Für die, die sich nach dem Meer sehnen

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Schiffe gleiten durch meine Träume,
Schwerbeladene Schiffe, über die Dächer.
Ich Armer
Sehne mich jahrelang nach dem Meer,
„Ich schaue und schaue und weine“.
Ich denke daran, wie ich die Welt zuerst sah.
Durch einen Haufen von Muschelschalen:
Das Grün des Wassers, das Blau des Himmels,
Die stachligsten bunten Fische
Noch jetzt fließt salzig mein Blut,
Wo mich die Austern geschnitten.
Wie sind wir ins Weite gelaufen
Wie toll mit dem schneeweißen Wellenschaum!
Dem Schaum, der kein böses Herz hat,
Dem Schaum, der den Lippen gleicht,
Dem Schaum, der mit den Menschen
Ehebruch treiben darf.
Schiffe gleiten durch meine Träume,
Schwerbeladene Schiffe, über den Dächern.
Ich Armer
Sehne mich jahrelang dem Meer.

(Orhan Veli, 1914 – 1950, türkischer Dichter und Erneuerer der türkischen Poesie)

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