Ich schreibe weiter an meinem zweiten Buch

Delhi Connaught Place

Der vorläufige Arbeitstitel: „LebensZeichen. Hineinwachsen in mich. Ich habe mir nicht die Flügel stutzen lassen.“

Heute bin ich mit beiden Beinen, mit Herz und Seele im „Kapitel 4: 1981 – 1990“ gelandet.
Ich schreibe über unsere dreimonatige Indien-Reise mit Rucksack. 

Kurze Kostproben

(….) 
Wir waren um die 30, und wir waren mit dem Rucksack unterwegs. Meine erste Erfahrung, wie man mit wenigen Dingen gut auskommt. Diesmal ging es nicht über den Landweg, das hätte denn doch zu lange gedauert. Wir flogen mit der russischen Fluglinie Aeroflot, die zu diesem Zeitpunkt noch die größte Fluggesellschaft der Welt war – und die günstigste für Backpacker. Als wir in Wien in das Flugzeug einstiegen, wusste ich noch nicht, dass damit unser Abenteuer bereits begonnen hatte.

Es war ein kalter Novembertag als wir abflogen und wir waren sehr leicht bekleidet. Wir wussten zwar, dass wir in Moskau in eine andere Maschine umsteigen mussten, um nach Delhi weiterzufliegen, doch das Abenteuer hatte begonnen mit der Unzuverlässigkeit der Aeroflot und sollte sich in Indien fortsetzen. In diesen kommenden drei Monaten sollte ich lernen, meinen Pünklichkeits- und Perfektionsanspruch zu vergessen.

Moskau

Wir kamen mit Verspätung in Moskau an und unsere Anschlussmaschine war abgeflogen. Das bedeutete, dass wir im Transit Hotel am Flughafen übernachten mussten. Auf jeder Etage saß eine resolute, russische Wächterin, die für kommunistische Disziplin sorgte. Immerhin war für uns Transitgäste eine Busfahrt durch Moskau organisiert worden. Ich weiß nicht, ob die Möglichkeit einer Weigerung bestanden hätte. Wir haben es nicht versucht. Direkt vor dem Hotelausgang stand der Bus, sodass wir nur ein paar unberechtigte Schritte auf russischem Boden machen mussten, um in den Bus einzusteigen. Wir hatten Sommerkleidung an. Es war kalt. Draußen meterhoher Schnee. Im Bus keine Heizung. Die Fensterscheiben zugefroren. Es dauerte eine Weile, bis wir mit Anhauchen der Scheiben und klammen Fingern ein winziges Loch freigelegt hatten, um hinausschauen zu können. Die Reiseleiterin sprach französisch. Wir verstanden kein Wort. Wir sahen auch nicht viel von Moskau. Große Bauten, leere Straßen.

(….)

Delhi

Die Ankunft in Delhi war anders, aber nicht weniger abenteuerlich. Ich stieg aus dem Flugzeug aus und es war heiß. Sehr heiß. Die unterschiedlichsten Gerüche umspielten meine Nase. Und ich hatte erst mal keine Zeit herauszufinden, ob ich sie mochte oder nicht. Alle strömten in die Ankunftshalle und hier erwartete mich Indien. Ein Gedränge von Menschen – stehend, auf dem Boden sitzend, drängend. Und Lärm – Stimmen, die fremde Laute artikulierten, laute Musik mit vielen verschiedenen Musikstücken gleichzeitig. Und die erste Begegnung mit Warten. Alles ging langsam. Bis die Rucksäcke kamen, bis unsere Papiere angesehen wurden, bis wir uns durch die vielen an uns zerrenden Taxifahrer zum Sammeltaxi durchgekämpft hatten.

Nun war ich in meinem Sehnsuchtsland gelandet und wollte eigentlich – ja, eigentlich, wollte ich sofort wieder weg.

Nach ein paar Tagen Eingewöhnung und Akklimatisierung in einem Guesthouse, mitten in Delhi am Connaught Place, sah es bereits ganz anders aus. Und ich begann das Land zu lieben. Die Menschen, die Geschichte und Kultur des Landes, die Götterwelt mit den an allen Straßenecken präsenten Tempeln und heiligen Plätzen, den Lärm auf den Straßen, ja sogar die vielen Gegensätze dieses Landes, die unmittelbar und unvorhergesehen überall aufeinanderprallen.

(….)

Viele Stunden lang saßen wir in dem kleinen Park am Connaught Place und langsam lernte ich nichts zu tun, nichts zum Tun vorzuhaben und zu schauen. Einfach nur zu schauen. Rund um uns lagerten zur Mittagszeit auf ihren Tüchern Angestellt aus den umliegenden Büros und hielten ein Mittagsschläfchen. Manche sprachen uns an – where do you com from? / Ah, from Australia? / Austria? Where is Austria? … Und waren es erst zwei, meist kamen sie zu zweit, waren es nach einer Minute bereits zehn Personen – junge Männer – die um uns herumstanden – take a picture of us?
Die meiste Zeit beobachteten wir die Streifenhörnchen. Sie wuselten am Boden herum und fütterten unsere Nüsse. Wir ließen uns in das Nichtstun hineinsinken wie in eine warme Badewanne, wir lauschten den fremden Lauten, rochen die fremden Gerüche, hielten uns an der Hand und waren glücklich. Angekommen.

