Für Georg Trakl

Dämonen

 

Blatt für Blatt

am rotgefleckten Lacken

zerknüllt zwischen den Beinen

verboteneLust

eiserne Fäuste ballen sich

heißer Schweiß tropft

auf nackte Brüste

Mea culpa

* * * *

Der Staub der Sterne

berührt meine Stirn

kristallene Tränen

zersplittern

klirrend am Boden

der nächtlichen Träume

* * * *

Dunkler Grund der Seele

atmet Schreie in die Nacht

heißer Atem verbrennt Papier

nichts soll geschrieben sein

nichts

abgrundtiefes Nichts

lauert in den Schatten

 

Ich schaue

meinen inneren Dämonen

in  die blutrünstigen Augen

ich sehe sie

gewalttätig, lüstern, hungrig,

einer nach dem anderen streckt

seine Klauen aus

wollen meine Seele

in Stücke reißen

 

Oh, wie gut ich sie verstehe

ich schenke sie ihnen

meine Seele

mit ausgebreiteten Armen

halte ich sie ihnen hin

sehenden Auges

keine Angst mehr vor Dämonen

ich schau sie an

willkommen heißend

und

sie weichen zurück

 

zerstieben zu Staub

den der Wind wegbläst

gemeinsam gehen wir weiter

die Benennung in gut und böse

gibt es

nicht mehr

19 01 2018

 

Georg Trakl, 1887 – 1914, war ein österr. Dichter des Expressionismus mit Einflüssen des Symbolismus.

2011 wurde Trakls Leben mit „Tabu – Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ verfilmt. Lars Eidinger spielt darin die Hauptrolle.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s