Und dann

Wenn ich stark genug bin

um die Sehnsucht auszuhalten

dann

und nur dann

hole ich mir die Bilder her

und folge den Wegen

die ich nicht zu Ende ging

die vielen hätte und wäre

was ich alles hätte sein können

wo und wie ich hätte leben können

wie schön es hätte sein können

und wenn ich mit allen

hätte und wäre durch bin

und meine Trauer und Sehnsucht

fast nicht mehr auszuhalten ist

dann

und nur dann

höre ich auf

und dann

spüre ich den Blick meines Hundes

wie eine warme Hand

die meine Seele umschließt

die mich in das Hier und Jetzt

zurückführt

und dann

weiß ich

dass alles gut ist

so wie es ist

M.K., 09 12 2019

Was ist Glück?

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Mein Sohn ruft durch meine offene Haustür ins Haus „Kommst du?“

Ich stehe auf und setze mich zu ihm vors Haus auf die Gartenstühle. Wir schauen in den Abendhimmel und auf den Hund und die drei Katzen, die sich auf ihren Lieblingsplätzen auf der Wiese und der Bank zusammengerollt haben.

Still ist es auf der Straße und in den Gärten. Wir plaudern immer wieder – ein paar Worte nur, zwischendurch Schweigen. Im Nachbarhaus gehen die Lichter an.

Nach einer Weile steht mein Sohn auf. „Schlaf gut“ – sagt er. Er geht die zehn Schritte bis zu seiner Haustür. Hund und Katzen schauen auf, erheben sich und strecken sich und gehen ihm nach – langsam. Er wartet an der Tür bis alle drinnen sind und schließt ab.

Ich drehe mich um, schaue nochmals in den sich verdunkelnden Garten, atme die kühle Nachtluft ein und schließe meine Tür. Gute Nacht.

Das ist Glück!

Herbstlaub

Tanzendes Herbstlaub

Bei unserem heutigen Hundespaziergang im Regen kamen wir an einer Gartentür vorbei, vor der ein Blätterhaufen lag.
Ich erinnerte mich an die wunderschönen Zeilen einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen.

 

“Ich leide an einer Traurigkeit aus Blättern,
die der Wind gegen die geschlossene Tür weht.

Es ist Herbst und das Laub wirbelt auf.
Als würden alle leeren Tages des Lebens
sich im Garten anhäufen und ihre Vergeudung rascheln.”

 

Gioconda Belli, geboren in Nicaragua. Eine Lyrikerin und Erzählerin mit kraftvoll eindrücklichen Worten, die die Seele schwingen lassen. Mit Intensität und Leidenschaft erzählt sie immer wieder von der Zärtlichkeit und Lust der weiblichen Liebe. Zeitlebens ist sie politisch aktiv und beteiligte sich am Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN gegen die Somoza-Diktatur ihres Landes

Schlechtes Wetter, meine Hündin und ich

013

 

Heute Morgen war wieder einmal ein Morgen, an dem ich keine Lust hatte, aus dem Haus zu gehen. Der Himmel grau in grau, kalt. Nicht besonders kalt. Aber kalt genug um es auf das schlechte Wetter zu schieben. Ich sage es meiner Hündin – „nein, heute machen wir keinen Hundespaziergang“. Wir haben einen sehr großen Garten, deshalb hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen. Ich sollte es besser wissen, dass das nicht funktioniert.

Ich richte mich gemütlich bei meinem Computer ein. Samy steht neben mir. Nein, sie setzt sich nicht, sie steht. Sie steht und schaut mich an und wedelt und wedelt. Ich kann es nicht übersehen. Wenn sie könnte, würde sie mir wohl die Leine bringen.

Lange halte ich nicht durch. „Aber nur kurz. Wir gehen nur unsere kurze Strecke“ sage ich zu ihr, während sie bereits herumspringt.

Wir haben verschieden lange Strecken für unsere Hundespaziergänge. Von kurz, bis mittellang, bis zu ganz lang. Ich lebe zwar in der Landeshauptstadt von Niederösterreich, jedoch wir haben nur ca. 55.000 Einwohner. Also eher eine Kleinstadt. Da wir am Stadtrand wohnen, geht es gleich raus auf die Felder. Unsere kurze Strecke ist ein Feldweg bis ins nächste Dorf und wieder zurück. Mittellange Strecken gibt es einige. Die lange Strecke geht über die Felder zu den zwei Badeseen mit einer Umrundung von beiden Seen.

Nun, heute also die kurze Strecke. Am Ende der Strecke, wo es entweder ums Umkehren oder weiter auf die mittellange Strecke geht, hat sich mein Gefühl für das Wetter bereits verändert. Ich finde nicht mehr, dass es ein schlechtes Wetter ist. Eigentlich liebe ich diese Nebeltage. Und kalt ist mir sowieso nicht. Bin ich doch gut eingepackt und beim Gehen wird mir warm. Also – es geht weiter. Bei der Abzweigung ist meine Hündin mit mir stehen geblieben. Sie setzt sich und sieht mich von der Seite an. Sie lächelt. Ja, sie lächelt – das kann sie. Ich kann ihre Gedanken lesen, so wie auch sie meine liest. „Immer wieder das gleiche Theater“ denkt sie sich, und wir marschieren weiter.

Jetzt sitze ich wieder beim Computer. Bin froh, draußen gewesen zu sein. Samy liegt auf ihrer Hundedecke und streckt alle Viere von sich. Sie blinzelt mir zu und schließt ihre Augen. Ich bin mir sicher, gleich wird sie schnarchen.

Und ich werde dieses glückliche Lächeln auf meinen Lippen haben, das sich automatisch einstellt, wenn meine Hündin neben mir liegt und leise schnarcht …