(….)

Taj Mahal

Viele Höhepunkte gab es auf der Reise. Einer davon war das Taj Mahal. Vor allem aber auch, dass wir ganz allein das Taj Mahal genießen durften. Dies verdankten wir unserem Rikschafahrer. Wir unterhielten uns immer wieder mit Händen und Füßen, und wir bezahlten ihm einen guten Preis. Er sprach daraufhin mit einem seiner Brüder, der im Garten des Taj Mahal arbeitete, und dieser schloss uns am Abend das Tor auf und ließ uns hinein. Auch wenn ich versuchen würde es noch so blumig zu schildern, ich käme mit meinen Worten nicht an den Zauber dieser Nacht heran.

Das silbrig glänzende Licht des Vollmondes auf dem Mausoleum der Großen Liebe, erbaut vom Großmogul Shah Jahan für seine geliebte Gattin. Die Wohlgerüche des Gartens, das Plätschern des Wassers, und ansonsten Stille.

Und wir, mein Liebster und ich – staunend und verstummend voll Glück über diese Schönheit. Ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht.

(…)

Die größeren und bekannteren Orte unserer Reise:

Delhi – Agra – Jaipur – Ahmedabad – Bombay (jetzt Mumbai )– Goa – Bangalore – Rameswaram – mit dem Fährschiff von Rameswaram nach Talaimannar in Sri Lanka
Sri Lanka: Talaimannar – Anuradhapura – Colombo – Hikkaduwa – Galle – Udawalawa – Nuwara Eliya – Kandy – Kanduboda – Colombo
Mit dem Flugzeug von Colombo zurück nach Indien: Madras – Kanchipuram – Mahabalipuram – Madras
Von Madras zurück nach Österreich

(….)

Unser Reiseplan sah vor, von Delhi an der Westküste runter bis zur Südspitze, von dort ein Kurztrip mit dem Schiff nach Sri Lanka, und zurück nach Madras, um an der Ostküste bis Kalkutta, und von dort aus zurück nach Delhi zu reisen. Wir hatten aber vereinbart, dass alles auch ganz anders sein könnte. So sollte es auch kommen. Wir fuhren dorthin, wo es uns hinzog und blieben so lange wie wir wollten. Eigentlich sollte es nur ein Kurztrip nach Sri Lanka werden, doch wir verliebten uns in das Land – den Garten Eden – und blieben länger als gedacht. Bis dahin waren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln – ein Erlebnisabenteuer pur – Bussen, Eisenbahn und Schiff, unterwegs. Da uns die Zeit knapp wurde, flogen wir von Colombo nach Madras, und von Madras zurück nach Wien.

 

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Meine Trauer über die Türkei

Istanbul 1

Und wieder hat ein Diktator die Bühne betreten

Und diesmal vom eigenen Volk gewählt

Und wieder können / müssen wir zusehen, was passiert, wenn einer die Macht fest in seiner Hand hält

Und es erfüllt sich hier der Wunsch von Menschen, die sich wieder einen Führer wünschen

Und dieser Wunsch nach einem allmächtigen und gnadenlos strafenden GottVater entsetzt mich

Und es macht mich traurig, was so vielen Menschen bereits angetan wurde und in Zukunft noch viel mehr angetan werden wird

Und es macht mich ambivalent, zornig einerseits, weil viele Menschen trotzdem auf Urlaub in das Land fliegen werden – weil es so billig ist – zornig, weil sich der Diktator dadurch bestätigt fühlen wird, und gleichzeitig weiß ich, dass Menschen dadurch ein Einkommen erhalten werden

Und ich bin sehr dankbar über meine 5-wöchige Reise im Jahr 1993 durch die Türkei mit meinem damaligem türkischen Freund, einem Historiker,von Alanya nach Istanbul – über Side, Aspendos, Perge, Konya, Pamukkale, Iznik – welch schönes Land …

https://monikakrampl.wordpress.com/2016/11/19/meine-reise-in-den-orient/

Und ich weiß, dass ich dieses Land nie mehr sehen werde …

Ich höre Istanbul

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Zuerst weht ein sanfter Wind
Leicht schwanken die Blätter
an den Bäumen,
In der Ferne, in weiter Ferne
Unaufhörlich die Glocken der Wasserverkäufer,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Während ich rufen will, die Vögel fliegen vorbei,
Fliegt eine ganze Schar, hoch hinaus, Schrei für Schrei,
Die Fischer holen die großen Netze ein,
Die Füße einer Frau berühren das Wasser,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Kühl, kühl der Große Basar,
Kunterbunt Mahmutpaşa,
Voller Tauben die Höfe,
Vom Dock her hallt es Hammerschläge,
Im herrlichen Frühlingswind liegt Schweiß,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

 

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
In meinem Kopf der Rausch vergangener Feste,
Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern
Steht im abklingenden Geheul der Südwestwinde,
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Eine Dirne stolziert auf dem Gehsteig,
Flüche, Gesänge, Anmachsprüche,
Etwas fällt aus ihrer Hand auf den Boden,
Es müsste sich um eine Rose handeln.
Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen.

Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen:
Ein Vogel zappelt an deinen Hängen,
Ich weiß, ob deine Stirn warm oder kalt ist,
Ich weiß, ob deine Lippen feucht oder trocken sind,
Weiß geht der Mond hinter Kiefergewächsen auf,
An deinem Herzschlag erkenne ich
Ich höre Istanbul.

Orhan Veli Kanik (13. April 1914, Istanbul – 14. November 1950, ebenda)

 

Triest-Impressionen

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Zurück aus Triest – der schönen und ambivalenten Stadt. Eine Stadt zwischen gestern und heute. „Triest ist eine Abstellkammer der Zeit“, sagt der berühmte Dichter der Stadt, Claudio Magris. Mitgebracht habe ich – außer dem Duft des Südens – eine Erzählung, Gedichte und Notizen.

Auf der Mole

Oder – Vom unendlichen Schauen – so könnte es auch heißen.

 

Jeden Abend sitze ich gute zwei Stunden oder mehr auf der Mole und schaue.

Ins Meer, den sich verändernden Himmel und die Sonne.

Wie habe ich mich gefreut, dass es da noch andere gibt, die ebenfalls sitzen und warten – auf den Sonnenuntergang. Nicht zu viele. Das wäre auch wieder störend, wenn da plötzlich Massen auftauchen würden. Aber doch einige – eine Hand voll. Wir alle halten unsere Smartphones in der Hand. Ein Fotoapparat ist ja schon fast ein Anachronismus. Obwohl man ihn hin und wieder noch sieht. Misstrauisch beäugt – hauptsächlich von sehr jungen Menschen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, was das ist.

Also – Smartphone. Ich halte es auch in der Hand. Aber die – die anderen – schauen darauf. Unentwegt. Nur manchmal machen sie einen Blick darüber hinaus um zu sehen, wie weit sie denn ist – die Sonne, mit dem Untergehen. Und ich denke mir, vielleicht schau ich die ganze Zeit umsonst. Vielleicht gibt es den ultimativen Augenblick der alle Augenblicke inkludiert. Vielleicht wissen die das. Und ich nicht. Ich hätte sie fragen sollen.

Dann gibt es noch die Fischer. Nicht viele. Nicht mehr als fünf. Die schauen auch. Aufs Wasser. Auf die Angel. Die sitzen noch länger als ich. Manchmal heben sie die Angel und werfen sie gleich wieder aus. Gekonnt. Sehr gekonnt. Man sieht, die machen das sehr oft. Aber es nutzt nichts. Ich habe nur einmal einen Fisch gesehen. Wenn man das kleine Ding schon als Fisch bezeichnen kann. Aber – bewundernswert – das viele ruhige Schauen.

Und hie und da ein junges Pärchen. Die schauen auch. Sich an. Aber auf den Sonnenuntergang warten sie auch. Damals mit M., haben wir das auch gemacht. Unser tägliches Abendritual. Eine Flasche Rotwein. Und die Hände nicht voneinander lassen können. Nein, ich war keine 18. Ich war 38, und er 24. Nein, keine kurze Sommerliebe. Eine Liebe, die in einem sonnigen Herbst begonnen und lange, wunderbare Jahre gedauert hat. Aber das wäre schon wieder eine andere Geschichte. Die Weite lädt ein zum Träumen.

Und dann – die Touristen. Gott sei Dank nicht viele. Denn bei der Mole gibt es vorne einen Schranken. Und da trauen sie sich nicht vorbei. Könnte ja verboten sein. Ich sehe sie immer wieder beratschlagen. Sollen wir oder sollen wir nicht. Und meistens – wie gesagt Gott sei Dank – gehen sie dieses enorme Risiko dann doch nicht ein. Und die wenigen, die sich trauen, ziehen eine Runde. Machen ihre Fotos und ziehen weiter. Darauf zu warten bis die Sonne untergeht, dauert dann doch zu lange. Das Abendessen ruft.

Und ich sitze und schaue und sauge jeden Augenblick auf. Mit jeder Zelle meines Körpers.

Ich lausche dem Meer. Dem Schlagen der Wellen gegen die alten Steinmauern. Hie und da ein Spritzer auf der Haut – nass, kühl, salzig.

Ich rieche das Meer. Ja, wie riecht es? Nach Salz und Seetang, nach Muschelkalk und Fisch; feucht, warm, angenehm. Aber vor allem riecht es nach unendlicher Weite, Freiheit und Abenteuer. Ja, so riecht das Meer. Für mich.

Ich sehe wie sich die Farben der Wellen verändern mit dem Sonnenstand. Von blau/weiß/grell glitzernd, über ein tiefdunkles rot/golden, bis zu rosafarben/hellblau.

Die Luft fühlt sich weich an auf meiner Haut.

Der Duft des Südens in meiner Nase.

Meine Augen suchen immer wieder die schmale Linie des Horizonts.

Die unendliche Sehnsucht in mir – ein endloses Träumen ohne Grenzen.

Hier finde ich es. Fast. Grenzenlos.

Und über allem der Schrei der Möven

Einstimmung auf meine Triest-Reise

Buchhandlung Saba Triest

Literarischer Befund: „Triest ist eine Frau“

Triest begegnet dem Besucher mit mürrischer Eleganz, befinden manche Experten. Maria Theresia hat die Stadt erst groß gemacht – schnell entwickelte sich das frühere Dorf zu einem 30.000-Einwohner-Schmelztiegel.

