Das Leben lebendig leben

Über das Loslassen

wegweiser-1

 

Wieder einmal stehe ich an einer Wegkreuzung.

Viele Wegweiser. Sie weisen in verschiedene Richtungen. Ich kann mich nicht entscheiden. Vielleicht ist es auch ein Weg ohne Wegweiser.

Ein Feld- und Wald- und Wiesenweg.

Ein Weg der noch nicht erkennbar ist.

 

Was zu Ende gegangen ist:

Vor zwei Jahren habe ich nach 25 Jahren mein Hand- und Seelenwerk als Psychotherapeutin beendet.

Eine lange Zeit …

Jetzt bin ich dabei, nach 30 Jahren mein Engagement und mein Tun in der Zivilgesellschaft zu beenden. Auch ein einjähriges Hineinschnuppern in parteipolitische Arbeit.

Eine lange Zeit …

Nach 40 Jahren Wandertum, bin ich seit einem Jahr sesshaft. Das eine ausgekostet. Dem anderen nähere ich mich vorsichtig an.

Meine Mutter ist vor zwei Jahren verstorben.

Nun bin ich die nächste in der Reihe.

 

Die wenigen Jahre, die noch bleiben.

Der Tod.

Das nicht mehr da sein kommt mir nahe.

Vertrocknete Blätter fallen vom Nussbaum.

Nichts anderes.

Es wird nicht anders sein.

Was ich spüre ist, dass all dies von mir Gelebte zu Ende ist. Mein Herz nicht mehr dabei ist.

Vielleicht noch mein halbes Herz. Aber das reicht nicht.

Wenn etwas zu Ende geht, entsteht ein leerer Raum, der sich vielleicht nicht gleich füllt, weil das Neue noch nicht da ist. Eine Wartezeit …

Wenn für etwas was wir leben, keine Energie mehr da ist / wenn wir nicht mehr mit dem Herzen dabei sind, spüren wird das. Übrigens – andere auch.

Es wird leblos

Es stirbt

Ein natürlicher Prozess

 

Und doch sehe ich vielfach, wie Menschen versuchen etwas festzuhalten, was nicht mehr stimmt / etwas am Leben zu erhalten, was schon lange gestorben ist

Beziehungen / Freundschaften / Arbeitsplätze / Wohnorte / Jungsein / Lebenspläne / Gefühle / Verhaltensmuster  etc. etc.

Alles was nicht mehr passt bindet Energie

Loslassen setzt Energie frei für Neues

Manchmal fühlt sich das Loslassen an wie im freien Fall zu sein / macht unsicher / macht Angst /

Freiheit die unsicher macht

Dabei ist lebendiges Leben selbst andauernde Veränderung

Warum macht Veränderung Angst?

Weil Loslassen auch Abschiednehmen heißt / weil’s auch traurig macht / weil keine Energie für das Neue vorhanden ist, solange das Alte nicht losgelassen worden ist

 

Ich bin nur mehr müde

Klagte ich

Bis mir bewusst wurde

Dass ich alte Wege verlassen muss

Alte Wege, die mir sehr lieb sind

Neue Wege wollen beschritten werden

Ich kenne den Weg nicht

Und doch

Fühlt es sich leicht an

 

Einer meiner besten und liebsten Freunde ist mit 40 Jahren an Darmkrebs gestorben. Darm hat für mich mit Loslassen zu tun. Wenn man nicht loslässt, kommt nichts raus. So einfach ist das. Seine Worte habe ich in Erinnerung. Er sagte: „Ich versteh’ das nicht. Wenn dir etwas nicht mehr passt, dann lässt du es einfach. Du drehst dich um und gehst weiter. Wie machst du das bloß?“

Die wenigen Jahre unseres Lebens, sollten wir doch damit verbringen, mit Menschen zusammen zu sein mit denen wir es gut haben / etwas tun, das wir gerne tun

Zufriedenheit / beglückende Momente zu erleben / zu lieben

Besonders leicht ist es mit dem Loslassen, wenn wir mit uns selbst im Ein-Klang sind.

Zwei-Klang, oder wie viele Klänge auch immer, genießen – sie aber nicht brauchen …

Mit sich selbst im Ein-Klang

Für sich selbst klingen

Klingt das nicht gut?

SupercalifragilisticexpialidociousGut

Das Leben lebendig leben

4 Gedanken zu “Das Leben lebendig leben

  1. Der einzige Mensch, mit dem ich bis zum letzten Atemzug leben muss, der bin ich selbst. Von allen anderen darf, kann, muss ich mich trennen.
    Da die menschliche Natur vielschichtig ist und äußere Einflüsse dazu addiert werden müssen, gestaltet sich das Leben und die damit verbundenen Entscheidungen oft kompliziert.
    Wer am Ende nicht loslassen kann, wird verbittert werden. Wer losgelassen hat, der hat die Chance, weise zu werden.
    Doch letztendlich ist es ein Trugschluss, daß das Leben im Alter endet. Es kann von einer Sekunde auf die andere vorbei sein! Fazit: hören wir endlich damit auf, so zu tun und zu handeln, als sei es für die Ewigkeit. Genießen wir den Wimpernschlag Gottes, der uns geschenkt ist. Und das mit Gelassenheit (kommt von gehen lassen) und viel Liebe zu uns selbst.

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  2. Liebe Monika! Besser könnte man es nicht beschreiben!
    Super toller Text! Und eigentlich könnte Loslassen doch so einfach sein, wenn man sich nicht dauernd selbst im Weg stehen würde.

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    1. Liebe Lydia! Danke für Deinen Kommentar ❤
      Ja, so einfach ist es. Wenn man etwas Vor-Arbeit leistet, um sich bewusst zu machen, womit man sich da eigentlich dauernd im Weg steht. Ist am Anfang nicht immer einfach, aber mit der Zeit hat man ja Übung 😉
      Und dann, ab die Post! Wünsch ich Dir 🙂

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