Stürzen auf den Grund von Ozeanen

du

dein begehren zog mich hinaus

aufs offene meer

einer tsunamiwelle

gleich

als ich zu sinken begann

kämpfte ich um mein leben

erreichte das ufer

liege im warmen

ufersand

sicher

(05 11 2020)

„Die Strandpromenade war außerhalb der Saison fast ausschließlich von Einheimischen besucht, die weder den Strand wahrnahmen noch promenieren wollten. Für die meisten verlief hier nichts als jene Grenze, die das Feste vom Flüssigen trennte. Von Kindheit an können sich ja die Anwohner von Seen und Meeren im Süden vor dem Zubettgehen entschließen, ob sie ihre Träume aus dem Wasser, der Erde oder der Luft beziehen. Alle drei Möglichkeiten bergen Helles und Dunkles in sich. Aber wer nachts beispielsweise das bedächtige Stürzen auf den Grund von Ozeanen erfahren hat, bevorzugt es für gewöhnlich gegenüber dem Stürzen durch Wolkenbänke und Häuserschluchten. Auch sind die Geschehnisse im Wasser von kräftigeren Rottönen begleitet, die besonders unentschlossenen Charakteren nach dem Erwachen für ein oder zwei Stunden einen gewissen Antrieb verleihen.“

Aus: André Heller: Das Buch vom Süden, S. 200

Ein Gedanke zu “Stürzen auf den Grund von Ozeanen

  1. Wie schön! Die beiden Texte – auch in ihrem Zusammenklang von Gefundenem und Erlebtem – entschädigen* mich etwas für die fehlende Tuchfühlung mit dem Sandstrand heuer.
    *was für ein vielversprechendes Wort. Wäre es doch in allen Belangen derart möglich durch Worte Beschädigungen ihrer Macht zu entheben.

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