 

> Der 300. Geburtstag von Maria Theresia wird auch in Triest weitaus länger gefeiert als einen Tag – den heutigen 13. Mai – lang. Schließlich hatte die Habsburgerin Triest von einem kleinen Dorf mit 5000 Einwohnern in eine Kaiserinnenstadt verwandelt. Das bedeutende urbanistische Projekt wurde im Lauf von nur vierzig Jahren umgesetzt. Triest verzeichnete 23 ethnische und religiöse Gemeinschaften. Die Stadt wurde ein Schmelztiegel, ein frühes New York. Während der Regierungszeit von Maria Theresia wuchs die Bevölkerung auf ein Sechsfaches an. 30.000 Einwohner formierten sich in den griechischen, illyrischen, hebräischen und armenischen Nationen. Die Wirtschaft blühte auf, und erste Zeitungen entstanden. (….)

Literatur als Lebensgefühl

Vor allem in der Literatur des frühen 20. Jahrhunderts manifestiert sich der Mythos Triest, das besondere Lebensgefühl der von der Bora durchwehten Stadt. Mitten im Zentrum, fünfzig Meter von der Statue von Umberto Saba, befindet sich die Libreria Saba, jene Buchhandlung, die der Autor Umberto Saba in Triest betrieben hat. In der Via San Nicolò, einer Seitenstraße der belebten Via Dante, wirkt die Buchhandlung wie kristallisiertes Kakanien. Gerade drängen sich 35 Schüler in dem bis oben mit Regalen versehenen Raum. Die über hundertjährige Buchhandlung ist auch eine Art Museum der Literatur als Lebensgefühl.

„Trieste è una donna“, Triest ist eine Frau, stellte Saba in seinem berühmten der Stadt gewidmeten Gedicht fest. „Triest verströmt mürrische Eleganz“, erzählt der Hüter des literarischen Erbes der Stadt, Mario Cerne. Cerne hat ein Buch gestaltet, das ausschließlich dem Gedicht „Triest“ von Saba gewidmet ist. Kein Wunder, denn der stilvolle Mann ist der Erbe von Saba als Betreiber der Libreria Saba. Das Gedicht „Triest“ hat er in 17 Sprachen übersetzt aufgelegt, und auch ein Buch über Saba als Buchhändler geschrieben. „Dass Maria Theresia dieses Jahr gefeiert wird, mag kurios wirken“, sagt Cerne, „aber sie hat ja Triest groß gemacht.“ (…) <

 

Text v

Foto: Kristallisiertes Kakanien: Sabas legendäre Buchhandlung. – (c) Massimo Crivellari (POR FESR 2007-2013)

http://diepresse.com/home/leben/reise/5217008/Literarischer-Befund_Triest-ist-eine-Frau

Info:  Libreria Antiquaria Umberto Saba, Via San Nicolò 30, 34121 Trieste, Italia www.libreriasaba.it

LebensGeschichten – Selbsterfahrung im Waldviertel (GroßmutterLand)

dynamische kundalini meditation

Damals …

Die Teilnahme an therapeutischen Selbsterfahrungs- und Ausbildungsgruppen hat mein Leben verändert und mir ein neues Leben – mein Leben – eröffnet. Über ein Jahr lang in kurzen Abständen – nicht ein Tag, nicht ein Wochenende. Nein, eine ganze Woche! Was für ein Aufwand. Was für ein Gewinn.

Zu Beginn als eine in mir selbst verschlossene, an mir selbst und meiner Geschichte leidende Frau, hat sich in diesem Jahr mein Kokon unter vielen Schmerzen geöffnet und ein bunter Schmetterling schlüpfte vorsichtig heraus und öffnete seine zitternden Flügel.

Die Konfrontation mit meiner Geschichte war sehr schmerzvoll. Das Loslassen von Verhaltensgewohnheiten war von viel Unsicherheit und Angst begleitet. Ich kann mich noch gut an eine dieser Wochen erinnern, in der ich hinaus auf den Parkplatz zu meinem Auto ging  und mein Auto berührte. Das war das Einzige, was ich noch sicher wusste. Das ist ein Auto und das gehört mir. Ich selbst wusste nicht mehr wie und was und wer ich bin.

Nicht zu wissen, wer man eigentlich hinter all den Masken ist, nicht zu wissen wer man sein wird und wie es weitergeht, ist eine große Unsicherheit, der man sich stellen muss. Nicht zu wissen, ob dahinter überhaupt etwas ist. Der Zweifel von mir und vielen anderen auch. Viele haben aufgehört in diesem Jahr.

Ich nicht. Ich wollte es wissen.

Es hat mein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Und nach den vielen durchlebten Schmerzen, der Wut und Trauer, der Angst und Unsicherheit kam das Genießen.

Es zu genießen, ich selbst zu sein. Es zu genießen, Gefühle ausleben zu dürfen. Es zu genießen, neugierig darauf zu sein was Morgen wohl sein wird. Es zu genießen, sich verändern zu dürfen. Es zu genießen mit offenem Herzen und offenen Sinnen auf andere Menschen zuzugehen.

Sich auf das sich ständig verändernde Leben mit allen Unsicherheiten einzulassen und zu leben, zu lieben, zu lachen. Weit ausgebreitete Schmetterlingsflügel im Sonnenlicht.

