Meine Lebensbegleitung – die Melancholie

DSC02050.JPG

Gefühle willkommen heißen

Im Laufe meines Lebens habe ich gelernt mich allen Gefühlen hinzugeben und mich in ihnen wohlzufühlen. Nicht nur in Freude / Liebe/ Glück – auch in Trauer / Schmerz / Wut – und vor allem in meiner Melancholie.

Unterschied zwischen Depression und Melancholie

Es hat lange gedauert, den Unterschied zwischen Depression und Melancholie zu begreifen. Diese verschiedene Art von Zuständen. Ja, ich habe immer wieder depressive Phasen. Depression ist für mich eine schwere, bodenlose Traurigkeit, ein Hinabgleiten in ein Dunkel in dem es keinen Boden mehr gibt. Haltlos, mein Kopf wie in Watte gepackt – ich kann mich nicht konzentrieren, kann nicht kommunizieren und auch nicht nach Außen gehen. Ich bin nicht wirklich da. Es ist durchaus auch ein allgemeiner Weltschmerz. Erfreulicherweise werden diese Zustände jetzt im Alter immer kürzer.

Vom Glück des produktiven Traurigseins

Aber – ich wollte doch über meine Melancholie schreiben. Melancholie ist eine leise, leichte Traurigkeit. Ich möchte fast sagen, eine beschwingte Traurigkeit. Ich spüre – im Gegensatz zur Depression – den Boden unter meinen Füßen. Ich bin da.

„Melancholie – vom Glück des produktiven Traurigseins“ ist der Titel eines Salzburger Nachtstudios. Ich finde, das ist eine  passende Beschreibung für meine Erfahrung mit der Melancholie. Ich liebe meine Melancholie, ich schwelge in meiner Melancholie – und ja, so manches Mal macht sie mich auch glücklich. Wenn sie da ist, kann ich mich hineinschmiegen wie in eine weiche Tuchent. Ich liebe das Abtauchen in tiefere Dimensionen, Abgründe, Nachdenklichkeiten und in meine Seele.

Der Beginn

Ich denke, eine tiefe Traurigkeit, die zukünftige Melancholie, kam in mein Leben als ich 2 Jahre alt war und mein Vater uns verlassen hat. Ich kann mich nicht erinnern. Aber ich stelle es mir vor. Die Kleine von damals hat sich auch ein Stück von der Welt zurückgezogen, war lieber in ihren Märchenbüchern zu Hause, die ihr die Großmutter vorgelesen hat. Mit 5 konnte sie bereits lesen. Ihre Welt war der Garten der Großmutter und ihre Bücher.

Die Liebe zu den Büchern eine Lebenslange. Das Schreiben kam später dazu.

1964 Die Sehnsucht nach Liebe

Zum ersten Mal bewusst in mein Leben kam die Melancholie – wie könnte es anders sein – in meiner Pubertät. 1964 war ich 14 Jahre alt und zum ersten Mal verliebt. Damals machten meine Eltern und ich die ersten Urlaubsreisen nach Italien – Rimini, Riccione, Ravenna, Cesenatico! Diese fremden  Klänge allein weckten bereits Sehnsüchte. In der 14-jährigen damals auch die schmerzliche Sehnsucht nach Sommernächten am Strand im Arm ihres Liebsten. Ach, konnte der küssen! Unerfüllte und verbotene Sehnsüchte der 14-jährigen.

1964 veröffentlichten die BAMBIS (zwei Wiener und zwei Bayer!) ihre Liebeskummer-Schnulze „Melancholie“. Der Sänger der Band, Mandy Oswald, hatte einen italienischen Akzent angenommen, um die Sehnsucht nach einem Urlaub in Italien noch zu verstärken. Die Nummer lief rund um die Uhr – verbunden mit ewig feuchten Augen, viel Herzschmerz und Rückzug in die Tiefen der Welt der 14-jährigen. Das kam an. Nicht nur bei mir. Mit dieser Nummer schaffte die Band es, „A hard day’s night“ von den Beatles vom ersten Platz der österreichischen Charts zu verdrängen.

2017 Der Klang eines Schmerzes

Heute lässt mich Melancholie sehr genau hinschauen auf meine Erinnerungen – mit einem milden Blick. Sind es schmerzliche Erinnerungen, ist es nicht mehr der abgrundtiefe Schmerz – es ist eher ein Nachklingen eines Schmerzes. Der Klang eines Schmerzes. Sind es erfreuliche Erinnerungen, ist kein schmerzliches Sehnen danach da, sondern eine mehr oder weniger leise oder auch laute Freude darüber, dass dies in meinem Leben war.

Melancholie ist auch sehr oft die Muse für meine Gedichte. Manchmal ist es auch die reine Freude. Wenn ich mir meine Gedichte der früheren Jahre durchlese, war es zumeist der Schmerz.

Die Glücksforschung betont, dass Melancholie in unserer säkularen Welt vonnöten ist, denn wer Unglücklichsein nicht kennt, kann auch Lebenstiefe nicht wertschätzen.

Mein Bild dazu ist ein Pendel. Wenn ich das Pendel nicht vollständig / bis zum letzten Anschlag auf die eine Seite ausschlagen lasse (Schmerz / Traurigkeit), dann wird es auch nicht bis zum letzten Anschlag auf die andere Seite (Glück / Lust) ausschlagen.

Peak experience – Gipfelerlebnis! Grenzwanderungen von einem Gipfel zum anderen.

Aber, das ist schon wieder eine andere Geschichte …

 

Der Link zur Herz-Schmerz-Schnulze „Melancholie“ von den Bambis: https://www.youtube.com/watch?v=yPFyxiXJ9K

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s