Vom Schreiben und der Schönheit der Leere

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 Die Vorbereitung

Das erste Buch war sozusagen eine Fingerübung. Ein Buch über die letzten 10 Jahre des Alt-werdens. Die Texte waren alle zur Hand. Die Erinnerungen noch frisch. Es wartet bei den Verlagen.

Doch jetzt beginnt der Schreibprozess für das zweite Buch, der sehr herausfordernd ist – auf allen Ebenen. Ich bekam es schon zu spüren beim Durchlesen von 66 Liebesbriefen, die mein erster Mann und ich uns geschrieben haben. Ich war damals 17, er 18 Jahre jung. Ja, auch wir haben uns Liebesbriefe geschrieben, wie damals meine Großmutter und mein Großvater (siehe Foto).

Eine Biographie über mein Leben – 1950 bis 2017 – „hineinwachsen in mich“ wird es heißen. Die Finger sollten jetzt besser schon die erforderliche Übung haben, die Disziplin muss sich noch ein bisschen einschleifen. Vieles muss nachgelesen werden / neu erinnert / nachgefragt / recherchiert werden.

Die Vorbereitungsarbeiten sind fast erledigt.

Erst mussten hinderliche Kilos weg. Ja, der Körper muss beweglich sein zum Schreiben. Obwohl er sehr viel sitzen wird. Trotzdem.

Reduzierung auf allen Ebenen.

Dann musste das Haus noch einmal und noch einmal geräumt werden. Auch die überfüllten Bücherregale – bereits zum dritten Mal habe ich sie durchgesehen und viele Bücher wieder weggegeben. Verschenkt. Gute Plätze für sie gesucht.

Keine Altlasten.

Gestern war ich den ganzen Tag damit beschäftigt meine Word-Dokumente in Ordnung zu bringen. Vieles wurde gelöscht – Unterlagen über abgeschlossene Projekte / alte Praxisunterlagen / Unmengen von Informationsmaterial über Bereiche, die nicht mehr relevant sind und/oder mich nicht mehr interessieren / etc. etc.

Alles Verbliebene habe ich neu geordnet – dabei verschollene Texte in Ordnern entdeckt, in denen ich sie nicht vermutet hatte. Jetzt habe ich eine Übersicht über meine Texte im Computer.

Erleichterung und Freude breitet sich aus.

Entleeren – leer werden – um Neuem Platz zu machen.

Die Sehnsucht nach der Schönheit der Leere eines Raumes.

Ich erinnere mich an leere Räume. An Große und Kleine. Meine großen Altbauwohnungen in Wien mit 3.60 m Raumhöhe. Die Klosterzellen mit einem schmalen Bett, 1 Tisch und 1 Sessel in der Türmerstube im Mariendom in Linz und im Benediktinerstift in Göttweig; und das Maximum der Minimierung die Klosterzelle in Sri Lanka mit einem Pritschenbett und einem Vorhang als Tür.

Mein kleines Haus ein Luxuspalast. Noch immer viel zu viele Sachen.

Tausch der schönen Dinge gegen die Schönheit der Leere.

Werden noch Minimierungsdurchgänge erforderlich sein? Es wird sich weisen.

Erst mal zurücklehnen und eine Tasse Tee trinken.

Vorerst geht es weiter mit den Vorbereitungsarbeiten.

In den nächsten Tagen werde ich meine alten Tagebücher durchforschen – mich hindurcharbeiten. Zeitlich ordnen / Anmerkungen machen / mit Post-it markieren.

Die Idee / der Titel / einzelne Notizen für das Buch sind bereits da.

Nach diesen Vorbereitungsarbeiten kann der Schreibprozess so richtig beginnen. Draußen die letzten sonnigen Herbsttage / Herbstwinde fegen die letzten Blätter von den Bäumen / Schneeflocken am Fenster / drinnen die warme Schreibstube …

Ich freu mich drauf …

 

Foto: Ausschnitt aus der Anthologie AUFbrüche. Feministische Porträts und Lebensbilder, Mandelbaum Verlag. 2006. Eine Kurzbiographie über meine Großmutter mit dem Titel: Ich hatte einen Traum.

 

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