 

Über ein Jahr lang

Von Angst zur Freude

 

Lass los

Beweg dich

Frei

 

Lass los

Deine Gedanken

Frei

 

Lass los

Deine Gefühle

Frei

 

Von Angst zur Freude

Über ein Jahr lang 

 

Indien (1)

Taj Mahal - von Andersreisender

Indien 1984

Ich wollte immer schon reisen. Doch bis jetzt war es anders gekommen in meinem Leben.

Ich wollte immer schon nach Indien. Dann traf ich diesen Mann, der später mein zweiter Ehemann werden sollte. Und er war bereits einmal in Indien gewesen. Auf dem Landweg über Afghanistan und Pakistan.

Diesmal benutzten wir das Flugzeug. Bei meinen ersten Schritten und in den ersten Stunden in diesem Land wollte ich eigentlich sofort wieder umdrehen. Doch nach ein paar Tagen Akklimatisierung in einem Guesthouse, mitten in Dehli am Connaught Place, sah es bereits ganz anders aus. Ich begann das Land zu lieben. Die Menschen, die Geschichte und Kultur des Landes, die Götterwelt mit den an allen Straßenecken präsenten Tempeln und heiligen Plätzen, den Lärm auf den Straßen, ja sogar die vielen Gegensätze dieses Landes, die aufeinanderprallen.

Wir waren um die 30, und wir waren über drei Monate mit Rucksack unterwegs. Das Treffen mit den Backpackers aus den unterschiedlichsten Ländern und unterschiedlichen Alters in den Guesthouses war sehr schön. Am Abend beim Schlummertrunk und offenem Feuer auf dem Hausdach saßen wir beieinander und es wurden Reisegeschichten ausgetauscht. Und manchmal traf man sich auch wieder auf den Reiserouten. Die öffentlichen Verkehrsmittel wie Busse und Bahn waren eine Herausforderung. Sehr unbequem, sehr eng, laut und nicht sehr zuverlässig. Aber es war spannend und bereichernd, mit Indern und Inderinnen der verschiedenen Landesregionen in Kontakt zu kommen und ihren Lebensgeschichten und –gewohnheiten zu lauschen.

Es gab viele Höhepunkte auf der Reise. Einer davon war das Taj Mahal. Vor allem aber auch, dass wir ganz allein das Taj Mahal genießen durften. Dies verdankten wir unserem  Rikschafahrer. Wir unterhielten uns immer wieder mit Händen und Füßen, und wir bezahlten ihm einen fairen Preis. Er sprach daraufhin mit einem seiner Brüder, der im Garten des Taj Mahal arbeitete. Er schloss uns am Abend das Tor auf und ließ uns hinein. Auch wenn ich versuchen würde es noch so blumig zu schildern, ich käme mit meinen Worten nicht an den Zauber dieser Nacht heran.

Ich war angekommen in meinem Sehnsuchtsland, dem Land der Maharajas. Das silbrig glänzende Licht des Vollmondes auf dem Mausoleum der Großen Liebe, erbaut vom Großmogul Shah Jahan für seine geliebte Gattin. Die Wohlgerüche des Gartens, das Plätschern des Wassers, und ansonsten Stille.

Und wir, mein Liebster und ich – staunend und verstummend voll Glück über diese Schönheit. Ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht.

 

Indien

 

Am Morgen

im Nebel die Hütten

die Feuerstellen

es riecht

nach verbranntem Dung

die ersten Sonnenstrahlen

der Nebel wird rosa

die Hütten

verzaubert

nicht wirklich

nicht wirklich arm

nicht wirklich elend

Märchen

erzählt von einem Märchenerzähler

von weißen Elefanten

und Prinzen und Maharadschas

und Palästen

und weißen Gemächern aus Marmor

 

und Nebel

steigt

und Hütten und Schmutz und Elend

und Gestank und weinende Kinder

und Bettler

 

das Meer

glitzern in der Sonne

Möwen, Palmen

warmer Sand

bunte Saris

braune Körper

Kinderlachen

Meeresrauschen

immer

für immer

Stille

Indien

 

Foto: http://www.liebenberger.com/reiseblogs-und-magazine/

 

Schnee in der Toscana

casa-purgatorio-casentino

1988 war ich für sechs Wochen in der Toscana um mitzuhelfen ein verfallenes Steinhaus wieder aufzubauen. Ich habe Steine geschleppt, einen Garten angelegt …
In all den Jahren haben die Besitzer des Seminarhauses mehrmals gewechselt.

Ich war nie mehr dort.

Hie und da sehe ich mir die neuesten Bilder an. Die Erinnerung ist herzerwärmend schön!
Und jetzt liegt Schnee ..

Casa Purgatorio im Casentino

http://www.casa-purgatorio.de/

Meine Reise in den Orient

istanbul-mit-blauer-moschee

Türkei – Erinnerungen und Abschied

Aus einem meiner vielen ErinnerKartons, die bis jetzt in einem Lager waren. In diesen Kartons kommt vieles zum Vorschein.

