Wie sich mein Leben als 67-jährige gestaltet

Mirjana 4

Veränderungen brauchen Zeit. Große Veränderungen noch mehr.

Eine Fortsetzung des Themas „Wie sich die 50-jährige das Alter vorstellte und die 67-jährige es erlebt“ (https://monikakrampl.wordpress.com/…/…/28/das-alter-und-ich/)

Meine Reduzierung und Verlangsamung geht weiter.

Womit hat es zu tun?

• mit einschneidenden LebensVeränderungen im wahrsten Sinn des Wortes. Es gibt einen Einschnitt / eine Zäsur in mein Leben. Vieles ging zu Ende. Das Neue ist noch nicht da. Noch nicht greifbar. Außer dem Wissen – dass es Zeit braucht.
• die TrauerZeit um meine verstorbene Mutter ist noch nicht zu Ende. Immer wieder Erinnerungen. Immer wieder Trauer, um das was uns nicht möglich war zu leben. Trauer darüber, dass sie es am Ende ihres Lebens erkannt hat, und ihr eine Veränderung nicht mehr möglich war.
• Das Ende meines Berufslebens in meinem geliebten Beruf als Psychotherapeutin; die Schließung meiner Praxis; die Verabschiedung von meinen KlientInnen. 25 Jahre gehen zu Ende.
• Ein Abschied von Wien als meiner Wahlheimat. 30 Jahre Wiener Leben gehen zu Ende. Die Verabschiedung von meiner geliebten Altbauwohnung in Wien; vom 3. Bezirk, in dem ich meine erste und meine letzten Wohnung in Wien hatte; von der Stadt; den Gärten; den Lokalen; den Theatern und Jazzlokalen; vom Gänsehäufl.
• Die Übersiedlung nach St. Pölten, eine Stadt, in die ich nie zurückkommen wollte. Das Eingewöhnen und die Stadt neu entdecken. Die Seenlandschaft in Gehnähe, die mir diese Eingewöhnung sehr erleichtert.
• Die Übersiedlung von meinem Elternhaus in das Haus meines Sohnes.
• Der Verkauf meines Elternhauses, und der Abschied von dem Haus in dem ich geboren wurde.
• Die Entscheidung zum Hausbau. Vom Immer-und-jederzeit-wieder-gehen-können (der Wanderin) zum ungewohnten Einwurzeln in einem eigenen Haus und Garten ( der Seßhaften).
• Die Umstellung eines Lebens in finanziellem Wohlstand, in der ich mir alles leisten konnte, was ich wollte, zu – wenig Geld zur Verfügung zu haben, und mir überlegen müssen, was ich mir leisten kann.
• Das erste Mal in meinem Leben mich um einen Hausarzt kümmern zu müssen, da es einige gesundheitliche Probleme gibt. Mein Körper schränkt mich zum ersten Mal ein.
• Ein Bedürfnis nach Ruhe und Nichts-tun, das in einer täglichen Ambivalenz zum Gefühl des Tun-müssens steht. Dies erfordert Achtsamkeit und innere Erlaubnis – täglich.
• Mein auftauchender Wunsch meinen FreundInnenKreis zu verkleinern. Ich will mich niemanden mehr erklären müssen. FreundInnen, deren Achtsamkeit und Verständnis dem meinen entspricht. FreundInnen, die, wenn ich über etwas klage, einfach da sind und zuhören ohne sofort zu versuchen mich zu trösten oder Lösungsvorschläge zu machen. Einfach sein lassen. FreundInnen, mit denen es möglich ist, lebendig zu sein, Spaß zu haben und des Leben zu genießen.

Was mache ich?

• Nichts – wenn ich achtsam genug bin im Nichts zu bleiben. Wobei das Nichts-Tun im Außen abläuft. Innerlich tut sich sehr viel. Einmal habe ich es bereits gelernt – das Nichts-Tun. Nach meinem Ausstieg aus der ersten Berufslaufbahn habe ich mir zwei Jahre Auszeit genommen. Ich musste es mühsam lernen. Jetzt fällt es leichter. Ich erinnere mich.
• Ich bin noch immer am Einwurzeln. Mein Nussbaum im Garten macht es mir vor – mit seinen mächtigen unterirdischen Wurzeln in der Erde und der weiten Krone, die sich dem Himmel entgegenstreckt. Und – er ist einfach nur da.
• Ich denke nach und bin am Sammeln meiner alten Gedichte und Texte; am Nocheinmal-Eintauchen in Erlebtes für einen geplanten Gedicht-Band gemeinsam mit einer lieben Freundin; und als Autorin an einem geplanten Biographie-Buch über das Leben meiner Schwester und meines Lebens – uns Halbschwestern, die wir uns erst spät kennen lernten und deren Vater für die eine zehn Jahre in ihrem Leben war und für die andere (ich) 14 Tage. Und bei all dem – diesem Konvolut an Worten – in einer Leichtigkeit zu bleiben. Was geht, das geht und was nicht geht, geht nicht …
• Ich meditiere / mache nach langer Zeit wieder Yoga / sitze unter dem Nussbaum / schau den Wolken zu – und versuche im Nichts zu bleiben – täglich … 

Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser, bürgerlich: Friedrich Stowasser: „Ich weiß ganz genau, daß meine körperliche Konstitution nicht hervorragend ist … Also ich muß meine Kräfte sehr stark sammeln, um überhaupt zu Tätigkeiten zu gelangen. Ich kann mich nicht ablenken lassen …“

 

Foto: Mirjana Petricevic

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4 Kommentare zu „Wie sich mein Leben als 67-jährige gestaltet

  1. Liebe Monika,
    wie schön, dich zu lesen.
    Es strömt soviel Frieden aus deinen Worten. Ich denke nicht an den einfachen Frieden, wo alles so rund läuft. Den gibt es eh nicht. Aber den des Annehmens. Den des Auslebens dessen, was ist.
    Ich geniesse deine Worte, lausche ihnen nach und der Stille, die folgt.
    Sei gegrüsst, liebe Freundin,
    mirjana

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    1. Liebe Mirjana,
      danke dir für deine Worte, aber vor allem für dein Gesehenwerden. Ja, genau so ist es!

      Sei auch du gegrüsst, liebste Freundin – bin in Gedankan oft bei dir …
      Monika

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