Jahresuhr – Gedanken über die Zeit

Uhr

Die Jahresuhr tickt.

So wie die Lebensuhr auch.

Das haben Uhren so an sich.

Wobei das mit der Zeit so eine Sache ist.

Eine Erfindung der Menschen.

So wie die Uhren auch.

Ohne Zeit keine Uhren.

 

Dabei wäre die Zeitlosigkeit so schön. Wüssten wir dann von einem Ende? Nein.

Würden wir uns dann beeilen? Nein.

Die Zeit wäre einfach da, ohne dass wir sie bemerken würden.

Wie würde sie sich leben, die Zeitlosigkeit?

Ewig im Hier und Jetzt.

Ewig wohl nicht, denn sterben würden wir trotzdem.

Hätten Menschen dann weniger Angst vor dem Tod, wenn es keine Zeit gäbe?

 

Würden wir im Hier und Jetzt leben, würden wir auch nicht auf etwas warten – etwas erwarten. Denn die Zukunft würde kommen, ohne dass wir sie erwarten.

Kinder würden auch nicht auf das Christkind warten.

Wir würden nicht planen. Keine Geschenke kaufen – für morgen, übermorgen, nächsten Monat. Ein Leben im Hier und Jetzt lässt uns auf das Hier und Jetzt reagieren. Aber Planung – Planung gäbe es wohl nicht. Damit auch keine Vorfreude.

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte der Zeit.

Vor sehr, sehr langer Zeit wurde die Zeit von der Natur bestimmt. Die Menschen erlebten die Zeit als einen ewigen Kreislauf der Natur – den Übergang von Tag und Nacht, sowie den Wechsel der Jahreszeiten. Als vor etwa 800.000 bis 1000.000 Jahren Menschen begannen, Faustkeile oder Hacken herzustellen, ist das ein Zeichen dafür, dass bereits ein Zeitgefühl vorhanden war. In dem Augenblick der Herstellung brauchten sie diese Werkzeuge ja noch nicht – sie dachten also an die Zukunft, an die nächste Ernte.

Hm, also ist es doch gut, dass wir über die Zeit wissen? Dass sie erfunden wurde?

Ob gut oder nicht gut – sie ist da.

Also kommt es wie bei so vielem darauf an, wie wir damit umgehen.

Ein bisschen mehr Achtsamkeit, ein bisschen mehr Entschleunigung. Darüber wird viel geschrieben und noch mehr in guten Vorsätzen gesprochen. Getan – wird es weniger.

 

Zurück zur Lebensuhr.

Ja, sie tickt. Und mit dem Alter tickt sie gefühlt immer schneller.

Achtsamkeit. Zurücklehnen. Durchatmen. Schauen – einfach schauen.

Es ist genug Zeit da.

Und mit dem Durchatmen und der Achtsamkeit wird das ticken langsamer.

Es ist genug Zeit da.

 

Zurücklehnen.

Vor meinem Fenster steht der alte Nussbaum.

Er kennt die Zeit nicht.

Er steht einfach da.

Er atmet die Ewigkeit des Seins ein und aus.

Nichts sonst.

 

Die Jahresuhr hat das neue Jahr eingetickt.

Seit ein paar Stunden tickt die Uhr.

Es ist genug Zeit da.

 

„Was also ist die Zeit?
Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s;
will ich’s aber einem Fragenden
erklären, weiß ich’s nicht.“

Augustinus von Hippo (354 bis 430),
Kirchenlehrer und Philosoph

01 01 2018

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8 Kommentare zu „Jahresuhr – Gedanken über die Zeit

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