Fünf Wochen Türkei im Jahre 1993

23 Jahre sind vergangen, und natürlich hat sich in der Zeit viel verändert. Wenn der Tourismus ein Land überfällt, ist es wie mit der Heuschreckenplage. Nichts ist wie vorher. Viel zu viele Menschen hatten sich in den Städten der Mittelmeerküsten angesiedelt. Allzu verständlich! Bereits Herodot wird folgende Bemerkung zugeschrieben: „Wer in dieses Gebiet kommt (…) zögert nicht, sich in dieser Stadt mit ihren guten Lebensbedingungen und dieser Schönheit für immer hier anzusiedeln.“ Mit der Ansiedlung und auch den Touristenströmen hat es jetzt ein Ende.

Die Presse (14. 6. 2016): Wenn die Strände leer bleiben. Auf den Hotels an der türkischen Riviera lasten Terror und Politik.

Die Presse (31. 10. 2016): Zahl der Türkei-Touristen bricht um ein Drittel ein. Auch im dritten Quartal ist die Tourismusbranche – einer der wichtigsten Devisenbringer – dramatisch eingebrochen.

Die diktatorische und Menschenrechte verletzende Politik von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat zu einer Situation geführt hat, in der ich das Land sicher nicht mehr bereisen werde. In der es vielleicht in Zukunft auch nicht mehr möglich sein wird.

Bei meiner Türkeireise war ich verliebt. Ich reise gerne, wenn ich verliebt bin. Die Wahrnehmung und das Erleben der Welt ist anders – auch beim Reisen. Ich bin offener, die Stimmung ist freudvoller, glücklicher – es macht einfach viel mehr Spaß. Ich nehme alles viel unmittelbarer war. Die fünf Sinne sind weit geöffnet. Das Meer ist blauer und das Gras grüner, die fremde Musik und die fremden Laute sind fröhlicher, der Wein ist süffiger … 

Die Welt ist zum Umarmen  …

Ich bin sehr dankbar, dass ich mir fünf Wochen Zeit genommen habe für diese Reise, und ich bin meinem damaligen türkischen Freund, Kulturhistoriker, sehr dankbar für seine ausführliche, private Reiseführung, und seine liebevolle Begleitung. Auch wenn wir touristische Sehenswürdigkeiten besucht haben, so doch zu ungewöhnlichen Zeiten und allein. Und damit hatte alles einen eigenen Zauber.

Von Alanya nach Istanbul

Unsere Reise führte uns von Alanya an der Küste entlang nach Side, Aspendos und Perge. Dann ging es ins Landesinnere nach Konya, Pamukkale. Quer durch das Land, durch viele Dörfer, Iznik am wunderschönen Isznik-See bis zu unserem Endziel Istanbul.

Ich erzähle hier von den größeren Orten. Es würde sonst zu umfangreich. Obwohl viele Schönheiten im touristisch unbekannten Landesinneren waren.

Wie war das damals so als unverheiratetes Paar? Ein Türke und eine Österreicherin.

Ich fuhr mit dem Auto, weil mein Freund keinen Führerschein hatte. In den größeren Städten war es kein Problem, wenn mein Freund auf dem Beifahrersitz saß. Obwohl es auch hier so manches Mal unfreundliche Blicke gab. War ich allein unterwegs im Auto, wurde ich zum Großteil nicht beachtet. Anders war dies im Landesinneren – von überraschten und erstaunten Blicken bis zu erzürnten. Im Landesinneren, in den kleineren Dörfern, war es auch vielfach nicht möglich gemeinsam ein Zimmer zu nehmen, weil wir nicht verheiratet waren. Die schlimmste Situation war in einem kleinen Dorf an einem wilden Fluss, zu dem man nur über einem fast unbefahrbaren, mit Geröll übersäten Weg kam. Hier wurden wir, als wir nach einem Nachtquartier fragten, mit Steinen beworfen. Sie wollten uns sicher nicht treffen. Es wäre ihnen sonst gelungen. Aber vertreiben wollten sie uns.

Ich kann mir vorstellen, dass sich diese Situation in den letzten 20 Jahren verbessert hatte. Vielleicht nicht gerade in dem Dorf hinter den Bergen …

Jedoch fürchte ich, dass es gerade jetzt wieder einen Rückschritt geben wird.

 

Unsere Reise

Tagebucheintrag 5. Juni 1993: 6.00 morgens Anflug auf Antalya. Auf der einen Seite des Flugzeugs das Meer, die Küste und ein Vollmond, auf der anderen Seite über dem Taurusgebirge die aufgehende Sonne. Mit dem Auto auf dem Weg nach Alanya – Bananen, Orangen, Zitronen, Feigen – und die rot blühenden Oleanderbüsche am Straßenrand.

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Alanya

Alanya, eine der bezauberndsten Ortschaften der anatolischen Südküste mit kilometerlangen Stränden. Eine Stadt zum Ankommen, zum entspannten Flanieren durch die Gassen der Stadt oder auf den Burgberg. Und vor allem die Sonne und das tiefblaue Meer zu genießen am Kleopatra Strand. Das Bergmassiv im Norden Alanyas ist die Küsten-Gebirgskette des West-Taurusgebirges.

Wie alles im Orient, hat auch der Kleopatra Strand eine Geschichte: Antonius erhielt für seine Verdienste nach Cesars Tod das Gebiet Kilikien. In dieser Zeit machte Königin Kleopatra auf ihrer Mittelmeerrundfahrt die Bekanntschaft von Antonius. Sie verliebten sich und heirateten. Als Hochzeitsgeschenk bekam Kleopatra von Antonius Korakesion (Alanya).

