Triest-Impressionen

DSC04141.JPG

Zurück aus Triest – der schönen und ambivalenten Stadt. Eine Stadt zwischen gestern und heute. „Triest ist eine Abstellkammer der Zeit“, sagt der berühmte Dichter der Stadt, Claudio Magris. Mitgebracht habe ich – außer dem Duft des Südens – eine Erzählung, Gedichte und Notizen.

Auf der Mole

Oder – Vom unendlichen Schauen – so könnte es auch heißen.

 

Jeden Abend sitze ich gute zwei Stunden oder mehr auf der Mole und schaue.

Ins Meer, den sich verändernden Himmel und die Sonne.

Wie habe ich mich gefreut, dass es da noch andere gibt, die ebenfalls sitzen und warten – auf den Sonnenuntergang. Nicht zu viele. Das wäre auch wieder störend, wenn da plötzlich Massen auftauchen würden. Aber doch einige – eine Hand voll. Wir alle halten unsere Smartphones in der Hand. Ein Fotoapparat ist ja schon fast ein Anachronismus. Obwohl man ihn hin und wieder noch sieht. Misstrauisch beäugt – hauptsächlich von sehr jungen Menschen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, was das ist.

Also – Smartphone. Ich halte es auch in der Hand. Aber die – die anderen – schauen darauf. Unentwegt. Nur manchmal machen sie einen Blick darüber hinaus um zu sehen, wie weit sie denn ist – die Sonne, mit dem Untergehen. Und ich denke mir, vielleicht schau ich die ganze Zeit umsonst. Vielleicht gibt es den ultimativen Augenblick der alle Augenblicke inkludiert. Vielleicht wissen die das. Und ich nicht. Ich hätte sie fragen sollen.

Dann gibt es noch die Fischer. Nicht viele. Nicht mehr als fünf. Die schauen auch. Aufs Wasser. Auf die Angel. Die sitzen noch länger als ich. Manchmal heben sie die Angel und werfen sie gleich wieder aus. Gekonnt. Sehr gekonnt. Man sieht, die machen das sehr oft. Aber es nutzt nichts. Ich habe nur einmal einen Fisch gesehen. Wenn man das kleine Ding schon als Fisch bezeichnen kann. Aber – bewundernswert – das viele ruhige Schauen.

Und hie und da ein junges Pärchen. Die schauen auch. Sich an. Aber auf den Sonnenuntergang warten sie auch. Damals mit M., haben wir das auch gemacht. Unser tägliches Abendritual. Eine Flasche Rotwein. Und die Hände nicht voneinander lassen können. Nein, ich war keine 18. Ich war 38, und er 24. Nein, keine kurze Sommerliebe. Eine Liebe, die in einem sonnigen Herbst begonnen und lange, wunderbare Jahre gedauert hat. Aber das wäre schon wieder eine andere Geschichte. Die Weite lädt ein zum Träumen.

Und dann – die Touristen. Gott sei Dank nicht viele. Denn bei der Mole gibt es vorne einen Schranken. Und da trauen sie sich nicht vorbei. Könnte ja verboten sein. Ich sehe sie immer wieder beratschlagen. Sollen wir oder sollen wir nicht. Und meistens – wie gesagt Gott sei Dank – gehen sie dieses enorme Risiko dann doch nicht ein. Und die wenigen, die sich trauen, ziehen eine Runde. Machen ihre Fotos und ziehen weiter. Darauf zu warten bis die Sonne untergeht, dauert dann doch zu lange. Das Abendessen ruft.

Und ich sitze und schaue und sauge jeden Augenblick auf. Mit jeder Zelle meines Körpers.

Ich lausche dem Meer. Dem Schlagen der Wellen gegen die alten Steinmauern. Hie und da ein Spritzer auf der Haut – nass, kühl, salzig.

Ich rieche das Meer. Ja, wie riecht es? Nach Salz und Seetang, nach Muschelkalk und Fisch; feucht, warm, angenehm. Aber vor allem riecht es nach unendlicher Weite, Freiheit und Abenteuer. Ja, so riecht das Meer. Für mich.

Ich sehe wie sich die Farben der Wellen verändern mit dem Sonnenstand. Von blau/weiß/grell glitzernd, über ein tiefdunkles rot/golden, bis zu rosafarben/hellblau.

Die Luft fühlt sich weich an auf meiner Haut.

Der Duft des Südens in meiner Nase.

Meine Augen suchen immer wieder die schmale Linie des Horizonts.

Die unendliche Sehnsucht in mir – ein endloses Träumen ohne Grenzen.

Hier finde ich es. Fast. Grenzenlos.

Und über allem der Schrei der Möven

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s