Oktobertage

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Aus der wunderbaren Erzählung „Der Ofen“ von Falk Andreas Funke

>> (…) Und dann, wenn die Ofenzeit kommt, kann er zusehen, wie die Flammen hinter der Glasscheibe lecken, sich hermachen über das Räuberholz. Das Feuer ist ein heißhungriges Tier, dem er, Ansgar Blökecke, die Scheite zum Fraß vorwirft. Ab durch die Luke, hinein ins Geflacker. Wie schnell und gierig das Feuertier erst mal das Nadelholz und die Kiefernzapfen verschlingt. Damit beginnt das Anfeuern. Und dann – schon gemächlicher – geht es ans Buchenholz. Mit dem Buchenholz lässt es sich Zeit. Überzieht es mit flachen, blauen Flammen. Ein Orientteppich aus Gas. Das ist Genießertum, Holzfeinschmeckerei. Ja, so ein Küchenofen ist schon ein anderer Schnack. Urwärme. So was wie Großmuttergemütlichkeit. Und seine Großmutter hat ja immerhin noch mit Kohlen geheizt. Erinnerungen machen so schön, machen so bittersüß melancholisch.

(…) <<

(Veröffentlicht in der Literaturzeitschaft etcetera Nr. 65)

 

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Für die, die sich nach dem Meer sehnen

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Schiffe gleiten durch meine Träume,
Schwerbeladene Schiffe, über die Dächer.
Ich Armer
Sehne mich jahrelang nach dem Meer,
„Ich schaue und schaue und weine“.
Ich denke daran, wie ich die Welt zuerst sah.
Durch einen Haufen von Muschelschalen:
Das Grün des Wassers, das Blau des Himmels,
Die stachligsten bunten Fische
Noch jetzt fließt salzig mein Blut,
Wo mich die Austern geschnitten.
Wie sind wir ins Weite gelaufen
Wie toll mit dem schneeweißen Wellenschaum!
Dem Schaum, der kein böses Herz hat,
Dem Schaum, der den Lippen gleicht,
Dem Schaum, der mit den Menschen
Ehebruch treiben darf.
Schiffe gleiten durch meine Träume,
Schwerbeladene Schiffe, über den Dächern.
Ich Armer
Sehne mich jahrelang dem Meer.

(Orhan Veli, 1914 – 1950, türkischer Dichter und Erneuerer der türkischen Poesie)

Lou Andreas-Salomé

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Friedrich Nietzsche hat sie verehrt, Rainer Maria Rilke hat sie geliebt, Sigmund Freud hat sie bewundert. Sie hat sich von niemanden bestimmen lassen und war dabei bestimmende Kraft für Generationen nach ihr. Lou Andreas-Salomé. Hervorragendes Kino über eine der ungewöhnlichsten Frauen des 20. Jahrhunderts.
1861 in St. Petersburg geboren, begreift die junge Lou früh, dass sie als Ehefrau und Geliebte in der von Männern bestimmten Welt keine Chance hat. Sie ist ihrer Zeit weit voraus. Die extrem intelligente, emanzipiert denkende und höchst streitbare Frau wird Philosophin, Schriftstellerin und Psychoanalytikerin. 1933 lebt sie zurückgezogen in Göttingen und spricht mit dem Germanisten Ernst Pfeiffer über ihr Leben und ihre Beziehungen. Der Film bleibt nahe bei seiner Hauptfigur, beginnt 1933, springt in Rückblicken durch die Dekaden und lässt die Protagonistin von vier Schauspielerinnen verkörpern. Die Frauen spielen stark auf, allen voran glänzen Katharina Lorenz und Nicole Hesters.
Ein großartiges Portrait und inspirierendes Kino.

http://www.kino.de/film/wie-ich-dich-liebe-raetselleben-lou-andreas-salom/

Wollen wir uns das Bedingungslose Grundeinkommen leisten?

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Kommentar zur TV-Sendung „Gratis-Geld für alle – Soll der Staat unser Leben finanzieren?“

(Link am Ende des Kommentars)

Die BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen)-Frage wird zumeist auf die Fragen „Könnte sich der Staat das überhaupt leisten? Und würden Menschen dann noch arbeiten wollen?“ reduziert.
Auch in dieser Sendung.