Was für eine schöne Geschichte …

Um der Sommerhitze auszuweichen, zieht die Stadtbevölkerung in die Sommerhäuser auf den Plateaus. 25 bis 60 km, und man ist in den kühlen Wäldern mit Wasserfällen und Picknickplätzen. In den Pergolas auf der Hochebene saßen wir so manchen Nachmittag, tranken Tee und schauten auf Alanya und das Meer.

Alanya-Lied

Am Mittelmeer glänzt du

Alanya als Perle.

Du bist einmalig auf Erden,

du bist die Schönste, Alanya.

 

Den Sandstrand streicheln die

Wellen des Mittelmeers,

die die Stadt heiter umgeben.

Ein Reiz ist jede Welle.

 

Zu jeder Zeit sind saftgrün

deine Gärten und Weinberge

Das Auge kommt auf sein Kosten

Smaragd sind die steil aufragenden Berge.

 

Wer dich gesehen hat,

vergisst diesen Traum nicht

Was für ein Zauber und Blendwerk,

welche Kraft, ist ungewiss.

 

Mit deiner einmaligen Schönheit

Bist du die Krönung, Alanya

Deine Natur macht dich

Zu einem Gedicht, Alanya.

(Arif Rüstü Görgün, Dichter, geboren in Alanya)

 

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Side

Ca. 75 km westlich von Antalya, auf einer kleinen Halbinsel, befindet sich Side. Side wurde bereits im VII. Jh. v. Chr. von den Griechen gegründet.

Wir wohnten in einem kleinen Häuschen direkt am Meer, in dessen Garten die Überreste von antiken Säulen und Kapitellen, diese von Blumen und Oleanderbüschen überwuchert, lagen. Wir kamen uns vor wie in einem grandiosen Freilicht-Museum.

Überreste der alten Stadtmauer, eine byzantinische Basilika, der Apollon-Tempel …

Eine malerische Altstadt mit einem kleinen Fischerhafen und einem feinen Sandstrand …

 

Ganz in der Nähe von Side, zwei beeindruckende – nein, überwältigende – Theater:

Aspendos

das besterhaltene und mit ziemlicher Sicherheit schönste unter den römischen Theatern der Türkei, mit einer überwältigenden Szenenwand.

Perge

erbaut im Jahre 100 n. Chr. mit einem Aufnahmevermögen von 12000 Zuschauern! Perge ist eine der wichtigsten Städte der Küste und auch vom religiösen Standpunkt aus berühmt. Der heilige Paulus hielt hier seine erste Rede. Historisch bedeutsam ist Perge, weil in Perge der Schriftsteller Apollonius geboren wurde.

 

mevlana

Konya

Wer kennt sie nicht – die „Tanzenden Derwische“?

Konya ist eines der häufigst besuchten Touristenziele der Türkei. Ein Ort, dessen Spirit leider durch die unzähligen Reisebusse und den Horden an Menschen verloren gegangen ist.

Mit Beginn des VIII. Jh. wird Konya von Celaleddin Rumi – bekannt als Mevlana – zum Wohnsitz ausersehen. Dieser Dichter und Philosoph war der Gründer des mystisch-religiösen Ordens der „Tanzenden Derwische“.

Wenn man jedoch das Kloster-Mausoleum Mevlanas, schon weitem erkennbar durch die mit grünen Fayencekacheln bedeckte, kegelförmige Kuppel, in einer stillen Stunde besucht, dann ist die Mystik dieses Ortes spürbar und Stille tritt ein.

 

Mein ganzes Leben liegt in diesen

drei Worten:

„Ich war unreif,

entflammte –

und wurde zu Glut“

(Mevlana)

 

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Von Konya nach Pamukkale

Als Pamukkale (Baumwollschloss) werden die weiß glitzernden Sinterterrassen bezeichnet. Die Terrassen sind das natürliche Werk von Jahrtausenden, in denen sich auf dem Plateau durch die kalkhaltigen Wasserläufe eine baumwollweiße Sinterschicht gebildet hat. Sogar die Grundmauern mancher antiker Bauten wurden so ca. 1 m tief vom Gestein begraben.

Aber nicht alles wurde begraben! Das Quellwasser füllt zuerst einen Quellenteich, und fließt dann weiter über die Terrassen. Dieser Quellenteich wurde von einem Hotel umbaut, und so kann man dort – sozusagen hautnah – zwischen zahlreichen antiken Säulentrommeln schwimmen.

Ein Hauch Geschichte und ein unbeschreibliches Erlebnis. Ein verliebtes Paar, nachts schwimmend zwischen antiken Säulentrommeln, Vollmond über den schimmernden Terrassen …  Klingt sehr kitschig. Aber so war es.

Welch ein Schatz in der Erinnerkiste.

 

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Iznik – von hier ist es nicht mehr weit nach Istanbul

Iznik ist historisch eine sehr interessante Stadt. So wie vieles in der Türkei. Eine angenehme Landstadt am Iznik-See. Gelbes Schilf, blaues Wasser, die Wellen rauschen ans Ufer, grüne Hügel …

Ascanius hieß dieser See früher. Die Stadt am Ufer hieß Nicaea und war eine Metropole des oströmischen Reiches. In der Geschichte des Christentums hat diese Stadt, einen besonderen Platz, denn hier tagten zu byzantinischer Zeit zwei der sieben allgemein anerkannten Ökumenischen Konzile, und zwar das erste und das letzte.

