlich die Theorie als Handwerkszeug sehr wichtig ist.

In meiner Erzählung „Hineinwachsen in mich – mein 70. Geburtstag – ein neuer Lebensabschnitt“, geschrieben im Jänner dieses Jahres, habe ich geschrieben, dass ich mir nie hätte vorstellen können, meine Tagebücher zu entsorgen, und wie wichtig es plötzlich für mich war, damit auch weiter Vergangenheit loszulassen.

Vielleicht gibt es nochmals einen Durchgang – jedoch mit meinem kleinen, fröhlichen Mädchen im Arm wird es ein leichtes sein!

Neues erfahren und erleben / sich wandeln / bis zum letzten Tag …

Im Dezember 2018 habe ich den Beitrag „Ich wünsche dir zur Weihnachtszeit“ gepostet. Nun poste ich ihn noch einmal mit dem Titel: „Ich wünsche dir in dieser Corona-Zeit“.

Ich wünsche Dir stille Momente.

Unendliche Ruhe.

Unendliche Zeit.

Stell Dir vor – Du hast unendlich Zeit und es gibt nichts zu tun.

Du kannst diese Übung auch für Dich alleine machen. Siehe weiter unten.

Du setzt Dich mit Deinem*r Liebsten hin.

Gegenüber – mit einem Meter Abstand.

Ihr schließt die Augen und atmet tief ein und aus.

Eine Minute lang.

Dann öffnet Ihr die Augen und schaut Euch an.

Vollkommene Stille.

Vielleicht entsteht das Bedürfnis mit den Augen auszuweichen.

Vielleicht entsteht das Bedürfnis Euch zuzuzwinkern.

Du bleibst beim Schauen.

Vollkommene Stille

Atme

Vollkommene Stille entsteht

Ihr schaut euch an

Vielleicht entstehen Gefühle

Registriere sie in Deinem Inneren

Akzeptiere sie

Bleib ruhig sitzen

Vielleicht fließen Tränen

Lass sie fließen

Atme

Spüre Dein Herz

Spüre Deinen Körper – von den Fußsohlen bis zum Kopf

Spüre Deinen Atem

Lass ihn fließen

Ein und aus – er kommt und geht ganz von allein

Raum für Körper, Geist und Seele 

Ich wünsche Euch diese intimsten Momente des einander Sehens

Des einander Wahrnehmes

Mit Herz und Seele

Durch vollkommene Stille in die Seele schauen

Das wünsche ich Dir (zur Weihnachtszeit) JETZT …

Solltest Du mit Dir allein sein, kannst Du das auch vor einem Spiegel machen

Durch vollkommene Stille Dich selbst wahrnehmen

Durch vollkommene Stille in Deine Seele schauen

Wie lange Du diese Übung des Sehens mit dem Herzen machst, bleibt Dir überlassen

Vielleicht beginnst Du mit zehn Minuten …

Und dann – feiere das Leben

Liebt Euch / liebe Dich

Feiere ein Fest

Lass es Dir gut gehen

Sing und tanz …

Und sei fröhlich, guten Mutes und zuversichtlich …

Das wünsche ich Euch JETZT …