Wobei die richtige Frage wäre – können / oder besser gesagt wollen / WIR uns das leisten?

„Der Staat“ hat kein Geld. Das vorhandene Geld, das von „Staatsdienern“ (unsere Angestellten, die WIR, das Volk, finanzieren) verwaltet wird, ist unser aller Steuergeld. Würden wir keine Steuern zahlen, hätte der STAAT kein Geld.

WIR finanzieren das BGE daher selbst. Es ist UNSER Geld das ausbezahlt wird, Und ja, wir können uns das leisten. Das Geld ist vorhanden. Es wird nur anders als jetzt verteilt. Gerechter.

Zur zweiten Frage: Ja, Menschen würden arbeiten. Anders und ohne Zwang. Wenn für das Einkommen – die existentielle Grundlage – gesorgt ist, kann man sich in Ruhe, ohne Druck und Zwang, entscheiden, was man machen möchte. Wenige wollen nichts machen. Die machen jetzt auch nichts. Und werden von einer reichen Gesellschaft wie wir sind, mitgetragen. Das können wir uns leisten.

Und – die Arbeit geht uns nicht aus. Alle, die jetzt Arbeitslos sind, könnten dort arbeiten, wo für Arbeit jetzt – nichts / oder sehr gering – bezahlt wird.

Es ist ARBEIT FÜR ALLE da.

Derzeit aber viel nicht bezahlte Arbeit, die daher nicht als Arbeit angesehen wird.
Der es im wahrsten Sinn des Wortes auch an Ansehen fehlt.

Z.B. die „freiwillige“ Pflege- und Sorgearbeit von Frauen. Dass diese Arbeit vielfach nicht wirklich freiwillig ist, da sie als Pflicht der Frauen gesehen wird, ist wieder ein anderes Thema. Dass sie zum Großteil von armutsgefährdeten Frauen verrichtet wird, ein weiteres.
Dies ist nur ein Beispiel.

Das BGE stellt viele Fragen und vieles in Frage. Die Diskussionen beginnen erst.

Wie in dieser Sendung sehr gut zu sehen / hören ist, wird durch das BGE auch ein anderes / neues Welt- und Menschenbild in den Vordergrund gestellt.

Von vielen Menschen aus der Zivilgesellschaft bereits in privaten Gemeinschaftsprojekten gelebt, ist es in der Politik noch nicht angekommen. Die Diskussion zwischen Gernot Blümel* und Daniel Häni* zeigt dies sehr deutlich. Bei dem einen das druck- und zwangorientierte Leistungsprinzip – im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen / wer nicht arbeitet soll auch nicht essen / Leistung muss sich wieder lohnen – dort den freien und selbstbestimmten Menschen.

Als Abschluss hier, denn es gäbe noch viel zu sagen, stellt das BGE auch die derzeitigen MACHTansprüche in Frage.

MACHT der zum Teil manipulativen Politik, der es nicht um das Gemeinwohl, sondern um Machterhalt geht. MACHT der ArbeitgeberInnen, die ArbeitnehmerInnen mit geringen Löhnen und der Angst vor Kündigung unter Druck setzen können.

MACHT von allen, die vom jetzigen System profitieren.

Somit hat das BGE auch eine Sprengkraft. Es ist eine kleine Pflanze, die sich durch zubetonierten Boden durchzwängt und sich nicht aufhalten lässt zu wachsen und zu blühen.

  • Gernot Blümel, Obmann ÖVP Wien
  • Daniel Häni, Unternehmer, Initiator des Schweizer Referendums über ein bedingungsloses Grundeinkommen

http://www.puls4.com/pro-und-contra/videos/ganze-folgen/Ganze-Folgen/Gratis-Geld-fuer-alle-Soll-der-Staat-unser-Leben-finanzieren-373520

 

Herbst

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Es wird Herbst.
Man fürchtet sich vor Kastanien
und anderen Früchten
die aus den Bäumen fallen.
Dagegen
hält man die Hand über den Kopf
oder trägt einen breitkrempigen Hut.
Baum- und Heckenschützen
haben es schwerer:
sie werden leichter entdeckt.
(Gert Jonke)