Türkische Archäologen entdecken im Iznik-See eine Ruine. Es könnte sich um den Tagungsort des ersten Konzils von Nicaea handeln. Der Ort des siebten Konzils, die Hagia Sophia von Iznik, ist seit 2011 Moschee.

Und natürlich, nicht zur vergessen – die Iznik-Keramik!

Iznik-Keramik ist die Bezeichnung für die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert hergestellte glasierte Töpferware. Gefördert durch den osmanischen Hof und inspiriert durch chinesisches Porzellan im Blau-Weiß-Stil. Eine dieser wunderbaren Handwerksarbeiten steht als Erinnerung bei mir zu Hause.

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Istanbul

Die Einfahrt über die Bosporus-Brücke gibt bereits einen Vorgeschmack auf das Autofahren in Istanbul. Aber ich muss sagen, es war weniger anstrengend als in Athen.

Ich kann mir vorstellen, dass das anstrengendste Autofahren wahrscheinlich in Dehli und Bombay ist. Aber dort bin ich selbst nie Auto gefahren. Und – das ist auch wieder eine andere Geschichte.

Zu Istanbul werde ich nicht viel sagen. Istanbul ist allseits bekannt.

Istanbul, Konstantinopel, Byzanz –Krone dreier Reiche, 2700 Jahre Geschichte, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Türkei, Stadt auf zwei Kontinenten …

Und lebendig! Nicht nur in den Ladengasse des geschlossenen Basars, sondern auch abends in den Lokalen am Bosporus. Ich hatte das Gefühl, Istanbul schläft nie! Ich werde jetzt nicht wieder den Vollmond bemühen – obwohl er da war …

„Kein Verliebter kann diesen Basar durchschreiten, ohne es wie ein Unglück zu empfinden, nicht Millionär zu sein“ schrieb der Italiener Edmondo de Amicis im 19. Jahrhundert.

In den verwinkelten Gassen abseits der touristischen Strömungen trifft man ihn noch – den alten Zauber des traditionellen Basarlebens.

Zwei herausragende Erlebnisse, außer den täglichen vielen wunderbaren Entdeckungen an jeder Straßenecke, waren einerseits der Besuch der Hagia Sophia. Ich finde, sie ist eines der großartigsten und beeindruckendsten Bauwerke, die ich gesehen habe. Das andere, der Besuch der Prinzeninseln, oder auch Prinzessinneninseln genannt.

Die Prinzeninseln bestehen aus einer Gruppe von Inseln, die rund 20 Kilometer von Istanbul, direkt an der asiatischen Küste der Stadt gelegen sind. Genauer befinden sie sich im Marmarameer.

Auch hier wieder eine Geschichte: Einst dienten die Inseln als Verbannungsort für byzantinische Prinzen und Fürsten, daher auch der Name.

Heute wohnen hier hauptsächlich wohlhabende Einwohner von Istanbul, die im Sommer dort in ihren Sommerhäusern residieren. Die Inseln sind komplett autofrei. Man geht zu Fuß, fährt mit dem Fahrrad oder mit einem Pferdewagen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Zuerst weht ein leichter Wind,

Leicht bewegen sich

Die Blätter in den Bäumen.

In der Ferne, weit in der Ferne.

Pausenlos die Glocke der Wasserverkäufer.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

In der Höhe die Schreie der Vögel,

Die in Scharen fliegen.

Die großen Fischernetze werden eingezogen,

Die Füße einer Frau berühren das Wasser.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Der kühle Basar,

Mahmutpascha mit dem Geschrei der Verkäufer,

Die Höfe voll Tauben.

Das Gehämmer von den Docks her;

Im Frühlingswind der Geruch von Schweiß.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Im Kopf den Rausch vergangener Feste.

Eine Strandvilla mit halbdunklen Bootshäusern,

Das Sausen der Südwinde legt sich.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ein Dämchen geht auf dem Gehsteig.

Flüche, Lieder, Rufe hinter ihr her.

Sie lässt etwas aus der Hand fallen,

Es muss eine Rose sein.

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

 

Ich höre Istanbul, meine Augen geschlossen.

Ein Vogel zappelt an deinen Hängen.

Ich weiß, ob deine Stirn heiß ist oder nicht,

Ich weiß, ob deine Lippen feucht sind oder nicht.

Weiß geht der Mond hinter den Nussbäumen auf,

Ich weiß es von deinem Herzschlag.

Ich höre Istanbul.

(Orhan Veli)

 Damit sind wir am Ende der Reise angelangt. Das Reduzieren auf nur Weniges aus diesen fünf Wochen fiel mir nicht leicht. Ich danke sehr herzlich meinem damaligen Freund und seiner Familie, die ich in Istanbul kennen lernen durfte, und den vielen gastfreundlichen Menschen, die ich unterwegs getroffen habe. Auch dem unendlich schönen Land, das noch viele Reisen wert wäre.

Da ich auf dieser Reise nicht fotografiert habe, sind sämtliche Fotos aus dem Internet.